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Globalisierung. Für mich hat das mit Vielfalt zu tun. Aber wenn man in die Innenstädte schaut, ist da wenig von Vielfalt zu spüren. Da sieht es eher so aus: Ein globales Dorf, überall gleich. Überall die gleichen  Läden, alle im selben Design, egal ob in Berlin, Mainz oder Ludwigshafen. Die Aura des Besonderen geht verloren. Das ist schade.

Und trotzdem, die Idee vom globalen Dorf finde ich gut. Vielleicht auch, weil es früher noch nicht mal zwischen benachbarten Dörfern möglich war, sich zu vertragen. Meine Großeltern können ein Lied davon singen. Ein Dorf evangelisch, eins katholisch. Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, hätte ihre Liebe niemals sein dürfen. Was hätten die beiden Verliebten von einem globalen Dorf geträumt. Einem, in dem die Menschen wie Geschwister miteinander leben. Keiner ausgegrenzt wird, keiner schlecht gemacht wegen seines Aussehens, seines Glaubens, seiner Geschichte.

Das globale Dorf als Traum auch in der Kirche. Dort heißt sie aber nicht Globalisierung, sondern Ökumene. Hierzulande denken viele an das Verhältnis von Katholiken und Protestanten. Ökumene bedeutet dann den Versuch, alte Gräben zu überwinden und zu einer Zusammenarbeit zu kommen, vielleicht irgendwann einmal wieder die eine Kirche zu sein. Das wäre schön. Gemeinsam ist man stärker. Man könnte sinnvoller die Anliegen der christlichen Botschaft umsetzen.  A

ber Ökumene schließt auch noch die ganzen anderen Kirchen weltweit mit ein. Und das sind viele. Orthodoxe in unterschiedlicher Ausrichtung, Pfingstler, Methodisten und Baptisten. Die Kirche ist bunt. Ökumene soll den ganzen Erdkreis umfassen. Sie soll die Kirche im globalen Dorf sein. Und ich finde: Diese Kirche sollte man auch im Dorf lassen. Denn sie könnte die Vielfalt zurück bringen. Könnte zeigen, wie man miteinander lebt und trotzdem unterschiedlich bleibt. Einheit in versöhnter Vielfalt. Meine Großeltern würden das sicher klasse finden. Weil es viel mit Liebe zu tun hat, gut christlich. Und weil auch ihre Liebe dadurch einfacher geworden wäre. Im globalen Dorf, die Kirche Ökumene nennt.

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Als der alte Kutscher Salim erkannte, dass sein Ende nahe war, rief er einen jungen Freund. Vor ihm hat er ein Kästchen geöffnet, das die kleinen Schätze enthielt, die er in seinem Leben angesammelt hatte. Da war der Schlüssel zu seiner einstigen Kutsche zu finden, eine Murmel, die ihm als Kind einmal Glück gebracht hatte und ein Stück der Wurzel eines Baumes, der sich jedes Jahr erneuert.  Als letztes hat Salim eine Goldmünze aus dem Kästchen geholt und sagte zu seinem jungen Freund: Diese Goldmünze ist von einem Räuber, dem ich einmal das Leben gerettet habe. Er hat mir aufgetragen, sie dem zu geben, der keinen Ausweg mehr sieht. Ich habe erst spät die Weisheit dieses Räubers entdeckt. Denn immer, wenn ich die Münze jemandem geben wollte, haben wir einen Ausweg gesucht und ihn auch gefunden – ohne die Münze der Ausweglosigkeit zu gebrauchen.

Mein Freund, sagte er endlich, ich möchte, dass du die Murmel, den Schlüssel und die Wurzel zu mir ins Grab legst. Die Goldmünze aber übergebe ich dir. Und ich bitte Dich: Gib sie dem, der keinen Ausweg mehr sieht.
Der syrische Schriftsteller Rafik Schami hat diese Geschichte erzählt.

