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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Guernica – das ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt und stammt von Pablo Picasso.
Man erzählt, dass einmal ein deutscher SS Offizier auf das Bild gezeigt hat und Picasso fragte: "Haben Sie das gemacht?" Und Picasso antwortete: "Nein, Sie!"
Es gibt Menschen, die sagen, dass sie sich so den Weltuntergang vorstellen könnten: Schreiende Frauen und Kinder, ein Stier, ein Pferd, ein Bild des Schocks und des Traumas, das unser ganzes Grausen am Rande des Abgrunds enthält.
„Guernica“ - das Gemälde ist heute bekannter als die Stadt, die ihm den Namen gab. Heute vor 70 Jahren, am 26. April 1937 ist die kleine Stadt in Nordspanien von deutschen Flugzeugen der „Legion Condor“ zerstört worden. Hitlerdeutschland unterstützte damals im spanischen Bürgerkrieg die Partei um General Franco mit Soldaten und Waffen. Wie Coventry, Dresden und Hiroshima ist auch "Guernica" ein Symbol für militärische Zerstörung und militaristisches Verbrechen. Bis heute weiß niemand genau, welchen Zweck die Zerstörung Guernicas und der Tod von ungefähr 300 Menschen haben sollte. Das berühmteste Anti-Kriegsgemälde der Welt hält die Erinnerung an das Leiden und Sterben der Opfer heute vor 70 Jahren wach.
Und es erfüllt seinen Zweck. Dies zeigte sich zuletzt im Jahr 2003 im UN-Sicherheitsrat in New York. Dort hängt eine Kopie von Picassos Bild. Bevor US-Außenminister Colin Powell seine offensichtlichen Falschmeldungen über das irakische Atompotential in die ganze Welt verkündete, ließ man "Guernica" zuhängen. Wollte da jemand sein Gewissen beruhigen? Es hat nichts genützt.
„Frevel geht nicht aus der Erde hervor, und Unheil wächst nicht aus dem Acker; sondern der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil, wie Funken hoch empor fliegen“, heißt es in der Bibel im Buch Ijob. (Ijob5, 6f)
Diese alte biblische Einsicht ist gültig bis heute. Der Mensch ist verantwortlich. Und es nützt aber auch gar nichts, davor die Augen zu verschließen oder ein großes Tuch darüber zu hängen. Vor zehn Jahren hat Bundespräsident Roman Herzog die Bewohner der Stadt Guernica um Verzeihung gebeten für das, was deutsche Soldaten ihnen angetan haben. Das ist das Eine. Das Andere liegt an jedem von uns: an Tagen wie heute dafür zu sorgen, dass geschehenes Unrecht und Leid nicht zugehängt wird. Und im eigenen Leben zu zeigen, dass auch das Gegenteil, nämlich Glück und Segen durch unser Tun möglich ist.
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