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08NOV2020
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Das Lied zum Sonntag ist heute ein Psalm. Diese Gebete der Bibel sind etwa zweieinhalbtausend Jahre alt. Immer wieder werden sie vertont und in alle Sprachen übersetzt. Der große jüdische Humanist Moses Mendelssohn rät seinen Zeitgenossen um 1790: „Wähle dir jeden Tag einen Psalm.“ Sein Enkel Felix Mendelssohn Bartholdy hat Jahrzehnte später viele Psalmen in Musik gesetzt. Auch diese Verse des Vertrauens aus Psalm 91: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 

Musik 1:      

Beginn der Version a cappella (Bernius)

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 

Moses Mendelssohn rät uns: „Wähle dir einen Psalm, wie er jetzt mit deinem Gefühlszustande übereintrifft“. Für heute habe ich Psalm 91 gewählt, ein Vertrauenslied. Felix Mendelssohn hat diese Worte direkt nach einem schockierenden Ereignis vertont. Im Juli 1844 war der preußische König Friedrich Wilhelm IV. nur knapp einem Attentat entronnen. Mendelssohn schreibt dem König, dass er davon gehört hat und dass ihm gleich diese Psalmworte in den Sinn gekommen sind: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten.“ Er schreibt sogar, dass er diese Worte jetzt einfach „in Musik setzen musste“. Aber nicht nur Könige kennen die Erfahrung, einer Not entronnen zu sein. In der Bibel erleben die Propheten wie zum Beispiel Elias immer wieder Gefahr und Rettung. Mendelssohn hat deshalb die achtstimmige Psalmvertonung, unser heutiges Lied zum Sonntag, als tröstende Musik in sein Oratorium „Elias“ eingebaut. Elias hört vom Himmel die Zusage der Engel: „… dass sie dich auf den Händen tragen“.

 

Musik 2 aus Mendelssohns Oratorium „Elias“ (Rilling)

… dass sie dich auf den Händen tragen …“
 

Auf schwierigen Wegen wünsche ich mir, dass ich nicht allein bin, sondern begleitet werde. Beruflich hat für mich als Hochschullehrer für Kirchenmusik gerade ein neues Semester begonnen, in dem auch Psalmvertonungen ein Thema sind. Bislang aber ist noch kaum absehbar, wie Vorlesungen und Seminare in Corona-Zeiten gelingen können. Vielen geht es in diesen Wochen so in ihrem Beruf. Uns allen, wie leicht oder wie schwer wir davon betroffen sind, wünscht dieser Psalm wie ein Tagesmotto, dass Engel uns „behüten auf allen Wegen“.

 

Musik 3        Schluss der Version a cappella (Bernius)

                  „… dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 

 

Quellen: 

Denn er hat seinen Engeln befohlen. Psalm für achtstimmigen gemischten Chor a cappella – aus: Jauchzet dem Herrn, alle Welt: Geistliche Chormusik - Sacred Choral Music

Mendelssohn Bartholdy, Felix; Unbekannt – Kammerchor Stuttgart; Bernius, Frieder (Dirigent)

 

Nr. 7: Denn er hat seinen Engeln befohlen. Doppelquartett aus: Elias Ein Oratorium nach Worten des Alten Testaments für Soli, Chor und Orchester, op. 70

Mendelssohn Bartholdy, Felix; Bach-Collegium Stuttgart; Rilling, Helmuth (Dirigient)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31996
24MAI2020
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Das Lied zum Sonntag heißt heute „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Noch bevor gesungen wird, schlägt der Pianist kraftvolle Akkorde an: 

Musik 1       

Ludwig van Beethoven: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ mit Stephan Genz (Barition) und Roger Vignoles (Klavier) – vier Akkordschläge des Klaviers; alle Klangbeispiele aus dieser Aufnahme 

Da kann man sich förmlich den Komponisten Ludwig van Beethoven am Klavier vorstellen. Ein Wort hebt Beethoven ganz besonders hervor. Beim Wort „Ehre“ verlangsamen Sänger und Pianist das Tempo, ja sie kommen absichtlich aus dem Takt, so als wollten sie plötzlich innehalten und sich vor der göttlichen Majestät verneigen:

Musik 2

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,

Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.

