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Teil 1

Von Kindern kann man lernen. Von Kindern kann man lernen, das Leben wieder zu
lieben. Ganz praktisch und in den alltäglichen Dingen. Sie können einem
wieder ins Leben hineinziehen wo man denkt, man steht irgendwie außen vor.

So hat es nämlich ein älterer Mann erlebt. Im Gespräch erzählt er mir davon
und seine Augen leuchten: Die Kinder hätten es ihm angetan, sagt er. Besonders
die Gruppe der Schulanfänger im Kindergarten. Sie hätten ihn wieder, im
wahrsten Sinne des Wortes, lebendig gemacht! Es war nämlich so, erzählt er:
als er vor 4 Jahren in Ruhestand ging, war alles ziemlich öd, irgendwie leblos
und leer. Die Arbeit war noch das einzige gewesen, was er hatte. Denn seine
Frau war bereits gestorben und Kinder hatten sie keine. ?Das war bitter?,
sagt er. Und als dann auch noch seine Arbeit wegfiel durch die Berentung, da
ist es ihm ganz schlecht gegangen. ?Wissen Sie, irgendwie wollte ich nicht
mehr?. Und dann habe ?das mit den Kindern? angefangen. Eine Nachbarin war
auf ihn zugekommen und hatte ihn gefragt, ob er auch mitmachen würde bei dem
Projekt im Kindergarten, es würden Omas und Opas zum Vorlesen gesucht. Erst
wollte er nicht so recht, dann ist er mal mitgegangen. Und seitdem ist er
dabei. Er liest Kindern Geschichten vor. Geschichten, die auch ihn begeistern,
zum Lachen bringen oder nachdenklich machen. Er fiebert mit wie die Kleinen.
Und das schönste ist für ihn: wie die Kinder sich freuen! Sie haben ihn
gleich als ihren ?Vorlese-Opa? angenommen. Wenn er kommt, laufen sie ihm
schon entgegen, hängen ihm regelrecht am Hosenbein und dann auch an seinen
Lippen, wenn er vorliest. Sie sind gespannt was kommt, sie sind neugierig und
offen. Das hat ihn angesteckt. Jetzt steht er morgens wieder gern auf, sagt er.
Die Lebensfreude und der Lebensmut der Kinder haben sich auf ihn übertragen.
Sie haben ihn wieder ins Leben hineingezogen.

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder?, sagt Jesus, so werdet ihr nicht
ins Himmelreich kommen?. Man kann viel darüber nachdenken, was das bedeutet.
Mit so einer Geschichte wird man ja nie wirklich fertig. Wie kann ein
Erwachsener noch einmal Kind werden? Ich habe für mich jetzt diese ganz
praktische Seite entdeckt. Der ältere Herr und seine Geschichte haben mir
dabei geholfen. Sie haben mir gezeigt: Von Kindern kann man lernen das Leben zu
lieben: Die leichten und schönen Seiten wieder entdecken und Vertrauen ins
Leben zurückgewinnen, gerade wenn man`s schwer hat. Wenn das gelingt, ist es
wie ein Stück Himmel.


Teil 2

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder?, sagt Jesus. Von Kindern kann man
lernen. Nicht weil sie so süß und lieb sind und das sind sie ja auch nicht
immer! Sondern weil sie mit ihrer offenen und neugierigen Art uns Erwachsene
anstecken können und wir wieder Vertrauen ins Leben haben.

Auch ein Stück Gottvertrauen kann man von Kindern lernen. Eine Mutter sagte
mir, seit ihre Tochter abends im Bett beten will, hat auch sie selber wieder
einen Zugang zu Gott gefunden. Mit dem Kind zusammen ist es so unkompliziert,
zu Gott Du zu sagen und das gibt auch ihr ein Stück Geborgenheit, sagt
sie.

Ich finde es schön, wenn das gelingt: wenn über das Vertrauen, das Kinder zu
Gott haben, auch Erwachsene einen Weg finden zum Glauben, vielleicht wieder
einen ersten vorsichtigen Schritt nach Zeiten des Zweifels oder der
Gleichgültigkeit. Manchmal vergisst man als Erwachsener auch einfach, was
einem als Kind gut getan hat oder man wehrt es als bloßen Kinderkram ab. Aber
es geht ja nicht darum, einen Kinderglauben eins zu eins auf einen Erwachsenen
zu übertragen, das funktioniert nicht. Dazu haben wir Erwachsenen zu viele
Lebensjahre schon auf dem Buckel und schon zu viel an Schwierigem erlebt. Viele
sind enttäuscht von Gott, der scheinbar so weit weg ist und sich nicht um ihre
Sorgen kümmert. Da wird einem Gott mit der Zeit irgendwie fremd. Aber mit
einem Kind kann man erleben wie Gottvertrauen neu entsteht und wächst. Wie man
vielleicht an Vertrautes aus den eigenen Kindertagen anknüpfen kann. So wie
jene Mutter mit ihrem Kind: Sie konnte als erwachsene, als gereifte Person den
Weg zu einem Du finden, eine Beziehung aufbauen zu Gott. Es probieren mit
dem Vertrauen beim Beten mit ihrem Kind. Und sie hat gemerkt wie gut es tut neu
an Gott zu glauben.

