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Morgen beginnt das neue Jahr. Ja, Sie haben richtig gehört. Das neue Jahr fängt morgen an. Zumindest in der Kirche. Da ist nämlich der erste Advent der Beginn des neuen Kirchenjahrs.

Ich mag diesen Jahresbeginn. Weil er so leise und überraschend kommt. Und so unauffällig. Da wird einfach nur eine Kerze am Adventskranz angezündet und damit wird deutlich: Jetzt beginnt etwas Neues.

Aber ich mag diesen Jahrswechsel auch, weil er so quer steht zu allem, was in dieser Zeit passiert. Da werden Jahresabschlüsse gemacht und Rückblicke gehalten, die letzten Rechnungen müssen vom Tisch und das Unerledigte muss unbedingt fertig werden. Alles scheint so auf das Ende des Kalenderjahres hin zu laufen und manches bekommt auf einmal eine ganz eigene Dynamik.
Da sagt der erste Advent: Halt! Jetzt fängt schon etwas Neues an. Morgen schon beginnt eine neue Zeit. Eine Zeit, in der noch etwas anderes wichtig ist als nur das, was alles zu erledigen ist.

Die Bibel erzählt von einem Propheten, der hat im Namen Gottes zu den Menschen gesagt: „Denkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige. Denn siehe, ich will ein Neues schaffen. Erkennt ihr`s denn nicht?“ (Jes 43,17-18)

So ähnlich verstehe ich den Jahresanfang am ersten Advent. Da beginnt etwas Neues. Und ich bin eingeladen hinzuschauen und es zu erkennen.
Aber um etwas zu erkennen, muss ich erst mal von all dem anderen, was mich beschäftigt aufschauen. Ich muss das, was sonst alles dran ist, mal beiseite schieben und Platz machen für das Neue.
Denkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige: das heißt für mich zu Beginn des Advents mal eine Pause machen von all dem, was jetzt unbedingt sein muss. Die Stapel Papier und die langen Listen von Aufgaben wenigstens am Sonntag nicht beachten. Sondern nur auf die eine Kerze am Adventskranz schauen, die da brennt. Und merken: das ist schon was Neues: ein kleines Licht, das einfach nur brennt. Mitten in den dunklen Tagen. Und wenn ich es anschaue, werde ich ganz ruhig. Obwohl um mich herum alles stressig ist.

Dieses kleine Licht erzählt nämlich von der Hoffnung, dass das Leben gut werden soll. Dass Gott will, dass die Menschen nicht nur Stress haben und unter Druck stehen. Sondern dass sie Zeit haben für sich und füreinander. Und dass sie merken, es gibt noch mehr als Arbeit und Leistung. Zum Beispiel Freundschaft und Liebe.

Das alles feiern wir morgen am ersten Advent und beginnen damit mitten im Alten etwas Neues. Ich wünsche Ihnen dazu einen guten Jahreswechsel.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7192

Manchmal ist das Leben wie eine Mauer, finde ich. Eine Mauer, die sich vor einem auftürmt und einem die Sicht nimmt. Unüberwindlich und steil.
Das liegt dann vielleicht an einem Termin, vor dem man sich fürchtet. Ein Arzttermin zur Kontrolle, oder ein Prüfungstermin oder einfach ein schwieriges Gespräch, das man schon lange vor sich her schiebt.
Aber irgendwann lässt sich das Problem eben nicht mehr schieben, sondern ist zu einer Mauer aufgetürmt, die vor einem steht und alles verbaut.
Wie soll ich da rüber kommen, frage ich mich dann. Und je länger ich vor dieser Mauer stehe, desto schwieriger wird es.

In der Bibel heißt es einmal: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Ps 18,30). Das klingt erst einmal sehr naiv und zu einfach, finde ich. Was heißt hier mit meinem Gott kann ich über Mauern springen? Hebt Gott mich da etwas rüber? So wie Kinder eine Räuberleiter machen? Oder wie soll ich mir das vorstellen?

