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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Jetzt fransen sie so langsam schon wieder aus, die guten Vorsätze. In der zweiten Woche des neuen Jahres, da esse ich schon wieder weniger Äpfel, hetze morgens zum Bus, statt rechtzeitig aus dem Haus zu gehen, und ich jogge dafür abends seltener. Und das geht wohl nicht nur mir so. Die guten Vorsätze halten bei vielen Menschen nicht so arg lange vor. Ich kann mich noch an eine Meldung aus den letzten Jahren erinnern: Da hieß es: Zu Jahresbeginn sind die Anmeldungen in den Sportstudios sprunghaft gestiegen. Allerdings ist die Anzahl der Leute, die das Studio dann nutzten, nach wenigen Wochen auch schon wieder sprunghaft gefallen. So ist das eben mit den guten Vorsätzen: Sie gehen in der Regel nicht lange gut.

Ich hab mir deshalb eines diesmal besonders vorgenommen: mir weniger vorzunehmen! Frei nach einer bekannten Werbung: Ich darf so bleiben, wie ich bin! Bleib so, wie du bist! Das ist eine sehr schöne und beruhigende Botschaft, und sie hat für mich nicht zuletzt mit meinem Glauben zu tun. Natürlich: Auch mein Glaube gibt mir Gebote und gute Vorsätze mit auf den Weg: Achte auf deine Gesundheit, pass auf dich auf und auf deinen Nächsten! Aber eigentlich gibt es da noch etwas Wichtigeres als alle diese Vorsätze. Eigentlich steht über all dem ein anderes Motto. Du bist gut so, wie du bist! So wie du bist, mag dich der liebe Gott. Er hat dich schließlich auch geschaffen. Das kann man in der Bibel oft genug lesen. Gleich am Anfang zum Beispiel: „Siehe, es war sehr gut“, heißt es da nach der Erschaffung des Menschen (vgl. Genesis 1,31). Da steht nicht: „Für den Anfang ist der Mensch schon mal ganz ok, aber jetzt muss er noch ein bisschen sportlicher und freundlicher werden.“ Nein, da steht: „sehr gut“.

Mir sagt das: Ich darf und soll mich als erstes genau so annehmen, wie ich bin. Mit all meinen Macken und Unvollkommenheiten – und auch mit all dem, was ich immer wieder versuche und was mir dann doch nicht gelingt. So, wie Gott es tut. Mir selber fällt das immer mal wieder schwer. Und deswegen ist es vielleicht gar kein so kleiner Vorsatz: mir eben nichts groß vorzunehmen. Sondern mich stattdessen so zu nehmen, wie ich bin.

 

 

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