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Der Frühling steht vor der Tür, und Tante Irmela hat sich ein neues Kleid gekauft.
Sie ist ganz kribbelig vor Erwartung als sie nach dem Einkauf nach Hause kommt.
Zieht rasch - ohne dass Heinz es mitbekommt - das neue Kleid an, stellt sich im Flur vor den Garderobenspiegel, dreht sich hin und her, streicht mit den Händen am Kleid entlang, rechte Schulter leicht nach vorne geneigt, betrachtet prüfend im Spiegel ihren Rücken.
Heinz!Kommst du mal? Ich hab was. Auch für dich....!!
Der Ton in ihrer Stimme lässt Heinz aufhorchen. Vorsichtig betritt er den Flur.
Und: Gefällt es dir?
Das ist eine jener Fragen, die eine Raumspannung besonderer Art erzeugen. Momente, in denen auch ein Garderobenspiegel Gänsehaut bekommt. Onkel Heinz weiß: Nur eine kühne Antwort rettet den Tag.

Also, sagt er, das Kleid..., für mich als Glaubenden spiegelt dein Kleid das Geheimnis der Liebe zwischen Mann und Frau.
Irmelas Hände halten abrupt in der Bewegung inne. Was soll das jetzt!? Gefällt es dir oder nicht?
Ein Kleid, sagt Heinz, ein Kleid ist zunächst ja nur eine Verhüllung. Aber diese Verhüllung ist auch ein Angebot. Ja mehr noch: Eine Herausforderung höherer Art.
Irmelas Augen werden schmal. Der Garderobenspiegel verdunkelt sich. Jetzt Stand halten, denkt Heinz. Nicht ausweichen.  
Ein Kleid, sagt er, ist für den Mann immer mehr als ein Kleid.  Es ist eine Herausforderung: In der Verhüllung durch das Kleid die Person zu entdecken.
Huaaah! Männerphantasien!,
stöhnt Irmela.
Heinz lässt sich nicht beirren. Eine Person, die sich verhüllt, will entdeckt werden, Irmela.
Erkannt werden. Als erlösendes Geheimnis! In der Begegnung zwischen Mann und Frau ist ein Kleid viel mehr als ein Kleid.
Die Stille im Flur ist kaum auszuhalten.
Gefällt es dir...?
Was soll Heinz jetzt noch sagen?
Er lächelt. Geht auf Irmela zu, nimmt sie in den Arm. Tango-Tanzhaltung.
Eh, was hat es denn gekostet, fragt er?
Das, flüstert Irmela, das bleibt ein ungelöstes Geheimnis.
Wie alle Liebe zwischen den Liebenden..

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10344

Manche Bibelverse begleiten mich wie  ein roter Faden durch mein Leben.
Zum Beispiel ein Vers aus dem Psalm 90:
Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
Meiner Großmutter las mir abends öfter aus der Bibel vor.
Vor allem spannende Geschichten aus dem Alten Testament, aber eben auch Psalmen.
Das war schön und beruhigend.

Allerdings, SO ein Vers klang doch bedrohlich: Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Als Kind dran zu denken, dass man sterben muss. Du lieber Himmel!
Und doch, wenn Großmutter das vorlas, klang es manchmal auch wie ein tröstendes Geheimnis.

Als ich älter wurde leuchtete mir der Vers dann noch einmal ganz neu auf:
Die vielen Jahre der Kindererziehung, mit all ihrer Anstrengung und Freude, und dann:
Die Kinder los zu lassen, sie zu entlassen in ihre eigene Welt. Für mich war das auch eine ganz eigene Art von, ja von:  Sterbens-Erfahrung. Ging nicht ohne schmerzliche Gefühle.

Aber: In all den  Jahren mit den Kindern bin ich auch reich geworden. Durch diese Leben in Freude  und Lust. Und in genau dieser Erfahrung erschließt sich mir mittlerweile die „Klugheit", von der im Psalm die Rede ist.

