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07MAI2021
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„Schach matt“, sagt mein Gegenüber. Das Spiel ist aus. Schon wieder. Mein Gegenspieler weiß gut, wie er klug einen Schachzug nach den anderen ausführt, um mich Schach matt zu setzen. Zu meiner Verteidigung: mein Gegner hat mir erst kurz zuvor das Schach spielen beigebracht. Seitdem üben wir gemeinsam. Es macht Spaß und ist herausfordernd. Zum einen musste ich lernen, welche Spielfigur wie über das Schachbrett laufen darf. Zum anderen ist die Kunst beim Schach die folgenden Züge des Gegners genau durchzudenken und entsprechend geschickt die eigenen Spielfiguren zu positionieren.

Das Schachspiel erinnert mich an meinen aktuellen Corona-Alltag. In meinem Beruf als Pastorin muss ich planvoll vorgehen. Genau wie beim Schach geht es darum abzuwägen, welcher Zug der nächste ist. Nur so kann ich verhindern Schach matt gesetzt zu werden. Ich muss mir also überlegen: Welche Veranstaltung ist möglich? Welche nicht? Was macht Sinn? Was nicht? Dabei muss ich vorausschauend planen und besonnen handeln.

Als verantwortungsbewusste Christin ist es mir dabei wichtig vernünftig zu sein. Ich will mich nicht nur von Emotionen leiten lassen, sondern weise handeln. Denn für mich schließen sich Glauben und Vernunft nicht aus. Im Gegenteil sie gehören unbedingt zusammen. Als Christin will ich mich vernünftig in der Gesellschaft einbringen. Und das heißt für mich verantwortungsbewusst und solidarisch. Beruflich und privat orientiere ich mich dabei an folgendem Bibelwort:

 „Denn Weisheit wird in dein Herz kommen, und die Erkenntnis wird dich mit Freude erfüllen. Besonnenes Handeln wird dir Schutz geben und Einsicht wird dich behüten.“ (Spr 2,10-11)

Dieses Bibelwort hilft mir abzuwägen, was dran ist. Es wird mir zur Anleitung für mein Christsein heute: Wichtig ist, dass ich besonnen handle. Doch auch die Weisheit ist unabdingbar. Sie ist mir ein guter Ratgeber in diesen andersartigen Zeiten. Weise möchte ich ein Schritt nach dem anderen machen – wie beim Schach. Und das Beste ist: Gott hält mein Leben dabei in seiner Hand. Er ist die Weisheit, die mich besonnen handeln lässt und mit Freude erfüllt.

Für mich heißt das: Es geht im Glauben nicht um blinden Gehorsam, sondern um vernünftiges Christsein. Mir gefällt das.

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06MAI2021
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Endlich ist es fertig! Ich halte mein druckfrisches Fotobuch in der Hand und bin glücklich. Es fühlt sich toll an. Jedes Jahr gestalte ich ein Fotobuch über das vergangene Jahr. Viele Stunden verbringe ich dafür vor dem Computer. Ich genieße es die Bilder auszusuchen und Millimeter für Millimeter hin und herzuschieben bis sie perfekt sitzen.

Als ich dieses Jahr mit dem Fotobuch für 2020 begonnen habe, dachte ich: es wird bestimmt ein schlankes und dünnes Buch. Viel ist in diesem Jahr ja nicht passiert. Doch jetzt, wo ich es in der Hand halte, sehe ich, wie dick es ist. Es ist am Ende sogar eins von den dicksten Büchern geworden, die ich je gemacht habe. Viele Fotos haben ihren Platz gefunden. Der Sommerurlaub an der Ostsee nimmt viele Seiten ein. Er war besonders – gerade weil ich nicht wusste, ob er stattfinden kann oder nicht. Daneben finden sich viele Alltagsbilder oder Naturaufnahmen auf den Seiten. Im letzten Jahr sind mir besonders alltägliche Kleinigkeiten aufgefallen. Vieles, was ich mit meiner Kamera sonst nicht festgehalten habe. Schätze des Alltags. Und all diese kleinen Bildschätze ergeben jetzt ein großes Ganzes in meinem Fotobuch.

Während ich durch das Fotobuch blättere, erinnere ich mich an alles, was ich erlebt habe. Erst jetzt im Rückblick fällt mir auf, wie voll das letzte Jahr gewesen ist. Erst jetzt erkenne ich das ganze Bild. Und das erinnert mich an einen Vers aus der Bibel.

