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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wir sitzen im Hof eines Klosters. Vor uns auf dem Boden sind ganz viele Wege in den Stein geritzt. Sie führen kreisförmig um eine Mitte herum. Ein Labyrinth.
Mein Sohn probiert jeden Weg aus und stellt dann fest: „ Man kommt ja immer an. Egal von wo man losgeht. Jeder Weg führt zur Mitte."
Ich wandere auf dem Höhenweg bei Maria Laach. Ein Schild weist mich auf die Teufelskanzel hin. Toll, sage ich mir, da will ich hin! Bestimmt ist das ein bizarrer Felsen mit wunderbarer Aussicht!. Ich gehe los, es ist warm,  ich gehe und gehe, werde unruhig. Jetzt muss es doch kommen, aber keine Teufelskanzel. Habe ich eine Abzweigung übersehen?
Also versuche ich einen anderen Weg. Über Gräser hinweg, Wildblumen wachsen rechts und links, hohe Tannen. Es ist ganz still im Wald, nur ich, mein Hund und die Natur. Wunderbar. Nur weit und breit keine Teufelskanzel. Das gibt's doch nicht!
Enttäuscht setze ich mich auf einen Baumstumpf.
Keine Teufelskanzel, kein bizarrer Felsen. Und doch: es war eine herrliche Wanderung! Genau das wollte ich doch ursprünglich.
Wunderschöne Ausblicke, Stille, das Rauschen der Blätter und es geht mir gut, wie ich hier so sitze! Es ist wunderschön.
Ich denke an meinen Sohn, wie er das Labyrinth ausprobierte. „Man kommt immer an. Egal von wo man losgeht. Jeder Weg führt zur Mitte!"
Er hat Recht.
Manchmal klammert man sich viel zu sehr an ein bestimmtes Ziel. Dabei schenkt uns Gott so viel Schönes auf unserem Weg. Freundliche Menschen, neue Aufgaben ,die uns herausfordern, Zeit zu genießen, Zeit sich zu bewähren. Bis wir ruhig werden und in der Mitte ankommen- bei Gott.
Mir macht das Mut, einfach mal loszulaufen und dabei die Augen offen zu halten!

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