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25SEP2021
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Gleich zwei Patenkinder von mir haben in diesen Tagen Geburtstag. An diesem Wochenende wird gefeiert! 12 und 13 Jahre werden die beiden alt. Es sind ganz wunderbare Jungs, neugierig, freundlich, kreativ. Und sie haben ihre Patentante an Größe schon überholt, zumindest an körperlicher.

Es ist eine Freude, sie groß werden zu sehen. Auch zu sehen, wie sie unterstützt werden beim Aufwachsen, von ihren Eltern, Freundinnen und Freunden, ihren Lehrerinnen und Lehrern. Sie haben so viele Möglichkeiten. Ich muss in diesen Tagen aber auch an die vielen Kinder denken, die solche Möglichkeiten nicht haben. Diese Woche waren gleich zwei Gedenktage, die mich daran erinnert haben: der Weltkindertag und der Weltfriedenstag. Es gibt so viele Millionen Kinder auf dieser Erde, die in Kriegs- und Katastrophengebieten aufwachsen müssen. Oder in Flüchtlingslagern. Sie können keine Schule besuchen, kein Fußballtraining, keinen Klavierunterricht. Sie wohnen in Zelten und haben Traumatisches erlebt.

In diesen Wochen erinnert auch eine kirchliche Aktion an die Kinder in den Flüchtlingslagern. Die so genannte „Aktion Wanderfriedenskerze“. Bei der Aktion werden besonders gestaltete Kerzen auf Wanderschaft geschickt, sie machen Station in Gemeinden und Kirchen. Und wenn sich die Menschen rund um diese Wanderfriedenskerzen versammeln, dann erfahren sie etwas über die Kinder in den Flüchtlingslagern. Auf Lesbos zum Beispiel, dem ehemaligen Lager von Moria. Oder in der Ukraine oder der Türkei. Kinder, die unter so unfassbar schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen.

Es gibt viele großartige Initiativen und Hilfswerke, die sich einsetzen für die Kinder, die Flucht und Vertreibung erleben müssen. Ich hoffe und bete, dass so noch viel mehr Kinder auf dieser Erde geschützt und umsorgt aufwachsen können, wie meine Patenkinder, mit allen Möglichkeiten zum Größerwerden, die sie verdienen und die ihnen als Kinder zustehen.

Ich hab meinen beiden Patenkindern natürlich Geschenke zum Geburtstag besorgt diese Woche. Und ich hab mir vorgenommen: Auch den Kinder in den Flüchtlingslagern werde ich am Wochenende etwas schenken, durch Spenden, die ich überweise. Das geht im Internet übrigens ganz leicht, sicher und seriös über das UN-Flüchtlingshilfswerk zum Beispiel oder Caritas International.
(vgl.

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/fluechtlingsschutz/fluechtlingskinder

oder

https://www.caritas-international.de/themen/fluchtundmigration/fluchtundmigration.aspx)

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24SEP2021
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Heute werden viele von ihnen wieder auf die Straße gehen: von den jungen Leuten von „Fridays for Future“, den „Freitagen für die Zukunft“. Es geht ihnen um die Zukunft unseres Planeten, die sehen sie bedroht durch die Klimakrise. Die Wissenschaft gibt ihnen recht: Unsere Erde erwärmt sich so stark, dass das Leben der Menschen auf ihr immer schwieriger und gefährlicher wird. In diesem Jahr haben wir das schon besonders erleben müssen: Furchtbare Brände gab es in Griechenland und der Türkei, in Afrika werden die Dürrekatastrophen immer schlimmer, und nicht zuletzt waren da die schrecklichen Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und bei uns in Rheinland-Pfalz. Ganze Häuser, die einfach weggerissen werden, Krater in der Erde, überflutete Straßen und zig Tote: So etwas kannten wir bisher nur aus fernen Ländern. Und jetzt passiert das mitten unter uns. Die Klimakrise ist längst in Deutschland angekommen.

