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SWR3 Gedanken

Er leidet furchtbare Qualen, eine unheimliche Macht tobt in ihm, wie ein gehetztes Tier rennt er durch die Straßen. Die Leute haben Angst vor ihm: „Dieser Mensch ist von allen guten Geistern verlassen. Was ist nur in ihn gefahren?" So treibt es ihn herum, ziellos streift er umher, nirgends findet er Ruhe.
Die Bibel erzählt wie eines Tages nun Jesus mit seinen Jüngern vorbeikommt. Wie ein Wilder rennt der Mann zum Ufer hinab und wirft sich vor Jesus nieder. Gequält schreit er: „Was willst du von mir, Jesus, Sohn Gottes? Ich bitte dich: Quäle mich nicht!"
Jesus schaut ihn voller Mitleid an. Er sieht, wie er außer sich ist, quasi besessen von einer dunklen Macht und ruft zornig: „Du dunkle Macht, lass diesen Menschen los! Fahr dort drüben in die Schweineherde - da magst du wüten; aber lass diesen Menschen in Ruhe!"
Da ist es, als ob unsichtbare Ketten sich lösen. Endlich ist der Mann von seinen Qualen erlöst; ruhig setzt er sich Jesus zu Füssen.
Diese Geschichten werden manchmal etwas abfällig Wundergeschichten genannt und gemeint ist: Wundergeschichten sind was für Kinder und Einfältige. Und doch entbehren sie ja nicht einer gewissen Aktualität, wenn man sich zum Beispiel die Gesundheitsdiskussion in unserem Lande anguckt.
Man hat den Eindruck, als ob die klassische Medizin uns Menschen als eine Art Maschine ansieht. Der Mensch besteht sicherlich aus einem Körper, mit all seinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten, der Mensch besteht aber auch aus einem Kopf und seinen Gedanken und Überlegungen, aus einem Herz mit seinen Gefühlen und Erinnerungen - und der Mensch hat eine Seele und mit ihr spirituelle Erfahrungen. All das sollten wir beachten bei unserer Suche nach alternativen Heilmethoden, die den ganzen Menschen wahrnehmen und alle seine Aspekte: Körper und Kopf, Herz und Seele in Einklang bringen.

Neukirchener Kinderbibel von Irmgard Weth; Mk 5,1-20/Lk 8,26-39

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