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SWR3 Gedanken

Was macht ein renommierter Musikjournalist, wenn er eines Tages keine Musik mehr hören kann? Wenn sie ihn regelrecht ankotzt, er sie einfach nicht mehr erträgt.  Er zieht den Stecker raus, setzt sich in seinen Garten uns lauscht. Der Engländer David Toop hat das erlebt. Einer, der jeden Tag den neuesten musikalischen Trends hinterhergejagt war, muss erst mal raus. Beschließt von Stunde an, dass es viel interessanter ist, den Schnecken beim Fressen zuzuhören, als den neuesten Ergüssen des Musikmarktes. Der Mann sitzt tatsächlich stundenlang in seinem Garten und hört. Hört Dinge, die er gar nicht mehr wahrgenommen hat. Das leise Rauschen der Blätter, summende Insekten und eben die Schnecken. Er ist fasziniert von dieser leisen Welt um ihn herum, erschließt sie sich noch mal ganz anders mit seinen Ohren.  Mich hat seine Geschichte fasziniert. Weil ich das selber kenne, wenn ich nach getaner Arbeit im Garten hinter meinem Haus sitze. Einfach mal abschalten kann. Nicht noch drei Dinge nebenher im Kopf wälzen muss. Es schaffe, mal nur dem zu lauschen, was da zu hören ist. Herrlich. Wenn mir das wirklich gelingt, dann ist es die pure Meditation. Selbst, wenn es nur ein paar Minuten sind. Statt ständigem Multitasking also Konzentration auf den Augenblick, auf das was gerade jetzt, und nur jetzt dran ist. Nicht immer, aber immer wieder mal. David Toop übrigens, der renommierte Musikexperte, hört inzwischen wieder gern Musik. Eine Weile den Schnecken zu lauschen - ihm hat das offenbar richtig gut getan.

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