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SWR4 Abendgedanken BW

„Am Heiligen Abend gehen wir auf den Friedhof." Geradezu begeistert schildert mir ein junger Mann, wie er, seine Freundin und die ganze Familie am Heiligen Abend auf dem Friedhof stehen, Kerzen und Fackeln leuchten, der Musikverein spielt, und es herrscht eine ganz besondere Stimmung. Einen Pfarrer brauche man nicht, sagt er, die Familie spüre ihr Zusammengehören, auch mit den Verstorbenen.
Anscheinend sind sie nicht die einzigen, die das so machen. Mit fällt auf, dass viel mehr Menschen besonders an Feiertagen auf den Friedhof gehen als in die Kirche. Und nicht nur wegen einer Trauerfeier. Und nicht nur am Volkstrauertag, sondern an Weihnachten oder an Ostern.
Ich glaube, das Zusammengehören der Familie im privaten Kreis hat seine Bedeutung, auch die Erinnerung an die Menschen, die einmal dazu gehört haben. Der Gottesdienst in der Kirche, etwa am Heiligen Abend mit der Christvesper ist etwas anderes und hat damit nichts zu tun.
Sicher: Eine Feier auf dem Friedhof am Ostermorgen kann ich mir gut vorstellen. Denn da gehören Abschied und Trauer in besonderer Weise zusammen mit der christlichen Hoffnung durch den Sieg Jesu über den Tod.
Aber an Weihnachten ist das für mich anders. Da blicke ich nicht zurück. Da hat das Licht in der Dunkelheit eine besondere Leuchtkraft. Da brauche ich aber auch die Botschaft von der Ursache dieses Lichtes, woher es kommt und was es mir sagen will. Die Botschaft der Engel, dass Gott in einem menschlichen Wesen, in einem Kind in einer Krippe den Menschen ganz nahe gekommen ist, ist für mich Grund der Freude, daran möchte ich teilhaben, dabei möchte ich mitfeiern: mit Liedern und Geschichten, mit den alten Texten aus den Weihnachtserzählungen und den Menschen, die in der biblischen Weihnachtsgeschichte eine besondere Rolle spielen. Dann kann ich auch genießen, was sich die meisten Menschen für diese Tage wünschen: die Gemeinschaft mit anderen, die Zeit für einander und eine große Pause nach all der Hektik der vorangegangenen Tage.
Wenn ich nun an das bevorstehende Weihnachtsfest denke, dann glaube ich, dass es gut ist, wenn beides zusammenkommt: das Gedenken an die Verstorbenen, die Gemeinschaft der Menschen, die zu mir gehören und die Pflege der Zusammengehörigkeit mit anderen auf der einen Seite. Und andererseits die Botschaft, dass Gott den Menschen ganz nahe ist. Dies ist das Licht, das in die Dunkelheit unseres Lebens hineinstrahlt und es begleitet.
Ich lade Sie deshalb schon heute ein: Planen Sie im Blick auf die Festtage auch den Gottesdienst mit ein.

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