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23SEP2021
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„Du guter, allmächtiger und getreuer Gott“ – diese Worte gehen mir in letzter Zeit beim Beten mit der Gemeinde nur schwer über die Lippen. Ich habe die Klage so vieler Menschen im Ohr, deren Existenz in der Sturzflut abgesoffen ist, und die vergeblich nach Gott geschrien haben. Gut, allmächtig, getreu? Es ist die uralte Frage nach Gott – sie steigt aus Kriegszonen,  Elendsquartieren und Katastrophengebieten der Welt zu Gott empor. Sie liegt bleischwer auch hierzulande über Krankenbetten und den Gräbern allzufrüh verstorbener Menschen.  

Mit der Frage nach Gott haben sich schon die Menschen in biblischen Zeiten herumgequält. Aus einem bricht es vorwurfsvoll heraus: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist ferne meinem Schreien und meiner Klage. Ich rufe zu dir, doch du gibst keine Antwort“ (Psalm 22,2). Jesus selbst schreit mit diesen Worten in seiner Todesstunde zu Gott, den er seinen Vater nennt. Warum, warum? So sehr wir unser Gehirn zermartern, unsere grauen Zellen finden einfach keine Antwort auf Leid und Tod. Logik und Verstand kapitulieren. Kopfmenschen, die wir sind, tut eine so ernüchternde Erkenntnis weh!

Die Klagepsalmen der Bibel führen auf eine andere Spur: Auch da weinen sich die Menschen aus, schütten ihr Leid vor Gott hin, fragen vergeblich nach dem Warum. Aber dann geschieht fast ein Wunder: Die Verzweiflung der Klagenden bricht durch zur flehentlichen Bitte. Als würde sie die Betenden verändern, finden diese plötzlich wieder zurück ins Vertrauen. „Du hast meine Klage in einen Reigen verwandelt, mein Trauergewand gelöst und mich mit Freude umgürtet“ jubelt einer der Geplagten (Psalm 30,12).

Wenn ich mal wieder richtig durchhänge und mir alles zu viel wird, tröstet mich ein Wort beim Propheten Jesaja. „Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen“, klagt das Volk Israel, das mit seinem Latein wieder mal am Ende war. Aber dann legt der Prophet Gott diese Trost-Worte in den Mund – sie sind Balsam auch für unsere leidgeprüften Seelen: „Kann denn eine Mutter ihr Kindlein vergessen? Selbst wenn: Ich vergesse dich nicht“ (Jesaja 49,15-16).

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22SEP2021
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Viel Zeit bleibt uns nicht mehr! Zehn Jahre früher als erwartet, wird sich die Erde um weitere 1,5 Grad erwärmen. Dann schmelzen die Polkappen, und die Meeresspiegel steigen. Millionen von Klimaflüchtlingen müssen sich in höher gelegene Zonen retten. Dort aber versengen extreme Hitzewellen das Land. Immer öfter reißen auch verheerende Sturzfluten wie jüngst an der Ahr alles nieder und walzen das Leben platt. Wohin man schaut: Das Klima ist außer Rand und Band, der Klima-Wandel nicht mehr zu leugnen.

Damit nicht genug: In Windeseile hat sich im vergangenen Jahr ein tödliches Virus auf dem Erdball verbreitet und die ganze Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht. Und wir sind immer noch nicht überm Berg. Kein Zweifel – die Bedrohungen nehmen zu und vor allem: Sie werden universal und machen vor niemandem mehr Halt. Es scheint: Wenn die Menschheit nicht endlich solidarisch zusammenrückt, ist sie verloren.

Wie absurd, dass sich trotz Pandemie und Klima-Wandel viele Völker immer noch zerfleischen, und man sich auf dem ganzen Globus mit Tod und Vernichtung bedroht. Machtgeile Diktatoren streben nach Vorherrschaft, religiöse Fanatiker heizen die Konflikte zusätzlich an. Mit fast zwei Billionen US-Dollar haben die Militärausgaben im Jahr 2020 einen neuen Rekord erzielt. 52 Milliarden davon gehen auf unser Konto.[1]) Das Pulverfass, auf dem wir sitzen, ist prall gefüllt.  Schade um jeden Cent, den wir – in des Wortes wahrstem Sinn – damit verpulvern.