Ich lese den Vers inzwischen so: Herr, lehre mich begreifen wie mein Leben reich wird, wenn ich es mit anderen teilen kann, mit meiner Familie,  mit Freunden und Bekannten...
Ich glaube, das wollte Großmutter mir mitgeben, wenn sie mir als Kind den Psalm vorlas.
Am liebsten würde ich Großmutter noch einmal bei mir haben. Ihr von meiner Dankbarkeit und meinem Reichtum erzählen. Mir von ihr den Psalm noch einmal vorlesen lassen. Und ihr erzählen wie mich der Bibelvers durchs Leben begleitet hat. So sehr, dass ich Ihnen heute Morgen sogar davon erzähle, und Ihnen ähnliche Erfahrungen wünsche.

Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10343

„Zum normalen denken brauche ich Gott eigentlich nicht"
Dieser Satz einer Konfirmandin hat mich neulich aufgescheucht.
Werde ich unnormal, wenn ich Gott in meinem Denken Platz gebe?
Zugegeben: Manche Formulierungen von Glaubenssätzen klingen auf den ersten Blick sehr unnormal. Zum Beispiel der Satz aus dem Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott als den Schöpfer Himmels und der Erden.
Was soll so ein Satz mir sagen: im Zeitalter von Urknallforschung und Satelliten im Weltraum? Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde bekennen: Damit kann ich im normalen Denken wirklich keinen Blumentopf gewinnen.
Die Physiker erklären uns: Es hat gewaltig geknallt am Anfang.
Und irgendwann hat sich unter anderem auch der Mensch als Folge des Knalls entpuppt.
Und ist inzwischen so schlau geworden, zu begreifen, warum es zum Knall kommen konnte.
Ganz ohne Gott als notwendige Erklärung.
Wenn da jemand Gott denkerisch zu Hilfe nehmen will, hat der nicht auch einen Knall?
Einen ganz anderen?
So ist es! sagt der Glaube. Lass es rappeln in der Gedanken-Kiste!
An Gott als Schöpfer glauben heißt: Ich verstehe Gott als ein Gegenüber, das mich anspricht:
Schau , ich übergebe euch die Welt. Verwaltet sie mit Liebe! Ihr könnt zum Beispiel die Ernährung der Menschheit sicher stellen. Aber es können auch ferngesteuerte Kriegsraketen hergestellt und Naturgewalten entfesselt werden. Wollt ihr das?
Wenn ich mich SO ansprechen lasse, dann schließt mich das auf, gibt mir Zutrauen:
Mich der Verantwortung für die Folgen meines Handelns zu stellen.
Am Anfang war der Urknall. Der Rest, sagt mir der Glaube, ist: Im Vertrauen auf Gott verantwortungsvoll mit dieser Welt umzugehen.
Zum normalen Denken brauche ich Gott eigentlich nicht. Sagte die Konfirmandin.
Recht hat sie. Wenn sie mit normalem Denken das logisch Beweisbare meint. Aber irgendwann gilt es zu entscheiden: Worauf setze ich mein Vertrauen?
Ich glaube an Gott als den Schöpfer der Welt. Das kann der Machbarkeit wohltuende Grenzen verschaffen. Und es hilft mir: Zusammen mit den Physikern noch rechtzeitig vor dem ganz großen Knall die Kurve zu kriegen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10342

„Das Auge sieht was es sucht".

