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19JUL2020
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Enorm viel hat sich verändert in den letzten Wochen und Monaten. Das verunsichert mich. Das fängt schon bei ganz alltäglichen Dingen an. Zum Beispiel bei der einfachen Frage: „Wie geht es Dir?“ Oder „Wie geht es Ihnen?“ Die normale Antwort lautet dann ja: „Gut, und Ihnen?“

Jetzt ist das anders. Nicht wenige stutzen erst einmal, sie atmen durch und zögern kurz, bevor sie antworten. Oder sie sagen: „Eigentlich geht es mir gut.“ Sie fangen dann an aufzuzählen, was tatsächlich gut läuft, aber auch das, was nicht mehr so klar ist.

Singen im Chor, Sport in der Halle: Das geht seit Monaten nicht mehr. Und mal ehrlich: Einkaufen macht mir nicht mehr den gleichen Spaß  wie vor Corona. Auswärts essen gehen oder in einen Gottesdienst mit Sitzabständen und Maske auch nicht wirklich. Und ich spüre auch bei anderen diese Verunsicherung und dieses schale Gefühl. Gerade dann, wenn man sich eigentlich entspannt zurücklehnen will. Verunsicherung. Weil es eben anders geworden ist.

Den meisten geht es trotz Krise noch einigermaßen gut. Aber wer weiß denn, wie es wirklich weitergeht? Bei manchen Firmen sind die Aufträge bis Jahresende zum Großteil weggebrochen. Erreichen unsere Schulen unter diesen Bedingungen wirklich noch alle Schülerinnen und Schüler gleich gut? Manche sind digital ungeschickter oder schlechter ausgestattet. Wer achtet auf sie und begleitet sie?

Verunsicherung. Auch im Bereich der Gefühle und Befindlichkeiten.
Manche werden richtig aggressiv, weil sie sich eingeengt, in ihrer Freiheit beschränkt erleben, anderen verlieren ihren Lebensmut, ihre Freunde, weil ihre Kontakte bewusst oder ungewollt in den letzten Wochen deutlich abgenommen haben.

Mich erinnert das an die Gedanken eines Mannes in der Bibel, der betet (Psalm 73): „Beinahe hätte ich den Boden unter den Füßen verloren.“ Dann zählt er auf, was ihn alles verunsichert hat, wie er diese ganze Entwicklungen und auch Gott nicht mehr verstehen konnte. Aber je mehr er sich das alles vor Augen führt und benennt, da wird ihm klar, was er womöglich davor schon zu wenig beachtet hat. Was waren denn die Sicherheiten, der feste Boden auf dem er davor gestanden hat? War das alles wirklich so tragfähig, so zukunftsfähig, wie er gedacht hatte?

Was gibt wirklich Halt?
Ich kann für mich mitsprechen, was dieser Mann dann gebetet hat: Ich gehöre zu dir, Gott, du hältst meine rechte Hand. Ich halte mich an dich, und setze meine Hoffnung auf dich, den allmächtigen Herrn.

Das hat mir gerade auch ein Mann erzählt, der unsicher war bei einer Entscheidung. Er hat dann angefangen zu beten. Beten ist ja im übertragenen Sinne, die Hand Gottes ergreifen. Der Mann hat dann weitererzählt: „Es war eigenartig. Plötzlich hat Gott mich auf etwas anderes gestoßen, das ich vorher nicht gesehen habe. Und trotz der Verunsicherung zu Beginn, gingen jetzt plötzlich die nötigen Türen auf und ich habe einen viel besseren Weg gefunden.“

Viele erleben gerade, beruflich oder privat, das sich manches nicht mehr wie geplant verwirklichen lässt. Auch nicht absehbar. Mir ging es so mit einem neuen Aufgabenfeld. Das hat sich verzögert und verzögert. Und jetzt? Ist es überhaupt noch dran? Viele Fragen stellen sich ganz neu wegen Corona. Wird vielleicht jetzt etwas ganz anderes gebraucht? Werde ich jetzt ganz anders gebraucht? Ich will nicht nur stur einen festgetrampelten Pfad weitergehen, sondern auch aufmerksam sein, ob Gott mir nicht etwas ganz anderes zeigen will.

Es ist ja kein Wunder, dass viele im Moment durch Corona und die Begleitumstände verunsichert sind. Wenn echte Bedrohungen der Gesundheit und der Existenz auftauchen, wenn man sogar selbst zur Gefahr für andere werden könnte. Wenn die Umstände sich so stark verändern, wenn man sich nicht einfach auf Erfahrungen stützen kann, wenn man erzwungenermaßen neue Wege gehen muss. Dann rüttelt das jeden durch.

Umso wichtiger ist es, meine ich, auf Gottes Zusagen und seine Möglichkeiten zu vertrauen. Beten ist da eine gute Möglichkeit. Und wer nicht beten kann? Der kann mit anderen reden. Vielleicht beten die dann für ihn. Und es findet sich ein neuer Weg.

In der Bibel lese ich von Paulus. Nach einer schweren Lebenskrise hat er einen ganz neuen Halt und Lebensinhalt gefunden. Paulus zählt im Römerbrief (Kapitel 8) auf, was Menschen verunsichert. Er nennt die Sorgen und Bedrohungen beim Namen. Aber dann zieht er eine Art Schlussstrich darunter. Aus eigener Erfahrung. „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Römer 8,35), fragt er. Es gibt doch nichts, was größer und mächtiger ist als Gott. Christus steht mir bei in der Gefahr, sogar bis in den Tod hinein. Aus reiner Liebe. Er hält mich fest. Er lässt niemanden fallen.“

In dieser Gewissheit, dass Gott auch Sie festhält, wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.

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26JAN2020
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Vielleicht kennen Sie das auch. Manchmal braucht es einen Schubser von Gott. Vielleicht sogar einen Engel, dass Menschen zueinander finden und dann oft auch zum Glauben. Eine biblische Geschichte erzählt davon.

Sie handelt von einem Mann, der in einer großen Spannung lebte. Er war Soldat der römischen Besatzungsmacht in Israel. Er genoss zwar einen guten Ruf, weil er fair blieb, aber so ganz dazu gehören, das würde er wohl nie. Vor allem nicht in religiöser Hinsicht. Dabei lag dort sogar sein Hauptinteresse. Er suchte nach Gott, meinte gerade hier an der richtigen Adresse zu sein und gab sich alle Mühe. Er spendete viel für Bedürftige, er setzte sich für die ganze Gemeinde ein und betete täglich. Aber er blieb nun mal ein Ungläubiger in den Augen der Einheimischen. Und das schloss ihn aus, egal wie ernst er es meinte.

Aber wo Menschen nur die Unterschiede wahrnehmen und Grenzen ziehen, da hat Gott offenbar eine ganz andere Sicht. In unserer Geschichte jedenfalls war es so. Ich fasse es ganz kurz zusammen.

Es passierte ein kleines Wunder. Mitten im Gebet erschien dem gestandenen Soldaten Cornelius ein Mensch in leuchtenden, glänzenden Kleidern, ein Bote Gottes, ein Engel. Dieser beauftragte den Hauptmann Cornelius, er solle Petrus herholen lassen. Cornelius kannte Petrus nicht, aber der Engel sagte ihm auch, wo er ihn finden würde. Sofort schickte nun Cornelius seinen Boten los zu Petrus. Außerdem versammelte er seine ganze Familie und auch viele Freunde bei sich und wartete, was nun geschehen würde.

