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27JUN2021
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Ein junges Paar musste schon zweimal wegen der Corona-Pandemie seine Hochzeit verschieben. Jetzt ist es soweit, und ich soll als Pfarrer mit ihnen die kirchliche Trauung feiern. Sie schicken mir zu Ihrem Fest eine (selbst gestaltete) Einladungskarte, auf der folgender Spruch zu lesen ist. Er stammt von Khalil Gibran: “Und stellt euch zusammen, jedoch nicht zu nah beieinander, denn auch die Säulen des Tempels stehen einzeln da, und Eiche und Zypresse wachsen nicht im gegenseitigen Schatten.“

Im Gespräch erfahre ich von dem jungen Paar, dass sie dieses Zitat aus gutem Grund ausgewählt haben. Sie haben sich mit der Zeit immer besser kennengelernt. Und dabei auch erfahren, wie wichtig in ihrer Beziehung der richtige Abstand ist. Es ist ihnen deutlich geworden, dass sie vieles gemeinsam haben und dennoch zwei ganz eigenständige Persönlichkeiten sind. Sie sind geprägt von ihrem jeweiligen Charakter und der eigenen Geschichte. Sie sind und bleiben zwei Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und Interessen. Sie denken nicht immer gleich und erwarten auch nicht dasselbe von dem, was kommen wird.  Deshalb brauchen sie eine große Bereitschaft, immer wieder miteinander zu sprechen und nach einem gemeinsamen Weg zu suchen.

Mich erinnert das an eine kleine Geschichte des Philosophen Arthur Schopenhauer: Er erzählt, wie Stachelschweine sich an einem kalten Wintertag nah zusammen gedrängt haben, um sich gegenseitig zu wärmen und vor dem Erfrieren zu schützen. Wenn sie jedoch einander zu nahe kamen, haben sie ihre Stacheln gespürt, sodass sie sich wegen der Schmerzen wieder entfernen mussten. Das Hin und Her hat so lange gedauert, bis sie eine mittlere Entfernung zueinander gefunden haben, die es ermöglichte, sich zu wärmen, ohne sich gegenseitig zu verletzen.

Schopenhauer überträgt diese Geschichte auf das Miteinander der Menschen. Sei es in der Beziehung eines Paares, oder in einer Gruppe oder sei es in der Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft. Es geht immer darum, eine mittlere Entfernung zu finden. Nur sie macht es möglich, sich zu wärmen, ohne sich gegenseitig zu verletzen. Es geht um den richtigen Abstand, um menschliche Nähe, die einem gut tut. Und um den nötigen Abstand, der für jeden genügend Raum lässt.

Ich denke dabei auch an die seit über einem Jahr gültigen und eingeführten Abstandsregeln. Es fällt mir schwer, niemand mehr die Hand zu reichen oder zu umarmen oder jemand nur noch mit großem Abstand zu begegnen. Ich möchte Kontakt und Berührung, ich möchte meine Angehörigen und Freunde sehen und erleben und brauche, wie die meisten anderen auch, menschliche Nähe und Wärme. Und gleichzeitig will ich niemanden gefährden und weiß, dass diese Abstandsregeln ihren guten Sinn haben. Ein Glück, wenn sich allmählich die angespannte Lage ändert und wieder mehr Kontakte und Begegnungen möglich werden.

Für mich haben diese Abstandsregeln aber auch etwas Positives. Sie helfen nämlich nicht nur, die Pandemie einzudämmen, sondern sie ermöglichen gleichzeitig eine neue Achtsamkeit. Viele von uns sind dazu übergangen, sich mit den Ellbogen zu begrüßen oder sich voreinander zu verbeugen. Das gefällt mir besonders. Darin zeigen sich Achtung und Respekt und im wahrsten Sinn des Wortes eine Art der Zuneigung. Ich erlebe das in den Gottesdiensten wenn die Menschen sich zum Friedensgruß nicht die Hand reichen, sondern sich ganz freundlich voreinander verbeugen. Das ist eine Höflichkeitsform, die wir vor allem aus dem asiatischen Kulturkreis kennen. Die dabei gekreuzten Hände auf der Brust verstärken diese Begrüßungsform und zeigen, dass man sein Gegenüber achtet und respektiert und ihm in keiner Hinsicht zu nahe kommen will.

Die geltenden Abstandsregeln mögen manchmal lästig sein. Sie fördern aber einen vorsichtigeren, behutsameren Umgang. Sie zeigen, dass wir aufeinander achten und uns gegenseitig schützen sollen. Ich fände es gut, wenn wir das aus den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie mitnehmen könnten. Schopenhauer nannte die richtige Entfernung zwischen den Menschen Höflichkeit, heute sagt man dazu vielleicht Respekt. Das täte uns allen richtig gut. Es müssen nicht alle das Gleiche denken oder empfinden. Es müssen nicht alle das Gleiche glauben oder für richtig halten. Menschen dürfen unterschiedlich aussehen und jeder hat das Recht auf seine ganz individuelle Art zu leben. Keiner darf für irgendwelche Zwecke missbraucht werden, in der Kirche schon gar nicht.

Es stimmt. Gott hat uns Menschen sehr bunt und vielfältig geschaffen. Damit wir mit dieser Vielfalt und den damit verbunden Spannungen gut leben können, hat er uns den Verstand gegeben und ein waches Gewissen. Wenn wir beides gebrauchen, finden wir zu jedem Menschen die richtige Entfernung. Dann spüren wir, wie viel Nähe notwendig ist, um einander zu verstehen. Und wir wissen, wie viel Abstand und Distanz es braucht, um einander in unserer Verschiedenheit zu achten und zu respektieren.

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18APR2021
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Vor einigen Jahren gestaltete ein Künstler für meine damalige Gemeinde die große Osterkerze. Er hat das Gesicht Jesu gemalt und dabei besonders die großen, weit geöffneten Augen betont. Diese offenen Augen spiegeln einen Grundzug im Leben Jesu, der in verschiedenen biblischen Texten immer wieder betont wird. Es wird oft erzählt, wie Jesus die Menschen sieht, sie in Blick nimmt und ihnen mit großer Aufmerksamkeit begegnet. Sehen ist bei ihm mehr als ein optischer Vorgang. Jesus sieht mit seinem Herzen und damit viel mehr und viel Wesentlicheres. Dinge, die den körperlichen Augen verborgen bleiben.

So wird erzählt, wie er einmal in einer Synagoge den Menschen die Augen geöffnet hat. Siebekamen auf einmal eine ganz neue, freie Sicht. Da war eine Frau, die seit vielen Jahren verkrümmt und gebeugt keine Lebensperspektive mehr hatte. Nach dem damals gültigen Gesetz wurde gesagt, sie sei von Gott bestraft worden. Jesus sieht sie, sieht ihre Not, ihre Verzweiflung und setzt sich über alle Gesetze hinweg. Er spricht mit ihr, berührt sie und gibt ihr buchstäblich ein neues An-Sehen. Er sagt dass diese Frau auch in die Gemeinschaft des Segens gehört. Es ist der Segen, den Gott seit Abraham allen zugesprochen hat.