Ich verstehe das gut: Denn wenn ich ehrlich bin, weiß ich und habe es längst
erlebt, wie wenig letztlich in meiner eigenen Hand liegt, dass mein Leben gut
wird und gelingt, wie wenig ich selber jederzeit der ?Macher? meines Lebens
bin. Ich bleibe abhängig. Wie ein Kind. Kinder können ja gar nicht anders,
als auf die Liebe ihrer Eltern zu setzen, denn ihr Leben liegt in ihren
Händen.
Und so setze ich mein Vertrauen auf Gott, ich bin nicht einem blinden Schicksal
ausgeliefert. In guten und in schlechten Zeiten glaube ich, dass ich von Gott
geliebt bin und angenommen. Das gibt mir Halt und Geborgenheit. Das ist für
mich ein Stück Himmel. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2423
Wer mit leichtem Gepäck auf Reise geht, der tut sich etwas Gutes!
Der hat nicht so schwer zu tragen.
Jeder, der schon mit dem Rucksack unterwegs war, kennt das: jedes Gramm Gewicht zählt! Schließlich muss ich alles, was ich einpacke mit eigener Kraft den Berg hochschleppen. Da packt man dann Sachen ein und wieder aus, wiegt die Dinge in der Hand und denkt nach: brauch ich das wirklich?
Mit leichtem Gepäck auf Reise gehen und mit viel Erlebtem zurück kehren – dann habe ich gut gepackt! Das kann man sich jetzt vornehmen, wenn man verreist in den nächsten Tagen und Wochen und in Urlaub fährt.

Ich finde das mit dem leichten Gepäck aber auch ein schönes Bild für meine Lebensreise. Mit leichtem Rucksack unterwegs sein! Das wünschen sich viele. Aber das ist ja gar nicht so einfach! Denn: Was schleppe ich nicht alles schon mit mir herum! Vielleicht Sorgen in der Familie oder Ärger am Arbeitsplatz oder einfach nur den Streß der letzten Wochen. Also erstmal auspacken, was ich auspacken kann und neu sortieren. Ich kann eine Menge selber tun für ein leichtes Reisegepäck!

Mir hilft zunächst etwas sehr einfaches: ganz bewusst ausatmen! Damit fängt mein auspacken an. Ärger und Sorgen loslassen übers aktive Ausatmen. Dabei vielleicht noch beide Arme nach unten fallen lassen, da kann man dann die Sorgen fast wie Steine fallen hören. Das übe ich! Und es wirkt. Leib und Seele gehören wirklich zusammen - bei dieser Übung kann ich das spüren. Da kann dann so manches raus, was sich angesammelt hat und nur belastet, aber nicht weiterhilft. Da wird mein Kopf schon wieder ein bisschen freier und klarer.

Als nächstes finde ich hilfreich: sich jemand suchen mit dem man sortieren kann. Das brauche ich nicht alleine machen. Oft tut es gut, mal einen Blick von außen auf die Dinge zu werfen. Ob ich mich mit der besten Freundin darüber austausche oder professionelle Hilfe aufsuche – es ist gut, sich Unterstützung zu holen für wichtige Klärungen: will ich mal endlich den Streit mit dem Bruder beenden oder meine Kränkungen loslassen und demjenigen verzeihen, der mich beleidigt und verletzt hat? Denn wer nachträgt, trägt schwer, der schleppt ganz schön was mit sich rum. Wäre es nicht Zeit, das endlich hinter mir zu lassen? Dann wäre wieder Platz für anderes!


Mit leichtem Gepäck unterwegs sein! Wie beim Wandern. Das kann man auch fürs Leben und den Alltag üben!
Ich finde es ermutigend, was Jesus dazu sagt: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Für mich heißt das: der Glaube will mir so zum Leben helfen, dass meine Lasten leichter werden, dass ich mit gutem Gepäck und Proviant unterwegs bin.