Zur gleichen Zeit hatte auch Petrus eine Erscheinung. Gott machte dem früheren Jünger von Jesus auf sehr drastische Weise deutlich, dass kein Mensch unrein genannt werden darf. Kein Mensch soll ausgeschlossen sein. Gott wendet sich jedem zu, jeder soll sich darauf verlassen.

Kaum hat Petrus sich von dieser Erscheinung erholt, kommt der Bote von Cornelius an und will ihn abholen. Eigentlich dürfte Petrus ja nicht mitgehen: zu einem Unreinen! Aber auf einmal begreift er seinen Traum: Kein Mensch ist für Gott unrein! Ohne Zögern geht er mit und erzählt dann dem römischen Hauptmann und allen dort Versammelten, was er mit Jesus erlebt und was Jesus getan hat. Auch dass wirklich jeder Mensch auf Gott vertrauen darf. Gott sieht nicht die Person an. Er macht keinen Unterschied. Jeder und jede wird von ihm voll und ganz angenommen, darf zu Gott gehören, hier im Leben und auch danach.

Sowohl bei Cornelius als auch bei Petrus war ein Schubser Gottes nötig. Nur so haben damals Menschen zu Gott und zueinander gefunden. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass Gott auch heute Menschen anstößt oder ihnen manchmal einen kleinen Schubs gibt. So kann dann Glaube und Vertrauen zu Gott wachsen. Dann geschieht Heilsames und im tiefsten Sinne Erfreuliches in einem Leben.

Vielleicht hat es das ja in Ihrem Leben auch schon einmal gegeben. Ein besonderes Erlebnis mit Gott oder einen sanften Schubs, der Ihr Leben voran gebracht hat. Einen Anstoß, der ihr Vertrauen gestärkt und sie mit Menschen zusammen geführt hat, die Ihnen gut getan haben. Oder denen Sie gut tun konnten.

Es passieren ja manchmal Dinge, die kann man zuerst nicht so richtig verstehen. Aber dann hat man plötzlich den Eindruck, das kam von Gott oder es musste so kommen, damit mir etwas Wichtiges für mein Leben nicht entgeht. Es war Gott, der meine Vorurteile oder Bedenken überwunden hat, der mich in Verbindung zu Menschen gebracht hat, wie ich es nie gedacht hätte. Auch Schubser, die mich daran erinnern, den solltest Du mal besuchen. Oder diese Frau solltest Du mal ansprechen oder einer anderen Person mal richtig und mit genügend Zeit zuhören. Vielleicht sehe ich dann anders und neu was um mich herum vorgeht.

Vielleicht gab es aber auch einen sehr starken Schubs Gottes in Ihrem Leben, der Sie schmerzhaft aufhorchen ließ. Manche Krankheit, manche Enttäuschung war im Nachhinein so ein Fingerzeig Gottes.

Lassen Sie das alles nicht wieder leichtfertig verfliegen. Man vergisst ja so schnell auch wirklich Wichtiges, wenn die Tage völlig überfüllt sind.

Dabei ist es so wichtig, über das eigene Leben und die Beziehung zu Gott nachzudenken. Beten ist oft der erste und sehr hilfreiche Schritt, so wie der Hauptmann Cornelius sich täglich im Gebet an Gott gewandt hat. Dann war irgendwann die Antwort da und Petrus konnte hm weiterhelfen. Vielleicht haben Sie aber auch schon längst jemanden im Blick, mit dem Sie gerne einmal über bestimmte Dinge sprechen möchten. Sie getrauen es sich aber nicht. Als Cornelius und Petrus damals erfasst haben, dass Gott sie angestupst hat, da haben sie sofort alles Mögliche unternommen.

Und das Wichtigste in dieser Geschichte: Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Da ist Cornelius so wichtig wie Petrus. Da sind auch Sie Gott so wichtig wie diese beiden Männer. Egal welche Voraussetzungen Sie haben oder nicht zu haben glauben. Das hat auch Jesus immer gesagt und sehr deutlich gezeigt.

Gott hat jeden Menschen im Blick, mit großem Interesse, mit unerschütterlicher Liebe. Er kennt mich, auch meine Ängste und Sorgen, meine Vorbehalte und meine Unsicherheit. Er weiß, was ich jetzt gerade brauche.

Manchmal schickt Gott auch sehr menschliche Engel, ohne leuchtend glänzende Gewänder. Aber im richtigen Moment oder mit einem Wort, das gut tut, das mich freut, das mir Vertrauen und neuen Glauben schenkt. Mich und andere weiterbringt.

Deshalb wünsche ich Ihnen, dass Gott sie immer wieder anstupst und Ihnen Vertrauen und Lebensfreude schenkt und für heute: einen gesegneten Sonntag.

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Haben Sie schon einmal eine Hiobsbotschaft erhalten? Eine schreckliche Mitteilung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Eine echte Hiobsbotschaft.

Der Ausdruck Hiobsbotschaft kommt vom biblischen Hiob, einem sehr frommen und ursprünglich auch sehr wohlhabenden Mann. Hintereinander wurden ihm von seinen Mitarbeitern mehrere schreckliche Nachrichten überbracht. Hiobsbotschaften eben. Sozusagen über Nacht hatte Hiob seinen ganzen  Besitz, sein ganzes Vermögen verloren. Und dann musste er auch noch hören, dass seine Kinder umgekommen sind. Darauf – eigentlich kein Wunder – wurde Hiob schwer krank. Das war nicht mehr auszuhalten.

Seine Frau hat ihn gefragt: Wie kannst Du jetzt noch an Gott glauben. Aber Hiob hat geantwortet: Der Allmächtige selbst hat mich erschüttert. Das war nicht irgendein Zufall. An Gott geht nichts vorbei, was geschieht. Ihm will ich meine Not klagen.

Menschen reagieren ja sehr unterschiedlich auf schlimme Nachrichten. Manche ziehen sich komplett in sich zurück und verbittern still. Wollen von nichts mehr etwas wissen. Andere hadern laut und offen mit ihrem Schicksal und brechen mit allem, was ihnen bisher wichtig und heilig war. Mit ihren Mitmenschen und mit Gott. Wieder andere gehen in sich. Sie suchen ganz neu nach Gott. Sie klagen ihm ihre Not – wie Hiob. Sie möchten irgendeine Antwort, irgendeinen Sinn oder Ausweg in ihrem Schicksal erkennen.

Wer selbst schon einmal so erschüttert wurde, kann solche Verhaltensweisen sehr gut verstehen. Oft schwankt man sogar von der einen zur anderen Haltung.

Warum ich? Warum jetzt? Und wieso?

Eine ältere Frau hat mir einmal gesagt: „Ich verstehe das nicht. Wie kann es sein. Ich habe doch immer anständig gelebt und auf meine Gesundheit geachtet?“ Aber es gibt keine Garantie für ein gutes Leben. Nirgendwo. Leid, Verlust und Krankheit nehmen niemanden aus. Sie sind ein fester Teil des menschlichen Lebens.

Im biblischen Buch Hiob werden unterschiedliche Haltungen zum Unglück und zum Leid in dieser Welt angesprochen. Da hört man die kritischen Stimmen, die sagen, wie kannst Du jetzt noch an Gott festhalten. Aber man liest auch von Hiobs Freunden, die den Kranken besuchen, die mit ihm sprechen, mit ihm schweigen, die das Unaussprechliche aushalten, die mit dem Betroffenen leiden. Die ihn auf der Suche nach dem Sinn und nach Gott begleiten wollen.