Die Frau richtet sich auf, wie neugeboren, voller Dankbarkeit und neuem Lebensmut. Dagegen gerät der Vorsteher der Synagoge in Rage. Für ihn ist es ungeheuerlich, was da am heiligen Sabbat geschieht. Er weiß genau, was sich gehört und reagiert in bester Absicht. Das Gesetz verbietet es, dass Kranke an Sabbat geheilt werden.

 Doch Jesus setzt sich darüber hinweg. Er sieht nicht nur die religiöse Ordnung. Für ihn zählt der einzelne Mensch mehr als die Buchstaben und Paragraphen. Ob er damit auch dem Leiter der Synagoge die Augen weiten und dessen Herz berühren konnte, geht aus der erzählten Episode nicht hervor. Sie zeigt aber einen Konflikt, der das öffentliche Leben Jesu bestimmt hat. Immer wieder stößt er auf erbitterten Widerstand der führenden Kräfte, die die geltende Ordnung zu verteidigen hatten. Dennoch lässt Jesus sich nicht von seinem Weg abbringen. Seine Augen und sein Herz bleiben für die leidenden Menschen offen. Wer Jesus begegnet, kann spüren, dass er von ihm angeschaut und berührt wird. Menschen erfahren bei ihm, dass Blicke nicht nur töten können. Sie können einem bis in die Seele hinein gut tun.

Die gekrümmte Frau und der Synagogenvorsteher sind ganz unterschiedliche Menschen und haben doch etwas gemeinsam: Sie können nicht mehr gut sehen. Die Frau sieht nur noch niedergedrückt den Boden vor sich und der andere hat keinen Blick mehr für das Nächstliegende. Er sieht und kennt die Buchstaben des Gesetzes; mehr aber nicht.

Beide schaut Jesus an und dieser Blick wirkt Wunder. Seine Augen spiegeln sein Inneres und sind voller Zuwendung und Nähe. Er verurteilt nicht, er stellt nicht bloß, er beharrt nicht auf dem Buchstaben, er berührt und segnet und öffnet so allen Beteiligten einen neuen Weg, einen neuen Anfang, eine zweite Chance. Jesus macht mit seinen Worten und seinem Verhalten deutlich, dass nicht das Gesetz im Vordergrund steht, sondern der einzelne Mensch. Jeder soll spüren und erfahren, dass er von Gott gesegnet ist.

Das provoziert und ist eine deutliche Anfrage an die kirchliche Praxis heute. Kurz vor Ostern hat eine Entscheidung aus der Kirchenleitung in Rom gewaltiges Aufsehen erregt. Die Kirche verweigert gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen und will nicht wahrhaben, dass viele Menschen in einer solchen Lebensweise gut miteinander leben und sich unter den Segen Gottes stellen wollen. Gegen diese römische Entscheidung regt sich von vielen Seiten Widerspruch und Ablehnung. Ich bin überzeugt, dass Jesus auch hier nicht zuerst nach dem Gesetz und der kirchlichen Lehre fragen würde, sondern danach, was die Menschen leben und für ihren gemeinsamen Weg erhoffen. Ähnlich wie dem Synagogenvorsteher in der erwähnten Geschichte bleibt der Kirche die Konfrontation mit der Sichtweise Jesu nicht erspart, auch wenn das unbequem und provozierend ist. Wenn sie auf Jesus schaut und an ihm Maß nimmt, dann werden ihr die Augen aufgehen und ihre Äußerungen und Entscheidungen weitsichtiger und lebensnaher werden. Klaus Hemmerle, der verstorbene Bischof von Aachen, hat einmal den Wunsch nach so einer neuen, offenen und weiten, dem Evangelium entsprechenden Sichtweise wie folgt formuliert:

 

Ich wünsche uns Osteraugen, die im Tod bis zum Leben,
in der Schuld bis zur Vergebung, in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Herrlichkeit, im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen, im Ich bis zum Du zu sehen vermögen.

Und dazu alle österliche Kraft.     

 

Was für ein wunderbarer Weitblick! Und was für ein Glück, wenn es viele Menschen gibt, die mit solchen Osteraugen sehen können!

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24JAN2021
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Die ersten Tage und Wochen des neuen Jahres zeigen deutlich, dass wir noch nicht aufatmen können. Die täglichen Zahlen über Infektionen und Todesfälle sind schrecklich und besorgniserregend. Die geforderten Einschränkungen sind hart und verletzend. Gerade jetzt wäre es so dringend nötig, einander nahe zu sein, sich zu begegnen, sich gegenseitig zu stützen. Es tut besonders weh, wenn man einen Kranken nicht mehr besuchen kann oder noch schlimmer, wenn man einen Sterbenden allein lassen muss. Hinter den täglich veröffentlichten Zahlen der Pandemieentwicklung verbergen sich so viel Leid und Angst. Das macht es mir schwer, unbeschwert und sorglos in dieses neu angebrochene Jahr zu blicken. Und unbegreiflich ist mir, dass manche die Existenz des bedrohlichen Virus leugnen, sich über alle Schutzmaßnahmen hinwegsetzen und das Ganze als Verschwörung  dunkler Machenschaften abtun. Mit vielen anderen Menschen spüre ich die Sorgen und die Herausforderungen, vor die wir alle gestellt werden.

In dieser Situation ist mir ein Bild wichtig geworden, das ich mir von meinem letzten Adventskalender aufbewahrt habe und das mich in diesem Jahr begleiten soll. Es stammt aus einem polnischen Salzbergwerk, 300 Meter unter der Erde. Es zeigt einen riesigen weiten Raum. Die Bergleute haben so etwas wie eine unterirdische Kathedrale aus dem Stein gehauen. Was muss das für eine Plackerei gewesen sein und sicher nicht ungefährlich. Was hat die Bergleute motiviert, nach ihrer Schicht noch so viel Energie in die Erbauung dieser unterirdischen Kirche zu investieren?

Der Kontrast zu den dunklen und engen Stollen tut gut. Ein Raum in dem es glänzt und hell ist, eine Weite, in der man aufrecht gehen kann, ein Fenster zum Himmel in einem harten und schweißtreibenden Alltag. Sie haben unübersehbar zum Ausdruck gebracht, das Leben ist mehr als nur harte Arbeit. Es braucht auch Schönheit und Andacht. Es braucht nicht nur das Schwarzbrot für den Körper, es braucht ebenso den Trost und die Hoffnung für die Seele. Für die Arbeiter untertage ist es zur Gewissheit geworden. Gott ist nicht nur in der Höhe, sie singen ebenso: „Ehre sei Gott in der Tiefe.“

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Polnische Bergarbeiter haben neben ihrer normalen Arbeit über Jahrzehnte hinweg einen Raum für das Gebet in ihrem Bergwerkstollen gehauen. Ich bewundere ihren geerdeten Glauben sehr. Ich meine, sie bringen damit das Wichtigste zum Ausdruck, was Christen an Weihnachten feiern und das Jahr über wie eine Leitmelodie mitschwingt Es ist ein einmaliges Versprechen, das dem Menschen gegeben wird, ein Name, der die ganze biblische Botschaft beinhaltet: Immanuel, Gott ist mit uns[1]. Er bleibt eben nicht abstrakt, irgendwo weit weg, in Himmelshöhn. Nein, er stellt sich an die Seite des Menschen und teilt mit ihm das Leben in all seinen Facetten.