 

Den Liedtext hat Christian Fürchtegott Gellert verfasst. Er war ein berühmter Dichter und Philosoph der Aufklärungszeit. Ich stelle mir vor, wie Gellert die Bibel zur Hand nimmt und den Psalm 19 aufschlägt. Dort heißt es, dass alle Geschöpfe dem die Ehre geben, der sie erschaffen hat: Sogar „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Alles auf der ganzen Welt ist da, weil Gott es gewollt hat. Zu jedem Tier und zu jedem Menschen sagt er: Du sollst da sein! Es ist gut, dass es dich gibt. Und wer sollte da seinen Schöpfer nicht rühmen? 

Musik 3

Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere;

Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 

Die beiden Lied-Autoren Gellert und Beethoven waren äußerst begabt. Beide hatten aber auch mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Gellert wollte Prediger werden und ist an seiner Schüchternheit gescheitert. Beethoven hat furchtbar darunter gelitten, dass er immer weniger hören konnte. Doch beide haben sich nicht entmutigen lassen, was mir imponiert: Gellert ist ein großer Gelehrter geworden. Er hat nicht auf der Kanzel gewirkt, sondern am Rednerpult. Beethoven hat auch nach dem Verlust seines Gehörs weiter komponiert und seiner Musik anvertraut, wie fasziniert er von Gottes Schöpfung ist. Wer, wenn nicht Gott, so fragt unser Lied, ordnet die Sterne am Himmel und lässt die Sonne jeden Tag neu aufgehen?       

Musik 4

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?

Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt? 

Aber ist die Natur wirklich immer so schön und der Schöpfer nur zu loben – angesichts von Krankheiten und Naturkatastrophen? In einem Brief schreibt Beethoven wörtlich: „Ich liege im Streit mit meinem Schöpfer.“ Er beklagt sich bei Gott, „dass oft die schönste Blüte vernichtet und zerknickt wird“. Auch mir fehlen kluge Antworten, warum das so ist. Am meisten aber spricht mich an, dass unser Lied am Ende zum Vertrauen aufruft. Die Botschaft heißt: „Mir, ruft der Herr, mir sollst du vertraun“. Ohne Vertrauen kann ich nicht leben. Und wenn es einmal brüchig wird, dann können sogar der Blick zum Himmel und dieses optimistische Lied mir zu Herzen gehen und mir neue Kraft geben. 

Musik 5                

Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre!

Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun.

 

-------

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757 („Geistliche Oden und Lieder“)

Musik: Ludwig van Beethoven 1803 („Die Ehre Gottes aus der Natur“, op. 48,6)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30970
26APR2020
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Musik 1 – Johann Sebastian Bach: Leipziger Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“  

Das Lied zum Sonntag heißt heute „Schmücke dich, o liebe Seele“. Es stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Viele Komponisten haben diesen Choral vertont. Johann Sebastian Bach hat ein Orgelstück und eine Kantate dazu komponiert. Bachs Orgelklänge wirken auf mich in sich ruhend, erwartungsvoll und tröstlich. Auch der Romantiker Felix Mendelssohn Bartholdy war begeistert von diesem Lied und von Bachs Orgelstück. Er hat dazu gesagt: „Wenn mir im Leben alles genommen würde, dann könnte allein dieser Choral es mir wiederbringen“.

Schmücke dich, o liebe Seele,
Lass die dunkle Sündenhöhle,

Komm ans helle Licht gegangen,

Fange herrlich an zu prangen!

Denn der Herr von Heil und Gnaden

Will dich jetzt zu Gaste laden.

Der den Himmel kann verwalten,

Will jetzt Herberg in dir halten. 

Das Lied erzählt von einer Begegnung, von einem Besuch. Jemand geht zum Abendmahl und empfängt im Gottesdienst die Kommunion. Der Liederdichter –er heißt Johann Frank – greift zur Sprache der Liebenden mit immer neuen Bildern: Jesus klopft an mein Herz und wartet, bis es sich öffnet. Da heißt es: „Ermuntre dich, dein Heiland klopft; ach, öffne, öffne bald die Herzenspforten“. 

