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SWR4 Abendgedanken RP

„Die besten Beerdigungen der Welt" - so heißt ein Kinderbuch. Ich habe es den Kindern in der Grundschule einmal vorgelesen. Es handelt von Kindern, die mit dem Tod konfrontiert werden, als ihr Haustier stirbt. Instinktiv spüren sie, dass jetzt etwas zu tun sei. Und so gründen sie kurzerhand im Spiel ein Bestattungsinstitut, in dem jedes Kind seine Rolle zugewiesen bekommt. Es wird erzählt, dass Ester fürs Schaufeln zuständig ist, „ich" für ein Gedicht am Grab und der kleine Putte soll dazu weinen. Auf diese Weise gelingt es den Kindern, ganz natürlich und unsentimental von ihren geliebten Tieren Abschied zu nehmen und sie würdevoll zu beerdigen.
Die schönen Bilder und Texte in dem Buch erinnern mich daran, wie ich als Kind mit dem Tod umgegangen bin. Nämlich unbefangen. Der Tod gehörte irgendwie dazu und war unser ständiger Begleiter. Später veränderte sich dieser Umgang. Der Tod wurde mir fremd, machte mir Angst. Wie die meisten Menschen wollte auch ich ihm ausweichen. In Zeiten des Studiums und der praktischen Ausbildung als Pfarrer musste ich dann wieder mühevoll lernen, den Tod an mich heranzulassen und ihm nicht aus dem Weg zu gehen.
Die Geschichte von Ester, Putte und den anderen Kindern ist eine anrührende Geschichte, die zeigt, wie entspannt und unverkrampft Kinder mit dem Tod umgehen.
Übermorgen ist Totensonntag. In der evangelischen Kirche heißt dieser Tag auch Ewigkeitssonntag. Denn nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern Gottes Ewigkeit. Und daran glaube ich: dass unsere lieben Verstorbenen nicht einfach nur tot sind. Sie sind bei Gott in guten Händen, auch wenn der Abschied von ihnen alles andere als einfach war und ist. Auch wenn die, die zurückbleiben sich einsam und hilflos vorkommen. Gott hat uns versprochen: einmal wird die Welt ohne Leiden und Schmerz sein, ohne Trennung und Tränen. Einmal wird der Tod seinen Schrecken verlieren. Die Bibel nennt das „einen neuen Himmel und eine neue Erde", und „Gott mitten unter den Menschen".
Wenn Sie einen lieben Menschen verloren haben und am Sonntag sein Grab besuchen, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie die Kraft spüren, die in diesem Versprechen liegt. Und: dass Sie irgendwann so entspannt und unverkrampft mit dem Tod umgehen können wie die Kinder in ihrem Spiel.

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