Ein Mann namens Paulus schreibt dort in einem Brief an die Gemeinde in Korinth: „Denn jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt.“ (1. Kor 13,12)

Diese Worte von Paulus berühren mich. Sie zeigen mir: mit meinem Leben ist es wie mit meinem Fotobuch. Jetzt erkenne ich nur einzelne Bruchstücke. Doch irgendwann sehe ich das gesamte Bild. So wie Gott es erdacht hat. Und dann werde ich verstehen und erkennen, warum was passiert ist oder eben auch nicht.

Erst am Ende meiner Zeit werde ich vollständig erkennen. Ich freue mich auf diesen Moment. Und ich hoffe, dass es sich genauso gut anfühlt, wie wenn ich mein druckfrisches Fotobuch in den Händen halte.

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05MAI2021
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Als Teenager war ich einmal zu Besuch bei der Tante meiner besten Freundin. Sie hatte einen richtig großen Esstisch im Esszimmer stehen. Der Tisch war ca. 3 Meter lang und hat mich echt beeindruckt. Seitdem hatte ich immer den Traum davon, später auch einmal so einen großen Esstisch zu haben: Ein Tisch, an dem alle Platz haben. Wo keiner ausgeschlossen wird oder am extra Kindertisch sitzen muss. Ein Tisch, wo Platz für Gespräche und Austausch ist. Wo es keine Tabus gibt. Ein Tisch an dem man über alles reden kann.

So ein großer Tisch hätte in das kleine Esszimmer meiner Eltern nie reingepasst. Trotzdem hat der Esstisch bei meinen Eltern immer eine ganz zentrale Rolle gespielt. Denn bei uns gab es eine Familienregel: Beim Abendessen sind alle Familienmitglieder da! Denn beim Abendessen wurde alles besprochen: es wurde geplant, was am nächsten Tag anstand. Es wurde Organisatorisches geklärt oder – wenn es tagsüber Streit gegeben hatte, wurde spätestens beim Abendessen das Ganze nochmal geklärt, nachbesprochen und gegebenenfalls Frieden geschlossen.

Und auch bei Jesus spielt der Tisch eine zentrale Rolle: Das gemeinsame Essen ist für Jesus und die Leute, die ihm nachfolgen total wichtig. In der Bibel gibt es viele Geschichten dazu: Mal bekommt Jesus 4000 Menschen satt. Mal 5000. Mal ist er bei einer Hochzeit eingeladen oder er isst mit Zöllnern, Prostituierten und anderen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Von seinen Gegnern wird er deshalb spöttisch als Vielfraß und Säufer bezeichnet, der mit Zolleinnehmern und Sündern befreundet ist (Mt 11,19).

Am Abend vor seiner Kreuzigung lädt Jesus ein letztes Mal Menschen zum Essen ein: seine zwölf engsten Freunde. Noch heute erinnern sich Christen an dieses gemeinsame Essen, wenn sie Abendmahl feiern. Denn für Jesus ist das gemeinsame Essen Sinnbild dafür, wie die Menschen miteinander umgehen: Mit Feinden isst man nicht zusammen. Aber mit Menschen, die man respektiert und anerkennt sehr wohl. Jesus will seinen Nachfolgern also sagen: Setzt euch gemeinsam an den Tisch. Erzählt euch, was euch bewegt und beschäftigt. Teilt euren Glauben und wenn ihr euch zerstritten habt, schließt Frieden miteinander.

Diese Einladung nehme ich gern an, denn so lebe ich nach dem Vorbild Jesu. Aktuell geht es nicht, mit vielen Menschen an einem Tisch zu sitzen. Aber im kleinen Kreis geht es und das nutze ich gern.

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04MAI2021
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„Und jetzt gut die Spannung halten. Spürt das Ziehen im Rücken,“ so schallt es aus meinem Computerlautsprechern. Dank Corona findet die Rückenschule jetzt digital statt. Vor mir gibt sich meine Trainerin größte Mühe uns bei den Übungen anzuleiten. Sie fordert viel und es ist echt schweißtreibend…

Seit ich acht bin leide ich an chronischen Wirbelsäulenproblemen. Ich weiß deshalb, dieses harte Training stärkt meinen Rücken: denn je besser und regelmäßiger ich trainiere, desto mehr Halt bekommt mein Rücken. Die Muskeln tragen mit, stützen, geben Halt und reduzieren die Schmerzen. Im anatomischen Sinn wird also das Rückgrat gestärkt. Doch das Wort „Rückgrat“ kann auch im übertragenen Sinne verwendet werden. Es meint dann Menschen, die offen zu ihrer Auffassung und Überzeugung stehen. Menschen mit Rückgrat haben Charakterstärke und sind mutig. Sie treten taff und sicher auf und stehen zu ihrer Meinung. Solche Menschen beeindrucken mich.

