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SWR2 Wort zum Tag

Ein eigenes Fahrrad haben  - das war früher für viele ein Herzenswunsch, der keineswegs sofort in Erfüllung ging. Die Älteren können vielleicht noch daran erinnern, wie mühsam es war, bis man sich so ein Rad zusammengespart hatte ... aber wenn man dann das erste Mal drauf saß, war das Glück oft grenzenlos. Ein Fahrrad, das war gleichbedeutend mit Freiheit. Einfach losradeln können, wohin man wollte. Mit einem Schlag erweiterte sich der Erlebensradius. Die Welt lag einem gewissermaßen unter den Rädern....
Mit Freunden zusammen irgendwohin ins Freie radeln, unterwegs ein zünftiges Vesper und vielleicht eine Abkühlung in einem Bach, bei einem Bauern im Zelt auf der Wiese übernachten und  nachts die Sterne betrachten - das war damals für Jugendbewegte Abenteuer und Glück schlechthin. 
Wer mit dem Rad fährt, kann nicht viel Gepäck mitnehmen und muss sich gezwungenermaßen auf das Nötigste beschränken - darin liegt auch die Chance, innerlich Ballast loszuwerden. Dann kann die Seele frei werden, um etwas Neues zu erleben. Das gilt selbstverständlich nicht nur für´s Radfahren. Wer wirklich etwas Neues erfahren will, der muss manches Altbekannte zurücklassen. Das ist Einstellungssache und an kein Alter gebunden. 
In der Bibel steht z.B. die Geschichte von Abraham. Er lebte mit seiner Großfamilie in Ur  im sogenannten Zweistromland - im heutigen Irak. Ein angesehener Mann, der es zu etwas gebracht hatte. Doch Abraham fehlte etwas: er hat keine Kinder. Nach damaliger Vorstellung bedeutete das: er hatte keine wirkliche Zukunft mehr vor sich. Sein Leben drehte sich immer im altbekannten Kreis. Doch dann vernimmt er einen Ruf: „Abraham, brich auf in das Land, das ich dir zeigen werde." Gott ruft ihn. Und Abraham muss alles zurücklassen, um Gottes Ruf zu folgen, seine Heimat, seine Großfamilie, seinen angestammten Platz. Obwohl er schon alt ist, bricht er  zusammen mit seiner Frau auf. Ein unglaubliches Hoffnungsbild - gerade auch für ältere Menschen. So kann für Abraham und Sara noch einmal etwas Neues beginnen. Weil sie die alten Vorstellungen hinter sich lassen, wie Gott zu sein hätte, begegnen sie ihm in einer Unmittelbarkeit, die sie früher kaum zu erahnen hofften - jeder auf seine eigene Weise. So bekommt ihr Leben noch einmal Weite und Zukunft in diesem Land der Verheißung - im Vertrauen, dass Gott noch etwas mit ihnen vorhat.

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