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SWR2 Wort zum Tag

Für junge Leute ist der Übergang zum Erwachsenenleben meistens damit verbunden, dass sie den Führerschein machen und dann endlich selbst Auto fahren dürfen. Das entspricht dem jugendlichen Freiheitsdrang, denn das Auto ist für viele das Symbol von Freiheit und Unabhängigkeit. Es macht Spaß, aufs Gaspedal zu treten und so die eigene Geschwindigkeit um ein Vielfaches zu steigern, und hinzufahren, wohin man möchte...
Wie man so ein Auto bedient, ist dabei schnell erlernt. Schwieriger ist es schon, in Theorie und Praxis zu einem umsichtigen Fahrer zu werden, der sich und andere nicht gefährdet, weil er die Regeln des Straßenverkehrs kennt und sich auch daran hält. So ein Führerschein scheint mir ein gutes Bild dafür zu sein, dass wir lernen müssen, mit unserer Freiheit umzugehen. Ein Gedanke, den ich meinem Patensohn, der jetzt den Führerschein macht, mit auf den Weg gegeben habe. Beim Autofahren ist z.B. unverzichtbar: der Rückspiegel. Ohne ihn könnten wir kaum den Verkehr im Blick behalten. Sich selbst und die anderen im Spiegel zu sehen, das ist ein altes Symbol für die menschliche Fähigkeit zur „Reflexion", zum selbstkritischen Nachdenken. Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was wollen die anderen? Wo kreuzen sich unsere Wege? Wir brauchen Ziele im Leben. Aber sie ohne Rücksicht auf andere zu verfolgen, gefährdet letztlich auch das eigene Leben. Gott sei Dank hat jedes Auto Scheinwerfer für die Fahrt in der Nacht. Das ist auch ein gutes Bild. Was hilft mir, mich zu orientieren? Mir sind diese zwei „Scheinwerfer" besonders wichtig. Zum einen: es kommt auf mich an. Ich bin für mein Leben verantwortlich und niemand kann es mir abnehmen. Mir ist diese Freiheit geschenkt und auch zugemutet.  Aber ich weiß natürlich auch, dass ich mein Leben nicht einfach selbst bestimme.  Es gibt so viel, an Gutem wie an Schlimmem, was mir einfach widerfährt, ohne dass ich es beeinflussen kann. Doch ich habe die Hoffnung, dass ich in allem, was geschieht, von Gott gehalten bin. Das ist der zweite Scheinwerfer. Beide zusammen helfen mir, die Orientierung nicht zu verlieren, auch wenn ich nicht weiß, was die Zukunft bringt. Für den Führerschein muss man also eine Prüfung bestehen. Auch das Leben hält immer wieder Prüfungen bereit. Wenn wir uns ihnen stellen, können wir daran wachsen und unsere Freiheit tiefer erfahren. Vielleicht werden wir dadurch so etwas wie Fahrlehrer für andere. Fahrlehrer, die ruhig daneben sitzen können und ihrem Fahrschüler die Sicherheit vermitteln: du kannst es schaffen.

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