In Europa, hab ich vor kurzem gehört, steigen die Temperaturen sogar dreimal so schnell wie im Rest der Welt. Es wird also sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir unter der Klimakrise zu leiden haben. Und nicht nur die jungen Leute müssen sich Sorgen machen. Vor kurzem hat eine Gruppe von älteren Leuten darauf aufmerksam gemacht: Ältere Menschen sind in den nächsten Jahren noch viel stärker von der Erderwärmung betroffen. Denn wer älter ist, kann die Hitze schlechter verkraften. Die Gefahr, dass der Kreislauf zusammenbricht, wenn die Temperaturen auf fast 40 Grad klettern, ist groß.

Ich bin dankbar dafür, dass die jungen Leute gegen die Klimakrise auf die Straße gehen. Dass sie uns Ältere aufrütteln. Für mich ist ihr Engagement nicht nur ein Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, sondern auch für die Nächstenliebe. Vielleicht geh ich heute sogar mit ihnen auf die Straße. Sicher aber werde ich die jungen Leute von „Fridays for future“ und die Klimakrise im Kopf haben, wenn ich am Sonntag mein Wahlkreuzchen mache. Denn auch dabei entscheiden wir über unsere Zukunft.

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23SEP2021
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In meine Morgen- und Abendgebete ist in den letzten Wochen ein neuer Satz hinzugekommen. Immer wieder kommt er mir flehentlich über die Lippen: „Ach Gott, lass doch bitte das Impfen weiter vorankommen!“ Morgens und abends schau ich auf die Nachrichten und seit Corona auch auf die Inzidenz-Zahlen und die Zahlen der Coronakranken. Und die machen mir in diesem September wieder Sorgen. Viele Menschen infizieren sich wieder mit dem Coronavirus. Und etliche landen in den Krankenhäusern, auch immer mehr jüngere. Erschöpfte Intensivärzte sagen: Wir hatten gehofft, dass es so schlimm nicht noch mal werden würde. Und jetzt haben wir wieder Menschen, die an der Beatmung hängen, und sie sind noch so viel jünger als letztes Jahr.

Ich muss dabei auch an einen Studienfreund von mir denken: Er hat sich letztes Jahr gleich am Anfang der Coronakrise mit dem Virus infiziert. Vier Wochen lang lag er im künstlichen Koma und an der Beatmung. Es war eine sehr schwere Zeit für ihn und seine Familie und auch für uns Freundinnen. Wir waren so froh, als es ihm endlich besser ging. Aber gut geht es ihm nach eineinhalb Jahren noch immer nicht. Ich bete für ihn – und ich bete dafür, dass wenige Menschen so etwas erleben müssen.

Das Virus ist gefährlich und heimtückisch, und es ist sogar noch ansteckender und gefährlicher geworden in den letzten 18 Monaten. Wer nicht geimpft ist, riskiert einen schweren Verlauf und sogar den Tod.

Seit dem Sommer hab ich den vollständigen Impfschutz und bin sehr froh darüber. Es geht ja nicht nur darum, dass ich selbst geschützt bin. Es geht auch darum, dass ich andere schütze. Geimpfte sind weniger ansteckend als Ungeimpfte. Papst Franziskus sagt: Impfen ist ein Akt der Liebe, "für sich, für die Familie und Freunde, sowie für alle Völker".

Ich bete immer wieder zu Gott, dass wir alle gut durch diese Pandemie kommen, dass möglichst wenige erkranken – und dass viele Menschen sich impfen lassen.

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30JUN2021
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Seit ein paar Wochen gibt es einen weiteren Grund für mich, weniger oder gar kein Fleisch zu essen: den Kampf gegen Pandemien. Schon länger ist ja klar: weniger Fleisch essen ist gut für die eigene Gesundheit und für das Weltklima. Fürs Wohl der Tiere natürlich auch. Aber dass weniger Fleisch essen auch gut dafür sein soll, künftige Pandemien zu verhindern, das war mir nicht so klar.