Das zeigt sich zum Beispiel, als Jesus, zum Jordan geht und sich dort von Johannes taufen lässt. Bevor er zum ersten Mal öffentlich auftritt, macht er das, was viele damals getan haben. Er reiht sich solidarisch ein. Es ist bemerkenswert, dass die Taufstelle geographisch am tiefsten Punkt unserer Erde vermutet wird, im Jordantal weit unter dem Meeresspiegel. Jesus geht also sprichwörtlich in die Tiefe, ganz nach unten. Er taucht damit ein in die Not, in die Schuld, in die Angst, in das Leid, in alles, was Menschen erleben und erfahren. Diese Tendenz nach unten hält er sein Leben lang durch, bis er schließlich ganz unten ankommt: am Kreuz.

Ich stelle mir vor: Dass es bei Jesus so ist, das hat auch die polnischen Arbeiter bewogen, ganz unten einen Ort des Verweilens und des Aufatmens zu schaffen. Hier spüren sie, dass nicht nur ihre Arbeit wichtig ist. Hier dürfen sie zur Ruhe kommen, an ihre Familien denken, ihre Sorgen aussprechen und um Schutz und Sicherheit bitten. Denn sie haben leider schon oft erfahren, wie gefährlich ihre Arbeit im Bergwerk sein kann. Und in ihrer selbstgebauten Kirche wird ihnen immer wieder deutlich, dass sie stolz sein dürfen und eine Würde haben, die ihnen niemand nehmen kann.

Es ist gut, wenn es solche Zufluchten gibt. Ich glaube jeder braucht solche Orte wo er sagen kann: hier bin ich gut aufgehoben, hier darf ich der Mensch sein, der ich wirklich bin. Das können besondere Orte sein, Kirchen und Kapellen, Orte des Glaubens aus vergangenen Zeiten. Das können Zeugnisse der Musik oder der Literatur sein oder eben Menschen, denen man sich anvertrauen kann. Ich wünsche Ihnen allen für dieses Jahr, dass sie solche Zufluchtsorte haben und sagen können: Ich bin nicht allein.

 

[1]Jesaja 7,14

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04OKT2020
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Beim Umzug meiner Wohnung bin ich auf ein Bild gestoßen, dass ich schon längst vergessen hatte. Ein afrikanischer Künstler hat es vor Jahren für die Fastenaktion Misereor gemalt. Eigentlich sind es zwei Bilder. Zwei verschiedene Köpfe auf Augenhöhe. Sie schauen einander an und jeder berührt sein Gegenüber  mit der Hand. Ganz behutsam, vorsichtig, als wäre etwas sehr Zerbrechliches zu schützen. Man kann die Bilder ganz weit auseinander aufhängen oder ganz nah. Es bleiben immer zwei  getrennte Bilder und zwei verschiedene Köpfe.

 Das ist Gemeinschaft, wie ich sie gut und passend finde. Zwei unterschiedliche Menschen bewahren voreinander den nötigen Abstand und Respekt und schaffen gleichzeitig eine Nähe, die nicht erdrückt und jedem der beiden die nötige Freiheit lässt. Ich merke plötzlich, wie aktuell dieses Bild immer noch ist. Nicht nur für die vielen Paare, denen ich in meinem Berufsleben (am Traualtar) begegnet bin. Es gilt viel grundsätzlicher. Wo immer Menschen zusammenleben, in einer Familie, in einer Gemeinde, in einem Staat, es braucht die Augenhöhe, dass man sich gegenseitig wahrnimmt und rechtzeitig erkennt, was dem anderen fehlt. Es braucht den Respekt vor jeder einzelnen Lebensgeschichte mit all ihren Kehren und Wendungen und es braucht die Erfahrung, dass wir uns gegenseitig mit unseren Fähigkeiten ergänzen und bereichern können. Das Wörtchen „Wir“ kann zwar sehr vereinnahmend gebraucht werden im Sinne, „wir sind doch alle der gleichen Meinung“. Man kann es aber auch so sagen, dass dieses „wir“ ermutigt und einem den Rücken stärkt. Ich vergesse nie meinen Vater, der mich bei ätzend langweiliger Arbeit auf dem Kartoffelfeld  unterstützt hat, hinter mich trat und ganz unauffällig sagte; „wir schaffen das!“.Und er hat es nicht nur gesagt, sondern sofort geholfen den leeren Korb zu füllen. Wir schaffen das! Solche aufmunternden Worte tun gut und zuweilen sind sie bitter notwendig. Besonders wenn der Berg einer zu bewältigenden Aufgabe unüberwindbar scheint. Dann brauche ich Rückendeckung, dann hilft mir ein aufmunterndes Wort, dann brauche ich keinen, der alles besser weiß oder an mir herum meckert.

Mittlerweile weiß ich, dass ich mich nicht schämen muss, wenn ich die Hilfe eines anderen brauche. Keiner ist so stark und allem gewachsen, dass er nicht auch an seine Grenze käme. Und dann ist es gut ,wenn jemand da ist, der mir ganz freundlich zusagt: „Wir schaffen das!“

Wir schaffen das! -ich spreche heute in den SWR 4 Sonntagsgedankenüber die Kraft, die entsteht, wenn wir uns gegenseitig helfen. Sehr oft erinnere ich mich an eine Geschichte, die mir ein afrikanischer Priester erzählt hat. Ein europäischer Wissenschaftler kommt in ein afrikanisches Dorf um die Lebensweise der Menschen dort zu studieren. Er lädt die Kinder zu einem kleinen Spiel ein und stellt  in die Mitte des Dorfplatzes einen Korb voller Früchte. Wer als erster beim Korb ankommt, darf sich dann die Früchte nehmen. Alle gehen in Startposition. Auf los geht’s los. Aber die Kinder fassen sich bei der Hand und rennen alle gemeinsam los. Niemand will der Sieger sein. Entweder alle oder keiner! Niemand will den vollen Korb für sich haben, während die anderen leer ausgehen.