Die Bibel erzählt von vielen Frauen und Männern, die Rückgrat haben. Was diese Menschen verbindet: Nichts schüchtert sie ein, denn sie vertrauen ihr Leben Gott an. Und immer wieder beten sie deshalb zu ihm. Der Glaube an Gott stärkt sie.

Das ist wie bei der Rückenschule: Meine Muskulatur muss auch immer wieder trainiert werden – sonst erschlafft sie und die Wirbelsäule verliert Halt. Genau wie im Glauben und bei Gott: meine Beziehung zu Gott muss ich pflegen. Das Gute daran ist: Für dieses Training brauche ich keine besondere Ausrüstung. Ich brauche keine Yoga-Matte, Gewichte oder Therabänder – es reicht mich Gott zu öffnen und ihm zuzuwenden, so wie ich bin. Ich kann einfach mit ihm reden und damit betend zu ihm kommen. Oder ich tausche mich mit anderen Christen aus. Höre mir ihre Erfahrungen und Zweifel an und kann meine mit jemand anderem teilen. So lebe ich meinen Glauben und stärke ihn zugleich. Durch dieses geistliche Training bekomme ich Halt und Stütze.

Genau wie bei den Frauen und Männern in der Bibel: durch ihren Glauben schaffen sie Unglaubliches. Für mich sind diese Menschen damit tolle Vorbilder. Ihr Glaube beeindruckt und ermutigt mich, mein Leben Gott anzuvertrauen. Er stärkt mich und macht mich zu einer Frau mit Rückgrat.

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03MAI2021
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Einfach mal weg. Dem entfliehen. Ab auf den Berg. Ein Zelt aufschlagen und die Welt mit ausreichend Abstand betrachten. Wer wünscht sich das gerade nicht?

Ich habe immer mal wieder sehr eindrückliche und bewegende Momente auf Bergen erlebt. Für mich waren das so eine Art „Himmelreichmomente“. Also Momente, wo ich mich dem Himmel und Gott ganz nah gefühlt habe. Solche Momente habe ich in meinem Leben schon immer mal wieder erlebt, zum Beispiel in den Wicklow Mountains in Irland oder auf einer Anhöhe in Ravensburg. Auf einem Berg zu stehen und die Weite zu bestaunen, hat einfach was. Es ist eindrücklich. Die Häuser sehen auf einmal ganz klein aus. Und die Probleme der Welt scheinen auch klein und unbedeutend. Ich bin dann dem Himmel besonders nah.

Und das geht nicht nur mir so. In der Bibel stehen Berge oft für Orte, wo man Gott begegnet. Einmal zum Beispiel nimmt Jesus die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort erleben die drei Freunde einen Himmelreichmoment: Vor ihren Augen verwandelt sich Jesus. Er leuchtet hell wie die Sonne. Seine Kleidung wird weiß. Alles Zeichen für Gottes Gegenwart. Doch damit nicht genug, erscheinen den Jüngern die Propheten Mose und Elia, die mit Jesus reden. Und kurz darauf hören die drei dann auch noch eine Stimme aus den Wolken. Für die drei Jünger ist klar: Hier spricht gerade Gott mit uns. Deshalb werfen sie sich nieder und fürchten sich sehr. Doch Jesus lässt sie nicht allein. Er geht zu ihnen hin, berührt sie und sagt: Steht auf und fürchtet euch nicht!

„Jesus ist seinen Jüngern also gerade in ihrer Furcht ganz nahe; er berührt sie, sodass sie spüren können: Er ist da und richtet sie auf.“
Als die Jünger wieder die Augen öffnen, sehen sie allein Jesus. Niemand anderes ist mehr zu sehen. Ihr Blick richtet sich jetzt allein auf Jesus. Den Christus. Diesen Himmelreichmoment würden sie am liebsten für immer festhalten. Petrus will sogar Zelte aufstellen. Doch das geht nicht. Sie müssen wieder absteigen. Hinunter ins Tal. Zum Glück gehen die drei diesen Weg aber nicht allein. Jesus geht mit.

