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09APR2022
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„Wie spielen wir Frieden?“ Diese Frage stelle ich meiner Grundschulklasse. „Wie spielen wir Frieden?“

Wie Krieg spielen geht, das weiß nämlich jeder: Schießen, Peng-Peng, du bist tot. Und dann lässt sich der andere fallen, mit den Händen am Herz. Krieg spielen geht, aber Frieden? Meine Klasse weiß auch nicht so recht.

Der erste Vorschlag lautet: „Man könnte ja nicht schießen!“ – Und statt dessen? frage ich. „Ja, halt nicht schlagen!“ gibt es als Antwort. Ok! Eine Idee, was alles nicht zum Frieden gehört ist da. Aber es ist gar nicht so einfach, eine Idee dafür zu bekommen, was man stattdessen tut, wenn man Frieden spielt. Bis jemand sagt: „Essen! Wir könnten spielen, dass wir zusammen essen!“ Das klingt für mich schön: Wer zusammen isst, der schießt nicht aufeinander.

Mir hat dieses Gespräch zwei Sachen gezeigt: Das eine: Es ist gar nicht so einfach Frieden zu spielen. Da sollten wir echt mal kreativer werden. Und das andere: Ich habe mich gefreut, dass der Vorschlag mit dem Essen kam. Nicht nur weil ich gerne esse, sondern weil wir im Gottesdienst immer wieder genau das spielen. Im Gottesdienst feiern wir miteinander Abendmahl. Essen nur ein bisschen Brot und trinken nur einen Schluck Wein oder Traubensaft. So gesehen, spielen wir da sonntags immer Frieden. Ich finde das wichtig, dass wir das immer wieder tun und so den Frieden üben, gerade weil Krieg ja scheinbar so viel leichter zu spielen ist.  

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08APR2022
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In einer Science-Fiction-Serie hat ein Außerirdischer gesagt: Ich bin ein barmherziger Samariter. Da hab ich gedacht: Alle Achtung, auch auf fernen Planeten lesen sie die Bibel und kennen also die Geschichte von Jesus, der von diesem Samariter erzählt. Der kann nämlich an einem halb totgeschlagenen Menschen nicht vorbei gehen, sondern hilft ihm. Der Samariter hievt den Verletzten auf sein Pferd, bringt ihn zu einer Gaststätte und bezahlt für die medizinische Versorgung und Verpflegung. Kennt man scheinbar auch in den Weiten der Galaxis.

Einen ganz irdischen Samariter habe ich vor kurzem kennengelernt. Mary! Sie ist also eher eine SameriterIN und kommt aus Ghana. Und sie konnte nicht anders, als Irene helfen. Die war zwar nicht zusammengeschlagen worden dafür psychisch nicht gesund. Das sah man und sie erzählte auch davon, dass sie Stimmen hören würde.

Mary brachte Irene also in einer Psychiatrie unter, aber nach zwei Tagen wurde sie wieder vor die Tür gesetzt. Man hat herausgefunden, dass sie nach Karlsruhe musste, um Hilfe zu erhalten. Aber kein Amt sah sich zuständig dafür, sie nach Karlsruhe zu bringen. Sie hatte kein Geld und keine Papiere. Also sprang Mary ein und kümmerte sich.

Sie fuhr sie mit ihrem Auto nach Karlsruhe und zum Schluss kaufte sie noch Essen, damit Irene die ersten Tage überstehen konnte, denn die Sozialarbeiter in ihrer neuen Unterkunft wollten ihr zwar helfen, aber weil sie noch nicht ordentlich angemeldet war, konnten sie das als Profis noch nicht tun.

Hört sich wie eine Geschichte von einem fernen Planeten an. Ist aber ganz normaler deutscher bürokratischer Alltag. Und da habe ich gelernt: Um Leuten zu helfen braucht es vor allem Leute, die anpacken und sich Hilfe auch was kosten lassen. Sonst geht es nicht weiter. Nicht in den Weiten des Weltalls und schon gar nicht auf der Erde.

