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03DEZ2021
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Ach, der ist doch nur ein kleines Licht. Höre ich jemand sagen. Denn so sagt man über Menschen, die nicht besonders viel Einfluss oder Macht haben. Die eher gehorchen als bestimmen, die eher funktionieren als dirigieren. Kleine Lichter sind nicht besonders helle, bewegen nicht viel. Das tun nur die großen. Ach ja?

Um diese Jahreszeit brennen in vielen Häusern Kerzen. Auch bei mir. Auf dem Adventskranz, auf der Fensterbank. Weil es gemütlich ist. Aber auch als Zeichen. Für ein ziemlich kleines Licht, das an Weihnachten das Licht der Welt erblickt. Ein Kind im Stall. Kaum wahrgenommen. Kaum ernstgenommen. Aber am Ende ist der Welt ein Licht aufgegangen. Weil dieses Kind die Welt warm und hell und liebevoll macht. Nur ein kleines Licht.

Wie meine Kerzen. Ab und an lösche ich alle Lichter. Bis auf die Kerzen. Und staune, wie ihr Licht über die Wände kriecht, Ecken und Winkel ausleuchtet, Wärme verbreitet. So kleine Lichter. Voller Strahlkraft. Für mich. Und für jeden, der an meinem Haus vorüberläuft und sich ermutigen lässt von einer Kerze, die im Fenster brennt. Von einem kleinen Licht.

Letztlich bin auch ich nur ein kleines Licht. Mein Einfluss hält sich in Grenzen, meine Macht ist nicht der Rede wert. Aber ich bin helle genug, auf das kleine Licht zu setzen. Weil ich weiß, dass aus vielen kleinen Lichtern ein großes werden kann. Gemeinsam vermögen wir viel, bewegen viel, verändern die Welt. Haben eine sanfte Macht und nachhaltigen Einfluss. Kleine Lichter? Was wäre die Welt ohne uns?

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02DEZ2021
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Er ist so nett. Und sie ist so unsicher. Sie gerade mal siebzehn Jahre alt. Aber er schon fast dreißig. Ein junger Pfarrer mit einer Menge Charme. Sie findet seine Witze cool und seine Visionen bestechend. Er macht ihr Komplimente, nimmt sie ernst, gibt ihr das Gefühl, erwachsen zu sein. Und das gefällt ihr gut.

Was dann kam, hält sie für Liebe. Sie zieht die Kleider an, die ihm gefallen. Liest die Bücher, die er ihr empfiehlt. Findet die Musik gut, die er hört. Zu Gleichaltrigen pflegte sie immer weniger Kontakt, fühlt sich nur lebendig, wenn sie bei ihm ist. Und merkt nicht, wie sie immer abhängiger wird. Auch was ihren Körper betrifft. Der jeden Abend in seinem Bett liegt. Und tut, was er will.

Es soll Spaß machen. Aber es macht ihr keinen Spaß. Es wird zur Pflicht, tut weh, wird immer unangenehmer. Sie nennt es das „gelbe Gefühl“. Sie spricht es an. Aber er lacht sie aus. Setzt sie unter Druck. Besorgt ihr Pillen. Um locker zu werden. Funktioniert nicht. Schließlich schickt er sie zum Therapeuten. Ist doch klar. Mit ihm ist alles in Ordnung. Aber mit ihr stimmt etwas nicht.

Es dauert Jahre bis zum Befreiungsschlag. Den er gar nicht versteht. Weil es doch Liebe ist. Aber das war es nie. Es ging immer um Macht und Abhängigkeit. Sie hat es geschafft, hat all das seit vielen Jahren hinter sich gelassen. Aber als sie mir ihre Geschichte erzählt, laufen ihr die Tränen übers Gesicht. Tränen der Scham, des Schmerzes, des Zorns. Dass sie das hat mit sich machen lassen.

Niemand muss das mit sich machen lassen. Und hätte damals nicht jeder weggesehen, gäbe es eine verletzte Seele weniger. Deshalb will ich hinsehen, solche Geschichten aushalten und tun, was ich kann, damit es nicht mehr passiert. Gott, hilf mir dabei.

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01DEZ2021
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Heute geht es auf. Das erste Türchen am Adventskalender. In unserem Fall ist es ein Säckchen. Mit dreiundzwanzig anderen hängt es am Geländer. Mit einer Überraschung für jeden Tag. Was gar nicht so leicht ist. Schokolade, Schäfchenseife, Flummi. Läuft sich irgendwann tot. Deswegen hatte ich dieses Jahr eine andere Idee.

Seit sechzehn Jahren ist meine Tochter Emma auf der Welt. Und mit diesen sechzehn Jahren verbinde ich so viele schöne Erinnerungen, Geschichten, Erfahrungen. Und die habe ich aufgeschrieben. Für jeden Tag eine. Am Anfang habe ich mich schon gefragt, wie ich das schaffen will. Aber dann lief es wie am Schnürchen. Als wollten die Geschichten, als wollte die Liebe raus aus mir.