Ein Spruch, der auf meinem Schreibtisch liegt. Kommt mir jeden Tag in den Blick, wenn ich mich an meine Büroarbeit mache. „Das Auge sieht, was es sucht....."
Was sehe ich, am Beginn dieses Jahres?
Ach, da sind immer wieder die Geschichten wie Menschen sich bekriegen, sich gegenseitig ihr Leben streitig machen, kalt, unbarmherzig, vielleicht sogar blutig.
Ich will es nicht sehen. Und muss doch. Es ist meine Welt, in der ich lebe.
Herr im Himmel, was mutest du mir da immer wieder zu...?
Dass ich nicht aufgebe.
Das sagt mir die Jahreslosung für 2011:
„Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sonder überwinde das Böse mit Gutem"
So schrieb es der Apostel Paulus mal in einem Brief an seine Gemeinde in Rom.
Ein hoher Anspruch. Nicht zurückschlagen, nicht mit gleicher Münze heimzahlen.
Mit Gutem überwinden. Ach Paulus, wo hast du die Kraft her?
Warst selber eingesperrt, bist gequält und schließlich hingerichtet worden.
Und dann schreibst du: „Überwinde das Böse mit Gutem."
Was hast du gesehen, Paulus? Die gequälten Landarbeiter doch, die Soldaten auf dem Weg ins Germanenreich, die Mächtigen, die sich haben kaufen lassen.
Aber du hast noch etwas anderes gesehen.
Du hast inmitten aller Grausamkeiten den Himmel gesehen.
Wie kann ich den Himmel sehen?
Den Himmel auch über Afghanistan,
den Himmel auch über dem Stadtteil, in dem die Leute von Hartz 4 leben?
Fällt mir schwer, Paulus, fällt mir schwer, aber ich will es versuchen:
mir die Augen öffnen zu lassen.
Für den Mann, der es als Flüchtling geschafft hat, sicher in unserm Dorf zu landen,
immerhin, und es gab Menschen, die ihm geholfen haben bis hier her. Immerhin.
Das ist der Himmel. Ach wenn er es weiterhin nicht leicht haben wird.
Mit dem Blick auf einen Himmel Paulus,  mutest du mir zu,
mir für solche Menschen Zeit zu  nehmen, ihnen  zuzuhören, anderes dafür liegen zu lassen.
Was werde ich mit ihnen buchstabieren können, mit deiner Hilfe, Paulus...?
Das Auge sieht, was es sucht.
Ich werde den Spruch ergänzen mit der Jahreslosung:
„Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sonder überwinde das Böse mit Gutem"
Das  wird mir helfen: Menschen zu sehen, die gesehen werden wollen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9767

Heinz und Irmela sitzen am frisch gedeckten Frühstückstisch.
Feiern ihren ganz privaten Neujahrsempfang. Machen sie schon seit vielen Jahren so.
Haben es immer auch hingekriegt, Anfang Januar ein paar Tage Urlaub zu nehmen.
Haaach, sagt Irmela, lecker, die Brötchen mit Orangenmarmelade!
Mmmhh, mmh, brummt Heinz, und denkt:
wie jung und schön Irmela aussieht, auch nach 33 Jahren Ehe noch.
Muss an meiner Fürsorge liegen, und dass wir jedes Jahr mit einem „first-love-breakfast" beginnen.
So nennen Heinz und Irmela diesen ganz privaten Neujahrsempfang:
First-love-breakfast. Erste-liebe-frühstück.
Sie erinnern sich zu Anfang eines neuen Jahres ganz bewusst an ihre erste Begegnung.
In der Disco damals. Als Heinz mit einer dämlichen Frage nach der Uhrzeit Irmela anflirtete.
Und sie ihm schnippisch zu verstehen gab: was die Stunde geschlagen hat, bestimme ICH.
Hat sie nicht durchhalten können. Weil Heinz zu hartnäckig geblieben ist.
Immer wieder neu angefangen hat. Zu fragen: hast du JETZT zeit für MICH?
Hatte Irmela. Kinder sind daraus entstanden. Anfänge ganz eigener Art. Mit immer neuen, unerwarteten Herausforderungen. Das hat die beiden nicht nur glücklich gemacht, sondern regelrecht süchtig: nach Anfängen.
So ist dann auch ihr Jahres-Anfangs-Frühstück als Ritual entstanden. Ja, die Lust was anzufangen.
Egal, was an Scherben, Bruchstücken, Fetzen eines Lebens herumliegt. Denn: Nur mit der Erinnerung an Liebe kann man gut aufräumen, sagt Heinz. Die Scherben, Bruchstücken, Fetzen eines Lebens.
Und auch so Kleinigkeiten wie die Geschenke von Tante Elfriede zum Beispiel. Die immer so schreckliche gestickte Deckchen zu Weihnachten verschenkt. Was machen wir dieses Jahr mit den Deckchen eigentlich? fragt Irmela. Aach, antwortet Heinz, wir heben sie auf. Schenken sie irgendwann den Kindern. Vielleicht finden die das ja „cool". So wie die heutzutage drauf sind...
Und dann gießt er Irmela Kaffee nach. First-selection.
Für das „first-love- breakfast" am Anfang des Jahres.
Um das Jahr zu beginnen mit einer Erinnerung an die Liebe.
Wie sie einen hat anfangen lassen. Kraft schenkt.  Für alle erwartbaren Bruchstücke eines Jahres. Liebe, die immer wieder neu auf den Weg bringt.  Und so auch hilft Fortsetzungen zu schreiben:
Dieser unendlichen Geschichte der Liebe von Weihnachten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9766