Ich verstehe sie so: Es gibt immer noch Hoffnung. Auch, wenn es auf den ersten Blick vielleicht anders aussieht. Hoffnung, sogar dann wenn unser Leben zu Ende geht. Das zu glauben ist nicht einfach. Alles, was mit dem Tod zu tun hat, wirkt doch so aussichtslos. So endgültig. Einen Ausweg – angesichts des Todes. So was kann es für unsere Vernunft kaum geben. Wieso hat Salim die Münze dann nicht behalten? Die ist doch für den, der keinen Ausweg mehr sieht. Doch der alte Salim nimmt die Münze nicht mit. Noch kurz vor seinem Tod sieht er seiner Zukunft fest ins Auge. Auch er wird die Münze der Ausweglosigkeit nicht verwenden, wie alle anderen vor ihm auch nicht. Das Versprechen steht im Raum. Die Christen wissen drum. Selbst der Tod ist nicht ausweglos. Der Tod wird seine Macht über unser Leben verlieren. Das ist das Versprechen seit Jesus von den Toten auferstanden ist. Gottes Liebe ist stark und niemand kann uns von ihr trennen. Auch der Tod nicht. So die trotzige Botschaft. Die Münze der Ausweglosigkeit. Salim kann sie getrost bei den Lebenden lassen. Dieses Vertrauen, das wünsche ich mir und Ihnen.

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Eine physikalische Formel hat Geburtstag. E=mc2. Ob das allerdings ein Grund zum Feiern ist für die Menschheit, ist nicht ganz klar. E=mc2, die Formel der sogenannten Relativitätstheorie. Die Gleichung, die die Welt verändern sollte. Als Albert Einstein sie 1905 in einem wissenschaftlichen Aufsatz vorstellte, konnte kaum jemand ahnen, was er damit auslösen würde. Die Einsteinsche Gleichung sollte der Forschung zu ungeahnten Höhen verhelfen und gleichzeitig die Menschheit in die tiefsten Tiefen ihrer Geschichte stürzen. Spektakulären Erkenntnissen über das Weltall und die Zukunft der Erde auf der einen Seite stehen dem Abwurf zweier Atombomben auf japanische Städte auf der anderen gegenüber. Das musste auch Albert Einstein erkennen. Besonders die Gefahr einer nuklearen Vernichtung der Erde beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter. Er fühlte sich verantwortlich für seine Formel und ihre Konsequenzen.

Denn was nützt uns die beste Entdeckung, die genaueste Analyse, wenn sie die Menschheit in den Abgrund stürzt. Und deshalb braucht auch die klügste Formel der Physiker immer noch etwas anderes, um zukunftsfähig zu sein. Ich würde es die Liebe nennen. Denn ohne Liebe wird es bei allem Fortschritt immer die Gefahr der Katastrophe geben. Paulus hat es einmal so formuliert: „selbst wenn ich alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnisse hätte und allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.“

Und daher wünsche ich der Formel E=mcheute zu Ihrem Geburtstag vor allem eins: Liebe. Ich wünsche sie den Physikerinnen und Physikern, die mit ihr arbeiten. Ich wünsche Ihnen, dass sie bei allem, was sie mit dieser Formel errechnen und erreichen, nie die Liebe aus den Augen verlieren.  

Übrigens: Auch Albert Einstein hat das so gesehen. Überzeugt, dass ohne Liebe auch die beste Formel der Menschheit nichts nütze ist.

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Der Apostel Paulus hat schon gewusst: Wertvolles versteckt sich manchmal und ist nicht gleich zu erkennen. „Ihr habt den Schatz in einem ganz gewöhnlichen Gefäß“ hat er gesagt. Dass so ein Gefäß auch ein Mülleimer sein kann, das hat der Bibelforscher Konstantin Tischendorf im 19. Jahrhundert erlebt.