Darin steckt eine große Lebensweisheit. Sie zeigt schon den Kindern eine klare Richtung auf. Die Menschen in Afrika nennen das in ihrer Sprache“ UBUNTU“; das heißt auf Deutsch Gemeinschaft.„Ich bin, weil wir sind und weil wir sind, deshalb bin ich.“ Jedes Kind wächst mit dieser Grundeinstellung auf. Es ist das Wissen darum, dass das einzelne Individuum ohne die Gemeinschaft gar nicht bestehen kann. Jeder einzelne ist hineingewoben in ganz viele Beziehungen, nicht nur zu anderen Menschen sondern zu allen Geschöpfen. Von Anfang an steht der Gedanke der Verwandtschaft, der Geschwisterlichkeit im Vordergrund. Das „Wir“ ist viel stärker als das „Ich“

Gestern war Tag der Deutschen Einheit. Auf Grund der Corona Pandemie konnte kein rauschendes Fest gefeiert werden, obwohl es zum Feiern Grund genug gäbe, aus Dankbarkeit für alles, was in den letzten dreißig Jahren in unserem Land möglich wurde. Wir wissen aber auch dass die Einheit in unserem Land immer neu gesucht und gelebt werden muss. Es ist nicht einfach, unterschiedliche Mentalitäten und Meinungen, unterschiedliche Kulturen und Weltanschauungen, die verschiedenen politischen Richtungen und Überzeugungen  in ein gutes Gespräch zu bringen. Aber es ist notwendig, damit Einheit nicht bloß eine Formel in Sonntagsreden ist sondern wirklich gelebt und erfahren wird. Dazu kann jeder etwas beitragen. Erst recht, wenn wir es so machen, wie es die afrikanischen Kinder uns in ihrem wunderbaren Spiel zeigen. Einander die Hände reichen, uns gegenseitig ermutigen und einander helfen und beistehen. Wir schaffen das! Ich bin sicher, dann würde ein frischer Wind durch unser Land wehen.

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28JUN2020
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Aufstehen indem man niederkniet. So lautet die Überschrift eines Zeitungartikels, in dem über die neue Protestbewegung Black Lives matterberichtet wird. Menschen demonstrieren gegen Rassismus und Gewalt und knien dabei auf die Erde, um ihren Protest zu unterstreichen/auszudrücken.

Angefangen hat das im amerikanischen Fußball, als ein farbiger Spieler sich weigerte zur Nationalhymne aufzustehen. Er wollte sich nicht mit einem Land identifizieren, in dem  es seit Jahrhunderten direkt oder unterschwellig  eine Benachteiligung der farbigen Bevölkerung gibt und in dem immer wieder farbige Menschen bei Polizeieinsätzen getötet werden. Aus dem Schwarzen, der einst als Sklave untertänig knien musste, wird der freie Schwarze, der gegen Unterdrückung aufsteht, indem er niederkniet. 

Der Kniefall ist ursprünglich ein Akt der Demut und der Respektsbekundung. Bis zum heutigen Tag knien Katholiken in den Gottesdiensten, ein Zeichen des Gebetes und der Verehrung. Wer auf die Knie geht, kann aber auch sagen: Ich bitte um Entschuldigung. Ich denke an den besonderen Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Er hat im Dezember 1970 Polen besucht. Brandt ging dabei auch zum Ehrenmal der Helden des Warschauer Gettos und fiel auf die Knie. Es war eine Bitte um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche in Polen begangen hatten. Hier wird deutlich: Es ist ein Unterschied, ob jemand freiwillig niederkniet oder in die Knie gezwungen wird. 

Im Gedenken an den jüngst von Polizisten getöteten Afroamerikaner George Floyd knien Menschen auf die Straße .Sie protestieren damit gegen jede Form von Rassismus. Es sind nicht die geballten Fäuste, die wiederum Gewalt provozieren, sondern es sind gebeugte Knie, die auf Gegengewalt verzichten. Die Menschen knicken nicht vor einer stärkeren Macht ein oder geben resigniert auf .Sie leisten Widerstand indem sie niederknien. Sie zeigen sich von ihrer schwachen und ohnmächtigen Seite und demonstrieren doch ihre Stärke. Mich haben diese Bilder sehr berührt. Es ist bewegend, wenn ein weißer Erzbischof neben einem schwarzen Polizisten kniet oder wenn ein schwarzer Student auf den Knien eine weiße alte Frau umarmt. In solchen Momenten stimmt eben jedes Schwarz-weiß-Denken nicht mehr. Da zeigt es sich, wenn auch sehr verletzlich, dass wir alle nicht aus verschieden Rassen bestehen sondern einfach nur Menschen sind .So vielfältig und bunt wie das Leben  selbst.

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Aufstehen in dem man niederkniet. Ich spreche heute in den SWR 4 Sonntagsgedanken darüber, wie das Knien in jüngster Zeit zum Protest gegen jede Form von Rassismus geworden ist. Wenn die Demonstranten niederknien, wollen sie damit kein religiöses Bekenntnis ablegen: “Da seht, was für fromme Menschen wir sind!“ Und doch hat es für mich sehr viel mit der Botschaft Jesu zu tun. Für ihn zählt jeder Mensch. Das sehen wir in der Bibel. Jedem begegnet Jesus mit Respekt und Anerkennung 

Ich verstehe nicht, wie man mit der Bibel in der Hand posieren und gleichzeitig Farbige als Menschen zweiter Klasse behandeln kann. Ich verstehe nicht, dass der Traum von Martin Luther King immer noch nicht wahr geworden ist, dass es immer noch Gewalt zwischen der farbigen und der weißen Bevölkerung gibt. Ich verstehe die Demonstranten. Es ist Zeit nieder zu knien.

Als erstes um unsere Schuld zu bekennen. Rassismus fällt nicht vom Himmel.er wächst in unseren Herzen und Gedanken und schleicht sich ganz heimlich in unserem Alltag ein. „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Das ist eben nicht bloß ein harmloses Kinderspiel, es ist bitterer Ernst. Ein junger Afrikaner, der täglich mit dem Bus fährt, erzählt, dass sich nie jemand neben ihn setzt. Lieber würden die Leute stehen. Und  wie viele sind es, die schnell wieder die Tür zu machen, wenn der Bewerber um die ausgeschriebene Wohnung schwarz ist. Das sind keine Schauermärchen, sondern Blitzlichter aus dem täglichen Leben/das passiert jeden Tag.

Aber selbst wenn alle jetzt knien würden, wäre das Entscheidende noch nicht getan. Es reicht nicht spontan seine Solidarität zu bekunden und alles bleibt beim Alten. Unsere Einstellungen und Haltungen müssen sich ändern, damit sich dann auch an den Verhältnissen etwas ändert. Natürlich kochen die Fremden bei uns anders, reden sie anders, hören sie andere Musik und nicht immer ist die Nachbarschaft ohne Komplikationen, das sei gar nicht beschönigt. Sie sind fremd und ihre Kultur mag für uns fremd sein, aber sie sind Menschen wie wir und haben die gleichen Bedürfnisse.

