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SWR4 Abendgedanken RP

- was ein Kletterwald uns lehren kann
Über sich selber hinauswachsen - das ist eine ganz wunderbare Erfahrung. Wie das ist, habe ich vor kurzem in einem Kletterwald erlebt. Da war ich mit meinen Konfirmanden. Ein Kletterwald, das ist ein wunderbarer Ort, um in der Natur die eigenen Grenzen auszutesten und dabei mit anderen viel Spaß zu haben. Gemeinsam haben wir die höchsten Baumwipfel erklommen und einen Parcours nach dem anderen absolviert. Das war manchmal gar nicht einfach. Jeder von uns kam früher oder später an seine Grenzen. Aber aufgegeben hat niemand. Es war schön zu sehen, wie meine Konfirmanden regelrecht über sich selbst hinausgewachsen sind. Wie mutig - und auch ein bisschen ängstlich - sind sie in ihren Sicherungsgurten gehangen. Manchmal haben sie sich nur mit letzter Kraft auf die nächste Plattform gerettet. Unterwegs haben sie sich gegenseitig geholfen. Haben sich unterstützt und angefeuert. Waren stolz auf ihre Leistung und hatten hinterher eine Menge zu erzählen. Unseren Ausflug in den Kletterwald werden sie noch lange in Erinnerung behalten.
Für mich kommt in diesem Gemeinschaftserlebnis zweierlei zum Ausdruck: es ist wichtig, die eigenen Grenzen kennen zu lernen. Und sie zu akzeptieren, vielleicht sie hier und da auch einmal zu überschreiten. Und zweitens: Als Teil einer starken Gemeinschaft kann man über sich selbst hinauswachsen. Es braucht im Leben solche Erfahrungen, in denen ich merke: Ich kann mehr, als ich eigentlich dachte. Und die anderen meinen es gut mit mir. Sind genau wie ich auf dem Weg und helfen mir, damit wir gemeinsam an unser Ziel kommen.
Auf der Fahrt nach Hause habe ich meine Konfirmanden gefragt: Was war denn für euch am Besten? Einer sagte: mir hat es vor allem deshalb solchen Spaß gemacht weil ich nicht alleine war. Mit den anderen ist es viel lustiger gewesen.
Und ich frage: Ist das mit der Kirche und dem Glauben an Gott nicht ganz genau so? Um an Gott zu glauben, brauche ich keine anderen Menschen. Aber in der Gemeinschaft mit anderen glaubt es sich viel besser. Denn dann bekommt mein Glaube Hand und Fuß. Wenn ich z.B. mit anderen gemeinsam Gottesdienst feiere oder mich für Alte und Kranke einsetze. Oder wenn ich Jugendlichen einen Ort biete, an dem sie sich wohlfühlen und Zeit verbringen können mit Freunden. Und wenn ich Schönes und Trauriges mit anderen teilen will, gilt das auch. Gemeinsam hangeln wir dann von Ast zu Ast und wachsen über uns selbst hinaus.

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