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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Herr, gib uns deinen Frieden". Ein kirchlicher Kanon ist das, der mich immer besonders bewegt, wenn ich ihn singe. Nicht nur, weil darin so eindringlich um den Frieden gebetet wird. Sondern auch: weil das eines der ersten Lieder war, die ich vor 35 Jahren in der Kinderschola gelernt habe. Ich konnte kaum richtig lesen, da bin ich mit Begeisterung jede Woche zur Chorprobe gegangen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie mein Glaube an Gott heute aussehen würde ohne Musik. Von Anfang an war Singen für mich untrennbar mit Glauben verbunden.
Und ich finde es wunderbar, dass viele Kinder das heute immer noch so erleben. Heute, am Mittwoch, beginnt in Würzburg ein großes Chorfestival für Kinder und Jugendliche, rund 3000 junge Sängerinnen und Sänger nehmen in den nächsten fünf Tagen daran teil. „Singen von Gottes Wegen" ist ihr Motto. Sie werden zusammen Gottesdienste feiern, Konzerte geben und für den Frieden beten - wer weiß, vielleicht wird auch mein alter Friedenskanon dabei gesungen. Klar, sie werden dabei auch einfach Spaß haben und Gemeinschaft erleben. Aber ich denke: Auch den Glauben werden sie besonders erfahren. Etwas von Gott spüren beim Singen.
Für viele Kinder und Jugendliche ist dieses Glaubenerleben im Kinderchor heute sogar noch bedeutsamer als für mich damals: Denn es gibt ja immer mehr, die zuhause in der Familie von Gott nicht mehr so viel hören. Beim Singen können sie eine Ahnung von ihm bekommen. Kein Wunder, dass es mittlerweile in den Kinderchören auch etliche Taufen gibt - mancher kommt durchs Singen überhaupt erst zum Glauben.
Mir hat das Singen in den letzten 35 Jahren immer wieder dann geholfen, wenn es mit dem Glauben schwerer wurde. In Trauer- und Krisenzeiten tat es gut, wenn mir Lieder in den Kopf und auf die Lippen kamen. Es hat mich getröstet, einen Kanon oder etwa ein Lied aus Taizé immer wieder vor mich hinzusingen. Für mich ist der Gesang schon seit Kindertagen der beste Weg, auf dem Gott in mich hinein kommen kann, bis in mein Herz.

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