Heute, am Donnerstag, endet im Kirchenkalender die Weihnachtszeit.
Ein Ende-Datum. Aber was soll eigentlich zu Ende sein? Weihnachten ?
Mit all seinen Festlichkeiten, geselligen Besuchen von Freunden,
Lichterglanz und Tannenbaumschmuck, Ende - aus die Maus?
Klar: irgendwann muss auch wieder der Alltag her. Zu viel Feiertage, Festtagsbraten und Plätzchen, da wird einem ja schlecht.  Aber soll jetzt alles so weiter gehen wie vorher? Was bleibt?
Es bleiben die Geschenke! Ja: die Geschenke von Weihnachten, die mich überrascht, glücklich und freudig gemacht haben. Die haben für mich kein Ende-Datum. Eher ein: Freu-Dich-Datum.!
Ich schau mir  Geschenke an, die auf meinem Schreibtisch liegen:
Ein Fisch aus Holz, bunt angemalt, hat mir eine Kollegin geschenkt. Das Witzige daran: Er ist so gearbeitet, das man ihn aufrecht an die Tischkante setzen kann. Und dann ständig versucht zuzugreifen, weil man denkt: jetzt fällt er aber gleich runter! Passt doch zu deiner Arbeit als Pfarrer meinte sie: Bei aller Schreibtischarbeit immer mal kurz überlegen: müsste ich vielleicht jemand schnell die Hand reichen, damit er nicht aus dem Gleichgewicht kommt...?
Hach, und der rote Pullover von Birgit. Klasse siehst du aus, Papa, war der einhellige Familienkommentar. 10 Jahre jünger..! Ein Kribbelgefühl packt mich, fast wie Frühlingserwachen mitten im Winter. Ja, denke ich jetzt, für mich soll es dabei bleiben:
Donnerstag. 6 Januar: Kein Ende-Datum. Sondern: Freu-Dich-Datum.!
Fortsetzung folgt ! Weihnachten geht weiter!
Und das, finde ich,  passt auch wunderbar zu dem Stichwort,  das da in meinem Kalender vom heutigen Tag steht:  Gedenktag Heilige-Drei-Könige.  Kaspar, Melchior und Balthasar.
Die haben damals nach einer langen Reise dem Jesuskind Geschenke an die Krippe gebracht.
Die drei von Geschenkepostamt des Himmels. In Belgien und Österreich sogar ein Feiertag!
Willkommen im Club, ihr Drei!, sage ich in Gedanken,
Briefträger sein, für Himmelspost auf Erden.
Damit aus Ende-Daten Freu-Dich-Geschichten werden können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9765

„All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu"

Ein Liedvers aus dem Gesangbuch. Der liegt Onkel Heinz noch vom letzten Gottesdienst im Ohr.
Schönes Signal für einen Jahresanfang, denkt er, vor allem auch für die Tage, die er und Tante Irmela am Anfang eines Jahres so fürchten: vorbereiten der Steuerklärung zum Beispiel, soll dieses Jahr endlich mal rechtzeitig angefangen werden...
Und dieses Jahr ist Irmela ganz aufgeregt. Hat sich beim sortieren der Belege nämlich was Neues vorgenommen. Online-Banking mit PIN und TAN und spezieller Scheckkarte am PC.
Eine Herausforderung, der sie sich mit gewohnter Lust am geistigen Abenteuer stellt.
Hier schau mal, sagt sie, ist faszinierend: da blinkt was auf dem Bildschirm, du hältst nur eine Art digitalen Taschenrechner davor, tippst auf Kommando Zahlen ein, und schwupps! sind 300 Euro auf dem Bankkonto vom Handwerker. Wahnsinn!
Mhhhm, murmelt Onkel Heinz, hängt in Gedanken noch am Liedvers vom Gottesdienst...
Hey.!, Ich red' mir dir ! Irmela wendet den Blick direkt zu Heinz. Willst du nicht mal gucken wie das geht, mit Pin und Tan und Scheckkärtchen...? Ich meine, falls ich mal krank  werde....
Äh, ja, sagt Heinz, Pin und Tan ..., Tan und Pin ..., Pan und Tin....
Ach, weisst du, ich arbeite am Jahresanfang  lieber mit einem anderen Konto....
Ah ja ?
Mmhh, und für dieses Konto gibt es  eine ganz spezielle PIN:17-03-79 .
Hey, das ist der Tag an dem wir uns kennen lernten!!
Ja, genau, sagt Heinz ...,und... meine TANS...,  das sind deine Küsse am Morgen...
noch lange nicht alle ausgeschöpft......
Und die werden mir dann auch helfen, wenn du mal krank  wirst,
und ich mich mit den anderen Konten dann befassen  muss.
Aber erst mal gilt:
All morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad  und  große  Treu
..manchmal  auch in Form ganz kleiner Küsschen..