Und über Hiob kann man nur staunen. Er ist verzweifelt, er klagt laut, aber in aller Verzweiflung gibt er seine Hoffnung, gibt er Gott nicht auf. Wenn man dieser Spur folgt, erkennt man, wie etwas Größeres, Wichtigeres heranwächst. Ein Glaube übers Leben hinaus.

Ich weiß, dass viele andere auch große Lasten oder schreckliche Verluste ertragen müssen. Wieder andere gehen mit Menschen um, die unter solchen Verlusten oder gesundheitlichen Lasten leiden. Womöglich kennen Sie das auch.

Da kann man nichts schön reden. Die Sache nicht einfach lösen. Man muss jeden einzelnen Tag erst einmal durchstehen und damit leben.

Da kann die Geschichte von Hiob helfen, die keinen Helden vorführt, sondern einen vom Leid Geplagten. Die keinen glücklichen, sondern einen verzweifelt suchenden und mit seinem Schicksal und mit Gott ringenden Menschen beschreibt. Aber sie schildert auch einen Menschen, der Entdeckungen macht, der zu Einsichten kommt, zu denen man in sonnigen Zeiten nicht so leicht gelangt.

Eine davon ist, wie wichtig Freunde sind, selbst dann, wenn Gespräche hart und schmerzhaft werden. Das Zuhören, das Mitleiden, das gemeinsame Aushalten hat allen letztlich doch geholfen und viele wichtige Gedanken und Erkenntnisse reifen lassen. Auch einen neuen Blick auf das Leben und auf Gott haben sie bekommen. Das geht einher mit der Einsicht, dass Gott nicht einfach so verfügbar ist, aber dass er jeden einzelnen Menschen immer im Blick behält. Man kann von Gott nichts erzwingen – wer sind wir denn ihm gegenüber –, aber man kann ihm alles vertrauensvoll klagen. Denn Gott hört und schaut hin. Leid und Schmerzen gehören zu dieser Welt, leider. Hiob hat das für sich erkannt. Und im Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus sehe ich das auch. Von Jesus lerne ich: Gott ist größer, als ich mir das vorstellen kann. Wo mein Denken und Glauben zu Ende ist, da kann doch neues Leben beginnen.

Es mag im ersten Moment billig klingen, aber Hiob ist durch das Unglück und in diesen Gesprächen zusammen mit seinen Freunden und seiner Frau wirklich gereift. Sie haben begriffen wie labil und verletzlich das Leben ist. Dass man Gott nicht einfach so fassen und begreifen kann, aber dass Gott keinen loslässt – auch nicht im Leid oder im Schmerz.

Das wünsche ich allen, denen es gerade wie Hiob geht. Dass die langen und schwierigen Nächte, die schmerzvollen Tage, sogar die Verzweiflung, die wie ein schwarzer Tunnel die Sicht versperrt, bald enden. Und dass sie zu Erfahrungen werden, die einen größeren und weiteren Blick reifen lassen. Und ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen für diesen Sonntag.

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Das kennen Sie vielleicht auch. Da gibt es plötzlich Schwierigkeiten, eine Aufgabe, die einem über den Kopf wächst oder ein Kollege, der einem so zusetzt, dass man einfach nicht mehr kann. Plötzlich ist alle Sicherheit weg. Schaffe ich meine Aufgaben überhaupt noch? Oder gehe ich unter? So etwas haben auch die Jünger von Jesus mal erlebt. Die Bibel erzählt das so (Mk 4, 35ff):

 

Nach einem langen anstrengenden Tag stiegen sie in ein Boot. Sie waren müde und erschöpft, aber es soll ja auch nur eine kurze Überfahrt zur nächsten Stadt am anderen Ufer des Sees Genezareth werden. Keine große Sache. Auch für die anderen Boote, die sie begleiteten. Einige Jünger waren Fischer, also gut vertraut mit dem See. Doch dann kam alles anders. Ein Sturm zog auf mit bösen Fallwinden vom nahen Bergland. Wind und Wasser peitschten ihnen ins Gesicht, die Wellen und die Gischt gingen hoch und schließlich auch in die Boote. Sie waren dem Wetter ausgeliefert und wussten sich nicht mehr zu helfen.

Der Wind bläst einem kalt ins Gesicht, das Boot läuft voll Wasser und man hat nichts dagegen zu setzen. Nirgends ist Hilfe in Sicht. Nicht nur bei der Arbeit kann man so etwas erleben, das passiert leider auch privat. Es knallt mit den erwachsenen Kindern, mit dem Partner oder mit Freunden. Man findet nicht mehr zueinander. Aus der kalten Brise wird ein Sturm, ein Unwetter. Alles wird plötzlich falsch verstanden und immer noch schlimmer. Unerträglich. Das Wasser steht hoch im Boot. Wer kann da noch helfen? So gesehen kennt jeder den Sturm auf dem See. Was aber haben die Jünger gemacht, als sie nicht mehr weiter wussten?

Sie haben Jesus gesucht, an den sie in dieser Lage zuerst gar nicht gedacht hatten. Sie hatten ja alle Hände voll zu tun. Aber Jesus schlief. Er lag einfach so da in einem geschützten Winkel des Bootes. Vielleicht noch erschöpfter als sie – wegen der vielen Menschen und Gespräche. Sie konnten es nicht fassen. Sie schüttelten ihn und weckten ihn auf. Dann fragten sie ihn: „Kümmert es dich nicht, dass wir hier umkommen?“

Ich höre da Unverständnis, Wut und Verzweiflung. Merkst Du denn gar nichts? Du lieber Gott! Warum greifst Du nicht ein? Es ist fast wie ein Gebet. Auch das kennen viele. Wenn gar nichts mehr hilft… dann ein Stoßgebet, oft ebenso verzweifelt, so wütend, wie die Jünger. Weil man einfach nicht mehr weiter weiß.

Jesus aber stand auf, bedrohte den Wind und sprach in das tosende Wasser hinein: „Schweig und verstumme!“ Da legte sich der Wind und es breitete sich eine große Stille aus. Gott hatte eingegriffen. Wenn ich die Umstände nicht mehr ändern kann und mit meiner Kraft am Ende bin, dann kann er immer noch alles wenden. Mit seinen unfassbaren Möglichkeiten.

Aber damit ist die Geschichte ja noch nicht zu Ende. Sie beginnt jetzt erst richtig. Eine große Stille hatte sich ausgebreitet, als der Sturm sich gelegt hat, heißt es in der Bibel. Jesus aber schaute nun hin zu den Jüngern und fragt: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Na ja, ist es denn nicht normal, dass man sich fürchtet, wenn man gerade noch mit beiden Händen Wasser aus dem Boot schöpfen musste, wenn einer der Kollegen noch mühsam das Steuer festgehalten hat und jeder Einzelne gleichzeitig aufpassen musste bei der nächsten Welle nicht über Bord zu gehen? Und ist es nicht genauso normal, dass man zuerst einmal alle seine eigenen Möglichkeiten auslotet, bis man nach Gott ruft. Selbst ist der Mann oder die Frau heißt es doch so schön.