Auf meinem Schreibtisch steht eine schwarze Madonna/Muttergottes mit einem schwarzen Jesus-Kind. Das mag historisch falsch sein, weil Maria und Jesus eben aus Palästina kommen und nicht aus Uganda. Und doch ist es menschlich richtig. Weil alle Farben der Menschen zu Maria und Jesus passen. Gott macht keinen Unterschied. Jedes Menschenkind trägt seine Züge .In jedem Gesicht, ob schwarz oder weiß oder gelb oder rot schaut uns das Gesicht Gottes an. Er hat nicht Rassen geschaffen, sondern Menschen. Vor diesem Gott knien heißt darum aufstehen für jedes seiner Geschöpfe, weil  jedes Leben zählt.

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Vor einigen Wochen war ich mit jungen Menschen zusammen, um mit ihnen ihre Hochzeit vorzubereiten. Das war noch vor der schrecklichen Pandemie, die uns jetzt zwingt, zuhause zu bleiben und die so viele Menschen bedroht und in Angst und Sorgen versetzt. Bei unserem Treffen haben wir miteinander ein Bild angeschaut. Es hat auf den ersten Blick nichts mit Hochzeit zu tun. Sein Titel: Gang nach Emmaus. 

Das Bild zeigt ein biblisches Motiv, das mich in diesen Tagen besonders berührt. Zwei Menschen gehen, oder besser gesagt, schleppen sich auf ihrem Weg. Sie tragen eine schwere Last. Sie mussten miterleben, wie ihre große Hoffnung an einem Kreuz zunichte gemacht wurde. Sie hatten ganz auf Jesus gesetzt und geglaubt, dass er der so lang ersehnte Retter sei. Und nun dieses Ende. 

Und während sie so mit schweren Herzen unterwegs sind, begegnet ihnen ein Mann, der sich ihrem Weg anschließt und mit ihnen ins Gespräch kommt. Genau dieser Augenblick wird auf dem Bild dargestellt. Wir sehen neben den beiden einen Unbekannten, der nur ganz leicht in seinen Umrissen angedeutet wird. Einer der dabei ist und doch nicht erkannt wird. Einer, der sich zuwendet und doch eigenartig fremd bleibt.  Aber sie gehen in die gleiche Richtung und einer der beiden Jünger versucht ganz zaghaft seine Hand auf die Schulter des Unbekannten zu legen. Als möchte er sagen: „Bleib doch bei uns, es ist gut dass wir jetzt nicht allein sind“. Und der Unbekannte lässt diese Berührung geschehen und scheint den beiden anderen noch intensiver zuzuhören. 

Es ist trotz der dunklen Gewänder, in die die beiden Jünger gehüllt sind, ein hoffnungsvolles Bild. Nicht weil es am Horizont hell zu werden beginnt, sondern weil Menschen miteinander einen Weg gehen, sich gegenseitig tragen und annehmen und weil sie zum Glück  miteinander das teilen können, was ihnen so schwer auf dem Herzen liegt. Einer von den Brautleuten, mit denen ich das Bild angeschaut habe, hat es auf den Punkt gebracht: “Zwei gehen zu dritt“.  

„Zwei gehen zu  dritt“! Ich spreche heute in den SWR 4 Feiertagsgedanken über eine biblische Geschichte, die von einer ganz besonderen Weggemeinschaft erzählt. Zwei gehen zu dritt. Schon unterwegs haben die Jünger gespürt, dass der Unbekannte ein besonderer Mensch sein muss. Die Art wie er zuhört, wie er redet, wie er sich in der Bibel auskennt! Aber erst am Abend, als er mit ihnen das Brot teilt, gehen ihnen die Augen auf. Sie erkennen Jesus, der die ganze Zeit mit ihnen gegangen ist. 

Mich bewegt diese biblische Geschichte in diesen Tagen besonders. Wie alle anderen auch bleibe ich zurzeit in meiner Wohnung, genieße aber die Spaziergänge in den anbrechenden Frühling. Dabei treffe ich viele, die allein oder zu zweit unterwegs sind, und plötzlich scheint möglich, was vorher oft nicht passiert ist. Wir schauen uns an, wir grüßen einander und sprechen ein paar kurze Worte, wenn auch bei gebührendem Abstand; und plötzlich merken wir, wie wir alle in der gleichen Situation sind. Mir tut so eine freundliche Begegnung gut, und ich bin dankbar, dass ich immer wieder ein aufmunterndes Wort gesagt bekomme. 

Die gegenwärtige Krise erzeugt viele Ängste und Sorgen. Sie bewegt aber auch viele Menschen, anderen beizustehen und ihre Hilfe anzubieten. Ich denke an die Jugendlichen, die für andere einkaufen oder an Kinder, die für die Bewohner unserer Pflegeheime einen Ostergruß malen. Besonders beeindrucken mich die vielen Frauen und Männer in den Pflegeheimen und Krankenhäusern oder bei den Rettungsdiensten, die nach wie vor auf dem Posten sind und sich der erkrankten und Pflegebedürftigen annehmen. 

Auch wenn wir dieses Jahr Ostern nicht mit feierlichen Gottesdiensten begehen können, es findet dennoch statt. Womöglich viel handfester als sonst. Die Emmaus Geschichte zeigt es. Wo immer Menschen miteinander ihre Last teilen, wo keiner allein gelassen wird und wir einander zuhören und beieinanderbleiben, dort ereignet sich Ostern, dort erleben wir, was wir sonst in feierlichen Gottesdiensten gesungen hätten: Die Liebe ist stärker als der Tod. Die Liebe, die über alle Grenzen hinweg Menschen zusammenbringt, die Liebe, die nicht nur nach dem eigenen Vorteil fragt und hamstert, was es zu hamstern gibt, die Liebe, die sich nicht zu schade ist, einem anderen beizustehen, auch wenn für einen selbst dabei nichts herausspringt. 

Auf dem Emmaus-Bild, von dem ich vorher gesprochen habe, sieht man die Gestalten nur von hinten. Und man sieht vor allem keine Gesichter. Alle drei könnten Ihr oder mein Gesicht tragen. Es ist unsere Geschichte, egal auf welchen Wegen wir gerade unterwegs sein müssen. Hoffentlich mit einem an unserer Seite, der mitgeht, mitleidet, und ein Stück Brot hat, das er mit uns teilt. Damit auch wir sagen können: „Zwei gehen zu dritt“.

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29DEZ2019
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„Bin ich denn der Hüter meines Bruders?“ Dieser Bibelvers hat sprichwörtlich Karriere gemacht. Er stammt aus der uralten Geschichte von Kain und Abel. Eine Geschichte, die uns erzählt, wie durch Neid und Eifersucht die gute Schöpfung Gottes aus den Fugen gerät. Am Ende dieser dramatischen Geschichte ist der Mensch nicht nur nicht der Hüter seines Bruders. Er ist sogar sein Feind. Kain schlägt seinen Bruder Abel tot. Weil er denket, dass der Vater diesen mehr liebt als ihn. „Der Mensch ist des Menschen Wolf!“ schreibt in diesem Sinn viel später ein englischer Philosoph. Und heute heißt es manchmal so: „Die Hölle, das sind die Anderen!“ Begonnen hat das alles einmal mit der unsäglichen Ausrede von Kain. Als Gott ihn zur Rede stellt, antwortet er: „Bin ich denn der Hüter meines Bruders?“ So kündigt man jede Solidarität und Mitmenschlichkeit auf, so weigert man sich für Andere Verantwortung zu übernehmen. Man grenzt sich voneinander ab und lässt es einfach zu, dass es mitmenschlich rau und kalt wird. Auch eine Form des Klimawandels, der uns bedroht.