Ich bin gespannt, wie die Emma das finden wird. Ich vermute, sie wird es mögen. Auch wenn sie auf Schokolade steht. Weil die das Leben versüßt. Aber die Liebe tut das auch. Und in all den Geschichten steckt so viel Liebe. Und mit jeder Geschichte gehen wir einen Tag weiter zu auf Weihnachten, wo es auch um Liebe geht. Und Kinder. Und wie die unser Leben verändern.

Die Emma hat mein Leben verändert. Und das soll sie wissen in diesem Advent. Mit diesem Gefühl soll sie auf Weihnachten zugehen. Auf die Geburt eines Kindes namens Jesus, das mein Leben auch verändert hat. Das mit seiner Liebe Leben verändern kann. Und darum geht es im Advent. Und erst recht an Weihnachten.

Noch dreiundzwanzig Tage bis Weihnachten. Dreiundzwanzig Tage, in denen wir einander von Liebe erzählen können, einander zeigen können, was wir uns wert sind. Wertvolle Zeit Advent.

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30NOV2021
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Wandern im Wald. Feine Sache. Auch im Winter. Wenn da nur nicht die vielen Bäume wären. Sobald sich Wege gabeln oder kreuzen, bin ich verloren. Mit meinem unterirdischen Orientierungssinn würde ich tagelang durch den Wald irren. Zum Glück gibt es an markanten Stellen Baummarkierungen. Mit ihren Symbolen zeigen sie mir den richtigen Weg und helfen mir, wieder nach Hause zu finden.

So stehe ich also einmal wieder an einer Gabelung und suche auf einem Baum nach dem entscheidenden Symbol. Aber zunächst sehe ich etwas anderes. Irgendjemand hat mit roter Farbe ein großes Herz auf den Stamm gesprüht. Sieht schön aus. Hilft mir aber im Moment nicht weiter. Erst als ich das vertraute Wanderweg-Symbol sehe, atme ich erleichtert durch. Jetzt weiß ich wieder, wo’s langgeht.

Während ich weiterwandere, geht mir das Herz nicht mehr aus dem Kopf. Das mir bei der Orientierung zwischen den Bäumen so gar nicht hilft. Aber ich wandere ja nicht nur im Wald, sondern auch durchs Leben. Und auch dort sehe ich manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Suche nach dem richtigen Weg, brauche Orientierung, finde jede Menge Hinweise. Aber welche führen in die Irre und welche helfen weiter?

Mein Herz weist mir oft den Weg. Weil mein Herz lieben kann. Und Liebe ist eine ziemlich gute Orientierung im Leben. Wer liebt, achtet auf andere. Wer liebt, will, dass es anderen gut geht. Und handelt auch danach. In all den Entscheidungen meines Lebens war mir die Liebe immer ein gutes Navi, ein funktionierender Kompass, eine zuverlässige Orientierungshilfe. Ein Hoch auf das Herz.

Zufrieden wandere ich weiter. In jeder Hinsicht gut orientiert. Im Wald. Und auch fürs Leben.

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29NOV2021
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Wenn Evelyn Dirani telefonieren will, muss sie erst auf einen Hügel klettern. Denn nur dort hat sie Empfang. Aber das tut Evelyn gern. Weil der Austausch mit anderen für sie lebensnotwendig ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Evelyn lebt in Simbabwe und will nie wieder hungrig ins Bett gehen müssen.

Vor ungefähr zehn Jahren fing es an. Immer längere Dürreperioden, in denen kaum etwas wächst. Und dann kommt der Regen. So heftig, dass er alles wegschwemmt. Simbabwe gehört zu den Ländern, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Das trifft vor allem die Kleinbauern, die sowieso schon kaum über die Runden kommen. Jedenfalls nicht ohne Hilfe.

Hilfe gibt es. Zum Beispiel von der Organisation TSURO. Vor zwanzig Jahren als Graswurzelbewegung entstanden. Mittlerweile eine Institution mit gut vierzig Mitarbeitenden, die über tausend Kleinbauernfamilien helfen. Damit die ihre landwirtschaftlichen Methoden an die veränderten Klimabedingungen anpassen können. In Schulungen und Workshops. Und eben auch per Handy.

Um solche Initiativen zu stärken, gibt es die Aktion „Brot für die Welt“, die gestern bundesweit gestartet ist. Mit jedem Euro, der gespendet wird, eröffnen sich für Menschen irgendwo in der Welt Perspektiven der Hoffnung. Auch für Evelyn Dirani. Die alle paar Tage auf den Hügel klettert für das gute Gefühl, nicht alleine zu sein.

Advent ist eine gute Zeit, an andere zu denken. An die, die ich kenne. Und vielleicht auch an die, deren Namen ich nicht weiß. Weil jeder und jede in dieser Welt das gute Gefühl haben sollte, nicht alleine zu sein.