Aber genau das sieht Jesus anders. Er ist ja mitten in das Leben seiner Mitmenschen hineingetreten, um ihnen auch dort Gott nahe zu bringen. Er hat keine Sonntagsreden gehalten, sondern ist ihnen im Alltag begegnet und hat ihnen beigestanden. Und das sogar in höchster Not. Es gehört ja zum Leben, dass der Wind einem immer wieder kräftig ins Gesicht bläst. Es gehört dazu, dass man manchmal ziemlich hilflos  und an die Grenzen der eigenen Kräfte stößt. Aber immer ist Gott da und nahe.

In dieser Geschichte und ihrer Frage finde ich eine Hilfestellung für die bedrohlichen Stürme meines Lebens. „Habt ihr noch keinen Glauben?“ Wie oft lasse ich mich tagtäglich ablenken von der wichtigsten Beziehung meines Lebens, von der zu Gott. Und sogar dann, wenn ich unter Druck gerate. Alles setze ich dann ein, was ich selbst aufzubieten habe und was vielleicht doch nicht hilft. Statt den liebenden und nahen Gott mit in den Blick zu nehmen, der einen Weg weiß. Er hat Möglichkeiten, die alles übersteigen, was ich aufbieten kann. Er kann in der Verzweiflung Hilfe und Geborgenheit schenken.

Das war den Jüngern damals noch fremd. Deshalb hat sie dann erst recht der Schrecken gepackt und sie haben sich untereinander gefragt: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?

Erst allmählich und durch weitere Herausforderungen haben sie gelernt, dass Gott, sich ganz dicht an ihre Seite stellt, gerade, wenn es schwierig wird. Dass er sie durch alle Stürme hindurchträgt, so wie ein liebender Vater sich um seine Kinder kümmert.
Deshalb: Egal, was Sie heute beschäftigt oder bestürmt. Ich wünsche Ihnen dieses tiefe Vertrauen, diesen Glauben und einen gesegneten Sonntag.

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 Teil 1

Jedes Jahr hat seine Sommerhits. Sie werden im Radio rauf und runter gespielt und nach kurzem kann man sie mitsingen. Sommerhits machen fröhlich. Mein Sommerhit in diesem Jahr kommt nicht im Radio. Aber das Lied gibt einen Rat, wie man fröhlich werden kann. Es ist ein Kirchenlied und heißt „Geh aus mein Herz und suche Freud…“ Vielleicht kennen Sie es ja.  

Als junger Mensch habe ich mich oft gefragt, warum man sich denn aufmachen soll, um fröhlich zu werden. Ich bin doch schon von Natur aus eher fröhlich und zufrieden. Und selbst wenn ein Tag mal richtig stressig und schlimm war, am nächsten Morgen sieht doch alles wieder ganz anders und neu aus. 

Aber mit den Jahren muss man auch mit Veränderungen fertig werden, die – realistisch gesehen – nicht besser werden. Energie und Kraft lassen einfach nach. Ich denke an meine Eltern, die weit über 80 sind. An ihnen sehe ich, dass man vor allem ältere Menschen manchmal richtiggehend mitnehmen muss, damit sie wieder etwas sehen oder erleben, das sie fröhlich und zuversichtlicher macht.  

Für manche Menschen ist jeder Schritt beschwerlich, viele Orte sind praktisch unerreichbar, aber zuhause fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Die eigenen Kreise werden kleiner. Vieles wird unüberschaubar und deshalb bedrohlicher.  

Wie kommt man da wieder raus? Mir hilft da oft Musik, weil sie den ganzen Menschen anspricht, auch die Gefühle, die Seele. 

Besonders das kirchliche Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ macht Mut, sich innerlich neu aufzumachen. Auch dann, wenn man sich kraftlos fühlt, kann man die ersten Schritte mitgehen. Ja, etwas Bewegung gehört dazu, aber nur so viel, wie gerade möglich ist. Ein Spaziergang durch den Ort oder in den Wald wie im Lied muss es nicht einmal sein. Aber vielleicht ein paar Schritte auf die Veranda, den Balkon oder um die Fenster zu öffnen, damit die Augen spazieren gehen können, damit die Ohren andere Klänge hören, damit die Nase all die Düfte aufnehmen kann, die jetzt verströmt werden. Freude kann man suchen und finden.  

Ich kann dabei auch Gott suchen und wahrnehmen, heißt es in diesem Lied. Ich kann aus einem Spaziergang, aus einigen wenigen Schritten nämlich auch ein Gebet machen. Denn Bewegung wird zum Gebet, wenn ich dabei Gott mit in den Blick nehme. Dann wird die Natur wie im Lied besungen zu „Gottes Gabe“, dann verstehe ich ein bisschen mehr, dass Gott jedes Wesen und damit auch jeder einzelne Mensch unendlich wichtig ist. Mehr noch, dass dieser Gott uns mit Christus noch viel Größeres versprochen hat als die schönsten Parks, Gärten und Naturschutzgebiete dieser Welt. All das beschreibt das Lied: „Geh aus mein Herz…“ 

Teil 2

Manchmal muss man ja wirklich sein Herz, also sich selbst anhalten, das Schöne und Gute und Heilsame wieder neu zu sehen. Das Lied sagt: Blumen und Pflanzen, Bäume, Vögel, Tiere: all das sind Geschenke Gottes. Und ich finde: Ja, so ist es. Das alles hat Gott uns geschenkt, damit wir mit Freude leben und staunen können.

Allein schon zu sehen, dass etwas wächst und gedeiht, tut einem gut. Das Zusammenspiel der Farben der Blumen, der Wiesen, der Wälder, die verschiedenen Gerüche, das Gezwitscher der Vögel, das alles lässt die Seele aufleben und neuen Mut schöpfen.  

Meine Frau und ich probieren das gerade auch. Und wir erleben dabei immer wieder kleine Überraschungen, die der Seele gut tun. 

Wie erst vor wenigen Tagen. Völlig erschlagen von der großen Hitze haben wir uns abends nach dem langen Arbeitstag in die Gartenstühle auf der Veranda gesetzt. Uns tut das gut, nach all den Anforderungen des Tages, nochmals kurz hinaus, entweder ein paar Schritte auf die Felder oder wie diesmal einfach zusammen hinsitzen und einen Espresso genießen, über die Wiese zu schauen und dem abendlichen Konzert der Grillen und Vögel zuzuhören. Da können wir ohne Zeitdruck aussprechen, was uns gerade beschäftigt. Ganz entspannt in schöner Umgebung, die uns aufbaut. 

Da hat es aber sehr eigenartig im großen Lorbeerbusch geraschelt, immer und immer wieder. Ein Vogel? Nein, das Knacken, Knistern und leise Krachen war doch eher am Boden, wo die vertrockneten Blätter unter dem Busch liegen. Eine Katze oder vielleicht sogar eine Ratte? Nein, die sind doch nie so laut.  

Da löst sich plötzlich das Rätsel von allein auf. Ein richtig großer Igel tippelt aus dem Busch heraus auf uns zu. Hat er uns denn nicht bemerkt? Dann bleibt der Igel stehen. Wir haben beide schnell unsere Handys gezückt, wie man das so macht, um die Kinder per Whatsapp auch noch zu beglücken. Aber das Kerlchen hat sich genauso schnell wieder verzogen.  