Er hat nicht schlecht gestaunt, als er in den Papierkorb schaute. Geheimnisvolle, vermutlich uralte Schriften haben dort drin gelegen. Gelbliche brüchige Pergamentblätter. Die sollten in Kürze verbrannt werden, hat ein Mönch beiläufig gemeint. Einige seien sogar schon im Ofen. Und diese hier auch bald. Es sei denn, er, Tischendorf, wolle noch etwas damit anfangen. Die Mönche im Katharinenkloster am Berg Sinai, bei denen Tischendorf zu Gast war, haben nicht geahnt, welchen Schatz sie da verbrennen wollten. Tischendorf hat sie gerade noch bremsen können. Er hat seinen Fund genauer unter die Lupe genommen. Uralte Bibelhandschriften des Neuen Testaments sind es gewesen. Entstanden in der Mitte des vierten Jahrhunderts. Und hier ein fast vollständig erhaltenes Neues Testament dazu noch in einer der frühesten Fassungen.

43 der geretteten Blätter durfte Tischendorf mit nach Deutschland nehmen, die restlichen 86 sind  im Kloster geblieben. Dort sind sie erst einmal hinter den dicken Mauern verschwunden. Und zwar in der Bibel des Klosterverwalters, der, ohne ihre Bedeutung zu kennen, sie in seiner persönlichen Bibel zwischen den Seiten sicher aufbewahrt hat. Und noch eine Überraschung: Alles in allem sind waren es weitaus mehr als 86 Blätter gewesen, die der Verwalter in der Zwischenzeit gefunden und zu den anderen der alten Handschrift gelegt hatte. So kam es, dass Tischendorf zum Schluss fast die komplette Bibel mit Altem und Neuem Testament vor sich hatte, ein atemberaubender Fund, ein Meilenstein in der Geschichte der Bibelwissenschaft, eben noch aus dem Mülleimer gerettet.

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Das Reich Gottes. Jesus hat davon erzählt. Das ist der Kern seiner Botschaft. Der Traum von einem guten Leben für alle Menschen. Wo es keinen Krieg gibt und gerecht geteilt wird, was man zum Leben braucht. Jesus hat die Menschen damit begeistert. Ich frage mich: Wo ist diese Begeisterung hin?

Und da kommt mir ein Experiment in den Sinn, von dem ich gehört habe:
Wissenschaftler haben vier Affen in einen Raum gesperrt. Darin gab es einen Baum, an dem oben Bananen hingen. Die Affen wollten sich die Leckerbissen natürlich nicht entgehen lassen. Einer hat sich  gleich ein Herz gefasst und kletterte nach oben. Dort hat er dann versucht, eine Banane zu ergattern. Doch in dem Augenblick, als er sie berührt hat, kam, o Schreck,  von oben eine kalte Dusche. Kreischend ist er unverrichteter Dinge wieder hinunter geklettert. So wie ihm ist es auch den anderen drei Affen ergangen. Statt der Bananen gab es nur eiskaltes Wasser. Nach einer Weile haben die Affen aufgegeben. Sie hatten ihre Lektion gelernt. Dann hat man einen der vier Affen durch einen anderen ersetzt, der neu dazukam. Der hat ebenfalls direkt versucht, an die Bananen zu kommen. Doch zu seiner Verwunderung haben ihn seine Gefährten herunter gezogen. Er hat zwar nicht so recht kapiert warum, hat es aber mit sich geschehen lassen. Nach einer Weile waren dann alle Affen ausgetauscht, und auch die Neuen haben es nicht mehr gewagt, nach den Bananen zu greifen. Keiner von ihnen hat in in diesem Moment mehr gewusst, warum. Keiner hat mehr den Mut gehabt, sich an das Gute zu wagen.

Vielleicht geht es den Menschen mit dem Reich Gottes ähnlich wie den Affen mit den Bananen? Es fehlt der Mut sich an das Gute zu wagen, weil die, die vorher da waren schlechte Erfahrungen gemacht haben. Schade eigentlich, denk ich mir, um die leckeren Bananen

Jesus war klar: Das Reich Gottes ist nicht unerreichbar. Zu seinen Freudinnen und Freunden hat er gesagt: das Reich Gottes ist mitten unter Euch. Ihr könnte es spüren und erleben. Immer dann, wenn ihr so miteinander umgeht, wie ich es Euch vorgelebt habt. Wenn Ihr einander liebt und achtet. Teilt was ihr zum Leben braucht und gerecht seid.