Musik 2 – Johann Sebastian Bach: Arie „Ermuntre dich“  

Das Lied „Schmücke dich, o liebe Seele“ ist voller Erwartung. Ein Lied, das meine Sehnsucht ausdrückt, dass ich berührt werden möchte, dass ich anderen begegnen will. Das Lied verschweigt aber auch das Dunkle und Traurige nicht. Der Versuch, jemandem zu begegnen kann auch scheitern. Während der Corona-Krise müssen viele zu Hause bleiben, das kann richtig weh tun. Ich vermeide es schon seit Wochen, meine 90jährige Mutter zu besuchen. Selbst an Ostern war das leider so. Und am heutigen Sonntag fällt in vielen katholischen Kirchen die längst geplante Erstkommunion aus. Statt Freude immer noch Warten! Oder doch vielleicht schon etwas Vorfreude?

Musik 3 – Johann Sebastian Bach: Leipziger Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ 

Wenn ich das Lied „Schmücke dich, o liebe Seele“ höre oder singe, wird mir bewusst, wie wichtig Begegnungen sind. Meine Vorlesung an der Musikhochschule will ich endlich wieder „live“ halten und nicht für die Studierenden ins Internet stellen müssen, weil wir uns ja noch nicht wieder im Hörsaal treffen dürfen. Manchmal ist meine Ungeduld stärker als die Vorfreude. Aber das Lied hilft mir, das Warten auszuhalten und es in manchen Momenten vielleicht sogar ein bisschen zu genießen. Am Ende spricht der Liederdichter von der intensivsten Begegnung, die es geben kann. Das ist die Berührung von Erde und Himmel. Die letzten Worte sind ein Wunsch. Er heißt:

… dass ich auch, wie jetzt auf Erden
Mög ein Gast im Himmel werden.

Auf für diese Hoffnung hat Johann Sebastian Bach ausdrucksstarke Töne gefunden! 

Musik 4 – Johann Sebastian Bach: letzte Takte des Schlusschorals der Kantate „Schmücke dich, o liebe

 

Quellen: SWR-Archiv: J. S. Bach. Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ (BWV 654). Ewald Kooiman, Orgel .M0470673(AMS); SWR-Archiv: J. S. Bach: Kantate „Schmücke dich, o liebe Seele“. Bachstiftung St. Gallen unter Leitung von Rudolf Lutz M0392265(AMS)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30788
08DEZ2019
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Wie aus weiter Ferne kommt unser heutiges Lied zum Sonntag. Immer näher kommt es, Schritt für Schritt und Ton für Ton. Bald versteht man den Refrain. Es ist ein uralter Ruf, um jemanden zu begrüßen: „Kyrie eleison“ – Herr, erbarme dich. Man könnte auch übersetzen: Wende dich mir zu, gib dich zu erkennen!  

„Jesus und Maria“ gilt der Gruß des Liedes. Ein jüdisches Mädchen mit ihrem noch ungeborenen Kind. Die drei Strophen erzählen die Geschichte, wie Maria ihre Cousine Elisabet besuchen möchte. Aber der „Dornwald“ macht es ihr nicht leicht, ihr Ziel zu erreichen. Ein Dickicht aus Gestrüpp und Dornen, grau und unwegsam. Um diese triste Stimmung zu bekräftigen, singt das Lied davon, dass dieser Wald schon sieben Jahre ohne Laub und gewiss auch ohne Blüten ist.  

Maria durch ein Dornwald ging.

Kyrie eleison.

Maria durch ein Dornwald ging,

der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.

Jesus und Maria. 

Das Lied gleicht einem dreiteiligen Altarbild, einem „Triptychon“: Drei Bilder ergeben eine Einheit. Das erste ist der unfruchtbare Dornwald. Das zweite stellt eine Frage, wie ein Rätsel: „Was trug Maria unter ihrem Herzen?“ Die Antwort heißt: „Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen.“ Das dritte Bild ist dann das wichtigste. Denn nun geschieht etwas Unerwartetes. Urplötzlich antwortet die Natur, wenn die schwangere Maria ihren Weg sucht. Die Dornhecken fangen an zu blühen, Rosen sprießen heraus und begrüßen so „Jesus und Maria“.  