Eigenartig, wie heilsam solche Momente sind. Die Zeit, die man sich nimmt, um nach draußen zu gehen, etwas anderes zu sehen. Und sich dann vom vielfältigen Leben und dem Schönen um einen herum einnehmen zu lassen. Vielleicht sogar eine Ahnung zu bekommen, von der Schönheit und den paradiesischen Zuständen der himmlischen Welt Gottes. Von denen singt das Sommerlied „Geh aus mein Herz…“ ja auch. 

Wenn Sie ein Gesangbuch haben: Dort finden sie das Lied unter der Nummer 503. Oder wenn Ihnen das möglich ist: Ganz einfach im Internet. Lesen Sie mal und lassen Sie sich anregen. Vielleicht mögen sie selber dann auch rausgehen. Ich bin sicher: Sie werden Freude finden.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

 

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Blickt nach vorn. Bleibt nicht an dem hängen, was vorbei ist. Einige Menschen haben zu Jesus gesagt, wie stark sie beschäftigt sind und was sie noch alles zu tun hätten. Denen hat Jesus geraten: Schaut nicht zurück. Das bringt nichts.

Diese Menschen waren angetan von Jesus. Sie spürten, dass er ihrem Leben viel geben konnte. Sie hätten auch gerne mehr von Gott erfahren, wollten sogar mit Jesus umherziehen. Aber jeder einzelne von ihnen musste noch irgendetwas Wichtiges erledigen oder klären. Erst dann könne er sich auf den neuen Weg mit Jesus einlassen. Hindernisse über Hindernisse.

Ich erlebe, dass das immer noch so ist bei vielen – nicht nur damals, zur Zeit von Jesus. Schade eigentlich. Denn man kann nicht oft genug sagen – zu sich und zu anderen: Schau nach vorne! Denn viel zu viele beschäftigen sich mit Dingen und Ereignissen, die sie nicht weiterbringen, die sie auch nicht mehr ändern können. Sie sind im Bisherigen, im Bewährten, einige auch in der eigenen Vergangenheit so sehr verhaftet, dass sie nicht begreifen können, was Gott ihnen bietet. Was er ihnen jetzt zeigen will.

Aber nicht immer ist es nur der Alltag, der einen Menschen in Beschlag nimmt. Ich denke an eine Frau, die mir immer wieder erklärt hat, dass sie gerne glauben möchte. Sie sucht die Freiheit und den inneren Frieden bei Jesus. Aber eine Sache würde sie immer wieder zurückhalten. Darüber käme sie einfach nicht weg. Sie hatte sich vor vielen Jahren mit ihrer Schwester heillos zerstritten. Seither könne und wolle sie nicht mehr in die Kirche gehen. Von diesem Streit wüsste auch jeder am Ort, sagt sie. Und der Konflikt beschäftige sie fast jeden Tag. Wenn ihre Schwester nicht den ersten Schritt unternimmt und auf sie zukommt, könne sie nicht glauben.

Mehrfach habe ich sie schon gefragt: Warum versuchen Sie nicht den ersten Schritt zu gehen und rufen Ihrer Schwester einfach mal an?

Das ging aber irgendwie nicht. Und so hielt die Vergangenheit diese Frau weiterhin fest im Griff. Weil sie immer wieder zurück-, statt nach vorne schaute, wurde die Vergangenheit so übermächtig, dass sie das komplette Leben dieser Frau gelähmt hat.

Dabei will Jesus unseren Blick nach vorne ausrichten. Er weist uns hin auf das Leben, das Gott uns heute und bis in seine wunderbare Welt hinein bietet, auf die wir Christen hoffen.

Teil 2

Das biblische Motto für die kommende Woche rät deshalb: Lebe vorwärts gerichtet. Nimm Gott und seine Möglichkeiten mit in den Blick. So verstehe ich den Vergleich, wenn Jesus sagt: Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der taugt nicht für das Reich Gottes (Lukas 9,62).

Wer an dem klebt, was hinter ihm liegt, der braucht sich nicht wundern, wenn es an Zuversicht und Lebensfreude hapert und wenn manches einfach nicht gelingen will.

Das beklagen ja auch viele, dass sie so rundum mit allem Möglichen beschäftigt sind, dass tausend Dinge auf sie einstürmen, dass Wesentliches zu kurz kommt und der Blick nach vorne verloren geht. Auch der Blick dafür, was dem Leben tieferen Sinn und festen Halt gibt. Dafür bleibt oft einfach keine Zeit.

Wirklich? Oder sind wir einfach zu sehr mit den Ackerfurchen hinter uns beschäftigt, mit dem, was uns ununterbrochen von der Seite zugeraunt wird, die vielen Dinge, die uns nicht mehr klar sehen lassen?

Jesus sagt: Lasst los. Schaut nach vorn. Gott wartet auf euch. Ergreift seine Hand, die er nach euch ausgestreckt hat. Blickt voraus auf Gottes weiten Horizont. Gott ist großzügig. Er fragt nicht nach dem, was war und was einer oder eine getan hat. Er will Versöhnung möglich machen. Deshalb: Geht voran und lasst euch von dem erfüllen, was er bietet. Auch dafür ist der Sonntag da, für den Blick nach vorne, auf die Zukunft, die Gott mir und auch Ihnen schenken will.

Wer immer wieder nach hinten schaut, sich ärgert oder das Bisherige selbst richten will, der erreicht das Gegenteil. Er verkantet den Pflug, die Furchen werden ungleichmäßig tief und krumm oder man verliert sogar ganz die Richtung. Da geht viel gute Saat verloren und der Ertrag bleibt mäßig.

Dabei will Gott doch zu recht bringen und segnen, was hinter uns und vor uns liegt. Das Gelungene und das weniger Gelungene. Das hat er uns durch Jesus gesagt und anschaulich gezeigt.

Diesen vertrauensvollen Blick nach vorne, den wünsche ich Ihnen heute und einen gesegneten Sonntag.

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Das Fundament entscheidet, ob ein Gebäude etwas aushält oder in sich zusammenfällt. Jesus hat einmal gesagt: Genauso ist es mit den Lebenshäusern der Menschen. Gerade in der Krise kommt es auf das Fundament an. Und besonders wenn es einen persönlich trifft, braucht man ein tragfähiges Fundament

Eine junge Frau hat mir erzählt: Die Hochzeit war geplant, die Familie und Freunde eingeladen, das Brautkleid gekauft. Es waren nur noch vierzehn Tage bis zum großen Fest, da sagt der Bräutigam, dass er diesen Schritt doch nicht tun will. Er trennt sich von ihr. Sie hatte es weder geahnt noch etwas davon bemerkt. Aber jetzt waren alle Hoffnungen und alle Pläne wie ausgewischt. Als ich das gehört habe, habe ich mich gefragt: Was trägt in diesem Moment?

Eine ganz andere Situation: Am Telefon frage ich den alten Bekannten – den ich länger nicht gesehen habe: Wie geht es dir denn so? Ein kurze Stille, dann fragt er zurück: Willst Du es wirklich wissen? Dann sagt er ganz offen: Ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Die Ärzte habe bei mir einiges festgestellt. Meine neue Stelle muss ich wieder aufgeben. Ab sofort kann ich nur noch stark eingeschränkt und mit vielen Medikamenten weiterleben. Wieder habe ich mich gefragt: Hält ein Lebenshaus einem solchen Erdbeben stand?