Ich verstehe das so: um das Reich Gottes zu erleben braucht es gar nicht viel. Nur den Mut eigene Erfahrungen zu machen anstatt sich von anderen entmutigen zu lassen. Oder um in der Sprache des Experimentes zu bleiben: Bloß nie den Traum von den leckeren Bananen aufgeben. Auch nicht beim Traum vom paradiesischen Gottesreich. Ein Reich ganz ohne kalte Dusche.

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Frieden finden alle gut! Aber das heißt erst mal noch gar nichts. Denn über den Frieden gehen die Ansichten auseinander. Im Alten Rom galt es als Friede, wenn alle Feinde mit brutaler Gewalt unterworfen waren. Die Pax Romana, so hieß das dann. Sie war mit Blut geschrieben. Und für viele Menschen bedeutete sie versklavt, verschleppt und unterdrückt zu sein.

Für die alten Germanen war Friede dort, wo man mit Sippe und Familie in Ruhe leben konnte. Und sie verstanden das ganz wörtlich. Sie zogen Zäune und Mauern. Einfrieden nannten sie das. Und der Bereich, der so entstanden war, wurde mit Gewalt gegen Feinde von außen verteidigt.

Sieht man in unsere Zeit, dann bestimmen meist die Großmächte, was Frieden ist. Da fallen Bomben, von denen behauptet wird, sie seien zur Friedenssicherung geworfen. Und da wird durch Stärke versucht, andere in Schach zu halten. Bis heute werden Zäune gebaut, um andere draußen zu halten. Und Mauern. Und was man im Großen in der Weltpolitik beobachten kann, sieht man im Kleinen in manchem Nachbarschaftskonflikt.

Jesus hatte eine andere Idee von Frieden. Er wollte die Spirale von Gewalt und Gegengewalt schon ganz zu Anfang unterbrechen. Jesus hat gesagt: Wenn Dir einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die linke hin.

So hat er sich Frieden vorgestellt. Keine Rede von Mauern. Kein Wort über die Macht des Stärkeren. Um sich so zu verhalten muss man mutig sein. Denn man riskiert einiges. Z.B. das die Gegenseite das Friedensangebot zum eigenen Vorteil ausnutzt.

Und kein Wunder: Bei vielen, damals schon, galt Jesus mit derartigen Ansichten als Phantast. Aber ich stelle mir vor wie die Welt aussähe, wenn sich seine Vorstellung vom Frieden durchsetzen würde. Wenn die Menschen es schaffen würden, dem Reflex zur Gegengewalt zu widerstehen. Wenn also ein Nachbar mal wieder am Sonntag den Rasen mäht, nicht gleich mit der Heckenschere oder dem Laubsauger antworten. Vielleicht ist eine Einladung zum Kaffee oder einem Bier wirkungsvoller und der Anfang einer entspannteren Nachbarschaft. Jeder findet Frieden gut. Mir gefällt dabei der Friede am Besten, der ohne Gewalt auskommt. Und so verstehe ich auch Jesus, der Ideen hatte, wie das gehen könnte.

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Es ist das reinste Volksfest. In Scharen sind sie zum See gekommen, um Jesus zu hören. Jesus, den neuen Wanderprediger, Wunderheiler. Den schaut man sich schon mal an. Alle sind begeistert. Alle, bis auf ein paar frustrierte Fischer. Die reinigen gerade ihre Netze. Schlecht gelaunt, denn sie haben heute kaum was gefangen.

Jesus sieht sie. Er leiht sich sogar eines Ihrer Boote aus, damit er besser zu den Leuten reden kann. Und am Ende wendet er sich ganz direkt an die Fischer. Er fordert sie auf, noch mal rauszufahren. Diesmal wird es klappen, mit dem großen Fang. Das verspricht er ihnen.