 

Und dann feiern wir Weihnachten? Gott sei Dank! Wir feiern es mit Leib und Seele, weil es uns und unserer Welt gut tut. Weihnachten ist Gottes Gegenentwurf zu einer kalten und hartherzigen Welt. In dem (kleinen) Kind im Stall gibt sich Gott in die Obhut der Menschen. Der Mensch soll ihn annehmen und versorgen, damit die uralte Verweigerung Kains rückgängig gemacht wird. Vom Christ-Kind geht die rettende Botschaft aus: Jeder ist der Hüter seines Bruders und seiner Schwester. In dem kleinen Kind schreibt Gott den Menschen eine Wegweisung ins Stammbuch, das das Zusammenleben auf eine neue, andere Grundlage stellen soll: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Also den Menschen lieben und achten! Hüter sein und nicht Wolf! Hüten und behüten, auf einander achtgeben, sich für andere einsetzen und stark machen und ganz besonders die Kleinen und Schwachen schützen und notfalls mittragen.

 

Das ist Gottes Programm für eine menschenwürdige und gerechte Welt. Diese beginnt unscheinbar und fast unbemerkt. Nicht in den Machtzentren und nicht mit feierlichen Erklärungen! Sondern mit einem Kind, das wie alle Kinder dieser Welt seine Hände ausbreitet und behütet sein will. Unzählige Künstler haben dieses Motiv aufgegriffen und Jahr für Jahr freue ich mich an den vielen Weihnachtsbildern, die die Einfachheit und den Zauber dieser entscheidenden Geburt ausstrahlen. 

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Ich verstehe immer mehr, warum gerade die Hirten damals die ersten Adressaten der weihnachtlichen Botschaft waren. Sie wissen, was hüten und behüten bedeutet. Sie laufen als gute Hirten nicht einfach davon, wenn es brenzlig wird, und sind so nah bei den anvertrauten Herden, dass sie sogar ihren Geruch annehmen. Bei Wind und Wetter stehen sie draußen, sorgen besonders für die Schwachen in der Herde und haben dennoch alle im Blick. In der Öffentlichkeit aber sind sie nicht sehr angesehen, man hält sie eher für ein zwielichtiges Gesindel. Aber ausgerechnet diesen Randfiguren in öffentlichen Leben wird als erste die frohe Kunde von der Geburt des lang ersehnten Retters verkündet.

Kein Wunder, dass sich später einmal Jesus gerade mit diesen Hirten identifiziert. Er nennt sich selber einen „Guten Hirten“ und bekundet damit, wie er sich und sein Leben versteht. Er weigert sich nicht, der Hüter seines Bruders zu sein. Im Gegenteil. Er kümmert sich um die Menschen und überwindet dabei enge Grenzen, die nicht zuletzt eine fromme Gesinnung gezogen haben. Hüter des Bruders sein beutet für ihn: stehen bleiben und die Not eines anderen wahrnehmen; die Augen öffnen und fragen, was einer sucht oder braucht und seinen Mund aufmachen, wenn einem Menschen Unrecht geschieht.

Für mich sind die Hirten an den Weihnachtskrippen kein romantisches Beiwerk, das man nach Weihnachten wieder abräumt. Die Hirten sind bleibende Wegweiser zu Jesus, dem eigentlich“ Guten Hirten“., Bei ihm sind wir in besten Händen Jesus zeigt uns für das nun anbrechende Jahr wieder einen verlässlichen Weg.Die Hirten erinnern mich auch an die berühmteste Stelle aus dem Buch der Psalmen.  Damit lässt sich getrost das alte Jahr abschließen und gut behütet das kommende beginnen. .Da heißt es: “Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, (aus Ps 23)

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22SEP2019
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»Die Welt ist nicht genug«. Das ist der Titel eines James-Bond-Films, der Ende der 1990er-Jahre gedreht wurde. In einer Schlüsselszene sagt die böse Heldin Elektra sinngemäß zu James Bond, dass sie ihm die Welt zu Füßen legen könnte, wenn er sich nur auf sie einlassen würde. Darauf antwortet Bond kühl, aber nicht unfreundlich: »Die Welt ist nicht genug « 

Ich habe in den vergangenen Wochen viele Menschen erlebt, die sich auf oft wochenlange Pilgerwege gemacht haben, um schlussendlich ihr Ziel in Santiago de Compostela zu erreichen. Was hat sie veranlasst ihr gemütliches Haus mit einer einfachen Herberge zu tauschen, oder ihr schickes Auto mit einem Rucksack? Kommt man mit Pilgern ins Gespräch, erfährt man  sehr schnell, dass sie viele Fragen an ihr Leben haben. Sie suchen eine tragfähige Antwort. Und so verschieden die Menschen sind, so verschieden sind ihre Fragen und die Antworten. 

Was für eine Vielfalt, was für eine bunte Welt sich Tag für Tag vor der Kathedrale von Santiago versammelt, ist für mich tief berührend: Es sind Menschen aus allen Kontinenten, mit unterschiedlichen Sprachen und Weltanschauungen, und doch scheinen sie in einem einig: “Die Welt ist nicht genug“. In (so) vielen Augen ist eine ganz große Sehnsucht zu entdecken. Es ist die Sehnsucht nach dem, was (scheinbar) nichts und niemand in der Welt erfüllen kann. Manche sind aus einem stressigen Job ausgestiegen, weil sie sagen, das kann doch nicht alles sein. Manche suchen bewusst auf dem Pilgerweg ein ganz einfaches Leben, weil sie den materiellen Überfluss satt haben. Andere brauchen eine Auszeit, weil sie sich selbst wieder finden wollen. Es gibt auch die, die einfach bloß mal weg wollen.

 Ja, und die gibt es auch, mehr als ich dachte: die Gottsucher. Ich denke an einen jungen Mann, der mir erzählt hat, wie er einfach mal den Jakobusweg machen wollte, ohne genau zu wissen, warum. Und dann tief bewegt davon berichtet, wie unterwegs in ihm die Frage und die Sehnsucht nach Gott aufgebrochen sind. Er war immer wieder begeistert, durch welche herrlichen Landstriche er pilgern konnte. Das hat ihn nicht unberührt gelassen. Irgendwann stellte sich ihm die Frage „woher und warum das alles?“ Sicher werden andere ähnliches von ihrem Weg erzählen und dann jedes Mal die  Erfahrung von James Bond bestätigen: Die Welt ist nicht genug.  