Nicht immer sind es die ganz großen Lebensstürme oder Beziehungserdbeben, die sich zur Krise auswachsen und ein Leben erschüttern. Als Pfarrer weiß ich: Es gibt kein Lebenshaus, an dem nicht heftig gerüttelt wird. Mein Eigenes nicht ausgenommen. Wahrscheinlich kann jeder seine ganz eigene Geschichte erzählen, vom kalten Platzregen und zerstörerischen Hagel in Beziehungen, von heftigen berufliche Sturmfronten, von lebensbedrohlichen Krankheiten, die die Lebensfundamente wegspülen können wie ein Hochwasser.

Deshalb war es Jesus so wichtig, dass Menschen das richtige Lebensfundament finden… dass sie ihr Leben nicht in den Sand setzen, sondern an einem unerschütterlichen Fels festmachen.

Was bedeutet das? Wie sieht ein solches Lebensfundament denn aus? Ich glaube, es genügt nicht, mich selbst zu finden. Wer kann sich schon immer selbst ertragen oder selbst helfen? Und andere? Sogar das Fundament der Freunde und der eigenen Familie kann erschüttert werden.

Deshalb sagt Jesus: Schaut auf Gott, der sich wie ein Vater, wie eine Mutter um euch kümmert. Er begleitet euch, auch wenn Unwetter über euch hereinbrechen. Natürlich ist nicht immer gutes Wetter und Sonnenschein. Aber Gottes Liebe und Barmherzigkeit hören nie auf. Wendet euch an ihn zum Beispiel im Gebet. Er hilft aushalten und durchhalten und wieder aufstehen.

 

Das hat die Frau erlebt, die kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam verlassen worden war. Sie hat ihre Lebenskrise als Chance erkannt. Sie hat ganz neu die Nähe und Hilfe Gottes gesucht. Im Nachhinein war sie sogar ein bisschen erleichtert, dass die harte Trennung vor und nicht nach der Hochzeit erfolgt  ist. Aber das ist immer leichter im Nachhinein festzustellen als mitten in der Krise.

Kennen Sie den Sänger Leonhard Cohen? Cohen war praktizierender Jude und hat sich zeitlebens in vielen seiner Lieder mit der Frage nach Gott auseinandergesetzt. Seinen Glauben bezeichnet er als einen Glauben in der Krise. Aber er hält trotzdem unbeirrt am Lob Gottes fest. Der Refrain eines seiner letzten Lieder [You want it darker] klingt wie ein Gebet angesichts seines damals schon absehbaren Todes: „Gepriesen und geheiligt sei dein heiliger Name… Ich bin bereit, o Herr.“

Ich glaube, dass in der Person von Jesus Christus uns Gott auch sein menschenfreundliches Gesicht gezeigt hat. Interessanterweise gerade dann, wenn Jesus seinen Mitmenschen in ihren Lebenskrisen begegnet. Zum Beispiel einer Frau, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden sollte. Er nimmt die Ankläger aufs Korn und rettet die Frau. Jesus scheut sich nicht vor den Kranken, sondern heilt sie. Er spricht eine Frau an, die sich nur noch in der stechenden Mittagssonne zum Wasserholen an den Brunnen traut. Jesus zeigt damit: Gott grenzt niemanden aus.

An Jesus erkenne ich auch, dass sich Gott vor ernsthaften Krisen nicht drückt, dass er Leid und Elend nicht meidet, sondern dass er mich und Sie und jeden einzelnen Menschen sieht und sucht. Und dass er hilft.

Jesus sagt: „Wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut[e].“ Klug ist so gesehen, jemand, der Gott sich auf Gott verlässt – auch wenn es dunkel aussieht im Leben und trübe. Platzregen und heftige Winde werden nicht ausbleiben, in keinem Leben. Aber der Glaube an Jesus ist ein Fundament, das meinem und Ihrem Lebenshaus Festigkeit und Hoffnung verleihen kann.

Ich wünsche Ihnen dieses Lebensfundament und einen gesegneten Sonntag.

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Gerade einmal acht Tage alt ist das neue Jahr. Und schon räumt der Alltag wieder all die guten Absichten und Vorsätze vom Jahreswechsel ab.

An Weihnachten, da lässt man sich von der gefühlvollen Feststimmung irgendwann einfangen – egal, was alles war. An Sylvester versucht man die Probleme abzulegen und denkt an den Neuanfang mit dem neuen Jahr. Mit etwas Ruhe und Abstand sieht man auch klarer, was wichtig und nötig ist. Aber dann wird man ganz schnell wieder eingefangen, vom Alltag.

In dieser Stimmung höre ich, was Jesus einmal gesagt hat: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Heute wird das in den Gottesdiensten gelesen. Ich verstehe das so:  „Gott ist euch viel näher als ihr denkt. Deshalb: Schlagt eine neue Lebensrichtung ein. Macht anders weiter als bisher“. Das bedeutet Buße nämlich in der Bibel. Buße ist für Jesus nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil: Jesus will uns befreien. Sie und mich. Wir sollen hinter uns lassen, was uns belastet und bedrückt.

Aber eine neue Richtung einschlagen fällt ja oft so schwer!  Die Umstände lassen sich nicht so leicht verändern und auch ich bleibe der Alte.

Eine biblische Geschichte zeigt mir, wie es doch gehen kann. Ich denke an die weisen Männer aus dem Osten, die oft auch als die heiligen drei Könige bezeichnet werden. Eigentlich waren sie unabkömmlich in ihrem Alltag. Aber eines Tages haben sie erkannt, dass etwas sehr Wichtiges im Anbrechen war. Der König aller Welt sollte bald geboren werden. Anders konnten sie den Sternenhimmel und den neuen großen Stern nicht deuten. Deshalb ließen sie alles stehen und liegen und zogen los, um dieses Kind aufzusuchen und zu beschenken. Sie schlugen eine neue Richtung ein. Und sie wurden auf dieser Reise mehrfach überrascht.

Im Königspalast wusste man nichts von einem Kind und auch kaum etwas von Gott. Die nötige Auskunft, wo sie weitersuchen sollen, kam sehr zögerlich und halbherzig. Aber sie haben diese Spur weiter verfolgt, denn Stück um Stück ging ihnen auf, dass Gott selbst sie auf diesen Weg geschickt hatte. Dann fanden sie das Kind im Stall. Sie erkannten, dass Gott mit diesem Kind seinen ganz eigenen Weg zu den Menschen sucht.

Mit dem Jesuskind war ihnen Gott begegnet. Sie ließen sich von nun an nicht mehr von den Sternen leiten. Sie gehorchten Gottes Stimme und suchten einen neuen Weg nach Hause, aber jetzt voller Glück über das, was sie gesehen und erkannt hatten. Ihr Alltag würde nun anders werden.

Ich glaube, genau das meint Jesus, wenn er sagt: Macht anders weiter als bisher, denn Gott ist euch ganz nahe. Er erinnert uns damit an den Sinn und an das Ziel unseres Lebens, Aber auch, dass Gott uns leiten und den Weg zeigen will.

Ich meine, ganz ähnlich ist es auch mit anderen Dingen, die man sich lange nicht zugetraut hat und dann irgendwann doch wagt.

Ich staune gerade über meine Eltern und Schwiegereltern. Sie sind über 80. Ihnen liegt viel an ihren Enkeln. Deshalb haben sie sich technisch aufrüsten lassen. Mit Smartphone und iPad. Sie wollen nicht abgehängt werden, sondern dran bleiben an der jüngeren Generation.