Aber nachdem ich kürzlich zwei Kinder gesehen habe, wie sie über Blätterhaufen auf einer großen Wiese gesprungen sind, habe ich den Satz plötzlich anders verstanden:
Vom Springen ist hier die Rede, habe ich da gemerkt. Und Springen, das kann man nicht aus dem Stand. Da muss man ein bisschen zurückgehen und Anlauf nehmen. Zu zweit geht das leichter, habe ich bei den Kindern gesehen. Da kann man sich gegenseitig anfeuern und bejubeln, wenn es geklappt hat.

So ähnlich stelle ich mir das jetzt auch vor, wenn es heißt: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ Dass Gott mir hilft, ein paar Schritte zurück zu gehen und Abstand zu gewinnen.
Das passiert manchmal, wenn ich bete. Wenn ich vor Gott ausspreche, was mich beschäftigt. Dann bekomme ich Distanz zu dem, was mich vorher noch so bedrängt hat. Und dann sehen manche Probleme schon ein bisschen anders aus.

Und mit dem Abstand kommt dann auch wieder der Schwung oder der Mut, die Sache anzugehen. Weil ich merke, so schlimm ist es gar nicht. So hoch ist die Mauer überhaupt nicht, wie ich dachte. Und weil ich spüre, ich bin nicht allein. Da hilft mir jemand, den richtigen Anlaufpunkt zu finden.
Das kann dann ganz real sein: Jemand, der mich zum Arzt begleitet oder mich nach der Prüfung abholen will. Oder einfach das Gefühl: andere haben das auch schon geschafft. Warum soll ich es also nicht schaffen?

Und plötzlich liegt die Mauer hinter mir und ich muss lachen, weil sie mir vorher so hoch vorkam.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7191

Eine Freundin von uns beginnt immer am Sonntag vor dem 1. Advent damit, Weihnachtsplätzchen zu backen. Weil sie am 1. Advent die ersten Plätzchen essen möchte. Wir fangen immer am ersten Advent an, weil sie ja bis Weihnachten reichen sollen.

Das ist doch egal, denken Sie vielleicht. Weihnachtsplätzchen kann man schließlich seit Wochen kaufen, wieso soll ich mir da Gedanken machen ob und wann ich welche backe?

An welchem Datum man genau anfängt, ist wirklich nicht so wichtig, finde ich. Aber dahinter steckt ja mehr. Es geht nicht nur ums Backen, sondern darum die Adventszeit bewusst zu beginnen. Eben mit dem Backen oder mit einem ersten Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Damit man in diese Zeit nicht einfach so hineinstolpert und gar nicht merkt, dass jetzt etwas anderes kommt.

In dem Augenblick, wo ich die Backzutaten und die Förmchen zusammen suche, fängt nämlich etwas anderes an. Da bereite ich mich vor auf etwas, das kommt, und damit hört das, was vorher war, erst mal auf.
Ich nehme mir Zeit, auch wenn bisher alles nur hektisch war.
Ich mache einen Teig, auch wenn ich die Plätzchen genauso gut im Laden kaufen könnte.
Und ich passe auf, dass sie nicht verbrennen, obwohl es tausend andere Sachen gäbe, die ich eigentlich tun müsste. Damit unterbreche ich die Zeit, die bisher war.

„Alles hat seine Zeit!“ (Pred 3.1) heißt es einmal in der Bibel und genau das wird mir beim Plätzchenbacken bewusst. Jetzt ist die Zeit, sich vor zu bereiten, und es ist dran, sich Zeit zu nehmen für das, was einem wichtig ist.
Dazu muss man die Zeiten unterscheiden. Also die Zeit vor dem Advent von der Zeit des Advents selber. Die Zeit, in der der Alltag einfach weiter läuft, und die Zeit, in der er unterbrochen wird.
Und damit dass mit der Unterbrechung wirklich klappt, ist es gut, solche Traditionen zu haben, wann man mit dem Backen anfängt oder wann man mit den Kollegen den ersten Glühwein trinkt. Weil dann klar ist: Jetzt geht es los. Jetzt ist eine andere Zeit.