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07APR2022
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Das Thema Depression ist gerade ziemlich aktuell. Der Comedian Kurt Krömer hat ein Buch darüber geschrieben, die Autorin Ronja von Rönne auch und selbst Lady Gaga erzählt, dass sie Depressionen hat.

Dabei gab es Depression schon immer. Und in der Bibel gibt es die Geschichte vom Propheten Elia, bei der viele sagen: Ja, so sieht eine Depression aus.

Da wird nämlich erzählt, dass Elia sich unter einen Ginsterbusch legt und zu Gott sagt: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr und ich will sterben. Er schläft ein und dann erscheint ihm ein Engel und gibt ihm geröstetes Brot und frisches Wasser zu Trinken. Elia isst und trinkt, aber er ist so erschöpft, dass er wieder nur schlafen will. Und der Engel lässt ihn auch. Aber nach einer Weile kommt er wieder.  Er gibt ihm noch einmal zu essen und zu trinken. Und dann kann Elia aufstehen und seinen Weg weitergehen.

Ich lerne daraus, Engelsdinge zu tun ist gar nicht so schwer: Es braucht nur geröstetes Brot, frisches Wasser und die Geduld, jemandem schlafen zu lassen. Das ist auf alle Fälle besser, als Vorwürfe nach dem Motto, jetzt stell dich nicht so an! Oder neunmal kluge Ratschläge zu geben, die sowieso nichts bringen. Es tut gut, wenn einen jemand mit einfachen Dingen versorgt und ansonsten schlafen lässt, das erzählt mir auch eine Frau aus meiner Gemeinde, die unter Depressionen leidet. Sie erzählt das allerdings nicht gerne. Sie schämt sich dafür. Deshalb ist es gut, dass es Elia, Kurt Krömer, Rönja von Rönne oder Lady Gaga gibt, die öffentlich von Ihren Erfahrungen erzählen. Damit sich Menschen mit Depressionen nicht schämen müssen und die anderen vielleicht das eine oder andere vom Engel lernen.

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06APR2022
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Das Thema Depression ist gerade ziemlich aktuell. Der Comedian Kurt Krömer hat ein Buch darüber geschrieben, die Autorin Ronja von Rönne auch und selbst Lady Gaga erzählt, dass sie Depressionen hat.

Dabei gab es Depression schon immer. Und in der Bibel gibt es die Geschichte vom Propheten Elia, bei der viele sagen: Ja, so sieht eine Depression aus.

Da wird nämlich erzählt, dass Elia sich unter einen Ginsterbusch legt und zu Gott sagt: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr und ich will sterben. Er schläft ein und dann erscheint ihm ein Engel und gibt ihm geröstetes Brot und frisches Wasser zu Trinken. Elia isst und trinkt, aber er ist so erschöpft, dass er wieder nur schlafen will. Und der Engel lässt ihn auch. Aber nach einer Weile kommt er wieder.  Er gibt ihm noch einmal zu essen und zu trinken. Und dann kann Elia aufstehen und seinen Weg weitergehen.

Ich lerne daraus, Engelsdinge zu tun ist gar nicht so schwer: Es braucht nur geröstetes Brot, frisches Wasser und die Geduld, jemandem schlafen zu lassen. Das ist auf alle Fälle besser, als Vorwürfe nach dem Motto, jetzt stell dich nicht so an! Oder neunmal kluge Ratschläge zu geben, die sowieso nichts bringen. Es tut gut, wenn einen jemand mit einfachen Dingen versorgt und ansonsten schlafen lässt, das erzählt mir auch eine Frau aus meiner Gemeinde, die unter Depressionen leidet. Sie erzählt das allerdings nicht gerne. Sie schämt sich dafür. Deshalb ist es gut, dass es Elia, Kurt Krömer, Rönja von Rönne oder Lady Gaga gibt, die öffentlich von Ihren Erfahrungen erzählen. Damit sich Menschen mit Depressionen nicht schämen müssen und die anderen vielleicht das eine oder andere vom Engel lernen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35160
05APR2022
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Als der Krieg in der Ukraine begonnen hat haben viele Gemeinden gleich reagiert und Friedengebete organisiert. Auch in meiner Gemeinde war das so. Die Gemeinschaft tut den Menschen gut. Und auch das Gefühl etwas tun zu können – zu beten und Gott um Frieden zu bitten. Einer meinte allerdings: Warum plötzlich jetzt für diesen Krieg? Es gibt die ganze Zeit Kriege, warum jetzt ausgerechnet für den Frieden in der Ukraine beten?

