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SWR2 Wort zum Tag

Kleider machen Leute. Das merkt man spätestens bei der Konfirmation, wenn aus einer Truppe Konfis plötzlich junge Damen und junge Herren werden. Mit dem Kleid, das man trägt, verändert man sich.
Die Bibel präsentiert uns im Kolosserbrief ein ganz besonderes Kleid, das Konfirmanden genauso gut steht wie ihren Eltern oder Großeltern. Es ist gewirkt aus herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld. Nun ja - das klingt anspruchsvoll, biblische Haute Couture. Das Kleid ist mir zu eng, könnten manche denken. Sanftmut und Demut, da platzen bei mir die Nähte. Mir ist es zu groß, sagen andere, das passt mir nicht, Freundlichkeit und Geduld. Dabei: Es ist ein wunderbares Modell, geschneidert für Gottes Lieblingsmodels, und das sind wir, seine Menschen. Also: Anprobieren. Übrigens: Für Herren gibt's das Modell auch als Anzug.
Vorne ist das Kleid mit Freundlichkeit und Demut bestickt. Die Demut geht auf die Knie, so wie wir Christen in besonderen Momenten: Bei der Konfirmation z.B.. Oder bei der Hochzeit. Leben kann zum Niederknien schön sein.
Wenn ich in die Knie gehe merke ich, dass in mein Modell elastische Fäden eingewoben sind, es spannt nicht am Bauch: Das ist die Geduld. Oh je, damit bin ich sonst nicht so sehr gesegnet, wie leicht kann ich zornig werden, ungeduldig sein, dabei bin ich doch selbst froh, wenn andere Geduld haben mit mir und meinen Eigenarten, nachsichtig sind, mir meine Zeit lassen. Noch keine Pflanze ist schneller gewachsen, weil man täglich dran gezogen hat. Also: Welch ein Glück, dass Gott diesen elastischen Gedulds-Faden in sein Kleid gewoben hat. Und dieser weiche Stoff: Das ist auf jeden Fall die Sanftmut. Einen Gürtel hat das Modell auch, logisch. Erst der Gürtel macht das Ensemble vollkommen: Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Und jetzt: Der kritische Blick in den Spiegel. Ich stelle fest: Dieser göttliche Designer hat in der Tat einen unverwechselbaren, wunderbaren Stil! Ich finde, in dem Modell sieht jeder Mensch einfach hinreißend aus, so dass es einem beim Blick in den Spiegel wie von selbst ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Ach ja, ein Label hat das Kleid auch. Ohne Markennamen verkauft sich´s ja schwer heute. Außerdem will man ja wissen, wer der Schöpfer dieses Modells ist. Alles im Namen des Herrn Jesus. Damit wäre das auch geklärt.
Und jetzt: Der Laufsteg lockt, der Catwalk Leben liegt vor uns, die Musik spielt schon, es kann losgehen, Gott hält uns das Gewand hin. Es gilt: Reinschlüpfen, ausprobieren: Dieses Kleid macht Leute.

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