Ich glaube, so eine Unterbrechung des Alltäglichen tut dem Leben wirklich gut. Wie gut, dass wir noch eine halbe Woche Zeit haben, um uns Gedanken zu machen, wie wir den Advent anfangen wollen. Damit dann wirklich eine andere Zeit beginnt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7190

Warum dauert „gleich“ immer so lange?“ hat mich kürzlich ein Kind gefragt.
Ich habe erst gar nicht verstanden, was es meint. „Gleich“ heißt zwar nicht „sofort“, aber eben noch „gleich“, sozusagen: als nächstes.
Aber dann ist mir eingefallen, wie oft ich sage: „Gleich komme ich! Gleich habe ich Zeit!“ Das dauert dann manchmal ziemlich lange.

„Warum dauert „gleich“ immer so lange?“ Hinter der Frage steckt so viel Ungeduld. Und auch so viel Erwartung und Hoffnung, dass bald etwas passiert.

So ähnlich ist es schon den Menschen vor 2000 Jahren gegangen.
Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Gottes neue Welt ist angebrochen!“ (Mk 1,15) und sie haben gewartet und gedacht: Gleich wird sich alles verändern. Ganz bald schon wird alles gut werden. So wie Gott es will. Die Menschen waren gespannt und voller Erwartung, wie es wohl sein würde in dieser neuen Welt. Und sie haben alles getan, um gut vorbereitet zu sein.
Nach ein paar Jahren ist die Hoffnung dann kleiner geworden. Sie haben gemerkt, dass „gleich“ lange dauern kann. Und bis heute ist die neue Welt noch nicht vollendet.

Trotzdem glauben wir Christen daran, dass sie eines Tages da sein wird: Gottes neue Welt, in der es keine Tränen mehr gibt und keine Schmerzen, keine Trennung und keinen Tod. Wann, das wissen wir nicht. Und warum es so lange dauert, das kann auch niemand sagen.
So richtig vorstellen kann ich mir auch gar nicht, wie das dann sein wird. Ob dann das Leben hier einfach aufhört? Oder ob auf einmal alles anders ist?

Aber das ist auch nicht das entscheidende, glaube ich. Viel wichtiger als genau zu wissen, was dann passiert, ist es überhaupt zu glauben, dass sich etwas verändern wird. Und zwar zum Guten. Also daran festzuhalten, dass es noch ein „gleich“ gibt, auch wenn es lange dauert.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass immer mehr Menschen nur noch Schlechtes erwarten: Krisen und Katastrophen. Und das sie auch gar keine Lust mehr haben, etwas zu verändern. Bringt ja sowieso nichts, sagen sie.

Wenn ich damit rechne, dass sich etwas zum Guten verändert, dann ist das anders. Dann will ich, dass das Gute kommt. Am besten gleich. Und ich setze mich dafür ein. Das wirkt sich aus. So wird das Leben anders. Jetzt gleich schon ein bisschen. Und irgendwann ganz und gar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7189

Der November ist ein besonders anstrengender Monat, finde ich. Ich glaube, das liegt am Wetter. Und an den Feiertagen. Den ganzen Monat über gab es Feiertage, an denen wir an die Verstorbenen gedacht haben. Und an das, was in der Welt nicht so ist, wie es sein soll: Krieg und Gewalt zum Beispiel.
Gestern noch wurden in vielen evangelischen Kirchen die Namen von all denen vorgelesen, die im vergangenen Jahr gestorben sind.
Da wächst bei mir mit jedem Tag die Sehnsucht, dass das Leben anders sein soll. Heller und freundlicher.
Aber wann wird das so?