Im ersten Moment fand ich das ein seltsames Argument, denn die Bestürzung war ja überall zu spüren. Aber einen Punkt hatte er: Laut Wikipedia wüten gerade bis zu 18 Kriege auf unserem Planeten. Bürgerkriege und sogenannte Drogenkriege eingeschlossen. Und der Krieg in der Ukraine schwelt ja auch schon seit 2014. 

Mir sagt das: Für den Frieden zu beten ist wohl keine einmalige Angelegenheit, sondern eine Daueraufgabe. Früher war es so, dass in den Kirchen am Mittwoch immer für den Frieden in der Welt gebetet wurde. Seit dem Koreakrieg hat es sich in manchen Gemeinden eingebürgert, dass an jedem Sonntag vor dem Segen eine Friedensbitte gesungen wird.

Ehrlich gesagt: Der Krieg in der Ukraine hat mich erst wieder daran erinnert, dass leider immer Krieg herrscht. Es ist gut, dass jetzt an so vielen Orten für den Frieden gebetet wird. Nicht nur für Frieden in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt.

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04APR2022
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Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr haben derzeit erhöhten Gesprächsbedarf. Das sagt jedenfalls die Militärseelsorgerin Merle Schröer auf ihrem Instagram-Kanal. Denn auch Soldatinnen und Soldaten haben Angst und sind verunsichert durch die Situation in Europa. Das macht mir wiederum klar: Die Bundeswehr besteht nicht nur aus Waffen, Panzern und Kriegsschiffen, sondern aus Menschen. Männer, Frauen, Mütter und Väter.

Über 180.000 Soldatinnen und Soldaten leisten ihren Dienst zurzeit in der Bundeswehr. Und die Bundeswehr soll jetzt 100 Milliarden Euro bekommen. Das finden viele gut. Auch die Soldatinnen und Soldaten. Kann ich verstehen. Es macht ja keinen Spaß, den Mangel zu verwalten. Wer arbeitet, will auch, dass das Arbeitsmaterial gut funktioniert.

Dabei wollen die meisten ihre Kampfjets und Panzer gar nicht zum Einsatz bringen. Jedenfalls nicht in einem echten Krieg. Und auch wenn alle sich darüber im Klaren sind, dass der Ernstfall kommen kann, ist es dennoch ein anderes Gefühl plötzlich zum Beispiel nach Litauen abkommandiert zu werden, weil man weiß: Ganz in der Nähe herrscht ein echter Krieg.

Besonders berührt hat mich, dass Merle Schröer auf ihrem Instagram-Kanal davon erzählt, dass sie auch bei der Bundeswehr für den Frieden beten. Die Militärbischöfe der evangelischen und katholischen Kirche mit dem jüdischen Rabbiner sagen: „Der Krieg muss enden. Frieden muss werden.“  Wie gut, dass die Bundeswehr aus Menschen besteht – Männern, Frauen, Müttern und Vätern. Und auch da die Sehnsucht nach Frieden so groß ist.

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03APR2022
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„Ich lasse mein Kind später selbst entscheiden, ob es sich taufen lassen will oder nicht.“ So höre ich das oft bei jungen Eltern. Wie sich die Kinder dann später entscheiden hängt allerdings auch davon ab, was die Eltern ihnen vorleben.

Das habe ich besonders bei einer Familie erlebt. Die haben ihr Kind im Säuglingsalter nicht taufen, sondern segnen lassen. In der Familie spielen Kirche und Glauben aber trotzdem eine große Rolle. Sie kommen zu den Gottesdiensten, feiern die Festen mit. Sie sind bis heute aktiv und ihr Kind ist immer dabei. Als der Sohn dann im Grundschulalter war, haben Sie ihn gefragt, ob er getauft werden will und er sagte ja.

