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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Warum gibt es rote und schwarze, weiße und gelbe Menschen auf der Welt?", so fragte der afrikanische Bischof Tutu einmal. Das war auf einem Kirchentag vor knapp tausend Leuten. Verblüfft schauten wir uns um:  tatsächlich: wie verschieden wir alleine schon aussehen! Obwohl wir ja meist Deutsche waren, Weiße. Dabei gibt es ja noch asiatische Menschen und farbige! Warum sind wir so verschieden?
Daran musste ich denken, als mich Leute ansprachen auf eine Predigt von mir. Die einen fanden die toll. Andere fanden sie unmöglich: „Das hätte auch jemand sagen können, der nicht an Gott glaubt!", meinten sie.
Das hat mich ziemlich getroffen, und ich frage mich: warum meinen manche, dass  ihre Art zu glauben und zu leben die einzig richtige ist?
Für mich steckt hinter diesem Verhalten Angst.
Angst, von dem, was so ganz anders ist, selbst infrage gestellt zu werden.
Einer, der anders glaubt und fühlt, ist ja wie eine Anfrage an mich: Bist du sicher, dass es so, wie du glaubst überhaupt richtig ist? Da scheint es wohl für manche einfacher zu sein, den eigenen Glauben anderen überzustülpen.
Dabei ist der, der von Herzen glaubt, der freieste Mensch der Welt.
„Prüft alles" ,sagt Paulus, „das Gute behaltet." Welche Freiheit atmet aus diesen Worten. Keine Angst sich dem fremden Gedanken zu nähern.
Ich bin überzeugt:  Das Christentum hat sich deshalb so ausgebreitet, weil es diese Freiheit im Glauben gehabt hat. So  konnte es andere Kulturen integrieren, andere Gewohnheiten und Bräuche in sich aufnehmen. Und damit das eigene Denken und Fühlen bereichern.
„Warum gibt es rote und schwarze, weiße und gelbe Menschen auf der Welt?"  hat  Bischof Tutu uns auf dem Kirchentag gefragt.. Niemand antwortet. Da lacht er übers ganze Gesicht: „Ist doch klar! Weil Gott viel mehr Phantasie hat als wir!

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