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SWR2 Wort zum Tag

Wie viel Migration verträgt Deutschland? Wie können vor allem Muslime integriert werden? Vor einem guten Jahr wühlten diese Themen Deutschland auf. Anlass: Das Buch „Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin. Bis heute ist die Diskussion nicht verebbt. Vieles ist Klischee. Aber die brennende Frage bleibt: Wie können Menschen aus unterschiedlichen Traditionen, Kulturen und Religionen zusammenleben? Ich erlebe ganz praktisch, wie das funktioniert. Bei meinen Kindern. Unsere Tochter geht mit vielen Kindern in eine Klasse, deren Eltern keine gebürtigen Deutschen sind: Sie kommen aus Lettland und Litauen, aus Kolumbien und Portugal, aus Italien und aus Peru. Und es ist selbstverständlich, dass die Kinder miteinander spielen. Sich besuchen. Kulturelle Unterschiede sind eher spannend und Gesprächsstoff. Kein Grund zur Aus- oder Abgrenzung. Und unser Sohn kickt mit Jungs, deren Eltern aus Indien und Thailand kommen, aus der Türkei und aus Kurdistan. Wir stehen dann beim Spiel oft am Rand und kommen miteinander ins Gespräch. „Wie geht's?" und „Was macht die Schule?" Oft genug ist das Smalltalk. Aber wenn wir miteinander sprechen heißt das auch: Trotz aller kulturellen Unterschiede, verbindet uns viel. Der Fußball, die Sorge um die Kinder, und letztlich auch die Frage, wie wir zusammenleben können. Ich erlebe so hautnah, dass in Deutschland schon heute Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenleben. Sie haben mal mehr, mal weniger miteinander zu tun. Aber sie achten sich und gehen respektvoll miteinander um. Für mich wird so die biblische Haltung zu Fremden und anderen Kulturen praktisch. Gerade das Alte Testament setzt sich intensiv mit dem Fremden, dem Fremdling auseinander. Und betont fast immer das Recht des Fremdlings auf Gleichbehandlung. Es darf Unterschiede geben - aber jeder ist gleich zu behandeln. Mehr noch: Der Fremde steht unter besonderem Schutz.
Klar, auch in biblischen Zeiten gab es Probleme. Sonst wären solche Schutzbestimmungen ja gar nicht nötig. Aber deutlich wird auch: das Miteinander verschiedener Kulturen ist möglich. Warum also nicht auch bei uns?

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