Für mich heißt das: Wir Eltern leben unseren Kindern vor, was wir gut finden und was nicht. Und daran orientieren sich die Kinder. Wollten wir ihnen wirklich die Freiheit geben, müssten wir beides vorleben: Wie es ist, den Glauben wichtig zu nehmen und wie es ist, auf den Glauben zu verzichten. Oder Menschen finden, die Ihnen das zeigen. Aber erst dann könnten die Kinder wirklich frei und informiert entscheiden. Freiheit bedeutet mehr als nur etwas sein zu lassen – denn wirklich frei entscheiden kann man ja erst, wenn man die Optionen wirklich kennt.  

Übrigens, werde ich heute noch eine Tauffeier mit vier Täuflingen haben. Ich finde ja, dass die Taufe niemanden einschränkt, sondern dass es ein Freiheitsfest ist: Ein Fest, dass dem Täufling zusagt: Du bist von Gott geliebt und deshalb frei von allem Zwang, den dir Menschen auferlegen wollen.  

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12FEB2022
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Die Publizistin Beatrice von Weizsäcker hat einen Satz gelesen, der ihr sofort gefallen hat: Er heißt: „Höflich sind nur noch die Friedhöfe.“ Sie fand das passend, denn sie mag Friedhöfe und sagt:

Ich bin gerne auf Friedhöfen wegen des Friedens, den die Orte schon in ihrem Namen tragen. (…) Ich mag Friedhöfe, weil […] sie nicht zulassen, dass jemand Fragen stellt. Ich gehe gern auf Friedhöfe, weil mir oft zu viel geredet wird. Wenn Trost zu schnell gespendet und darum oft Vertröstung wird. Wenn jemand Hoffnung machen will, wo keine Hoffnung ist. Wenn jemand etwas sagt, was ich nicht glauben kann. Wenn Schweigen nötig wäre, doch keiner schweigt. Wo Schweigen nicht bloß höflich wäre, sondern angebracht.
Friedhöfe sind höflich, weil sie mir Ruhe geben und mich in Ruhe lassen.

Beatrice von Weizsäcker/Norbert Roth, Haltepunkte, Gott ist seltsam, und das ist gut.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34795
11FEB2022
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Zurzeit höre ich es überall: Die Gesellschaft ist gespalten. Und vor allem in den sozialen Medien herrscht viel Aggression. Aggression erzeugt Aufmerksamkeit. Die Schimpansenforscherin Jane Goodall ist da anderer Meinung:

Das ist nicht mein Weg. Manchmal brauche ich die Aggression in mir selbst, ich muss Wut fühlen, weil sie auch ein Antrieb sein kann – aber mit Wut überzeugt man niemanden. Ich will die Herzen der Menschen erreichen. Echte Veränderung muss von innen kommen. Man bewirkt sie nicht dadurch, dass man mit dem Finger auf andere zeigt und sagt: Ihr seid schlechte Menschen und macht alles falsch!

Galore Interviews 01/2022

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34794
10FEB2022
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Ein Mensch wird verwandelt, wenn er bedingungslos unterstützt wird: „Du musst nicht mehr, niemand zwingt dich mehr und wenn dir alles misslingt: Ich stehe zu dir.“  So sagt das der Pfarrer und Publizist Norbert Roth, und drückt es in einem fiktiven Dialog mit Gott so aus:

Aber Herr, du kennst…
Ich kenn dich besser als du selbst
Aber weißt du, Herr, all die Abgründe. All meine Macken, Kratzer und Schrammen.
Ich kenn das alles.
Ich genüge den Geboten nicht.
Weiß ich
Kennst du die Abgründe und Perversionen in mir, die ich zu verbergen suche, Herr?
Kenn ich alles.
Und dazu sagst du Ja?
Und dazu sage ich Ja! Ich sag nicht ‚gut‘, nein, aber ich sage Ja!

Beatrice von Weizsäcker/Norbert Roth, Haltepunkte, Gott ist seltsam, und das ist gut.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34793