Ich finde, der Sonntag ist eine gute Gelegenheit dazu. Denn auch für die Seele gibt es Übungen, die einem das Tragen leichter machen.
Vier solcher Übungen möchte ich Ihnen weitergeben:
1. Beten: Gott sagen, was einen bedrückt, vor Gott laut oder leise aussprechen, was mich belastet. Das ist so einfach wie das bewusste ausatmen. Und es hilft. Es erleichtert das Herz und es fließt einem wieder neue Kraft zu.
2. Übung: Um Vergebung bitten: Wenn man sich mit Selbstvorwürfen rumplagt oder schuldig geworden ist, hilft es, den Anderen, z.B. den Bruder und auch Gott zu bitten: Vergib mir meine Schuld! Das zu tun, nimmt wirklich Last von den Schultern. Dann wird vielleicht auch das leichter:
3. Dem Anderen vergeben: die Kränkung und Verletzung loslassen, die er mir zugefügt hat, sie ihm nicht mehr nachtragen. Dann kann die Beziehung wieder ins Lot kommen.
Das alles geht oft leichter mit anderen zusammen - im Gottesdienst. Dort kann man Beten und Singen, man kann Schuld abladen und bekommt Vergebung zugesprochen. Und vielleicht kriegt man manchen Hinweis zum Sortieren des eigenen Lebens.
Die 4. Übung: Gutes einpacken! Das kann man auch im Gottesdienst, aber nicht nur dort. Mir hilft auch dabei mein Glaube. Ich packe mir gern gute Worte aus der Bibel ein- das zum Beispiel: „Gott ist meine Zuversicht und meine Stärke, er ist meine Hilfe und meine Burg“, oder „Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat“! Solche guten Worte kann man sich nicht einfach selber sagen. Aber immer mal wieder findet sich eins. Manchmal ganz zufällig in einem Gespräch oder auf einer bunten Karte. Oder eben am Sonntagmorgen im Gottesdienst. Und meine Erfahrung ist: sich ganz bewusst gute Worte einprägen und als Proviant mitnehmen, das bringt viel! Dann habe ich immer eine Ermutigung im Gepäck, wenn der Weg mal steinig oder steil wird. Dann bin ich leichter und hoffnungsvoller unterwegs.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag! https://www.kirche-im-swr.de/?m=1866
Teil I
Der Glaube kann einem regelrecht Flügel verleihen! Wer Gott vertraut, kann manches schaffen. Mit Mut und Energie.
Wie jener Mann in der kleinen jüdischen Geschichte, die ich Ihnen heute Morgen erzählen will. Sie spielt in Polen, an der Weichsel, mitten im Winter.

Als Jiri Izrael, einer der Stillen im Getümmel der Welt, seinerzeit bei Torun über die gefrorene Weichsel ging, begann vor seinen Füßen plötzlich das Eis zu brechen.
Und Jiri Izrael sprang von Scholle zu Scholle und sang dabei den Psalm:
„Lobet im Himmel den Herrn, lobet ihn in der Höhe“, und sprang von Scholle zu Scholle, „lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn alle leuchtenden Sterne,“ und sprang von Scholle zu Scholle, „lobet den Namen des Herrn, denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht so weit Himmel und Erde ist!“. Und so gelangte Jiri Izrael, aus der Strömung des Flusses glücklich ans Ufer.

Als ich diese Geschichte zum ersten mal hörte, habe ich dieses schöne Bild vor mir gesehen: wie da einer losspringt von Eis-Scholle zu Eis-Scholle und gut ankommt. Es bleibt ihm zwar nichts anderes übrig als zu springen, wenn er nicht untergehen will. Aber er lässt sich von der Gefahr die droht oder von seiner Angst auch nicht lähmen. Sondern geht einfach los. Und dann erlebt er, dass es geht: Stück um Stück kommt er vorwärts. Er dankt Gott für jeden Schritt, der ihm gelungen ist und singt ihm ein Loblied aus den Psalmen, laut und voller Energie. Und so, singend und springend, gelangt er ans andere Ufer.

Für mich drückt sich darin eine Lebenshaltung aus: Gott dankbar sein für jeden Schritt, der mir gelingt. Und das gibt wieder neue Kraft zum Weitergehen, mir geht es so. Wenn ich bete, wenn ich Gott lobe und ihm danke für jedes Stück, das ich gut voran gekommen bin, dann fällt es mir auch leichter meine Ängste loszulassen und erneut den nächsten Schritt zu wagen. Weil ich mich einer größeren Kraft anvertraue und erlebe, dass diese Kraft mich trägt. Auch wenn mir der Boden unter den Füßen schwankt. Und dann wächst die Hoffnung, dass es gut ausgeht, auch wenn es manchmal nicht gut aussieht. Und dass ein langer oder schwieriger Weg zu schaffen ist. Mit Gottes Hilfe.