Da haben die Dornen Rosen getragen.   

Kyrie eleison.

Als das Kindlein durch den Wald getragen,

da haben die Dornen Rosen getragen.

Jesus und Maria. 

Beim ersten Hören kann ich kaum glauben, was das Lied erzählt. Erst wenn ich mich in das Bild vertiefe, spüre ich eine Resonanz. Es erinnert mich an schwierige Situationen, mit dornigen Problemen. Auf meinem beruflichen Weg habe ich nicht immer klar gesehen, wo es hingehen soll. Und doch hat sich mancher Umweg im Nachhinein als sinnvoll herausgestellt. Weil irgendwann die Steine aus dem Weg geräumt waren und Fähigkeiten, die jahrelang brach gelegen hatten, plötzlich aufblühen konnten. So wie das Lied sich in der dritten Strophe in höchste Höhen aufschwingt, musikalisch aufblüht, weil die Dornen nun Rosen tragen. Und so erlebe ich auch diese Wochen der Adventszeit: als ein geduldiges Warten, ob manche Dornen nicht vielleicht bald Rosen tragen.  

Da haben die Dornen Rosen getragen.   

Kyrie eleison.

Als das Kindlein durch den Wald getragen,

da haben die Dornen Rosen getragen.

Jesus und Maria. 

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15SEP2019
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(Gotteslob Nr. 478)

Musik 1 – Intro „Ein Haus voll Glorie schauet“  – Klavier 

Das Lied zum heutigen Sonntag klingt festlich und majestätisch. Es heißt „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“. Und es ist ein Lied der Sehnsucht. Sein Verfasser Joseph Mohr gehörte dem katholischen Jesuitenorden an, der in der Zeit des Kulturkampfes unter Bismarck in Deutschland verboten wurde. Deshalb lebte Mohr im Exil in Belgien, als er 1875 dieses Lied schrieb. Getröstet hat ihn der Gedanke an seine Heimat: Siegburg bei Köln. Dort thront tatsächlich auf dem Michaelsberg die große Benediktinerabtei, die wie ein „Haus voll Glorie“ über die weite Landschaft blickt.

Musik 2 – Strophe 1 (in den Fassungen 1875 und 1972 identisch) – Klavier und Gesang 

Ein Haus voll Glorie schauet

weit über alle Land,

aus ewgem Stein erbauet

von Gottes Meisterhand.

Gott, wir loben dich,

Gott, wir preisen dich.

O lass im Hause dein

uns all geborgen sein. 

Ist die Kirche ein Ort der Geborgenheit? Ja und Nein. Oft habe ich sie so erfahren. Allzu oft aber scheitert sie an diesem Anspruch. Das „Haus voll Glorie“ hat „Leichen im Keller“. Können wir da noch von der Kirche als einem prächtigen Palast singen, oder gar – wie es in einer Strophe von Joseph Mohr heißt - vom „heiligen Streit“ mit bösen Feinden, zu dem wir eilen sollen? 

Musik 3 – Strophe 7 der originalen Fassung 1875 (ohne Refrain) – Klavier und Gesang 

Auf, eilen liebentzündet

auch wir zum heil’gen Streit;

der Herr, der’s Haus gegründet,

uns ew’gen Sieg verleiht. … 

Ich verstehe jeden, dem die triumphierenden Klänge dieses Liedes im Hals stecken bleiben. Dennoch will ich das „Haus voll Glorie“ nicht einfach abreißen. Besser scheint mir, wenn Kirche und Lied von Zeit zu Zeit renoviert werden. Eine solche „Renovation“ unseres Liedes gab es tatsächlich vor etwa fünfzig Jahren. Etliche alte Strophen mussten damals weichen und Platz machen für ein neues Bild von der Kirche: Sie ist „Gottes Zelt auf Erden“. 

Musik 4 – Strophe 4 der erneuerten Fassung 1972 (ohne Refrain) – Klavier und Gesang 

Seht Gottes Zelt auf Erden!

