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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wer Ohren hat, der höre! So sagt es Jesus in der biblischen Erzählung, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Die Ohren öffnen - schon Jesus damals meinte nicht nur das simpel: mach doch mal die Ohren auf! Er wollte, dass die Menschen aufmerksam werden, wirklich hinhören auf das, was er sagt. Nicht nur die Ohren an ihrem Kopf sollen sie öffnen, sondern auch: die Ohren ihres Verstandes und die Ohren des Herzens. Ein paar Jahrhunderte nach Jesus schreibt es der heilige Benedikt am Beginn seiner großen, bis heute gültigen Mönchsregel so: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens".
Hinhören, wirklich mit Herz und Verstand aufnehmen, was der andere einem sagen will: Das ist ja bis heute gar nicht so einfach. Fast könnte man sagen: Es ist eine wirkliche Kunst. Wie oft passiert es, dass ich zwar Ohren habe, aber eben doch gar nicht höre, was der andere gerade erzählt. Weil ich mit Gedanken ganz woanders bin, oder aber: weil mir das, was zwischen meinen Ohren passiert, was ich gerade denke und will, viel wichtiger ist als das, was der andere meint. Und doch: Für ein wirkliches Miteinander, für das friedliche Zusammenleben ist dieses Hinhören so unglaublich wichtig. Und eigentlich weiß ich es ja auch: Wie wunderbar es ist, wenn mir der andere wirklich zuhört, wenn er auf Augenhöhe ist mit mir, mir in die Augen schaut und dabei die Ohren spitzt, ganz da ist, mit den Ohren seines Herzens.
Ich wünschte mir, dass wir das in diesen Sommertagen immer öfter hinkriegen: offene Ohren, gegenseitiges Hören. Zum Beispiel, wenn es in der Kirche um Dialog geht, wie gestern und vorgestern bei der großen Zusammenkunft von 300 Kirchenfrauen und -männern in Mannheim oder immer wieder bei Treffen in den Kirchengemeinden vor Ort. Aber auch natürlich im Freundeskreis oder in der Familie. Hinhören und ernst nehmen, was mein Gegenüber sagt, das ist wohl wirklich eine Kunst. Und sie will geübt und gepflegt werden. Wer Ohren hat, der höre.

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