„Seid bereit und lasst eure Lichter brennen“ (Lk 12,35) hat Jesus einmal gesagt. Dieser Satz gehört in der evangelischen Kirche zu dieser letzten Woche im November. Und ich finde, er gibt einen guten Rat für diese Zeit:
„Seid bereit und lasst eure Lichter brennen!“ Das heißt für mich: Gebt eure Hoffnung nicht auf, dass es heller wird und das Leben wieder leichter. Denn schaut doch mal: Da brennen ja schon Lichter. Und an manchen Stellen ist es ja schon hell.

Das schöne daran finde ich, dass es nicht heißt: „Zündet alle Lichter an“, sondern „lasst eure Lichter brennen!“ Wir müssen also gar nichts Großartiges tun, sondern nur das, was hell ist, nicht auch noch schwarz malen. Sondern es so lassen wie es ist.

Ich denke, das kann man ganz wörtlich verstehen. Viele haben ja im November Kerzen angezündet - auf den Gräbern und in den Kirchen. Die sollen wir brennen lassen. Damit das Licht mitten im Dunkeln leuchtet. Wenigstens ein kleiner Schein. Wir sollen sie brennen lassen - als Erinnerung an die Verstorbenen und als Hoffnungszeichen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.

Und dann waren da im November ja auch die Kinder, die ihre Laternen angezündet haben und damit durch die Dunkelheit gelaufen sind. Sich daran zu erinnern und sich noch einmal zu freuen über die vielen Kleinen, die da durch die Nacht gestapft sind und ihre Lieder gesungen haben – das kann das Leben schon ein bisschen heller machen.

Als Jesus diesen Satz gesagt hat: „Seid bereit und lasst euer Lichter brennen“ da war er fest davon überzeugt, dass das Leben bald anders werden wird, dass sozusagen eine neue Zeit anbrechen wird. Bis heute warten wir noch darauf.
Aber die Hoffnung darauf, die haben die Christen auch heute noch. Darum feiern wir jedes Jahr nach dem November Advent und zünden dann ganz viele Kerzen an, um zu sagen: es ist schon hell für uns, trotz aller Dunkelheit.
Und bis dahin gilt: „Lasst eure Lichter brennen!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7188
Haben Sie dieses Wochenende schon was vor?
In den Ferien ist das ja gar nicht so leicht. Da sind so viele weg, mit denen man sonst gerne was macht. Alle regelmäßigen Veranstaltungen fallen aus. Und es ist auch nicht immer so einfach, zu entscheiden, was man so machen will, finde ich. Weil es ja auch was besonderes sein soll. Schließlich sind Ferien.

Darum möchte ich Ihnen heute einen Vorschlag machen. Verabreden Sie sich doch mal mit Gott. Ja, Sie haben richtig gehört. Mit Gott. Gott ist nämlich nicht in den Urlaub gefahren, sondern jeder Zeit erreichbar. Und ein Treffen mit Gott ist etwas Besonderes. Es muss nicht gleich den ganzen Abend sein oder gar das ganze Wochenende. Es reicht, wenn Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen.

Warum ich Ihnen das vorschlage?
Dazu erzähle ich ihnen eine Geschichte, die ich sehr mag:

Ein Mann besucht jeden Mittag um 12 Uhr eine Kirche. Er geht hinein und nach kurzer Zeit wieder raus. Eines Tages fragt ihn der Pfarrer neugierig: „Was machen Sie denn da jeden Mittag?“
„Ich bete“, sagt der Mann. „Sie beten? So kurz?“, fragt der Pfarrer. „Ja, ich sage: Hallo Jesus. Hier ist Johannes. Mehr kann ich nicht beten“, erklärt der Mann.
Eines Tages kommt Johannes ins Krankenhaus. Und obwohl er schwer krank ist, ist er sehr gelassen und immer guter Laune. „Wie machen Sie das, dass Sie immer gut drauf sind?“ fragen ihn die Leute. Da sagt Johannes: „Das liegt an meinem Besuch.“ Alle wundern sich, denn bisher hat noch keiner gesehen, dass Johannes Besuch bekommen hat. „Doch“, sagt der, „jeden Mittag um 12 steht er an meinem Bett und sagt: „Hallo Johannes. Hier ist Jesus!“

