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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Stau, wohin das Auge reicht. Wer kennt das nicht. Da fährt man mit Schwung zum nächsten Termin, zur Arbeit und wird plötzlich ausgebremst. Das nervt und meine Geduld ist da schnell zu Ende.
Ich fahre dann lieber von der Autobahn runter, quäle mich mit dem Navi über Landstraßen, stehe vor roten Fußgängerampeln und vor geschlossenen Eisenbahnschranken. Schließlich fahre ich hinter dem Stau wieder auf die Autobahn und stehe vor einem LKW, den ich schon mal überholt habe. Meine Ungeduld hat nichts gebracht.
Geduldig sein, das fällt mir nicht leicht - nicht nur auf der Autobahn, auch im Alltagsgewimmel. Vor allem mit Leuten, die ein bisschen langsamer sind. Warum dauert das immer so lange, bis sie fertig sind? Warum sind die Probleme nicht schon längst gelöst? Geduld ist nicht so meine Sache.
„Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein", so steht es in der Bibel. Das Lied stammt aus einer Zeit, als in Israel alles in Trümmern liegt. Die Hauptstadt Jerusalem ist zerstört. Kein Ende der Tragödie in Sicht. Da stimmen die Israeliten ein Klagelied an und singen: Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein. Gerade in dieser Situation entdecken sie neu die Geduld, das Abwarten.
Allerdings geht der Satz noch weiter. Da heißt es: „Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen". Beides gehört zusammen. Geduldig sein, Grenzen akzeptieren und darauf vertrauen, dass Gott die Dinge doch zum Guten führen will. Gott ist ja nicht fern. Gott ist da und er tut etwas. Ihm ist das Leben seiner Geschöpfe wertvoll - auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Und so werden sich die Umstände wieder zum Guten verändern - mit ein bisschen Geduld.
Gewiss, ein Stau auf einer Autobahn ist nichts Tragisches - da gibt es viel Schlimmeres. Und doch kann man in einem Stau wunderbar einüben, geduldig zu werden: Mit Problemen, mit Menschen, mit allem, was sich in den Weg stellt. Vielleicht ist man am Ende sogar schneller am Ziel, wenn man nicht nervös auf Landstraßen ausweicht und Umwege sucht. Vielleicht bringt gerade Geduld am schnellsten und besten zum Ziel. Mit guter Musik im Radio und Gottes Hilfe.

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