Jetzt hab ich vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Virologen Christian Drosten gelesen: Auch der große Fleischkonsum der Welt ist mit dafür verantwortlich, dass es weltweite Epidemien gibt wie die Corona-Pandemie. Er erklärt da: „Je dichter und größer die Tier­bestände, desto mehr Chancen, dass ein Virus, wenn es einmal in den Bestand eingetragen wird, explodiert und dabei so mutiert wie Sars-2.“ (vgl. https://www.republik.ch/2021/06/05/herr-drosten-woher-kam-dieses-virus)

In dem Interview macht er klar: Überall, wo Tiere auf engstem Raum gehalten werden, ob in Pelzfarmen oder Mastbetrieben, findet ein Virus optimale Zustände. Und kann dann im schlimmsten Fall auch Menschen befallen.

Mir hat das wieder vor Augen geführt, wie komplex unsere Welt ist und wie alles mit allem zusammenhängt: Tierwohl und Menschenwohl, Klimaschutz und Pandemiebekämpfung. Und es macht mir auch klar: Weil alles so zusammenhängt, kann ich an meinem Platz etwas ändern. Ich bin ein Rädchen in dem großen Getriebe. Und wenn ich etwas anders mache und wenn das viele ebenfalls tun – dann kann sich dieses komplexe System verändern und verbessern.

Ich gestehe: Ich bin sowieso schon seit über zehn Jahren Vegetarierin. Mir ging es am Anfang vor allem um den Hunger in der Welt. Denn auch das ist klar: Der viele Fleischkonsum bei uns nimmt den Menschen anderswo auf dieser Welt Ackerfläche fürs täglich Brot weg. Im Laufe der Jahre sind bei mir immer mehr Gründe dazugekommen, aufs Fleisch zu verzichten. Ich kenne aber auch viele, die einfach weniger Fleisch essen und auf die Herkunft achten.

Ich hab im Laufe der Jahre jedenfalls immer mehr festgestellt, wie unglaublich lecker Gemüse sein kann. Der Kampf gegen künftige Pandemien und gegen den Klimawandel kann sogar richtig genussvoll sein.

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29JUN2021
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Sie sind wohl die wichtigsten zwei Männer der Kirche. Ohne sie gäbe es Kirche und Christentum so gar nicht. Die heiligen Petrus und Paulus. Heute am 29. Juni ist ihr Gedenktag. In der katholischen Kirche ist das sogar ein sogenanntes Hochfest, davon gibt es gar nicht so viele.

Aber ich gestehe: Ich habe mit diesem Hochfest auch so meine Probleme. Klar, auch ich kann diesen beiden großen Gestalten einiges abgewinnen: Petrus, der ein ganz normaler Fischer am See Genezareth war und dann aufgestiegen ist zum wichtigsten Vertreter der frühen Kirche. Petrus, der Fels! Hat Jesus ihn genannt. Und Paulus war derjenige, der das Christentum verbreitet hat, als erster, großer Missionar.

Und trotzdem, ich gestehe: Ich feiere die beiden heute mit etwas Magengrummeln. Denn es sind eben Männer, die da im Mittelpunkt stehen. Und die Vorbilder sind vor allem für die Männer der Kirche, die ihnen nachfolgen und bis heute - in der katholischen Kirche zumindest - die Führung haben.

Immerhin waren Petrus und Paulus Männer, die Frauen stärker wertschätzten als manche ihrer heiligen Nachfolger. Petrus, der erste Papst, war verheiratet, die Bibel erwähnt seine Schwiegermutter. Und Paulus grüßt in seinen Briefen erstaunlich oft und selbstverständlich Mitarbeiterinnen und nennt sie sogar Apostelinnen. Das wäre manchem großen Theologen des Mittelalters nicht eingefallen.

Aber ich wünschte mir, die Frauen der ersten Stunde würde man genauso verehren. Junia zum Beispiel. Paulus grüßt sie in seinen Briefen und nennt sie eine herausragende Apostelin. Vermutlich war sie eine der ersten Gemeindeleiterinnen der Christenheit. Genauso wie Lydia, die erste Christin auf europäischem Grund. Sie war Purpurhändlerin in Philippi und hat ihr ganzes Haus taufen lassen, so erzählt die Bibel.

Ohne diese zwei Frauen gäbe es Kirche und Christentum vermutlich so nicht. Ich habe für mich beschlossen: Ich feiere deswegen heute nicht nur Petrus und Paulus, sondern auch diese beiden: Junia und Lydia.

