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SWR2 Wort zum Tag

Ostergeschichten sind die Evangelien in ihrer Gesamtheit 

Die Ostergeschichten in den Evangelien. Sie erzählen, was den Jüngerinnen und Jüngern Jesu nach seinem Tod widerfahren war - am dritten Tag, beim leeren Grab, in der Stimme eines Unbekannten, der ihnen sagt: „Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier". (Mk 16,6) Die Evangelien sind Erzählungen von Ostern her, Geschichten von überraschend neuem Leben, das die Fesseln des Todes sprengt. Da sind die Worte, die Jesus spricht, ebenso wie die vielen Begegnungen, in denen er in Menschen neue Kräfte weckt und neue Freude am Leben. Die Evangelien sind Jahrzehnte nach Ostern geschrieben, ganz und gar aus der österlichen Erfahrung heraus.
Darum dürfen wir alles, was die Evangelien verkünden, von Ostern her verstehen und diesen Zusammenhang mit Jesu Auferweckung aus dem Tod auch dort aufspüren und bewusst machen, wo wir es zunächst nicht erwarten. Zum Beispiel in den Worten, mit denen Jesus im Matthäusevangelium die Bergpredigt beschließt: „Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute, der grub und vertiefte und das Fundament auf den Felsen stellte. Und der Regen stürzte hinab und die Flüsse kamen und die Winde wehten und stürmten gegen dieses Haus; und vermochten es nicht zu erschüttern, denn es war auf den Felsen gegründet. (Mt 7, 24f, Übersetzung Walter Jens)
Es ist ein einprägsames Bild: das vom Haus „auf Fels gegründet". „Haus" ist ein Bild für das Leben, das der Mensch bewohnt. Ein Leben, das ohne sein Ende nicht denkbar ist; aber ebenso wenig ohne die Hoffnung, die über den Tod hinausweist. Ein religiöser, für Gottes Wirklichkeit offener Mensch baut auf die eigenen Fähigkeiten, er hofft aber ebenso auf die Möglichkeiten, die von Gott her kommen. Deshalb kann seine Hoffnung maßlos sein und unersättlich. Er baut sein Lebenshaus auf dem Fundament einer Hoffnung, die sich auf Gottes Zusage gründet, und damit rechnet, dass seine Liebe für uns undenkbare Wege kennt. Auch Scheitern oder Tod können die Fundamente dieser Hoffnung nicht wegspülen. Die Geschichten der Evangelien berühren Menschen bis heute, weil sie dieser Hoffnung von Ostern her Nahrung geben und Halt.  

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