In ungewohnter Schärfe kritisiert Papst Franziskus die Rüstungsausgaben als eine „himmelschreiende Vergeudung“ – gerade auch angesichts zunehmender Klima-Probleme.[2]) Ich wünschte mir, er hätte den Mut, eine ständige Welt-Abrüstungskonferenz ins Leben zu rufen – mit dem Ziel, endlich das Wettrüsten zu stoppen. Die Menschheit kann es sich nicht länger leisten, in den Tod zu investieren und ihre kostbaren Ressourcen für Panzer und Raketen zu verschleudern. Nun müssen alle Kräfte mobilisiert werden, um Pandemien zu bekämpfen und den Klima-Wandel zu stoppen.

 

[1]    Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI in „World Military Expenditure“ – April 2021

[2]    Papst Franziskus in seiner Rede in Nagasaki 2019

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21SEP2021
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Ungewöhnlich für Millionäre – fast 50. 000 von ihnen appellieren an die Bundesregierung: „Besteuert mich - jetzt!“[1])Man ist anderes gewohnt. Haben nicht die Lobbyisten der Gutbetuchten die Vermögenssteuer gekappt und erfolgreich Kapital- und Ertragssteuern gesenkt? Warum fordern auf einmal so viele von ihnen, sie endlich zur Kasse zu bitten? Steuererhöhungen sind doch gerade im Wahlkampf sowas von Igitt-Igitt.

Die Unterzeichner des Appells bedrückt wohl die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Corona habe die Ungleichheit noch verstärkt und die Reichen zur „Krisengewinnlern“ gemacht, schreiben sie. Geht´s nach ihnen, soll die Vermögenssteuer wieder eingeführt und sogar eine Vermögensabgabe erhoben werden. Betriebsvermögen müsse man freilich schonen, um notwendige Investitionen nicht zu gefährden. Der Appell schließt gar mit der Bitte an die Finanzämter, Steuervermeidung und Steuerhinterziehung mit Argusaugen zu verfolgen. 

Gewiss – viele Vermögende teilen längst ein Stück ihres Reichtums über Spenden und Stiftungen. Über die bedient man allerdings nur handverlesene Projekte und nimmt dafür dankend Ruhm und Ehre, aber vor allem auch lukrative Steuersparmodelle in Anspruch. Dem Sozialstaat, der für alle Menschen ein Leben in Würde garantieren muss, nützt das nicht viel. 

„Besteuert mich – jetzt!“ - Mir scheint, die Initiatoren dieses Appells ahnen, wie gefährlich der Reichtum ist, wenn Raffgier die Agenda bestimmt. „Weh denen, die Haus an Haus und Acker an Acker reihen“, warnt der Prophet Jesaja (5,8). Leicht verliert man dabei über Nacht sein Leben - wie der „Reiche Kornbauer“ im Evangelium, der den Hals nicht voll genug bekommt (Lukas-Evangelium 12,16-20). 

Reichtum wird in der Bibel nur dann zum Segen, wenn er allen zugute kommt. „Arme sollte es bei euch gar nicht geben“ (Deuteronomium 15,4). Das war schon vor Jahrtausenden die „Sozialcharta“ der Israeliten – sozusagen die Blaupause für die „Sozialpflichtigkeit des Eigentums“, die im Grundgesetz verankert ist. 

„Besteuert mich – jetzt!“ Dieser mutigen Initiative ist zu wünschen, dass sich ihr viele Vermögende anschließen. Und dass sich die neue Bundesregierung nicht zweimal bitten lässt und diesem Angebot wohlwollend entgegenkommt.  

 

[1]    www.taxmenow.eu

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20SEP2021
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Gewalt und Krieg produzieren nur Leid und Tod. Der Afghanistan-Krieg hat seit dem Einmarsch der USA und ihrer Vasallen im Jahr 2001 über hunderttausend Menschen das Leben gekostet. Mit den Milliarden von US-Dollar, die der Krieg verschlang, hätte man nicht nur ein paar Mädchenschulen eröffnen, sondern ein neues, friedliches Afghanistan aufbauen können. Freilich nur, wenn es gelungen wäre, erst einmal die Herzen der Menschen zu erobern. Aber das funktioniert mit Gewehren und Granaten schon mal gar nicht! 

Nun verhungern Kinder in Afghanistan, Frauen werden bedroht und unterdrückt. Hektisch sucht man nach Sündenböcken, statt nach vorne zu blicken. Jetzt müsste man sich endlich eingestehen, dass mit Gewalt keine Konflikte zu lösen sind.  