Teil 2

„Die Welt ist nicht genug“ .Ich spreche heute in den Sonntagsgedanken von SWR 4 über eine große Sehnsucht, die viele Menschen umtreibt und im wahrsten Sinn des Wortes „bewegt“. Nicht ohne Grund wurde einmal der bedeutende Pilgerweg nach Santiago de Compostela als Weg der Sehnsucht bezeichnet Der deutsche Schriftsteller Günter Kunert hat diese Sehnsucht folgendermaßen beschrieben: Ich bin ein Sucher eines Weges. Zu allem was mehr ist als Stoffwechsel, Blutkreislauf, Nahrungsaufnahme, Zellenzerfall.Ich bin ein Sucher eines Weges der breiter ist als ich. Nicht zu schmal. Kein Ein-Mann-Weg. Aber auch keine staubige, tausendmal überlaufene Bahn.Ich bin ein Sucher eines Weges. Sucher eines Weges für mehr als mich. 

Kunert ist 1979 aus der DDR ausgewiesen worden. Ich weiß, dass er in einem Gespräch bekannt hat: "Ich bin in einem völlig religions- und glaubensleeren Raum aufgewachsen. Weder das Christentum noch das Judentum  haben für mich jemals eine Bedeutung gehabt." Deswegen möchte ich ihn nicht religiös vereinnahmen! Aber der Schluss seines Gedichtes ist so offen, dass ich mir erlaube, auch Gott darin unterzubringen. In wenigen Sätzen beschreibt Günter Kunert, was unser Leben zutiefst prägt. Wir sind Suchende und spüren, dass wir uns selber nie genügen. Die Bibel beschreibt den Menschen ähnlich. Sie sieht ihn ebenfalls als suchenden und pilgernden Erdenbewohner, der nirgendwo ganz zuhause ist. Aber letztlich nichts sehnlicher verlangt als genau dies: ankommen und erwartet werden und in einer liebenden Umarmung aufgehoben zu sein. 

Oft werde ich gefragt: „Was macht für dich den Unterschied aus von Wandern und Pilgern?“ Ich antworte dann immer mit Hape Kerkeling. In seinem Buch über den Jakobsweg schreibt er: „Man wandert mit den Füßen und pilgert mit den Herzen“. Für mich heißt Pilgern: auf sein Herz hören lernen. Vielleicht höre ich dann, dass ich mehr Zeit für mich brauche oder dass ich neue Wege in meinem beruflichen Alltag suchen sollte oder dass ich in meinen Beziehungen Klarheit schaffen  möchte. .Pilgern heißt für mich auch, unterwegs vielen Fremden zu begegnen, die mir dann zu Gefährten werden und schließlich immer wieder von Gott überrascht werden, der auf allen Wegen mitgeht, auch wenn ich es oft nicht merke oder spüre. 

Pilgern kann ich überall. Es muss nicht der Jakobusweg sein oder ein anderer der bekannten Wege. Pilgern  kann ich immer dann, wenn ich nach innen höre und aufmerksam bleibe, für das, was mein Herz wirklich sucht. Und vielleicht sage ich dann auch, wie James Bond: “Die Welt ist nicht genug!“

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Soweit sind wir also. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung hat vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt. Er hatte den Juden geraten, sie sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Kippa ist eine kleine Kopfbedeckung, die für Männer jüdischen Glaubens eine große Bedeutung hat. Begründet wurde die Empfehlung mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“. Ich finde das ungeheuerlich! Wer Jude ist, muss  sich verstecken, um überall in Deutschland sicher zu sein. Er soll nach außen hin nicht zeigen dürfen, welcher Religionsgemeinschaft er angehört. Darauf gibt es für mich nur eine Antwort: Nein, das darf nicht sein! Wenn das so ist, wenn das so bleibt, versagen wir vor unserer Geschichte Es kann doch nicht sein, dass bei uns wieder braune Parolen auftauchen und Nazi Schmierereien zu lesen sind und man einfach vergisst, was dem jüdischen Volk angetan wurde. Das jüdische Sprichwort stimmt: Vergessen hält die Erlösung auf, Erinnern bringt sie voran.

Es ist dringend notwendig, gerade in kirchlichen Kreisen an einen wegweisenden Beschluss des II Vatikanischen Konzils zu erinnern. Der Oberrabbiner von Rom hat diesen Beschluss  damals eine "Revolution" im Verhältnis der katholischen Kirche zur jüdischen Religion genannt. Nach der verheerenden systematischen Vernichtung der Juden im Dritten Reich, die ohne größeren Protest der christlichen Kirchen  mit brutaler Gewalt durchgeführt wurde, war es höchste Zeit, dass sich die Kirche einerseits zu ihrem Versagen bekennt und andererseits ihr Verhältnis zu den Juden neu bestimmt.

Sie sind nicht die Gottesmörder. Sie sind unsere älteren Geschwister. So hat es Papst Johannes Paul II bei seinem historischen Besuch in der römischen Synagoge gesagt. Ihr Glaube ist die Wurzel, die auch den christlichen Glauben trägt. Jesus, Maria und Josef waren Juden und die Heilige Schrift der Juden ist auch  ein Teil unserer Heiligen Schrift. In den christlichen Gottesdiensten werden die Psalmen gebetet, das gemeinsame Gebetbuch von Juden und Christen. Bei allem Unterschied, das Gemeinsame wiegt schwer und reicht tief. Christen und Juden sollten einander begegnen, voneinander lernen und sich so dann auch besser verstehen. Viele unserer christlichen Feste haben ihre Wurzeln im Festkreis des Judentums, viele ausgezeichnete Zeugnisse in Kunst, Literatur und Musik verdanken wir jüdischen Mitbürgern Wer das jüdische Erbe auslöschen will, löscht einen Teil der deutschen Kultur aus. Und wer gegen die Juden hetzt, zeigt, wie wenig er vom sogenannten christlichen Abendland verstanden hat.

 Teil 2

Juden und Christen begegnen einander. Darüber spreche ich heute in den SWR4-Feiertagsgedanken am Pfingstmontag. Das große Pfingstereignis damals in Jerusalem ist eine faszinierende Geschichte. Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit ganz verschiedenen Sprachen begegnen einander und können sich verständigen. Es liegt eine Kraft in der Luft, die Menschen aus allen Ländern/Nationen und mit ganz verschiedenen Kulturen zusammenführt. Sie verstehen sich trotz ihrer Unterschiede, sie  respektieren einander, obwohl sie  sich fremd sind.