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28NOV2021
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Der Advent ist da. Und wir singen die alten Lieder. Wie zum Beispiel dieses:

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Also, ich mache meine Tür nicht auf. Wie es bei mir aussieht. Nicht aufgeräumt, nicht geputzt. Bei mir kommt keiner rein, bevor es nicht picobello ist. Auch nicht der Herr der Herrlichkeit. Soll er warten. Bis nächste Woche vielleicht. Oder nächstes Jahr.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Ich mache meine Tür nicht auf. Wie ich aussehe. Nicht gewaschen, nicht gekämmt, nicht gebügelt. Für den Herrn der Herrlichkeit will ich herrlich aussehen. Also: Bevor ich mich nicht hergerichtet habe, bleibt meine Tür zu.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Ich mache meine Tür nicht auf. Dafür fühle ich mich viel zu mies. Und das soll keiner sehen. Meine verweinten Augen, die gehen keinen etwas an. Auch nicht den Herrn der Herrlichkeit.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Viel zu viele Menschen lassen die Türen zu, ziehen die Zugbrücke hoch. Zu ihren Herzen, zu ihren Seelen. Zeigen sich nur, wenn sie vorzeigbar sind, aufgeräumt und vorbereitet. Schade.

Denn ausgerechnet zu denen will er kommen. Der Herr der Herrlichkeit. Gerade im Chaos und den Tränen will er da sein, nah sein, bei mir sein. Holla, klopft es da nicht?

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23OKT2021
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Als Comedian sieht Markus Maria Profitlich das Leben von der heiteren Seite, bringt Menschen zum Lachen. Bei der Diagnose Parkinson ist ihm selber nun gar nicht zum Lachen zumute. Und dennoch kann er sagen:

Warum soll es mir nicht passieren? Ich denke dann oft an Hiob, von dem das Wort „Hiobs-Botschaft“ abgeleitet ist. Der hat alles verloren, ist am Ende aber von Gott reich beschenkt worden.

Das ist für mich die größte Botschaft: Am Ende wird jeder so stark belohnt, dass er viel, viel mehr hatte als vorher. Wenn ich sterbe, geht es für mich positiv weiter. Ich habe eine spannende Zeit mit Gott.

https://www.express.de/promi-und-show/markus-maria-profitlich-leidet-an-parkinson-so-geht-es-ihm-aktuell-73444?cb=1631644914004

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22OKT2021
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Spätestens seit „Fuck ju Göhte“ gehört Elyas M’Barek zu den bekanntesten Schauspielern Deutschlands. Aber Erfolg steht für ihn nicht an erster Stelle. Ihm ist die Liebe wichtig. Und er weiß auch, warum:

Sie kennt keinen Neid, keine Selbstsucht, sie prahlt nicht und ist nicht überheblich. So wird es im ersten Brief des Paulus an die Korinther beschrieben. Finde ich gut.

In der Liebe geht es eben nicht darum, dass man sich selbst bestätigt sieht. Liebe bedeutet, dass man gibt, dass man für einen anderen da ist, dass man vielleicht sogar liebt, wenn man nicht geliebt wird.

Liebe ist etwas komplett Unegoistisches. Wenn das alle beherzigen würden, wäre die Welt eine bessere.

https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2017/36670/elyas-mbarek-ueber-karriere-ueberheblichkeit-und-darueber-was-er-aus-der-sache-mit-dem-kaugummi

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21OKT2021
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Sven Plöger kennt den Himmel wie seine Westentasche. Schließlich ist er Meteorologe und präsentiert „Das Wetter im Ersten“. Ob es morgen regnen wird, kann er beantworten. Aber bei der Frage, ob es Gott gibt, muss er nachdenken:

Ganz schwierige Frage. Es ist so extrem unwahrscheinlich, dass wir hier sind, es muss etwas geben, das verantwortlich ist. Aber was?

Einmal, beim Gleitschirmfliegen, hat mich ein anderer Pilot über den Haufen geflogen. Rechts Felsen, links Felsen, in der Mitte ein Baum, in den bin ich mit dem Notschirm reingefallen. Ob das jeweils Gott war?
Jedenfalls habe ich hinterher irgendwohin gedankt, ohne zu wissen, wohin.

https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2018/41637/60-jahre-brot-fuer-die-welt-sven-ploeger-ueber-gewitterwolken-am-himmel-und-glueck-im-leben

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20OKT2021
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You’ll never walk alone. Dieses Motto gilt für Trainer Jürgen Klopp nicht nur auf dem Fußballplatz. Auch in seinem ganz persönlichen Leben ist Klopp mit Gott unterwegs:

Für mich ist der Glaube an Gott wie ein Fixstern, der immer da ist. Ein treuer Begleiter, der dir oft genau dann Kraft schenkt, wenn du gar nicht mehr damit rechnest.

Aber auch ein starker Rückhalt, der mir die nötige Lockerheit gibt, mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen, und dem nötigen Vertrauen, dass der ›da oben‹ schon alles richtig macht.

https://promisglauben.de/juergen-klopp-die-betroffenen-und-diejenigen-die-noch-krank-werden-sind-in-unseren-gebeten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34057