Wie dann? Die Welt-Politik hat die Internationale Friedensforschung nie wirklich wahr-, geschweige denn ernstgenommen oder gar gefördert. Würde man diese nur mit einem Bruchteil an Kapital und Personal ausstatten, das man für Waffen und Militär verschleudert, könnten wir bald andere, nämlich gewaltlose Friedenstruppen an die Brandherde schicken. Geschulte Friedensarbeiterinnen und -arbeiter würden vor Ort Brücken bauen und Menschen zueinander hinführen – mit dem Ziel, Programme für ein gewaltloses Miteinander zu entwickeln. Klar – auch diese Missionen können scheitern. Zumal Taliban und Konsorten mit ihren Kalaschnikows nicht einmal über das „Kleine Einmaleins“ friedlicher Konfliktlösung verfügen. Doch Friedensmissionen würden auf jeden Fall keine solche Schleppe von Tod, Verwüstung und Unversöhnlichkeit hinter sich her ziehen.

Das Desaster am Hindukusch konfrontiert mich als Christ einmal mehr mit der Frage: Wie halten wir es mit Krieg und Gewalt? Was ist unsere Option? Der russische Diktator Stalin soll einst den Papst und seine „Schweizer Garde“ mit der Frage verhöhnt haben: „Wie viele Divisionen hat denn der Papst?“ Rechnet man weltweit alle auf Christus getauften Menschen zusammen, ergäbe sich eine stattliche Friedenstruppe von 2,3 Milliarden Menschen.[1]) Die müssten sich eigentlich dem Wort Jesu verpflichtet fühlen: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“(Matthäus-Evangelium 26,52).

 

[1]    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_christlicher_Bevölkerung

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03JUL2021
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Ein leichtes Seufzen heute früh: Es ist Samstag und höchste Zeit, wieder mal ein Schürzchen umzubinden und den Staubsauger anzuwerfen. Im Flur amüsieren sich die Wollmäuse. Und nirgendwo ein Heinzelmännchen oder eine lächelnde Fee, die mir freundlich den Putzeimer abnimmt. Interessiert verfolge ich seit vielen Jahren die technische Innovation. Saug- und Wischroboter sind ja schon unterwegs, aber wer putzt das Klo und die Fenster? Was mir fehlt, sind weniger geeignete Gerätschaften. Mir fehlt nur eins: der gute Wille.

Ob mir die Bibel ein wenig Schub verleiht? Ich werde nicht recht fündig. Diese Arbeit war damals schon nicht der Rede wert, das haben doch die Frauen gemacht. Von einer ist ja mal kurz die Rede. Sie fegt bei der Suche nach einem verlorenen Geldstück die ganze Bude aus. Dann wird der Fund auch noch groß gefeiert, die Nachbarinnen kommen gern auf einen Schluck vorbei und tragen schon wieder Dreck ins Haus.    

Doktor Martin Luther hat mich mal nachdenklich gemacht. Er setzt die Arbeit der besenschwingenden Hausfrau der des Landesfürsten gleich. Echt stark! Jede, auch die geringste Tätigkeit sei Gottes- und Menschendienst. Ob er selbst den Besen führte, ist freilich nicht überliefert, da hat er sicher Käthe den Vortritt gelassen. Dennoch – das ist eine Spur, denke ich mir. Auch einfache Arbeit, das schreibt auch ein Papst, sei „Teilnahme am Wirken Gottes“ [1]). Darüber ist leicht predigen, aber nun muss ich es mir selber beweisen! 

So denke ich nun beim Staubwischen an die Putzkolonnen, die heute wieder Büros, Hallen und Heime auf Vordermann bringen. Sabrina zum Beispiel – sie wischt Flure und Krankenzimmer in der Klinik. Sie macht ihre Arbeit trotz Zeitdruck gern und gewissenhaft, denn sie weiß: Sauberkeit ist in der Pandemie noch wichtiger für alle.

So bin ich für ein paar Stunden denen nahe, die ihr Arbeitsleben lang gegen Dreck ankämpfen – eine Schlacht, die ja nicht zu gewinnen ist. Oft sind Putzleute auch noch schlecht bezahlt, scheinselbständig oder gar in Schwarzarbeit. Dagegen laufen wir in der Betriebsseelsorge schon seit langem Sturm. Auch und gerade diese Arbeit, die so verachtet und gering geschätzt wird, hat Rechte und Würde. 

