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SWR3 Gedanken

Vierzehnheiligen. Echten Fans barocker Kirchen huscht bei diesem Namen ein verklärtes Lächeln übers Gesicht. Die Klosterkirche in der Nähe von Bamberg ist ein Höhepunkt dieser Stilepoche. Lichtdurchflutet, gefüllt mit barocken Bilderwelten. Man weiß kaum, welches Bild man sich zuerst anschauen soll. Die Wände, die Decken. Überall werden in bunten Farben Geschichten erzählt. Zum Gottesdienst kam man nicht selten wohl auch, um zu schauen.
Im Zeitalter von Youtube und anderem klingt das eher drollig. Denn heute ertrinken wir geradezu in Bilderfluten. Wo man früher noch mühsam zusammengestellte Fotoalben zeigte, gibt es heute Datenbanken mit hunderten, ja tausenden von Fotos. Ich ertappe mich nicht selten dabei, dass ich gar nicht mehr genau hinschaue. Trotz aller Faszination - vielleicht gibt es auch ein Zu-viel. Man kann wohl auch übersättigt sein von Bildern. Wer zu viel in sich reinstopft, dem wird halt irgendwann übel. Du sollst dir kein Bild machen, klingt da jedenfalls schon ziemlich seltsam. Im ersten der zehn biblischen Gebote steht dieser Satz: Du sollst dir kein Bild machen. Kein Bild von Gott. Es gibt nämlich einfach keines. Keines zumindest, das man anschauen, retourschieren, beurteilen könnte. Der Gott der Bibel als einer, der sich all unseren Bilderfluten einfach entzieht, seit Menschengedenken. Interessant finde ich diesen Gedanken und auch geheimnisvoll. Irgendwie so, wie ich mir Gott vorstelle.

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