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28JUN2021
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Gerechtigkeit: Die finden eigentlich fast alle Menschen gut. Unsere Welt soll gerechter werden! heißt es oft. Aber wenn diese gerechte Welt mir selbst etwas abverlangt, dann wird es schon schwieriger. Wenn mir Gerechtigkeit etwas zumutet oder sogar etwas nimmt.

Beim Impfen zum Beispiel: Klar find ich es wichtig, dass es gerecht dabei zugeht. Das bedeutet: Diejenigen kriegen den Impfstoff zuerst, die ihn besonders dringend benötigen, weil sie gefährdet sind, durch eine Vorerkrankung oder durch ihren Beruf. Genauso klar ist aber: Ich will meine Impfung natürlich auch so schnell wie möglich. Und ich will sie auch für meine Familie oder engen Freundinnen. Dann wird es schon schwieriger mit der Gerechtigkeit.

Oder ein anderes Beispiel: Klar ist es wichtig, dass es im weltweiten Handel fair zugeht. Dass Menschen in Äthiopien oder Bangladesch nicht ausgebeutet werden, sondern gerechten Lohn bekommen für ihre Arbeit. Aber hier bei uns deswegen mehr zahlen für Kleidung oder Kaffee: Das wollen viele dann doch nicht. Beim eigenen Geldbeutel hört die Gerechtigkeit sozusagen auf. Und ich kann das zum Teil auch verstehen. Je mehr man selbst aufs Geld schauen muss, desto schmerzhafter wird es, für alltägliche Dinge mehr zu bezahlen. Aber ist das gerecht?

Gerechtigkeit ist eben nicht nur ein hehres Wort, dem jeder Mensch zustimmen kann. Es ist auch eine Aufforderung zum konkreten Handeln, die ganz schön unbequem werden kann. Das war übrigens schon zu Zeiten der Bibel so. Ihr müsst gerechten Lohn zahlen! Kein Mensch soll hungern müssen! Das haben schon die Propheten der Bibel damals vor 2500 Jahren gesagt, und es war schon damals vielen Leuten unangenehm, besonders den reichen.

Aber gleichzeitig ist schon seit den Zeiten der Bibel klar: Eine gerechtere Welt ist eine bessere Welt, und zwar für alle. Ich kann mit besserem Gewissen und besserem Gefühl leben, wenn ich weiß: Ich lebe nicht auf Kosten anderer, ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen, dass die Welt gerechter wird. Das kostet mich etwas. Aber ich hab die Erfahrung gemacht: Es gibt mir auch viel.

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27MRZ2021
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Es sind gleich zwei besondere, sogar heilige Zeiten, die morgen beginnen. Als Christin starte ich in die Karwoche, sie beginnt mit dem Palmsonntag und endet mit dem Osterfest, das wichtigste Fest für mich als Christin. Zugleich starten Jüdinnen und Juden morgen ins Pessach-Fest, das auch eine Woche dauert. Beide Feste, Pessach und Ostern, haben sehr viel miteinander zu tun.

Dieses Jahr mach ich mir das besonders bewusst. 2021 ist nämlich ein Festjahr: Wir feiern 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Aus dem Jahr 321 stammt der älteste Beleg jüdischen Lebens in Europa nördlich der Alpen. Der römische Kaiser Konstantin höchstselbst erwähnt die jüdische Gemeinde von Köln in einem Edikt. Zum Festjahr gibt es eine ökumenische Kampagne, sie heißt: „Näher als du denkst. Jüdisch beziehungsweise christlich.“ Und sie möchte darauf hinweisen: Christentum und Judentum sind enger miteinander verbunden als wir oft denken.

Bei Pessach und Ostern ist diese Verbindung besonders stark: Jesus ist nämlich am Pessachfest damals - oder wie die christliche Bibel sagt: am Paschafest - von den Toten auferstanden. Gott hat Jesus herausgeführt aus dem Totenreich. Und Jüdinnen und Juden feiern an Pessach etwas Ähnliches: Gott hat das Volk Israel herausgeführt aus dem Sklavenreich in Ägypten. Gott befreit und erlöst: Das ist der gemeinsame Glaube von Jüdinnen und Christinnen, von Juden und Christen.