Verborgen ist er da;

in menschlichen Gebärden

bleibt er den Menschen nah. … 

Dieses Lied singe ich gern. Es erinnert mich daran, dass es viele Bilder von der Kirche geben darf: die schützende Burg, aber auch das Zelt. Meine Lieblingsstrophe nimmt die Zukunft, das „Ziel“ der Welt in den Blick. Die Bibel nennt es das „himmlische Jerusalem“. Und das ist wirklich ein „Haus voll Glorie“, in dem das „Halleluja“ ohne Ende erklingt. Eine himmlische „Haus“-Musik, auf die ich mich freue. 

Musik 5 – Strophe 5 der erneuerten Fassung 1975 – Klavier und Gesang 

Sein wandernd Volk will leiten

der Herr in dieser Zeit;

er hält am Ziel der Zeiten

ihm dort sein Haus bereit.

Gott, wir loben dich,

Gott, wir preisen dich.

O lass im Hause dein

uns all geborgen sein.

 

Titel/Lied:

Ein Haus voll Glorie schauet

Text: Joseph Mohr 1875 und Hans W. Marx 1972 (= Pseudonym für eine von Friedrich Dörr geleitete Liederkommission zum Gotteslob 1975;

Musik: Joseph Mohr 1875

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29394

Heute früh, seit sechs oder sieben Uhr, ist an manchen Orten schon recht viel los. Fleißige Hände bauen im Freien Altäre auf und legen davor farbenfrohe Teppiche mit den Blüten von Blumen. Darauf sind biblische Motive zu sehen: zum Beispiel Brot in einer Schale, oder ein Kelch, gefüllt mit Wein. All dies prägt das Fest Fronleichnam, das ich nicht missen will im Kirchenjahr. Eigentlich war es schon am vergangenen Donnerstag. An vielen Orten aber feiern katholische Gemeinden es erst heute, so auch in dem kleinen Schwarzwalddorf, in dem ich wohne. Und mit dazu gehört Mozarts Chorstück „Ave verum corpus“, die berühmteste Fronleichnamsmusik aller Zeiten.

Musik 1 –
W. A. Mozart: „Ave verum corpus“ (Beginn)
Ave verum corpus natum
de Maria virgine …

Sei gegrüßt, wahrer Leib,
den die Jungfrau Maria geboren hat …

Das Wort „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt wörtlich übersetzt: lebendiger, herrlicher, wahrer Leib. Nichts Totes also, sondern das pralle Leben. Gern würde ich eine Fronleichnams-Zeitreise unternehmen. Mein Ziel wäre die Uraufführung von Mozarts Fronleichnamsmusik im Jahr 1791 in der Kirche St. Stephan im kleinen Kurort Baden, südlich von Wien. Für diesen dörflichen Kirchenchor hat Mozart das mittelalterliche Gebet „Ave verum corpus“ – „Wahrer Leib, o sei gegrüßet“ – in verhaltene, ja ehrfürchtige Töne gefasst. Welche feierliche Stimmung hat damals die Uraufführung geprägt? Bestimmt war Weihrauch zu riechen und die Schellen der Ministranten waren zu hören, vielleicht auch das Geläut der Glocken. Und die Gemeinde hat gewiss gekniet, als Mozarts musikalischer Gruß an die Hostie erklungen ist, in der uns Christus begegnet.

Musik 2 –
„Ave verum corpus“ mit Vienna chamber ensemble (instrumentale Version),

dazu die freie Übertragung ins Deutsche:

 „Ave verum corpus“ – Sei gegrüßt, wahrer Leib,
den die Jungfrau Maria geboren hat,
sei gegrüßt, du Leib, der gelitten hat und
am Kreuz gestorben ist für uns Menschen.
Leib, am Kreuz mit einer Lanze durchbohrt,
so dass Wasser aus der Seitenwunde floss und Blut;
Leib, an den die kostbare Hostie uns heute erinnert,
Brot, das uns stärken will, auch am Ende des Lebens,
in der Prüfung des Todes – „in mortis examine“.