 

[1]    Rundschreiben „Laborem exercens“ von Johannes Paul II. 25,4

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02JUL2021
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Wie alt bis du denn, frage ich die kleine Lea, die sich an ihrer „Rechenmaschine“ zu schaffen macht. Fünf rote Kugeln schiebt sie dann in der ersten Reihe nach links. Und wie alt bis du? Klar – diese Frage musste ja kommen. Staunend zählt sie dann die Zehnerblöcke ab und gewährt mir in der neunten Reihe grade mal noch fünf Kügelchen. „Dann bist du tot“, meint sie, „und schaust von oben, was ich mache. Und wenn ich auch tot bin, bin ich wieder ganz bei dir.“

Aha – ein Wiedersehen nach dem Tode ist bei Lea so sicher wie das Amen in der Kirche.

Etwa 60 Prozent der Deutschen folgen ihr dabei nicht [1]). „Aus die Maus“, schreibt ein Zeitgenosse über die Todesanzeige seiner Freundin.

Die roten Kugeln auf Leas „Rechenmaschine“ haben mich nachdenklich gemacht. Bin ich mir, der ich so oft Menschen zu Grabe tragen muss, so sicher wie Lea? Gibt es eine Auferstehung nach dem Tod und ein Wiedersehen in einem neuen, anderen Leben? Ich spüre bei Trauerfeiern oft, wie es in mir vibriert. Klar, ich will den Verstorbenen würdigen und die Angehörigen trösten. Aber gelingt es mir, in ihnen und in mir Hoffnung zu wecken? Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben bei Gott?

Ich stütze mich auf die Botschaft Jesu und verlasse mich auf sein Wort: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch“, lese ich im Johannes-Evangelium (Johannes 15,4). Daraus ziehe ich den Schluss: Wenn ich mit ihm bin und er in mir, warum sollte er mich dann ausgerechnet im Tod, dem „worst case“, dem größten Ernstfall unseres Lebens, fallen lassen? Er, von dem seine Anhängerschaft staunend erzählt, dass er nach seinem Tod am Kreuz wieder ins Leben kam?

„Gott ist Liebe“ – das ist das Credo des Jesus von Nazareth. „Schwestern und Brüder, wir wissen, dass wir vom Tode hinübergehen zum Leben, weil wir einander lieben. Nur wer nicht liebt, bleibt im Tod“, heißt es im ersten Johannesbrief (3,14). Liebe ist wie ein geheimnisvoller Leitstrahl, der uns von diesem Leben hinüberführt zu Gott, der ja die Liebe ist.

Ich meine, Lea ist ihrer Auferstehung so sicher, weil sie die Kraft der Liebe spürt. Die gibt ihr die Gewissheit: Wir werden einander wiedersehen.

 

[1]    Lt. Wikipedia

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01JUL2021
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Am Hochhaus gegenüber wurde dieser Tage ein Gerüst aufgebaut. In rasantem Tempo wuchteten diese Helden des Alltags schwere Stahlrahmen in die Höhe und steckten sie ineinander. Einer hängte die Bodenplatten ein, und schon turnte der nächste eine Etage höher. Schnell wurden noch Geländer, Streben und Bordbretter montiert, um das wacklige Gebilde zu stabilisieren. Über ganze Etagen hinweg warfen sich die Männer faustgroße Verbindungsteile zu. Großes Kino, bis dann zum Schluss Leitern und Treppen die einzelnen Ebenen sicher verbanden.

Genauso stelle ich mir Kirche vor, kam mir dabei in den Sinn. Nicht als ein „Haus voll Glorie“, sondern als die Firma „Gerüstbau Gott&Sohn“ – mit eingespielten Teams, die sich die Teile zureichen, mutig, trittsicher und ohne Höhenangst. Nur eines im Sinn, lebendige Gemeinden zu errichten. Das schreibt der Apostel Paulus seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Rom dick hinter die Ohren: „Lasst uns nach dem streben, was zum Aufbau der Gemeinde beiträgt“ (Brief an die Römer 14,19).

Die Basis dieses Gerüsts ist die biblische Botschaft. Sie ist die Bodenplatte, auf der man sicher stehen und gehen kann: Gott wendet sich liebend uns Menschen zu, so glauben und bekennen wir. Er ist in seinem Sohn Jesus Christus sogar in unsere eigene Haut hineingeschlüpft. Und Gottes guter Geist hält Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wach.

