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SWR4 Abendgedanken BW

Erwin und Erika bereiten sich auf die Konfirmation ihrer Enkelin vor. „Da gibt's doch dann auch wieder das Abendmahl?," fragt Erwin. „Wieder so drangehängt im Gottesdienst, wenn alle schon auf die Uhr schauen?"
„Nein", sagt Erika, „die wollen das am Samstag Abend machen, extra. Und es soll anders werden als wir es kennen. Auf der Konfirmandenfreizeit haben sie es schon mal ausprobiert. Und was Annika davon erzählt hat, also das hat mir gefallen."
Es war anscheinend ein richtiges Essen. Aber umrahmt von Liedern und Gebeten. Und beim Essen haben sie sich das Brot und den Saft gegenseitig gereicht.
Unser Leben ist wie ein Fest. Wir sind Gott dankbar für alles Gute, das wir bekommen, und wir wollen das weitergeben. So ungefähr hat sich angehört, was Annika davon erzählt hat.
Seither geht das Erika nicht mehr aus dem Kopf. „Mein erstes Abendmahl, das war so ganz anders", sagt sie zu Erwin. „Wir waren alle so ernst, nur eine hat gekichert, aus Nervosität halt. Und ich hab nicht gewusst, was ich jetzt empfinden soll."
„Aber es geht doch vor allem um die Sünden beim Abendmahl", sagt Erwin. „Also, dass man sich überlegt, was man falsch gemacht hat, und dass man Gott um Verzeihung bittet. Und das ist doch eine ernste Sache."
„Ich find's manchmal ein bisschen beklemmend", sagt Erika.
„Ach", sagt Erwin, „so oft gehe ich ja nicht in die Kirche, aber dieser Moment beim Abendmahl, da wo man sich überlegen soll, was nicht in Ordnung ist, den finde ich wichtig... Wann tut man das sonst? Mal ganz ehrlich über sich selber nachdenken. Ich find das gut."
„Ja", sagt Erika. „Aber ich denk manchmal: Gott kennt mich doch, er weiß, ich geb' mir Mühe, warum muss ich dann immer wieder darüber nachdenken, was falsch war."
„Weil diese Dinge, die einen belasten, da sind", sagt Erwin, „und es ist gut, dass man sie sich mal bewusst macht. Also mir tut das gut. Aber ich brauche Zeit und Ruhe dafür. Und wenn ich dann höre, dass Gott mir nichts nachträgt und dass ich neu anfangen kann - dann denke ich: Ja, das könnte ich mir nicht selber sagen, das muss man gesagt bekommen. Immer kann ich es nicht annehmen, aber manchmal schon, und das tut mir auch gut."
„Trotzdem finde ich, es dürfte dabei ein bisschen weniger ernst zugehen", sagt Erika. „Wenn es einem gut tut, dann kann man sich doch auch freuen darüber. Und die Freude zeigen. Und wenn da vom gemeinsamen Mahl gesprochen wird, und dann bekommt man nur ein Stückchen trockene Hostie, und einen kleinen Schluck Wein oder Saft - also, ein richtiges gemeinsames Essen ist was anderes, da finde ich es schön, was die Annika von ihrer Konfirmandenfreizeit erzählt hat."

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