Die Fischer nehmen Jesus erst mal nicht ernst. Es ist schon viel zu spät um noch mal rauszufahren. Um diese Zeit fängt man normalerweise nichts mehr. Sie kennen sich ja aus mit der Fischerei. Wäre ja noch schöner, wenn so ein Zimmermann ihnen Tipps geben könnte. Aber am Ende machen sie es dann doch. Vielleicht aus Neugier, vielleicht auch, weil sie ja nicht zu verlieren haben.

Und dann geschieht das Unglaubliche: der Fang ist diesmal riesig, die Netze zerreißen fast. Simon, so heißt einer der Fischer, kann es nicht fassen. So einer wie Jesus ist ihm noch nie untergekommen.

Jesus, der Freund der Fischer. Nach diesem Erlebnis hat Simon ihm alles geglaubt. Genauso wie die anderen beiden, die dabei waren, Jakobus und Johannes.Sie sind so begeistert, dass sie ihr Leben von Grund auf ändern. Sie verlassen Ihre Frauen, die Familie, den Beruf. Fangen ganz neu an.

Bis heute hat diese Geschichte Sprengkraft. Jesus war nicht angepasst. Er war ein Aussteiger, ein Endzeitprophet, mit eigenwilligen Ideen. Und der Gabe, andere zu begeistern. Er hat die Menschen herausgefordert. Auch mit dem, was er als erstes zu seinen neuen Begleitern sagte. „Von jetzt an werdet ihr Menschen fischen“, hat er gesagt, „aber nicht, damit sie euch im Netz zappeln, sondern um sie frei zu machen!“

Jesus, der Freund der Fischer. Unkonventionell, überraschend, freiheitsliebend. Macht Mut, dass auch ich mal den großen Fang mache.

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Sich selbst vergessen. Das ist etwas vom Schlimmsten, das es gibt. Für Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind ist das Realität. Oft ist das besonders für die Angehörigen schlimm. Sie erleben mit, wie sich der Mensch, den sie lieben, immer mehr verändert. Er kann sich nicht mehr erinnern. Verliert den Bezug zu den Menschen um ihn her. Er verschwindet, vergisst sich und andere.

Jesus hat einmal gesagt: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wer mit dementen Menschen zu tun hat, weiß um die täglichen Herausforderungen die dieses Leben mit sich bringt.  Ein Leben mit Menschen, die offenbar in einer anderen Welt leben. Die manchmal aggressiv reagieren, weil sie überfordert sind. Und die aber immer noch die Menschen sind, mit denen man so viel Gemeinsames erlebt hat. Die man liebt. Von denen man geliebt werden möchte. Mit ihnen leben. Mit ihnen auferstehen –  mitten im Leben. Das ist eine große Sehnsucht. Und manchmal passiert Auferstehung dann auch mitten im Leben. Lautlos und unspektakulär. Ein Lächeln, ein gegenseitiger Händedruck. Wenn man sich erkennt und erkannt fühlt. Das Kleine ist dann auf einmal ganz viel. Wenn Opas Augen leuchten, weil die Kinder und Enkel vor ihm stehen. Als könnte er sich doch an sie erinnern. Die Kinder sind überrascht und freuen sich mit Tränen in den Augen. Man wird bescheiden und freut sich über solche Begegnungen. Momente, in denen der Mensch noch einmal da ist, und nicht die Krankheit im Vordergrund steht. Da werden die Wärme und Zärtlichkeit spürbar, die ja noch da sind. Auch wenn der Enkel vom Opa mit falschen Namen genannt wird.

Auferstehung mitten im Leben. In kleinen Momenten. Eben, weil Jesus sagt „Ich lebe und ihr sollt auch Leben“. Natürlich später in der Ewigkeit. Aber eben auch schon im Hier und Jetzt. Auch in widrigen Situationen.