Teil II

Da springt einer von Eis-Scholle zu Eis-Scholle und singt dabei einen Psalm aus der Bibel. Er bezwingt seine Ängste und bannt die Gefahr, dass er untergeht und gelangt singend und springend ans andere Ufer des Flusses. Eine echte „Mut-mach-Geschichte“!

Manchmal ist man ja nicht weit davon entfernt, den Mut zu verlieren. Da fällt es einem schwer weiterzugehen, denn so vieles liegt an: ein Berg voller Arbeit oder Probleme, die angepackt werden müssen in der Familie oder am Arbeitsplatz.
Da tut es gut innezuhalten und neue Kraft zu schöpfen. Das kann man heute, am Sonntag, tun. Eine Ruhepause einlegen, zurückblicken auf die vergangene Woche und Gott für manches danken, was gelungen ist. Mit Dank auf das schauen, was ich schon geschafft habe und nicht an dem hängen bleiben, was nicht fertig geworden oder gar misslungen ist. Einmal schätzen, dass man Stück um Stück vorwärts kommt, von Tag zu Tag und von Woche zu Woche, und auf diese Art und Weise am besten das Ziel erreicht. Wie der Mann, der Gott lobt, jedes Mal wenn er die nächste Eis-Scholle erreicht hat. Er denkt nicht an den ganzen Weg, die vielen Abgründe, die er vor sich hat. Er ist dankbar für jeden Schritt, der gelungen ist. Genauso kann und muss auch ich nicht alles auf einmal schaffen.

Ich glaube, es hilft, wenn man sich das ganz bewusst vornimmt: für jeden gelungenen Schritt dankbar zu sein. So wie der Mann auf dem Weg über die Eis-Schollen seine Seele regelrecht ermuntert und auffordert, Gott zu loben.
Das tun ja viel Psalmgebete, sie fordern meine Seele auf, Gott zu loben und ihm zu danken: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Schau mal zurück, meine Seele, auf die vergangenen Tage: da war soviel Gutes und Vieles ist doch gelungen!
Ich bin manchmal auf das Negative fixiert, auf das, was nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Oder ich starre auf meine Angst vor dem, was noch alles kommt. Und Angst lähmt. Aber loben ist gut gegen die Angst. Darum haben zu allen Zeiten Menschen sich anstecken lassen von der Aufforderung, Gott zu vertrauen und Gott zu loben. Einmal hinzuschauen, was Gott mir alles schenkt in meinem Leben, Tag für Tag, auch in der zurückliegenden Woche: „Danke für das Stück, das ich schon geschafft habe. Jetzt geht es auch mit deiner Hilfe, Gott, weiter. Schritt für Schritt.“
Der Sonntag ist eine gute Gelegenheit auf diese Art innezuhalten und neue Kraft zu schöpfen. Versuchen Sie es mal! Sie werden sehen wie gut das tut. Und wie viel leichter es dann weiter geht in die neue Woche. https://www.kirche-im-swr.de/?m=704
Teil I
„Ein gut’ Gebet muss nicht lang sein, sondern oft und hitzig“.
Das sagte kein geringerer als Martin Luther. Heute denken wir in den Gottesdiensten der Evangelischen Kirche an die Reformation und an Martin Luther. Er verstand es, das Thema Beten „herunterzuholen“ zu den Menschen. Beten sollte nichts Kompliziertes oder Langes sein, auch nicht in jedem Fall vorgefertigt oder gar vorgeschrieben. Und das wichtigste: Nichts sollte zwischen dem betenden Menschen und Gott stehen, gar nichts, keine Vermittler, keine anderen Autoritäten. Mit Gott sollte man reden können wie mit einem guten Freund: vertraut und herzlich. „Ein gut’ Gebet muss nicht lang sein, sondern oft und hitzig“.
Und das kann man lernen. Ich selber bete so. Oder besser gesagt: ich lerne, so zu beten: voller Vertrauen mein Leben in Gottes Hand zu legen, in allen Belangen und Situationen. Das entlastet mich und nimmt mir meine Angst. Beten lässt mich geborgen sein und gibt mir Halt. Und ich erlebe es immer wieder: Gott ist nur ein Gebet weit von mir entfernt.
Darum möchte ich Sie zum Beten einladen. Denn es ist gar nicht schwer. Auch wer es noch nie gemacht hat oder schon lange nicht mehr, kann es probieren.
Folgenden kleine Geschichte zeigt, dass beten einfach sein kann:
Ein Lehrer der Religion wurde von seinem Schüler aufgefordert: Zeig mir wie ich beten kann. Der antwortet: „Wie kann ich es dir zeigen? Ich kann es nicht.“ Der Schüler fragt erstaunt zurück: „bist du nicht ein Lehrer der Religion?“ „Eben deswegen“, antwortet dieser. „Beten lernt niemand durch Wissen und Können. Sondern nur durch Erfahren und Leben. Selbst musst du in den Brunnen springen, die Tiefe wagen, den inneren Raum und die innere Zeit entdecken.“
„Und wie rufst du Gott“ – fragt der Schüler den Lehrer weiter. „Welchen Namen gibst du ihm?“
„’Ach’, werde ich ihn rufen“, antwortet der Lehrer. „Nicht Gott. ‚Ach’!
Überleg dir selbst: wann sagst du ‚Ach’? ‚Ach’, wenn du leidest. – ‚Ach’, wenn du staunst. – ‚Ach’, wenn du betroffen bist. – ‚Ach’, wenn du dich freust.
Wenn du in solcher Weise ‚Ach’ sagst, dann ahnst du etwas vom tiefen Grund deiner Seele. Dann spürst du auf einmal, wo der Grund deines Lebens ist. Wo Gott ist. Und das ist mehr, viel mehr als die Erfüllung deiner Gebetswünsche!“

