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SWR4 Abendgedanken BW

nach den tollen Tagen beginnt heute, mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Die evangelischen Kirchen rufen von heute bis Ostern zur Aktion „7 Wochen ohne" auf. Ursprünglich war dabei die Idee, auf Genussmittel zu verzichten. Manche leben die nächsten 7 Wochen ohne Alkohol oder Nikotin, andere verzichten auf Süßigkeiten oder auf Fernsehen.
Dieses Jahr habe ich eine originelle Variante von „7 Wochen ohne" entdeckt. Auf unserem Büchertisch lag ein Kalender mit dem Titel „Ich war's - Sieben Wochen ohne Ausreden"
Heute steht auf dem Kalenderblatt die Geschichte vom Sündenfall aus der Bibel im 1. Buch Mose, Kapitel 3. Da geht es um Adam und Eva im Garten Eden. Gott hatte ihnen verboten, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Sie aber ließen sich von der Schlange verführen, es doch zu tun. Als Gott das herauskriegt, fängt der Verschiebebahnhof an: Adam sagt, Eva hätte ihm eine Frucht gegeben. Und Eva sagt, die Schlange hätte sie dazu verführt.
„Ich war's nicht", sagen beide. Und verschieben damit die Schuld auf andere. Warum tun wir Menschen das so gerne? Warum verweisen wir unsere Schuld auf andere? Vielleicht weil wir den Vorwurf etwas falsch gemacht zu haben so schlecht aushalten können? Er macht uns ein schlechtes Gewissen. Wäre es nicht viel besser, wir würden gleich sagen: Ich war's?
Als Schüler in der 10. Klasse habe ich im Sommer mal Krampen aus dem Fenster geschossen. Direkt vor die Wohnung unseres Schulhausmeisters, die unter unserem Klassenzimmer lag. Als der strenge Konrektor in die Klasse kam und fragte wer es war, traute ich mich erst nicht, es zuzugeben. Als er dann der ganzen Klasse Strafe androhte, richteten sich alle Blicke auf mich. Zur Strafe musste ich 14 Tage lang nach Schulschluss den Schulhof sauber machen. Wenn ich gleich gesagt hätte „Ich war's" dann hätte ich nur eine Woche Strafe gekriegt. Die Wahrheit verschweigen macht es oft noch schlimmer als wenn man gleich zu dem steht, was man getan hat.
Darum will ich in den kommenden Wochen bei dieser Fastenaktion „Sieben Wochen ohne Ausreden" mitmachen. Ich hoffe, dann lebt es sich mit einem leichteren Gewissen.

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