Gewiss ist das keine spannungsfreie heile Welt und sicher immer wieder auch anstrengend. Man muss aufeinander hören, statt von vorneherein zu urteilen, man muss es aushalten, dass andere anders sind und anders denken, anders glauben, anders leben als man selbst. Am Pfingsttag zeigt Gott, dass er nicht das Einerlei liebt, sondern die Vielfalt, und dass er den Menschen die Kraft gibt, diese Vielfalt zu gestalten. Das geht nicht ohne eigenen Standpunkt, ohne eigene Überzeugung, ohne klare Identität. Und es geht auch nicht ohne die demütige Erkenntnis, dass man nicht das Maß aller Dinge ist. Gerade am Umgang mit einem Anderen oder Fremden erweist es sich, wes Geistes Kind man ist.

Warum sollte also ein Jude nicht seine Kippa tragen dürfen. Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem  schon von der Verfassung her, jedem die freie Ausübung seiner Religion garantiert wird. Ich freue mich, wenn ich Andersgläubige kennen lerne und etwas von ihren Gebräuchen und Ritualen erfahre. Und ich denke an ein Wort von Benedikt dem XVI, der einmal gesagt hat: “Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt“. Diese Vielfalt müssen wir schützen.

Gerade den Juden gegenüber haben wir eine besondere Verantwortung. Heute können wir nicht mehr schweigen und wegschauen, wenn unsere älteren Geschwister diffamiert und mit neuen Hassparolen überschüttet werden. Aber genauso wenig darf unsere Solidarität  von deren Seite missbraucht werden. Ich bin ein Freund der Juden, ich bin sehr beschenkt von ihrer reichen Tradition und den Zeugnissen ihres Glaubens. Dennoch erlaube ich mir, die israelische Politik zu kritisieren. Auch Kritik ist eine Form des Respektes und der genseitigen Achtung. Unter Geschwistern erst recht.

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Vor kurzem ging in Panama, in Mittelamerika, der große Weltjugendtag zu Ende. Auch Papst Franziskus hat an diesem Treffen teilgenommen und mit ihm Jugendliche aus allen Teilen der Welt. In einer bewegenden Ansprache  hat der Papst deutliche und ermutigende Worte gefunden. Für ihn ist es ein großartiges Geschenk, dass verschiedene Kulturen und Völker, verschiedene Sprachen und Mentalitäten zusammen kommen. Jedes der Herkunftsländer hat eine andere Geschichte und andere Verhältnisse. Also viele Unterschiede und Dinge die trennen können. Aber nichts davon hat die jungen Menschen daran gehindert zusammenzukommen. Und dann sagte er wörtlich: 

„Mit euren Gesten und eurem Verhalten, mit euren Blicken, Wünschen und vor allem mit eurer Sensibilität widerlegt und entschärft ihr all jene Reden, die darauf bedacht sind, Spaltung hervorzurufen und die mit aller Kraft diejenigen ausschließen und vertreiben wollen, die „nicht wie wir sind“. Der Papst lobt mit diesen Worten das feine Gespür der Jugendlichen, die offensichtlich  begriffen haben, dass man ganz verschieden sein und sich dennoch respektieren kann .Er sagt zu ihnen:: “Ihr zeigt uns, dass Begegnung nicht bedeutet, dass man sich verstellt, und auch nicht, dass man dasselbe denkt oder den gleichen Lebensstil pflegt, indem man dieselben Dinge tut und nachmacht, dieselbe Musik hört .Nein, das ist nicht gemeint. Die Kultur der Begegnung ist ein Aufruf und eine Einladung, mit Mut einen gemeinsamen Traum lebendig zu halten.“

Es ist so wohltuend wie dieser betagte Papst in der Begegnung mit jungen Menschen zu träumen beginnt. Er trifft den richtigen Ton und versteht seine Zuhörer und sie verstehen ihn. Er redet nicht nur über Begegnung sondern lebt sie, einfach und bescheiden. Franziskus ist ein Papst zum Anfassen. Er braucht keine Bodyguards die ihn abschirmen. Herzlich und spontan geht er auf  die Menschen Er zeigt mit seinem eigenen Beispiel was “Kultur der Begegnung“ bedeutet. Und hält damit für und mit den Jugendlichen einen Traum lebendig, der wahrscheinlich in uns allen schlummert und darauf wartet, aufgeweckt zu werden.

Gegen alle Gleichgültigkeit eine Kultur der Begegnung schaffen-darüber spreche ich heute in den SWR4-Sonntagsgedanken. Einen (anderen) Menschen irgendwo zu treffen heißt noch nicht ihm tatsächlich zu begegnen. Oft sind es nur ein paar kurze Worte, die wir wechseln oder Gespräche, die über Alltägliches gehen und an der Oberfläche bleiben. Manchmal sind es nur allzu kurze Momente, weil man in Gedanken schon anderswo ist.

Und leider geschieht es nicht selten, dass man aneinander vorbeiredet oder sich sogar übersieht.

Ich entdecke in den Geschichten, die über Jesus in der Bibel erzählt werden, einen wahrlichen Meister der Begegnung. Sie beginnen oft so: “als Jesus den Menschen sah“ Er konnte offensichtlich richtig gut sehen und das lag weniger an seinen Augen als an seinem offenen und weitsichtigen Herzen. Und er konnte hören und fühlen und jedem das Gefühl geben, dass jetzt in diesem Augenblick nichts anderes wichtig ist als diese Begegnung. Ich denke zum Beispiel an die Szene, die sich am Jakobsbrunnen abspielt. Einem Treffpunkt, wo Menschen sich gewaschen, erfrischt und miteinander gesprochen haben. Jesus  ist müde von einem langen Weg, es ist um die Mittagszeit und sehr heiß. Er, ein Jude, bittet eine samaritanische Frau am Brunnen um Wasser, schon das ist außergewöhnlich, Weil die Juden nicht mit den Samaritanern sprechen. Schon nach einem kurzen Wortwechsel geht es nicht mehr um den Durst und das Wasser, sondern um viel Tieferes. Jesus spürt dass die Frau eine große Enttäuschung mit sich herumträgt. Sie hat mit mehreren Männern zusammengelebt und ist jedes Mal in ihrer Liebe enttäuscht worden. Jetzt ist Zeit und Ort über diese Erfahrungen zu sprechen und so kommt es in einer ganz alltäglichen Szene zu einer berührenden Begegnung.

Das ist möglich, wenn zwei Menschen einander vertrauen, wenn auch Schmerzliches und Leidvolles zum Ausdruck kommen kann, wenn zwei beieinander stehen bleiben und wirklich ganz da sind. Ob es zu einer Begegnung kommt ist weniger eine Frage der Themen, über die gesprochen wird oder eine Frage der Dauer. Ich meine, entscheidender ist viel mehr, offen und aufmerksam zu sein, eben ein echtes Interesse an dem Menschen, der mir gegenüber steht.

Der Papst hat in Panama von einer Kultur der Begegnung geträumt. Und er versucht überzeugend, diesen Traum wahr werden zu lassen. Mich erinnert er an sein großes  biblisches Vorbild und an ein Wort, das die Haltung Jesu gut zusammenfasst: Ein großer spiritueller Meister hat es so beschrieben:Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe. (Meister Eckhart)

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