Ich mag diese Geschichte, weil sie zeigt, dass schon eine ganz kleine Verabredung mit Gott das Leben verändern kann. Das kann einfach ein kurzer Besuch in der Kirche sein, wenn Sie morgens auf den Markt gehen. Oder sonntags, während Gottesdienst ist. Oder Sie legen einfach mittags um 12 alles aus der Hand und machen eine Pause, wenn die Glocken läuten. So kann man ganz leicht mit Gott in Kontakt bleiben und die Beziehung bleibt lebendig.
Sie müssen dabei nichts machen. Es kommt vor allem auf die Regelmäßigkeit an. Dass es zur Gewohnheit wird, jeden Tag oder jedes Wochenende zur gleichen Zeit den Alltag kurz zu unterbrechen. Dann bekommt diese Verabredung eine Bedeutung, die man ihr so gar nicht zutraut. Dann trägt sie nämlich auch durch Zeiten hindurch, in denen sonst gar nichts los ist. Und plötzlich bekommt der Tag eine Struktur oder die Woche eine hilfreiche Unterbrechung – selbst in den Ferien.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6513
Immer derselbe Trott: Morgens aufstehen, sich anziehen, frühstücken und zur Arbeit gehen - oder den Haushalt machen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend finde ich. Vor allem gegen Ende der Woche, wenn die Kräfte nachlassen und trotzdem noch so viel Arbeit da ist. Da habe ich manchmal das Gefühl: es ist kein Ende abzusehen.

So ähnlich ist es vielleicht auch Simon und den anderen Fischern gegangen, von denen die Bibel erzählt (Lk 5,1-11).
Sie waren die ganze Nacht auf dem See gewesen und hatten gefischt. Aber der Fang war mager. Wie jeden Morgen mussten sie jetzt noch ihre Netze reinigen, obwohl sie eigentlich schon längst todmüde waren.
Auch hier jeden Tag derselbe Trott.

Aber da kommt einer, der ihren Trott unterbricht. Jesus steht plötzlich vor den Fischern und sagt zu Simon: „Fahr noch mal raus und wirf die Netze aus.“
Stellen Sie sich das mal vor: Da sind die Fischer nach einer langen Nacht enttäuscht vom schlechten Fang und erschöpft von den immer gleichen Arbeiten. Und dann kommt da einer und sagt: „Macht genau das gleiche noch mal, was ihr sowieso immer tut: Fahrt hinaus und werft eure Netz aus.“
Das ist doch verrückt, oder? Da hätten die Fischer Jesus auslachen können und sagen: „Du hast doch keine Ahnung von dem, was wir jeden Tag machen. Was willst du uns da Tipps geben?“

Aber das machen sie nicht. Simon sagt nur: „Wir waren schon draußen und haben nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin, also in deinem Auftrag fahren wir noch mal raus.“
Und dann fahren sie und werfen die Netzte aus. Und die werden so voll, dass sie sie kaum ins Boot ziehen können.

Das klingt wie ein Märchen. Aber ich glaube, die Geschichte erzählt etwas ganz Wahres: Der Auftrag, den Jesus den Fischer gibt, ist für sie einfach. Und er ist begrenzt. Sie sollen nur noch einmal das machen, was sie immer tun und gut können. Und genau das gibt den Fischern Mut und Kraft, glaube ich. Dass sie sich auf eins konzentrieren können. Und nicht nebenher noch überlegen müssen, ob der Fang jetzt reicht und was sie machen, wenn es zu wenig ist.