Und wenn die Jungen viel unterwegs sind, aber nicht mehr so viel telefonieren und schon gar keine Briefe und Postkarten mehr schreiben, dann wollen die Großeltern doch mitbekommen, wo die Enkel sich aufhalten, im Urlaub, beim Studium, auch was sie gerade so machen und was sie bewegt.

So haben sie die Enkel gleich um Hilfe und Einweisung in die Geräte gebeten. Und jetzt haben sie Whatsapp und Skype eingerichtet und bleiben auf dem Laufenden. Das war ein mutiger Schritt, ein Richtungswechsel, der zunächst sicher einiges an Überwindung und Mühe gekostet hat.

Wahrscheinlich haben sich die alten Leute  zunächst gefragt: Lohnt sich das überhaupt noch für mich? Ist doch irgendwie komisch, sich so zu informieren und zu unterhalten.

Aber sie haben es gewagt und jetzt sind sie wieder dran an den Enkeln und auch an uns. Der Kontakt ist viel einfacher und regelmäßiger. Sie bekommen wieder viel mehr mit. Sie verstehen jetzt auch besser, wie die Jungen sich verabreden, worüber sie sich austauschen, was sie beschwert und was sie freut.

Vielleicht ist es gar nicht so viel anders, wenn es um den Kontakt zu Gott geht. Sicher kostet es zuerst auch ein bisschen Überwindung und Mühe, sich wieder neu mit dem Glauben zu beschäftigen oder mit anderen darüber zu sprechen. Aber man kann entdecken, wie nahe Gott ist. Wer neu versucht, zu beten, kann Kraft und Hilfe finden. Beten entlastet. Es tut gut, sich von der Seele zu reden, was einen bedrückt. Und man spürt erst richtig, wie dankbar man sein kann, wenn man es ausspricht: „Wie schön, dass die Enkel so mutig ihr Leben angehen. Wie froh kann ich sein, dass sie sich so entwickelt haben!“ Wenn man das in Ruhe bedenkt, dann kommt einem ein Danke in den Sinn: „Danke, Gott, dass Du es so gut mit mir meinst.“

Gott ist euch ganz nahe, sagt Jesus, deshalb ändert euer Leben.

Dass Sie Ihrem Leben 2017 eine neue Richtung geben und es neu wagen zu auf Gott zu vertrauen, das wünsche ich Ihnen von Herzen! Und einen gesegneten Sonntag.

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Das Thema „Flüchtlinge“ fällt mir dauernd vor die Füße. Vielleicht geht Ihnen das auch so. Die Menschen sind ja da. Ich möchte Ihnen heute Morgen erzählen, was ich beobachtet habe. Obwohl: Eigentlich habe ich selber mit den Flüchtlingen kaum etwas zu tun. Und Sie denken jetzt vielleicht: Bloß nicht auch noch hier, in den Sonntagsgedanken, das Thema Flüchtlinge. Da ist man doch irgendwie hilflos. Und es macht einem auch ein bisschen Angst.

Aber vielleicht hören Sie doch erst einmal zu, was ich beobachtet habe. Bei meinem Bruder. Dem ging es einige Zeit nicht so gut. Irgendwie hat er auch nach einer neuen Aufgabe gesucht. Und dann sah er diese Anzeige. Soll er eine Auszeit wagen – geht das überhaupt, in seinem Beruf? Soll er sich als Mitarbeiter in der Aufnahmestelle für Flüchtende melden? Mit seiner großen Erfahrung im Umgang mit Menschen war er dafür sicher gut geeignet. Aber die Sprachbarrieren, die vielen traumatisierten Menschen? Kann man da überhaupt etwas bewegen?

Mein Bruder hat es probiert. Und jetzt merkt er: Ja, es ist eine harte und herausfordernde Arbeit. Mir hat er erzählt: „Es gibt hier alles an Menschlichem, was Du dir vorstellen kannst. Da kommt man an seine Grenzen.“ Aber es sind Menschen, für die es sich lohnt, sich einzusetzen, sagt er. Es gibt auch viel Freundlichkeit und Dankbarkeit. Und mir fällt an meinem Bruder auf: Dieser Einsatz tut ihm gut. Er lebt richtig auf in dieser Aufgabe. Mit Hingabe ist er dabei. Weil es Sinn macht. Weil er helfen kann, dass  Menschen Zukunft und Hoffnung finden.

Und dann erzählt mir eine meiner Mitarbeiterinnen, sie habe eine unbegleitete Jugendliche bei sich zuhause aufgenommen. Und sie lächelt dabei. Sie ist erfahren mit jungen Menschen, hat selbst vier Kinder, die jetzt erwachsen sind. Aber ein fremdes Mädchen bei sich in den eigenen vier Wänden aufzunehmen, das finde ich schon sehr mutig. Und sicher auch anstrengend. Wie viele Jugendliche in dem Alter muss die junge Frau an Termine erinnert werden. Manchmal muss man mit ihr für die Prüfung lernen, die jetzt in der Schule bevorsteht. Aber meine Mitarbeiterin sagt: Das hält das Gehirn beweglich! Und Samia hilft mir auch. Sie gießt liebevoll die Blumen auf meinem Balkon und seit sie da ist, muss ich kaum mehr die Spülmaschine ausräumen. Die Mitarbeiterin lächelt, wenn sie davon erzählt.

Ich finde: Es ist doch genau das, was Jesus wollte, als er gesagt hat: Ihr habt mir zu trinken gegeben oder etwas zum Anziehen. Ihr habt mich besucht, ihr habt mich getröstet. Denn was ihr einem meiner Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Darauf liegt Gottes Segen. Ich meine, genau das geschieht, wo Menschen nicht nur über Nächstenliebe reden, sondern sie leben.

 

Auch meine Tochter erlebt das gerade. Nicht weit von unserem Haus sind junge Männer und Frauen aus Syrien und dem Irak untergebracht worden. Eine in der Flüchtlingsarbeit stark engagierte Ärztin hat meine Tochter angesprochen, ob sie sie nicht bei ihren Besuchen begleiten könnte. Meine Tochter spricht etwas Arabisch, hat sogar einige Zeit in Ägypten gelebt.

Und jetzt erzählt sie uns von den Begegnungen und was diese jungen Menschen in den Wohnungen umtreibt. Viele sind erst knapp unter oder knapp über 20 Jahre alt. Und trotzdem haben sie bereits viel Furchtbares erlebt. Wie der Mann im biblischen Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ sind sie unter die Räuber gefallen. Den Kriegswirren und dem unbarmherzigen Morden nur knapp entkommen. Einige tragen deutlich sichtbare Spuren von Folterungen, andere zeigen mit ihrem verstörten Verhalten, dass sie Furchtbares erlebt haben. Und jetzt haben sie Angst um ihre Familien und gleichzeitig sehnen sie sich nach ihren Angehörigen.

Es tut ihnen gut, wenn Menschen sich Zeit für sie nehmen. Und wenn dann noch jemand ihre Sprache spricht, dann geht ihnen das Herz auf, sagt meine Tochter. Vor allem die Frauen unter den Flüchtenden schätzen das sehr. Und ich sehe in Ihren Augen, wie gut auch ihr diese Begegnungen tun. Sie freut sich, dass sie in der Praxis sinnvoll einsetzen kann, was sie gelernt hat.