Kirchliche Dienste leisten Hilfestellung, geben wie ein Geländer Stütze und Halt. Eine Seelsorgerin etwa, die Menschen begleitet und ihnen Mut macht. Frauen und Männer, die glaubwürdig von sich Zeugnis geben, wie sie selber ringen und suchen. Eine Predigt, die mitreißt und begeistert oder nachdenklich macht und tröstet. Ein Gottesdienst, in dem man zur Ruhe kommt und miteinander betet.

Mit Hilfe eines solchen Gerüsts wächst christliche Gemeinde. Sie ist bekanntlich nicht aus Zement, sondern aus lebendigen Steinen errichtet. Das sind Menschen, die ihr Leben ausrichten an Wort und Beispiel Jesu, denn der ist der Eckstein, heißt es im Petrusbrief (1. Petrusbrief 2,4-8).

Schauen Sie doch mal bei uns rein. Es sind noch Plätze frei!

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30JUN2021
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Kaffee oder Tee? Egal, welchen Starter Sie heute früh gewählt haben – statistisch steckt in jedem dieser Muntermacher eine Portion Sklavenarbeit. Sie haben richtig gehört: Die Sklaverei ist nur auf dem Papier abgeschafft. Real arbeiten weltweit um die 40 Millionen Menschen unter sklavenartigen Bedingungen – nicht nur in den Tee-, Kakao- oder Kaffeeplantagen. Die modischen Jeans, die Sie heute tragen, haben Mädchen und Frauen in Bangladesch für grade mal 40 Cent in der Stunde zusammengenäht. Arbeitsschutz, Mitbestimmung, Tarifverträge? Die wissen nicht einmal, wie man das buchstabiert. So wenig wie die afrikanischen Flüchtlinge, die in der Hitze Süd-Italiens als Arbeits-Sklaven auf den Tomatenfeldern schuften. Abhauen geht nicht, man hat ihnen die Pässe abgenommen. Wie den 1, 8 Millionen versklavten Bauarbeitern in Katar. Sie betonieren Stadien, Straßen und Hotels für die Fußball-WM. Sechseinhalb Tausend von ihnen, so schätzt man, sind dabei bereits zu Tode gekommen. Andere Arbeitssklaven schwitzen in den Bäuchen der Kreuzfahrtschiffe oder in den Koltan-, Kupfer- und Goldminen im Kongo, darunter auch viele Frauen und Kinder. Und was hierzulande in der Fleisch-Industrie abging, war von Arbeitslagern auch kaum noch zu unterscheiden.

Wo bleibt der Aufschrei aus christlichem Mund, frage ich mich. Denn der Gott der Juden und Christen ist ein Gott, der aus Arbeitssklaverei befreit. „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen“, spricht er in der Bibel, „ich habe das Geschrei der Menschen gehört und ihr Leid gesehen. Ich bin herniedergefahren, sie zu erretten“ (Buch Exodus 3,7-8). Von Gott beauftragt, treten Mose und Aaron todesmutig vor den Pharao und erzwingen die Freilassung des versklavten jüdischen Volkes.

Eigentlich müsste das neue Lieferkettengesetz diesem schamlosen Treiben, der Arbeitssklaverei von heute, ein Ende setzen. Es ist leider nur ein „Gesetzchen“ draus geworden, gilt nur für große Unternehmen und greift gar nicht durch bis ins letzte Glied.

Wenn ich selbst nicht zum „Sklavenhalter“ werden will, darf ich nur fair gehandelte Ware kaufen und konsumieren. Sie verspricht eine gewisse Garantie, dass Menschenrechte beachtet und Menschenwürde gewahrt bleiben.

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29JUN2021
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Es war kurz vor Damaskus, erzählt die Bibel in der Apostelgeschichte. Da warf eine rätselhafte Lichterscheinung den jüdischen Pharisäer Saulus zu Boden. Er war den Anhängern des „Neuen Weges“ auf der Spur. So nannte man damals die Christen, die er nach Jerusalem verschleppen und vor Gericht bringen wollte.

Nun hat´s den Eiferer glatt umgehauen. Damit nicht genug: Er, der Rabbi, der immer genau wusste, wo´s langging, blickt plötzlich mit Blindheit geschlagen nicht mehr durch und hört eine seltsame Stimme aus dem Off: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“

Seine Begleiter führen ihn wie ein kleines Kind ins Haus des Christen Hananias. Der habe ihm, so erzählt die Geschichte weiter, die Hände aufgelegt und ihm versichert, in diesem Licht sei ihm Jesus selbst erschienen. Da fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen, er konnte wieder sehen und ließ sich taufen. So wurde „Saulus zum Paulus“, sagt man. Aus dem leidenschaftlichen Christenverfolger war nun ein leidenschaftlicher Christ geworden. Die Kirche feiert heute seinen Namenstag.