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9764

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer ! Ich soll sie noch mal grüßen.
Von den Engeln. Ja, denen aus der Weihnachtsgeschichte!
Es sei ja nicht vorbei mit Weihnachten. Klar, das Knallen und Böllern an Silvester klingt (manchen) auch wie ein Schlusspunkt hinter Weihnachten in den Ohren.
Aber nix da: Schlusspunkt mit Weihnachten. Es geht weiter! In Gottes Namen und mit Jesus als seinem Geschenk an alle Menschen: Geht es weiter.
Sagen die Engel. Und ihr, ihr seid unsere irdischen Stellvertreter! Das ist unser Geschenk an euch.
Und überhaupt die Geschenke, sagen die Engel. Die Geschenke, die ihr euch ausgeteilt habt.
Die halten doch länger vor als bis zum 31. Dezember, oder? Na ja, schwamm drüber über die Geschenke, die heimlich im Januar umgetauscht werden...
Aber die anderen, die euch haben strahlen lassen: der schicke Pulli, und ja: das neue Handy zum Beispiel, mit dem super Akku, der ewig lange hält; sie alle erzählen doch: Ihr seid an Weihnachten aufgeladen worden. Mit neuer Kraft ! Es geht weiter. Kann weiter gehen: Einander Freundlichkeit auszuteilen, neue Kraft zu schöpfen.
Kraft für Besuche, die man immer schon hatte machen wollen, eine E-mail schreiben, auf die jemand sehnsüchtig wartet. Kraft finden auch für einen Besuch bei der krebskranken  Freundin, sie hat nicht mehr viele Tage zum leben. Aber dieser eine Tag mit viel Leben-, dadurch, dass ich sie besuche und wir uns jetzt treffen.... Da findet Weihnachten seine Fortsetzung!
Sagen die Engel.
Vergesst das nicht! Lasst euch hin einnehmen. In die Geschichte von Weihnachten als einer unendlichen Geschichte der Liebe. Ihr seid unsere irdischen Stellvertreter! Sagen die Engel. Und grüßen euch noch einmal mit den Worten:

Wenn ihr als Beschenkte euch entdeckt,
nach dem Gang von einem zu dem andern Jahr,
wenn ihr als Beschenkte euch entdeckt,
begreift ihr, was da war:
Es ist in euch viel Leid versteckt,
die Angst, und eure Zwänge Tag für Tag,
und doch auch: Liebe, Träume, wunderbar.
Wenn ihr als Beschenkte euch entdeckt,
dann blüht von Angesicht zu Angesicht
die Hoffnung, deutlich, klar.
Wenn ihr als Beschenkte
euch entdeckt,
wird alles sternenklar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9763