Vielleicht kann das auch uns helfen, am Ende einer Woche, wenn die Arbeit immer noch nicht aufhört und wir kaum mehr können.
All die Gedanken, wie ich das alles schaffen soll und was noch alles zu machen ist, abgeben. Mich nur auf das konzentrieren, was ich jetzt tue. Nicht mehr und nicht weniger. Dann muss ich das Ende auch gar nicht absehen.
Und der Fang? Der wird schon reichen. Auch in dieser Woche.
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„Gott tut gut. Nur Mut!“
Das hat ein Schüler in der Berufschule geschrieben, als die Klasse Werbeplakate zum Thema Glauben entwerfen sollten.

„Gott tut gut. Nur Mut!“
Das hat mich echt beeindruckt. Weil er nicht erklärt hat, was Glaube ist, und auch nicht versucht hat, Glauben zu beweisen.
Nein, er hat einfach nur von Gott gesprochen und dabei die Frage aufgenommen, die viele Menschen beschäftigt: Was tut mir gut?

Wer sich so fragt: Was tut mir eigentlich gut? antwortet vielleicht erst mal ganz andere Sachen: Urlaub tut mir gut, oder ein Wochenende mit der Familie, Erfolg im Beruf oder Spaß mit Freunden.
Auf Gott kommt man da vielleicht gar nicht so schnell.
Aber ich glaube hinter vielem versteckt sich Gott. Und es lohnt sich, nach ihm zu suchen.

In der Bibel heißt es über Gott: Du bist die Quelle des Lebens (Ps 36,10).
Das passt für mich zu diesem Spruch: Gott tut gut. Nur Mut.
Eine Quelle ist ja etwas ganz Ursprüngliches. Sie steht ganz am Anfang eines Flusses. Ihr Wasser ist noch ganz sauber und kalt.
Und manchmal entspringt sie auch im Verborgenen und man sieht sie gar nicht so richtig. Man erkennt nur, dass es drum herum grünt und blüht und die Luft schön frisch ist.

So ähnlich ist es auch mit Gott. Ich sehe Gott nicht gleich in allem, was mir wichtig ist. Manchmal vermisse ich ihn sogar. Aber wenn ich erkennen kann, dass etwas gut läuft, dass das Leben gelingt und ich mich nicht von Problemen klein machen lasse, dann merke ich: da gibt es eine Quelle, die mein Leben speist. Etwas, was mir Mut macht und mir gut tut. Und ich erkenne: Da ist Gott, der mir gut tut.

Es gibt also etwas außerhalb von mir selbst, das mein Leben bereichert. Diese Quelle immer wieder zu suchen, das lohnt sich, finde ich. Weil das Leben dadurch irgendwie tiefer wird.
Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann kann mir der Gedanke von der Quelle helfen, dass ich wieder zu dem zurückfinde, was mir wirklich gut tut und dass ich darin Gott entdecke.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6511
Stehen Sie morgens auch manchmal vor dem Schrank und wissen nicht, was Sie anziehen sollen? Irgendwie scheint dann nichts zu passen: zu warm, zu kalt, zu kurz zu lang, zu bunt zu einfarbig. Nichts ist richtig. Und wenn ich dann doch etwas gefunden habe, ziehe ich mich womöglich nach zehn Minuten noch mal um.

Mir scheint, das hängt mit dem zusammen, was ich von diesem Tag erwarte.
Wenn ich nicht so richtig weiß, was kommt, oder wenn ich ahne: heute wird es richtig anstrengend, dann finde ich oft nicht das richtige zum Anziehen.
Wenn dagegen klar ist, heute kann ich den ganzen Tag mit den Kindern verbringen, dann habe ich sofort eine Jeans und ein T-shirt gefunden.

Für dieses morgendliche Kleiderproblem habe ich in der Bibel einen tollen Tipp gefunden: Über alles aber zieht an die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist (Kol 3,14), heißt es da.