Dieser gemeinsame Glaube und die enge Verbundenheit sind in den letzten 1700 Jahren oft vergessen und verdrängt worden. Und das hat zu furchtbaren Folgen geführt: zu Pogromen und Vernichtungen, vor allem natürlich zur Shoah zur Zeit des Nationalsozialismus. Aber wenn ich mir als Christin bewusstmache: Jesus war Jude. Und Jüdinnen und Juden sind meine älteren Schwestern und Brüder: Dann kann ich keine Feindschaft empfinden. Und ich muss mich mit aller Kraft wehren gegen solche Feindschaft. Gegenüber Antijudaismus und Antisemitismus, den es bis heute gibt, sogar wieder besonders stark.

An Pessach und an den Kar- und Ostertagen jetzt will ich die Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum ganz bewusst begehen und feiern. Ich wünsche allen Jüdinnen und Juden: ein frohes, gesegnetes Pessachfest!

 

Linktipp: https://www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

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26MRZ2021
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Ich mag die Mainzer Christuskirche. Von meinem Balkon aus kann ich auf ihre Kuppel und das golden leuchtende Kreuz schauen. Und seit vielen Jahren freu ich mich über ihr Glockenspiel: von der Kirchenkuppel gibt es regelmäßig Kirchenlieder. Seit gut einem Jahr hat dieses Glockenspiel eine besondere Bedeutung für mich. Seit Corona unser Leben umgestülpt hat und ich fast nur noch zuhause bin. Wenn es mittags um 12 und abends um 18 Uhr erklingt, dann gehe ich auf meinen Balkon und bete.

Ich bete mein Corona-Gebet. Es sind nur ein paar Zeilen und dauert eine knappe Minute. Ich hab es geschrieben für unsere kirchliche Homepage damals vor einem Jahr. Mir hat es geholfen, mich in dieser verrückten neuen Situation an Gott zu wenden. Ihn zu bitten: Steh uns bei!

Beim Beten hab ich auch wahrgenommen und ausgedrückt, was ich in der Situation gerade brauche und was ich von Gott erbitte: „Hilf uns, gelassen zu bleiben,“ spreche ich oder: „Schenke uns Mut und Zuversicht.“ Mir wird beim Beten auch deutlich, was ich tun kann. Ich bitte Gott um Kraft dafür: „Hilf uns, Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir in dieser Pandemie besonders schützen müssen.“ Der tiefste Wunsch und die größte Bitte steckt für mich aber seit über einem Jahr in diesem Satz: „Guter Gott, lass diese Corona-Krise bald vorübergehen.“

Ob Gott mich hört? Ich glaube schon. Aber was ich sicher sagen kann: Dieses regelmäßige Beten verändert mich. Weil ich meine Sorgen auf Gott werfen kann. Weil ich zweimal am Tag durchschnaufe und alles unterbreche, was ich gerade tue. Und nicht zuletzt: Weil ich mich mit anderen Menschen verbinde, von denen ich weiß: Sie beten auch. Die alten Kirchenlieder des Glockenspiels verbinden mich sogar mit Menschen früherer Jahrhunderte. Schon immer haben Menschen sich in großen Krisen an Gott gewandt.

Ich bete mein Corona-Gebet. Und ich denke dabei auch an die Menschen, die unter dieser Krise besonders leiden und mein Gebet jetzt gut gebrauchen können.

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25MRZ2021
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Neun Monate sind es noch bis Weihnachten. Deswegen feiert die katholische Kirche heute einen besonderen Marienfeiertag. 25. März, Mariä Verkündigung. Die Bibel erzählt dazu: Ein Engel kam zu Maria und verkündigte ihr: Du wirst einen Sohn bekommen, er wird Jesus heißen und der Retter der Welt sein. Die berühmte Antwort Marias lautete: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Lukasevangelium 1,38)

Wenn ich diese Antwort Marias höre, bekomm ich ein mulmiges Gefühl. Denn die gehorsame Magd, die sagt: Gott, mach mit mir, was du willst: Sie war über Jahrhunderte ein Argument dafür, dass nicht nur Gott, sondern auch die Herren der Welt mit den Frauen machen konnten, was sie wollten. Sie bestimmten zum Beispiel, ob Frauen arbeiten durften – bis vor nicht mal 50 Jahren galt das so für die Ehefrauen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Männer waren nicht zuletzt auch sexuell die Herren – und die Frauen die Mägde. Über Jahrhunderte wurden Frauen klein gehalten – und zum Teil werden sie es noch immer.