Für mich heißt das: Jesus ist immer da. In Glücksmomenten und wenn ich mich fürchte. Er ist nahe. Er ist das Licht, das in die Dunkelheit kommt und mein Leben erhellt. Mitten in den Niederungen des Alltags geht er mit und spricht mir zu: Fürchte dich nicht!

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27MRZ2020
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„Lasst all Eure negativen Gedanken im Wald und Morast zurück, durch den wir jetzt gehen werden.“ – das hat Pater Michael, zu unserer kleinen Pilgergruppe gesagt. Und dann ging es los… Rein in den dunklen Wald irgendwo im Tal Glendalough in Irland. Es hat geregnet und vor mir hab ich nur einen extrem steilen Hang gesehen. Rutschig und matschig war es unter meinen Füßen. Anstrengend sich den Berg hochzukämpfen. 

Die einen haben immer wieder gestoppt und nach Atem gerungen. Andere sind verhältnismäßig zügig den Berg hoch gelaufen… Es war echt dunkel. Kaum Licht ist in den Wald gedrungen und wir sind durch den Matsch gestapft. 

„Lasst alle negativen Gedanken im Wald zurück“ – dieser Satz hat sich in meinem Kopf wie ein Mantra wiederholt… Loslassen. Alles im Matsch versenken über was ich mich an dem Tag geärgert hatte. Und ich habe gespürt, wie ich innerlich wirklich alles im Matsch versenkt habe. 

Und dann plötzlich wurde der Wald wie ein Tunnel und ganz oben hab ich Licht gesehen. Die Sonne hat sich aus den Wolken heraus gekämpft. Eine Holzplanke hat mich über den tiefen Morast geführt und wenige Schritte später, stand ich mitten im strahlenden und wärmenden Sonnenschein. Ein sehr eindrückliches Erlebnis.

Ich hab nach Atem gerungen und die Weite über dem Tal bestaunt. Die Sonne, die die Berge in wunderschönes Licht gesetzt haben. Ein Bild, das ich unbedingt mit meiner Kamera festhalten musste. 

In der Bibel steht beim Propheten Jesaja: Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“(Jesaja 50,10) So etwas Ähnliches hat Pater Michael oben angekommen zu uns gesagt hat: Jeder Lebensweg führt ab und zu durch ein dunkles Tal voller Morast, aber wir sind nie allein. Gott geht immer mit und gibt uns die Kraft weiterzugehen. Bleiben wir stehen, bleiben wir im Dunklen. Gehen wir weiter, dann gibt es die Chance ins Licht zu kommen. 

Für mich heißt das, dass ich unterwegs bleiben will. Mit jedem Schritt näher ich mich dem Licht. Dem Licht, das mit Jesus auf die Erde kommt, um die Welt zu erhellen. Er macht das Licht an!

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26MRZ2020
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„Wie kann ich meinen Glauben stärken?“ Dieser Frage bin ich mit 70 Jugendlichen auf einer Freizeit nachgegangen. Wir haben über den Glauben, über Zweifel und Vertrauen gesprochen. Fragen gestellt und Antworten gesucht. Am letzten Abend dann, haben wir gemeinsam ein Musikvideo angeschaut. „Ich glaube an Gott den Vater. Den Schöpfer aller Welt.“ Mit diesen Worten erklang eine erste Liedzeile. Erst zögerlich summend sind die Jugendlichen in das Lied eingestiegen. Mit jedem weiteren Takt aber hat sich der Raum mit mehr Gesang gefüllt. Ich habe gespürt, wie ich eine Gänsehaut bekommen habe. Es war ein unglaublich bewegender Augenblick, wie diese jungen Leute auf einmal Gott anbeten, ihn loben und singend ihren Glauben bekennen. In diesem Moment ist es ihnen leicht gefallen, den Glauben zu bekennen.   