Natürlich wurde das damals nicht für Menschen morgens vor dem Kleiderschrank geschrieben. Es ging viel mehr darum, wie Christen miteinander umgehen sollen. Aber ich finde, es ist ein toller Gedanke auch für den Anfang des Tages: Die Liebe anziehen.
So wie ein Regencape, das den plötzlichen Sommerguss abhält. Oder wie ein Mantel, der vor Wind und Kälte schützt.

Die Liebe anziehen, das heißt für mich: So wie ich in eine Hose steige oder einen Pulli überstreife, so schlüpfe ich auch in die Liebe. Und sie passt mir wie ein Kleidungsstück. Sie ist sozusagen für mich geschneidert und meinem Leben angepasst.
Ich stelle mir vor, die Liebe hängt in meinem Kleiderschrank und wartet nur darauf, angezogen zu werden. Da brauche ich nicht mehr ungnädig auf meine Gardarobe zu schauen, sondern merke, dass es auf jeden Fall etwas gibt, das passt.

Wenn ich nicht so genau weiß, was an diesem Tag kommt, dann hilft mir die Liebe, offen zu sein und auf andere zuzugehen. Sie macht mich freundlich und liebevoll.
Und wenn der Tag anstrengend wird, dann schützt mich die Liebe davor, über meine Grenzen zu gehen, und mahnt mich, auch mit mir selber liebevoll umzugehen.

Wenn ich also die Liebe über alles ziehe, dann bin ich vollständig angekleidet. Dann fehlt mir nichts mehr für den Tag, sondern ich bin gut vorbereitet. Auch wenn, das richtige T-shirt vielleicht gerade in der Wäsche ist.
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Wenn morgens die Sonne scheint, dann ist es leichter aufzustehen, finde ich.
Dann wirkt der Tag irgendwie heller und freundlicher und meine Laune ist viel besser, als wenn es regnet.
Den Kindern scheint das Wetter nicht so viel aus zu machen. Sie stehen jeden Morgen fröhlich auf und sind gespannt, was der Tag so bringt. Als ob sie selbst eine kleine Sonne in sich tragen.

So das Licht in sich haben – das wäre gut, denke ich. Dann würde der Tag hell beginnen, auch wenn es draußen düster ist.

Das gibt es, sagt die Bibel, auch für Erwachsene. In einem Brief an die ersten Christen heißt es: „Ihr seid Kinder des Lichts und des Tages!“ (1. Thess 5,5).
Mit dem Licht ist Jesus Christus gemeint. Er ist das Licht der Welt und wer zu ihm gehört, ist ein Kind des Lichts. Wer sozusagen den Glauben an Jesus in sich trägt, der strahlt selber.
Ich glaube, das meint genau das, was ich bei den Kindern erlebe. Dass nicht von außen abhängig ist, wie es ihnen geht. Sondern, dass in ihnen irgendwie eine Quelle guter Laune steckt.

Die Menschen, die Jesus begegnet sind, haben dieses Licht erlebt. Sie haben sich anstecken lassen von seinen Ideen. Und sie haben erfahren, dass mit ihm das Dunkle in ihrem Leben weg geht. Wenn er einen Kranken geheilt hat oder mit Hungrigen gegessen hat. Oder wenn er erzählt hat, wie das Leben nach Gottes Vorstellung sein soll. Da ist es ihnen wahrscheinlich ganz warm ums Herz geworden. Und wenn sie sich später daran erinnern haben, hat ihnen das Mut gemacht.

Ich glaube, auch heute kann man dieses Licht in sich entdecken.
Wenn wir es machen wie die Kinder. Nicht erst schauen, was draußen ist, sondern in uns selber schauen. Das strahlen lassen, was das eigene Leben schön macht und gut. Zum Beispiel morgens schon bevor ich den Rollladen hochziehe, an etwas denken, was mich glücklich macht.

Von daher ist es wirklich nicht so entscheidend, welches Wetter beim Aufstehen ist.
Der Tag kann auch bei Regen noch hell werden. Wenn ich mich vom Licht in mir anstecken lassen.
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