Montag, 3. Januar. Vor mir: Mein Jahresplaner. Muss noch um wichtige Termine ergänzt werden.
Hilft ja nichts, Arbeit ist Arbeit. Aber um nicht den Mut zu verlieren, habe ich mir vorgenommen dieses Jahr die Arbeitstermine zu ergänzen. Mit ganz besonderen Kalenderzeichen.
Ich schreibe mir in die Monatsspalten Überschriften hinein. Überschriften, die mich an Geschenke erinnern. Geschenke, die mich erfreut und glücklich gemacht haben.
Also, zum Beispiel eine fette rote Erdbeere aus Pappe , mit lustigen Augen, einer spitzen Nase und einem lächelnden Mund. Und  "Rocky", ein Rocksänger am Microfon, eine Laubsägearbeit.
Geschenke meiner Kinder aus ihrer Grundschulzeit. Oder der  Pfeife-rauchender Osterhase, mit Frack, Zylinder und Aktenkoffer in der Hand. Hat mir ein Mann aus meiner Gemeinde geschenkt.
Ach, und nicht zu vergessen: Ein Segelschiffchen in Öl hinter Plexiglas. Wie man das Plexiglas auch dreht, das Schiffchen bleibt immer oben.
Alles Gegenstände, die mich daran erinnern, wie Menschen liebevoll an mich gedacht haben.
Und die mir sagen: Lass dich nicht unterkriegen, bleibe frohgemut ! Das soll mich im neuen Jahr in Schwung halten. Damit will ich in das neue Jahr gehen. Es soll mich daran erinnern, dass bestimmt auch in diesem Jahr solche Begegnungen auf mich warten.
Vielleicht haben Sie auch solche Gegenstände - von Kindern, Freunden oder Bekannten.
Dinge, die Sie sich als Leuchtzeichen in Ihrem Kalender notieren können.
Ist eigentlich ziemlich gleichgültig welcher Spruch über welchem Monat steht. Die Notizen können Ihnen helfen: Das Jahr wird wieder viele Aufgaben mit sich bringen. Aber ist nicht nur eine Ansammlung von Stolpersteinen.
Nein, auch in diesem Jahr sind kleine und große Geschichten des Lieb-Habens zu erwarten!
Ja, ganz bestimmt. Ich bin schon sooo gespannt!!!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9762

Neulich war wieder ein Arztbesuch fällig Routineuntersuchung. Die Zeit frisst an einem. Und, fragt die Ärztin am Ende der Untersuchung: Verlieren sie manchmal die Balance?
Schwächeanfälle schon am Morgen, oder so ? Nun ja, es wurde eine längere Unterhaltung.
Und die Frage lässt mich seitdem nicht los: Verlieren sie manchmal die Balance?
Klar doch. Wer ist denn schon tagtäglich ausgeglichen. Super Nannys im Fernsehen vielleicht.
Oder die Nachrichtensprecher. Die wirken immer so ausgeglichen. Obwohl sie oft eine Hiobsbotschaft nach der anderen verlesen. Ausgeglichen: Nicht ich, Reinhardt Normalmann.
Und manchmal sogar finde ich es geradezu hilfreich: unausgeglichen zu sein, weil ich dann oft eine wohltuende Balanciererfahrung mache.
Wenn ich zum Beispiel unwirsch meine Frau anmaule, weil die vergessen hat, Bananen zum Frühstück einzukaufen. Dabei belastet mich eigentlich der Gedanke an die ganze Verwaltungsarbeit, die noch auf dem Schreibtisch liegt. Und dann passiert es, ich meine das mit der Balance:
Meine Frau schiebt mir einen Zettel zu. Drauf hat sie eine Banane gemalt. Und darunter steht: Morgen wieder alles Banane...
Das sind so Momente, in denen ich spüre: Wie wohltuend ist das doch, wenn s einen oder eine gibt, die mich in die Balance bringen. Ganz entspannt, liebevoll. Toll: Balance finden durch ein Wort, eine liebevolle Zuwendung von jemandem oder eine Geste.
Natürlich, nicht immer stehen Mitmenschen mit Phantasie parat. Von meiner Großmutter habe ich gelernt, dass es dann auch hilft, einfach zu beten. Um die Balance. Und dass ich sie finde, irgendwie. „Wenn du unausstehlich bist, konnte Großmutter sagen, wenn es eng wird, dann ist es höchste Zeit für ein Gebet. Ein Gespräch mit Gott. Der antwortet nicht immer sofort. Aber bis du seine Antwort spürst, kannst du ruhiger werden. Und für die anderen weniger unausstehlich."
Habe ich auch immer wieder seitdem gemacht. Manchmal waren es ganz kurze Gebete.
Zum Beispiel:
Mein Gott, wieso will mich keiner verstehen? Ich racker mich ab, schreibe tausend Berichte und die anderen sagen nur: gestern hattest du aber anrufen wollen, wohl blau gemacht, was ?
Mein Gott, rück' denen doch den Kopf zurecht!
Und dann wird mir oft schon leichter.
Könnte ja doch sein, dass ich was nicht recht verstanden habe...
Alles Banane ?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9287