ICH GLAUBE. Eine Geschichte aus der Bibel zeigt, dass das nicht immer so einfach ist. Sie handelt von einem Vater. Sein Sohn ist krank. Regelmäßig hat das Kind Anfälle bekommen. Der Vater stand hilflos daneben. Konnte nichts machen. Hat mitgelitten. Konnte höchstens dafür sorgen, dass sich das Kind nicht selbst verletzt. Wenn man so etwas erleben muss, dann verzweifelt man leicht. Dann fällt es einem schwer, an einen guten Gott zu glauben. Aber der Vater damals wollte alles probieren. Er geht Jesus. Da kriegt der Junge wieder einen Anfall. Der Vater ist verzweifelt. Er fleht Jesus an zu helfen, wenn er kann. Erstaunt, fast entrüstet antwortet Jesus: „Was heißt hier: ‚Wenn du kannst‘? Wer glaubt, kann alles.“ Und wirklich: der Anfall hört auf. Der Junge ist geheilt. Der Vater ist fassungslos. Kann das wirklich sein? Er bittet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Mk 9,24) Der Vater hat gesehen, was Jesus kann. Er bittet darum, dass ihm diese Erfahrung bleibt und ihn stärkt. Er hofft wohl, dass er seinem Sohn dann auch weiter helfen kann. 

Ich lerne aus dieser Geschichte: das ist wichtig: Sich Gott immer wieder zu zuwenden und ihn bitten. Das stärkt den Glauben. Ich glaube, genau das haben auch die Jugendlichen auf der Freizeit erlebt, als sie gesungen haben: „Ich glaube an Gott den Vater. Den Schöpfer aller Welt.“

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25MRZ2020
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Neulich habe ich spätabends an der S-Bahn eine schlimme Schlägerei beobachtet. Ein Mann ging ganz brutal auf einen anderen los. 

Ich hatte Angst. Erstmal habe ich deshalb die Straßenseite gewechselt. Dann bin ich doch nochmal stehen geblieben. Ich habe mich umgedreht. Und als ich gerade die Polizei per Handy informieren will, sehe ich wie sich einige weitere Passanten zusammentun. Gemeinsam schlichten sie den Streit. Ich bin froh. Da haben ein paar wirklich Zivilcourage und Mut besessen. Ich bin heimgegangen. Aber das Ganze hat mich nicht losgelassen. Hätte ich mehr Mut gebraucht? Mehr tun können? Couragiert zu handeln, ist gar nicht so einfach. Das habe ich an dem Abend gemerkt. 

Umso mehr bewundere ich zwei Frauen, von denen die Bibel erzählt. Schifra und Pua haben als Hebammen im alten Ägypten gearbeitet. Sie haben vom Pharao den Auftrag bekommen, bei der Geburt hebräischer Kinder die Söhne umzubringen.  So sollten die verhassten Ausländer weniger werden. Doch die Frauen haben sich diesem Befehl widersetzt 

Was für Frauen, denke ich heute: Mutig und taff. Und ein gutes Beispiel für zivilen Ungehorsam. Zwei Frauen, die als Hebammen eigentlich unbedeutend und ziemlich machtlos waren. Klug und mit einer schlauen Ausrede widersetzen sie sich dem unmenschlichen Befehl. So sind sie auch selber nicht in Gefahr geraten. 

Ich stelle mir vor, wie ich an Puas oder Schifras Stelle gehandelt hätte. Hätte ich mich dem Befehl widersetzt oder nicht? Ich weiß es nicht. Aber ich finde es beeindruckend, wie sich diese Frauen gegen den Befehl wehren. Ich glaube: das haben sie nicht aus eigener Kraft getan. Sie sind fromm und glauben an Gott, erzählt die Bibel. Sie vertrauen darauf, dass er ihnen beisteht. Und deshalb glaube ich, dass Gott durch diese beiden Frauen gewirkt hat. Er hat ihnen die Kraft gegeben über sich selbst hinauszuwachsen. So handeln sie ohne Angst vor Konsequenzen. 

Ich habe mir vorgenommen, mich öfter an Schifra und Pua erinnern. Die beiden ermutigen mich, Gott wirklich zu vertrauen und mein Leben in seine Hand zu legen. Und ich hoffe: Gott gibt auch mir die Kraft mich für meine Mitmenschen einzusetzen.

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24MRZ2020
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Mobbing hat viele Gesichter. Menschen werden schikaniert, ausgegrenzt und niedergemacht. Das kann jeder und jedem passieren. In der Schule, am Arbeitsplatz oder im Seniorenzentrum. Selbst in der Bibel findet sich eine Vielzahl an Geschichten, in denen Menschen ausgegrenzt werden. Eine dieser Geschichten beschreibt, wie Jesus eine Frau am Dorfbrunnen trifft. (Johannes 4, 4-26) 

Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden und nach und nach kommt die Lebensgeschichte dieser Frau zum Vorschein. Die Frau hatte viele verschiedene Männer nachdem ihr Ehemann sie sitzen gelassen hatte. Sie konnte und wollte anscheinend nicht allein sein. Doch sie findet nicht, was sie sucht. Im Dorf ist sie ins Gerede gekommen. Die Leute meiden sie. Ich kann mir gut vorstellen, wie manche Bettgeschichte der Frau besonders ausgeschmückt oder weitere Gerüchte gestreut wurden. Vielleicht hat die Frau auch Gewalt erlebt. Oder ihr wurde welche angedroht. Kein Wunder also, dass sie ihren Mitmenschen aus dem Weg geht. Deshalb kommt sie erst in der Mittagshitze zum Brunnen, wenn dort sonst niemand mehr ist. Sie grenzt sich selbst aus, um nicht weiterhin ausgegrenzt zu werden. Aber an diesem Tiefpunkt ihres Lebens begegnet ihr Jesus. 

Er spricht sie an. Nimmt sie wahr. Verurteilt sie nicht. Im Gegenteil: er bietet ihr an, ihren Durst nach Leben zu stillen. Er will ihr „lebendiges Wasser“ geben. Das heißt: Er bietet ihr an, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Sich innerlich von den gehässigen Stimmen aus dem Dorf abzugrenzen und neue Stärke zu gewinnen.  

Ich bin überzeugt: die Begegnung mit Jesus hat das Leben dieser Frau verändert. Sie wurde aufgerichtet und befreit. 

Wenn ich diese Geschichte heute lese, frage ich mich: wo nehme ich wahr, dass Menschen ausgrenzt oder gemobbt werden? Wie kann ich für diese Menschen da sein und ihnen helfen aus der Opferrolle herauszutreten? 

Diese Fragen helfen mir, mein Umfeld und mich selbst zu hinterfragen und etwas zu verändern. Diese Geschichte ermutigt mich, mir ein Beispiel an Jesus zu nehmen und wachsam und aufmerksam durch meinen Alltag zu gehen – für eine Welt ohne Mobbing.

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23MRZ2020
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Abgewiesen werden tut weh. „Mein Freund hat mich verlassen. Und ich dachte wir würden so gut zusammenpassen…“ Das hat letztens eine Freundin zu mir gesagt. Sowas tut weh – egal, wie jung oder alt man ist. Abgewiesen werden tut weh. Am liebsten möchte man sich verkriechen. Oder alles hinschmeißen. Ich weiß, wie das ist. 

Wenn ich abgewiesen werde, hilft es mir zu beten. Ich spreche also mit Gott. Klage ihm mein Leid. Oder ich rede mit Freunden und Menschen, die mir guttun. Die mich ermutigen. Mir hilft es aber auch zu schauen, wie andere Menschen solche Situationen gelöst haben. 

In der Bibel gibt es zum Beispiel die Geschichte von einer Witwe. Jesus hat sie erzählt. Dieser Witwe ist Unrecht geschehen. Was genau ihr passiert ist, wird nicht erzählt. Aber es wird erzählt, wie die Witwe, um ihr Recht kämpft. Immer wieder geht sie zum Richter, um für ihr Recht zu streiten. Doch der Richter, interessiert sich weder für Gott noch für die Menschen. Aber unbeirrt liegt die Witwe ihm in den Ohren. Sie nervt richtig. Schließlich gibt der Richter nach und verhilft der Witwe zu ihrem Recht. Und Jesus beendet seine Geschichte, indem er sagt: Wenn schon ein ungerechter Richter sich erbarmt, dann könnt ihr euch darauf verlassen: Gott wird erst recht die Menschen annehmen, die er liebt. 

Das heißt: Jesus erzählt diese Geschichte, um zu zeigen: Wer für sein Recht oder für das Recht anderer streitet, der hat Gott auf seiner Seite.. Denn Gott weist niemanden ab, sondern nimmt jede und jeden an. 

Für mich heißt das: wenn ich mal wieder selbst abgewiesen werde, will ich mich daran erinnern, dass es weitergeht und dass Gott mich annimmt. Er weist mich nicht ab. Zu ihm kann ich kommen. Mit ihm reden, ihm mein Leid klagen und alles ablegen. Es ist ok, wenn ich über Abweisungen und Trennung frustriert bin. Aber genauso wichtig ist es, das Ganze loszulassen und neu zu starten. Ich will die Hoffnung dann nicht aufgeben. Ich vertraue darauf, dass Gott mich durch dieses Leid durchträgt und mein Leben in seinen Händen hält.

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