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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Offiziell ist sie abgeschafft, die Sklaverei. Und daran will man heute am „internationalen Tag der Abschaffung der Sklaverei" erinnern. Denn heute vor 62 Jahren, am 2. Dezember 1949 hat die UNO die Konvention über die Bekämpfung des Menschenhandels verabschiedet. Gut, dass sie somit offiziell und weltweit geächtet ist, die Sklaverei. Schlecht, dass es sie immer noch gibt. Vielleicht sogar mehr als in früheren, vergangenen Epochen der Geschichte. Die weltweite Globalisierung hat dazu geführt, dass auch der illegale Menschenhandel heute weltweit betrieben wird. Die UNO schätzt, dass jährlich mehrere Millionen Menschen von Schleppern und Menschenhändlern verkauft werden. Davon sind 80 % junge Frauen und Kinder. In Asien werden sie meist zu Arbeitssklaven gemacht, in Europa und den USA als Sexsklaven missbraucht und in arabischen Ländern werden sie für niedrige Dienste gekauft, oft verbunden mit sexuellem Missbrauch.
Allein mit der Verabschiedung einer Konvention ist es eben nicht getan. Papier ist bekanntlich geduldig. Und deshalb kann ich heute - am Internationalen Tag der Abschaffung der Sklaverei - auch nicht feiern. Sondern ich möchte Klagen. Klagen darüber, dass Menschen Menschen verkaufen. Sie die Würde des andern missachten, in dem sie ihn als Handelsware behandeln. Doch ich gebe zu, auf Menschenhändler und Schlepper lässt sich leicht schimpfen. Aber die Arbeitssklaven in Asien nähen die billigen T-Shirts, die es auch bei uns zu kaufen gibt und die Sexsklavinnen aus Osteuropa, Asien und Lateinamerika füllen die Bordelle bei uns in Deutschland. Im Schöpfungsbericht der Bibel wird der Mensch als Ebenbild Gottes betrachtet. Ich glaube daran, dass sich in jedem Menschen Gott widerspiegelt. Gerade und besonders in denjenigen, die versklavt und missbraucht werden.

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