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„Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus.“ Uralt sind diese Worte. Klar und einfach. Hier spricht der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes. Denn damals schreit das Elend zum Himmel. Armut und Obdachlosigkeit herrschen. Und während die Einen vom Hungertod bedroht sind, stopfen sich die Reichen in ihren Palästen die Taschen voll. Das ist nicht nur ungerecht. Das ist auch gottlos. Deshalb schickt Gott Propheten. Menschen wie Jesaja. Boten, mit dem Auftrag, die Menschheit an seine Botschaft zu erinnern: Gott will Gerechtigkeit für alle Menschen. 

Und so macht sich Jesaja auf den Weg mit seiner Botschaft. Geht zu den Reichen, redet ihnen ins Gewissen. Kein Wunder, dass er sich damit keine Freunde machte in den sogenannten besseren Kreisen.

Manche haben damals auf Jesaja gehört. Aber die Probleme, die er anmahnt, die gibt es noch heute: Verwahrloste Kinder. Mittellos, ohne Obdach. Ca. 50000 sind es allein in Deutschland. Die Umstände, die sie dazu machen sind ganz ähnlich wie damals. Die Schere zwischen arm und reich klafft auseinander. Die Wohnungen in den Großstädten sind zu teuer. Menschen werden verdrängt, wie es in geschönter Sprache heißt. Sie verlieren ihre Wohnungen. Armenasyle, Übergangswohnheime und Notunterkünfte sind die Folge. Besonders für die Kinder sind die Folgen katastrophal.

„Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus“. Noch immer geht es in der Welt nicht gerecht zu. Und deshalb haben die Worte Jesajas noch immer ihre Aktualität. Klar, unmissverständlich. Sie fordern die Menschen heraus, die Welt gerechter zu machen.

Die Kinderarmut in unserem Land ist so ein Beispiel. Das kann nicht gerecht sein. Da muss man heute kein Prophet sein, um das zu sehen. Man muss aber auch kein Prophet sein, um das anzuprangern und dagegen anzugehen. Dazu sind alle Menschen aufgefordert. Und das mit der Zuversicht, dass sich etwas ändert. Denn hinter unseren Worten steht, wie hinter den Worten Jesajas, Gottes Wort. Das macht mir Mut.

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Meine persönliche Freiheit ist mir wichtig. Deshalb wehre ich mich dagegen überwacht zu werden. In China ist das schon jetzt leider anders. und in zwei Jahren soll es sogar über Handy und Internet ein fast lückenloses Überwachungssystem geben. Für jeden Chinesen gibt es bis dahin ein Punktesystem. Wer etwas Kritisches sagt, oder wessen Kinder Blödsinn machen oder sogar die Partei kritisieren, bekommt Punktabzug. Ein Vater hat das erlebt, als er am Fahrkartenautomaten stand und plötzlich kein Ticket bekam.  Seine Tochter hatte es gewagt, einen Funktionär zu kritisieren. Das verzeiht das kommunistische China nicht. Und sogar der Vater wurde mit Punktabzug bestraft – so viel, dass er am Ende keine Fahrkarte mehr bekam.

Für mich unvorstellbar, dass ein Land die Freiheit seiner Bürger mit Füßen tritt. Ein Land, das dabei Methoden benutzt, die übrigens auch bei uns ohne großen technischen Aufwand in absehbarer Zeit umgesetzt werden könnten.

Deshalb will ich meine  Freiheit verteidigen. Das ist ein Gedanke, den es schon in der Bibel gibt. In den Freiheitsgeschichten des Alten und Neuen Testaments. Als die Israeliten von Gott aus Ägypten befreit wurden, aus der Sklaverei unter dem diktatorischen Pharao. Oder als Jesus und Paulus die christliche Freiheit beschworen haben – als Teil eines gottgewollten Lebens.

Die Verteidigung der Freiheit als Aufgabe in einer Welt, die auf dem Weg in eine unfreie Zukunft ist. Als Christ ist mir das wichtig. Und ich muss diesen Weg nicht allein gehen. Denn ich bin mit Gott unterwegs, der Freiheit für mich möchte. Darauf verlasse ich mich und dafür stehe ich.

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