Gott aber will die Frauen nicht klein sehen, schon diese Maria damals nicht. Ein paar Zeilen später in der Bibel singt die schwangere Maria ein großartiges, selbstbewusstes Lied, das so genannte „Magnificat“. Das Wort Magnus ist Latein und bedeutet: groß. Magnificat bedeutet: Es möge groß werden. Maria lässt in ihrem Lied Gott groß sein. Aber nicht nur das. Sie feiert auch, dass Gott sie, die Maria, groß sein lässt. „Der Mächtige hat Großes an mir getan“, heißt es da (Lukasevangelium 1,49). Gott hat mich groß gemacht. Und aus der niedrigen Magd wird eine, die von der ganzen Welt gepriesen wird (vgl. Lukasevangelium 1,48)

Ich denke bei diesem Lied Marias heute an die Frauen, die noch immer klein gemacht werden. In ihren Beziehungen, im Beruf, und leider auch: in meiner katholischen Kirche. Gott will nicht, dass Frauen benachteiligt und klein gemacht werden. Er will uns Frauen groß sehen. Und Gott wusste schon immer: Wenn es um die Rettung der Welt geht, wendet er sich am besten als erstes an eine Frau.

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21OKT2020
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Mission, das Wort hat immer noch einen schlechten Klang bei vielen Menschen. Man denkt da an gewaltsames Missionieren und Kolonialisieren. In früheren Zeiten haben Missionare tatsächlich mitgemacht bei der Unterdrückung und Ausbeutung anderer Länder, Länder in Afrika oder Südamerika oder Asien. Heute ist das Gott sei Dank ganz anders. Die Bedeutung von Mission hat sich in der katholischen Kirche sehr gewandelt. Mission: Das heißt heute vor allem: Solidarisch sein mit den Ländern im Globalen Süden. Denn die Botschaft der Bibel heißt ja nicht: andere ausbeuten! Sondern: sich für andere einsetzen! Gerechtigkeit schaffen! Diese Botschaft will Kirche heute in die Welt senden, das ist ihre Mission. 

Der Oktober ist traditionell der Monat der Weltmission in der katholischen Kirche, und der kommende Sonntag ist der so genannte Weltmissionssonntag. Er steht dieses Jahr unter dem Motto „Selig, die Frieden stiften! Solidarisch für Frieden und Zusammenhalt.“ Und natürlich ist auch er von der Corona-Krise beeinflusst. Denn sie wirkt sich auf die armen Länder im Süden noch viel stärker aus als auf uns. Sicher, auch bei uns gibt es Menschen, die gebeutelt sind von der Krise. Die sich Sorgen machen um ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz. Aber in Deutschland muss Gott sei Dank keiner verhungern, wenn er nicht arbeiten gehen kann. In Brasilien, Paraguay oder Ghana schon. 

Solidarität ist deswegen nicht nur bei uns in Deutschland wichtig. Sondern weltweit. Und es ist gut, dass sich viele Menschen dafür einsetzen, beim katholischen Hilfswerk Missio und in vielen Partnerorganisationen vor Ort in Afrika oder Südamerika. Christinnen und Christen und Menschen anderer Religion oder Weltanschauung. Sie alle helfen mit, damit Menschen in Brasilien oder Ghana oder Paraguay medizinisch versorgt werden. Lebensmittel bekommen. Und Kinder in die Schule gehen können. 

Ich werde etwas spenden zum Weltmissionssonntag. Und ich bete dafür, dass wir es schaffen, weltweit noch solidarischer zu werden. Und die ganze Welt solidarisch und gut durch diese Krise kommt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31817