Teil II
Ein kurzer Gedanke zum Himmel geschickt - das ist schon beten. Ein ‚Ach’ wenn ich mich freue, ein ‚Ach’, wenn ich leide. Da braucht man keine großen Worte machen. Oft kann man dann Gottes Nähe spüren. Das erleben viele Menschen, die beten.
Aber viele erleben auch das andere. Wenn man es dringend bräuchte, das Beten – dann kann man es nicht. Man findet nicht die richtigen Worte oder es ist einem überhaupt fremd. Ich glaube, man tut sich leichter mit dem Beten in schwierigen Situationen, wenn man es vorher schon gelernt hat. Man kann es nämlich lernen. Man kann es auch üben. Mir haben dabei ein paar Regeln geholfen, die ich von dem Religionslehrer Fulbert Steffensky übernommen habe. Ich möchte Sie Ihnen heute Morgen weitergeben.
1. Entschließe dich zu einem regelmäßigen, täglichen und eher kurzen Gebet!
Die Länge bringt’s nicht beim Beten, das Herz macht’s! Wie Martin Luther sagt: „oft und hitzig“: lieber jeden Tag und kurz die Verbindung mit Gott aufnehmen, als selten und lang und kompliziert.
2. Gib deinen Gebeten wenn möglich eine feste Zeit und einen festen Ort!
Das hilft, das Beten einzuüben: immer morgens im Bett vor dem Aufstehen oder am Tisch vor dem Frühstück, vor dem Essen oder abends vorm Einschlafen. Nur ein paar Minuten. Morgens breite ich vor Gott meinen Tag aus und lege ihm alles hin, was mich beschäftigt: Was wird der Tag heute bringen? „Geh du mit, guter Gott!“ Wenn ich so meinen Tag anfange, geht mir manches leichter von der Hand, weil ich mit Vertrauen angefangen habe, mit Gottvertrauen. Und abends lege ich im Gebet meinen Tag wieder ab wie meine Kleider: ich danke Gott für das Schöne, das ich erlebt habe und lege das Schwierige in seine Hände. Er kann auch aus meinen Fehlern Gutes werden lassen.
3. Nimm, was dir bekannt ist! Wenn du keine eigenen Worte findest, nimm, was du kennst z. B. ein bekanntes Psalmwort, Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“. Oder ein Gebet in Reimform. Das prägt sich besser ein, es macht das Beten selbstverständlicher mit der Zeit. Und man hat dann ein Gebet parat für den Ernstfall, wenn eigene Worte fehlen. Wer mit Kindern betet, weiß dass sie so leichter beten lernen: durch kurze Reime. Das können sich Kinder gut merken. Und wenn sie dann mal ein Gebet brauchen, wissen sie wie und was sie beten können.
4. Sei mit dem zufrieden, was dir gelingt! Beten ist ein Üben und Lernen und braucht nicht perfekt sein! Gott hört auch die gar nicht perfekten Hilferufe!
Auf die Verbindung kommt es an: „oft und hitzig“. Den Kontakt mit Gott nicht abreißen lassen. Und dazu braucht man kein perfekter Christ sein.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und mögen Sie erleben, was allen versprochen ist, die beten: „Klopfet an, so wird Euch aufgetan!“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=13