Was sie erlebt, erinnert mich ein bisschen an eine Geschichte, die Jesus erzählt hat. Die Leute haben ihn sehr theoretisch gefragt, wer denn für sie der Nächste sei. Da hat ihnen Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt und deutlich gemacht. Es geht nicht um Theorie, sondern um den Menschen, der mir gewissermaßen vor die Füße fällt, der gerade jetzt Hilfe nötig hat. Da kann der Fremde zum Nächsten werden, da sehen wir vielleicht aber auch unseren Nachbarn oder eine Arbeitskollegin ganz neu.

Und eines stellt Jesus nicht nur in dieser Geschichte klar. Was man in Gottes Namen wagt, da hilft er und legt noch etwas drauf. Seinen besonderen Segen. Ein bisschen von diesem Segen kann man dann sogar spüren und sehen. Das zufriedene Strahlen in den Gesichtern. Meine Mitarbeiterin erzählt: Samia bemüht sich sehr, mir zu helfen. Sie ist lustig. Mit ihr schaue ich zum ersten Mal seit Jahren wieder mit Spaß Fußball. Sie freut sich so, wenn „wir“ gewinnen. Und es ermutigt mich, mit wieviel Elan sie ihre Zukunft angeht.

In diesem Sinne wünsche ich auch Ihnen erfreuliche Begegnungen und einen gesegneten Sonntag.

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Können Sie sich von Herzen freuen? Der heutige Sonntag heißt im kirchlichen Jahreskalender Jubilate, was so viel bedeutet wie: „Zeigt eure Freude, lobt Gott aus vollem Herzen!“ Das hat in mir diese Frage geweckt: Wann habe ich mich zuletzt wirklich richtig gefreut?

Ich muss gestehen, in den letzten Wochen war mir nicht so sehr nach Jubeln zumute. Mir ist da einiges über den Kopf gewachsen, einfach zu viel und zu schwer geworden. An manchen Tagen musste ich mich regelrecht in die Spur zwingen. Da war ich froh, wenn ich mit mir und meiner Arbeit einigermaßen durchkam.

Mir hilft da oft Musik, die Gedanken, die Melodien, die Stimmen von anderen Menschen. Das gibt mir Kraft, und oft auch eine Ahnung, was Gott in dem Leben von anderen Menschen bewegt und bewirkt.

Ein Lied hat sich mir in den letzten Wochen besonders tief eingeprägt. Es heißt Changes, also Veränderungen. Ein Lied von Charles Bradley, einem begnadeten Soul-Sänger. Er hat es nicht selbst geschrieben, aber keiner hat es je so gesungen, mit so viel Tiefe, mit so viel Seele wie er. Es geht in dem Lied um Trennung. Es geht um den Abschied von einem geliebten Menschen. Das Lied bedauert, was man versäumt hat, in der gescheiterten Beziehung zu dieser Person. Aber dann kommt: jetzt muss ich in einen neuen Lebensabschnitt hineingehen.

Charles Bradley sagt, er singe hier von seiner Mutter, die ihm nie eine richtige Mutter sein konnte und er ihr nie ein guter Sohn. Man kann in dem Lied hören, wie traurig ihn das macht und wie wütend. Man hört seine Tränen, wenn er singt. Und in seinem schwarzen, zerfurchten Gesicht erkennt man die ganze Tragik eines langen, schwierigen Lebens. Charles Bradley ist nämlich kein junger Mann mehr. Er ist 67. Aber erst in den letzten Jahren hat er die Kurve in seinem Leben hinbekommen.

Wenn er davon erzählt, bringt er kaum einen Satz zu Ende, ohne dass ihm die Stimme abbricht, obwohl er doch eigentlich so kräftig und laut singen kann. Bei seinen Konzerten betont  Charles Bradley immer wieder, wie sein Glaube, ja wie Gott ihm immer wieder Kraft gegeben hat. Trotz schlimmer Niederlagen konnte er wieder aufstehen und weitergehen.

Für mich verströmt Changes, trotz allem viel Kraft und Lebensmut. Es sagt mir, dass der Schmerz nicht das Letzte ist, sondern der Glaube neues Leben und neue Hoffnung hervorbringen kann.

Ich verstehe dann auch ein Wort aus der Bibel viel besser. Einen Vers aus dem ersten Johannesbrief: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh. 5,1-4). Mich trägt das Vertrauen auf Gott. Nicht meine Kraft, nicht meine Gesundheit, nicht irgendwelche Erfolgserlebnisse. Dass ich auf Gottes Beistand vertrauen kann, das ist ein Grund zu tiefer Freude.

 

Seine Mutter hat ihn und seinen Bruder schon früh verlassen. Sie hat die beiden einfach bei der Großmutter abgegeben. „Ich bin nicht gewollt.“ Dieses Gefühl hat ihn nach eigener Aussage dann sein Leben lang begleitet. Bald hing er mit üblen Gestalten ab, kam sogar ins Gefängnis, weil er jemanden bedroht hatte. Beinahe wäre er gestorben.
Als er wieder gesund wurde, reifte in ihm zum ersten Mal der Gedanke, dass Gott einen Grund hat, ihn hier zu behalten.

Einmal hat ihm seine Großmutter Mut machen wollen, als er übel angegangen worden ist. Sie nahm ein Stück Kohle in die Hand und fragte ihn: „Weißt du, was das ist, Charles?". "Ja, damit macht man Feuer", antwortete er. "Es ist noch viel mehr als das. Wenn du das Stück Kohle drückst und drückst, wird es zu einem wertvollen Diamanten. Denke daran, wenn man dir wehtut und die Welt gegen dich zu sein scheint. Lass sie ruhig, denn dein Diamant wird nur noch stärker glänzen."

Tatsächlich verströmt er in seinen Liedern eine Ehrlichkeit und Güte wie man sie sonst selten auf Bühnen und Tonträgern erlebt. Bei manchen Liedern haben auch viele Zuhörer Tränen in den Augen. Oft tritt er nach seinen Konzerten mitten unter sein Publikum und nimmt einige einfach in den Arm. Wer ihn erlebt, gewinnt das Gefühl. hier steht einer, der selbst Kraft und Hilfe von außen braucht und diese durch seinen Glauben erfährt.

So wie es in dem Bibelwort heißt: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh. 5,1-4). Wie nahe dann Tränen und Jubel beieinander liegen, das kann man in einem Konzert von Charles Bradley erfahren.

Und was ist das für ein Glaube, der einem Mut macht, wenn das Leben einem zu schwer wird? Was kann einem Kraft geben, wenn einem alles über den Kopf wächst und einem alles genommen wird?

Christen halten sich dann fest an Jesus Christus. Er hat auch schlimme Niederlagen erlebt, wurde von Freunden verraten, verhaftet und hingerichtet. Aber als es so aussah, als ob er von Gott und der Welt verlassen wäre – da hat Gott ihn auferweckt. Gott hat ihm das Elend und den Schmerz nicht erspart. Aber er hat ihn nicht verlassen. Gott hat Jesus Christus auferweckt. Er hat ihm neues Leben geschenkt.

Nicht Schwäche, Krankheit und Tod haben das letzte Wort. Gott eröffnet  immer wieder neue Lebensmöglichkeiten: So, wie er es für Jesus getan hat, so kann er es auch für mich tun und für Sie auch. Mitten im Leben, wenn man glaubt, nun sei alles aus und vorbei. Und am Ende des Lebens auch. Ich finde, das ist ein Grund zu echter Freude. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Diesen weiten Horizont wünsche ich Ihnen heute und einen gesegneten Sonntag.

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