Christliche Verkündigung setzt Bekehrung voraus. Wer von Christus Zeugnis geben will, muss herunter vom hohen Ross, „ins Gras beißen“ sozusagen, um sich stets seiner Sterblichkeit bewusst zu bleiben.

Mich haut der Christus-Glaube immer wieder mal um und stürzt mich in tiefe Abgründe des Zweifels, ohne den es aber gar keinen Glauben gibt. Wie tröstlich, wenn man dann an die Hand genommen wird und einen Hananias trifft, der versichert: „Du, es war Jesus, der dir erschienen ist.“

Paulus, ganz oben in unserer Kirche, lag erst mal ganz unten im Dreck. Daran möchte ich die „Oberen“ in der Kirche gerne erinnern. Kommt mir einer mal wieder autoritär und unfehlbar daher, würde ich ihn fragen: Junge erzähl mir doch, hat´s dich auch schon einmal umgehauen? Lagst du auch schon mal mit dem Gesicht auf dem Boden? Dann steh zu deiner Hinfälligkeit! Hast du schon einmal am Bett eines kranken Kindes geweint oder eine Todesnachricht überbringen müssen? Und wie ging es dir dabei? Dann lass uns reden über Auferstehung und unseren Glauben, und vor allem, wie wir beide den heute glaubhaft leben und bezeugen können.

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28JUN2021
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Seltsam – ausgerechnet im Corona-Jahr hat ein privater Klinik-Konzern den stolzen Gewinn von 600 Millionen Euro eingefahren, obwohl seine Betten schwächer ausgelastet waren.[1]) Es wurde ja weniger operiert, und viele Kranke haben von sich aus die Kliniken gemieden. Woher dann der Gewinn? Ganz einfach: Die Regierung hat, um für den Ernstfall gerüstet zu sein, für jedes leer stehende Bett mehrere hundert Euro pro Tag bezahlt. Das rechnet sich. Nun klingeln unsere Steuergroschen lustig in den privaten Schatullen von Anlegern und Aktionären.

Für mich ist diese skandalöse Bilanz ein weiteres Indiz: Unser Gesundheitssystem ist moralisch krank bis auf die Knochen! Gesundheit, dieses kostbare Gut, wird an der Börse gehandelt. Man scheut sich nicht, aus Krankheit, Not und Tod Kapital zu schlagen. Das ist die Folge jener fatalen politischen Fehlentscheidung aus den 90er Jahren, als man das Gesundheitswesen dem Markt übergab. Gesundheitsfürsorge aber ist ein Grundrecht. Es muss zurück in die Öffentliche Hand!

In der Bibel ist der Umgang mit Kranken ein „Werk der Barmherzigkeit“. Wie sich diese buchstabiert, erzählt Jesus in seiner bekannten Story von einem brutalen Überfall zwischen Jerusalem und Jericho. Vermutlich war der „barmherzige Samariter“ ein reisender Geschäftsmann (Lukas-Evangelium 10,25-37), der dem Überfallenen erste Hilfe leistet und ihn an den Tropf hängt: „Er goss Öl und Wein in seine Wunden“. Damit nicht genug. Notdürftig verpflastert lädt er den Schwerverletzten auf seinen Esel und bringt ihn ins nächste Hospiz. Dort bezahlt er die stationäre Behandlung im voraus und garantiert Kostenübernahme für die REHA. Und das alles ohne Fallpauschalen oder Ersatz für seinen eigenen Verdienstausfall.

Ich möchte heute all denen danken, die als Pflegende und als Ärztinnen und Ärzte in diesem maroden Kosten-Nutzen-System barmherzig bleiben. Sie verschanzen sich nicht einfach hinter Bildschirmen und Konsolen, Listen und Tabellen, sondern wenden sich – oft den Geschäftsführer im Genick – voll Aufmerksamkeit und Liebe kranken und leidenden Menschen zu. Vielleicht würde Jesus uns heute sie als die „barmherzigen Samariter und Samariterinnen“ vor Augen führen und uns, wie die Menschen von damals, auffordern: „Geht hin und tut desgleichen!“

 

[1]    DIE ZEIT 20/2021

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