In dieser Musik höre ich den Sinn für das Kostbare. Kostbar ist der „Leib des Herrn“, den Mozart hier so innig begrüßt. Kostbar sind Leib und Leben jedes Menschen, auch das unausweichliche Sterben, das in den letzten Takten der Musik so ausdrucksvoll anklingt. Ein halbes Jahr vor seinem eigenen frühen Tod vereint Mozart hier Lebenslust und Sterbekunst. So wie das Fest Fronleichnam die Erinnerung an Jesu Leiden, an seinen Tod und seine Auferstehung, mit den hellen Farben des Sommers malt.

Musik 3 –
W. A. Mozart: „Ave verum corpus“ (Schluss)
 … esto nobis praegustatum in mortis examine.

… sei uns ein Vorgeschmack (auf das himmlische Gastmahl)
in der Prüfung des Todes.

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Wolfgang Amadeus Mozart: „Ave verum corpus“ KV 618
(eine deutsche Übertragung des Textes im Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg Nr. 877)

Quellen:       

CD W. A. Mozart. Requiem und Ave verum corpus. Chor des Bayerischen Rundfunks und Münchener Kammerochester. Leitung: Alexander Liebreich.
SWR-Archiv. W. A. Mozart. Ave verum corpus. The Vienna chamber ensemble.

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28910

Musik 1 – Refrain „Halleluja“ – Klavier, Gesang, Klavier

„Halleluja“ ist ein Jubelruf, ein besonderes Wort. Es ist hebräisch und bedeutet „Lobt Gott“. Man kann es aber ganz unterschiedlich betonen: Heißt es „Hallelúja“? Oder „Hálleluja“ wie in Georg Friedrich Händels „Messias“? Oder „Hallelujá“ wie im heutigen Lied zum Sonntag. Die Betonungen werden „ver-rückt“. So wie am Ostermorgen der Stein vor Jesu Grab – auch er ist weggerückt.

Musik 2 – Strophe 1

Seht, der Stein ist weggerückt,
nicht mehr, wo er war;
nichts ist mehr am alten Ort,
nichts ist, wo es war.
Halleluja, halleluja, …

Lothar Zenetti, der „Frankfurter Dichter-Pfarrer“, der vor wenigen Wochen gestorben ist, hat vor bald 50 Jahren diesen Text verfasst. Ostern heißt für Zenetti, dass alles, was vertraut ist, ins Wanken gerät: „Grab“ ist „nicht mehr Grab“, und „nichts ist“ mehr so, „wie es war“. Da frage ich mich: Woran kann ich mich noch festhalten, wenn sich nicht nur dies oder jenes verändert, sondern schlichtweg alles?

Musik 3 – Strophe 2

Seht, das Grab ist nicht mehr Grab,
tot ist nicht mehr tot.
Ende ist nicht Ende mehr,
nichts ist, wie es war.

„Ende ist nicht Ende mehr“, behauptet dieses Lied. Wenn ich zurückblicke auf eigene Erfahrungen, dann war manches Ende ein schmerzlicher Verlust. Beruflich zum Beispiel, als ich mit der Wissenschaft an der Universität aufgehört habe. Aber mancher Schlusspunkt hat den Weg frei gemacht für einen neuen Anfang. Weil ich frei wurde für Neues, ohne es schon zu kennen. Das Neue war dann eine gute, eine österliche Erfahrung.

Musik 4: Klavier Refrain

In unserem Lied spielen sogar einige Töne verrückt. Der Rottenburger Kirchenmusiker Walter Hirt führt die Melodie auf neue Wege. Eigentlich klingt die Tonleiter so:

Musik 5 – D-Dur

Doch wenn die Töne „weggerückt“ werden, etwa so wie Jesu  Grabstein, dann klingt es so:

Musik 6 – Fis-Dur

Ostern ist für mich wie eine neue Melodie. Im Halleluja höre ich sie besonders klangvoll. So ein Halleluja, das immer wieder anders betont werden kann, ermutigt mich, auch die Schwerpunkte in meinem Leben zu verrücken. Im Büro etwa stürzt so manches auf mich ein, was möglichst sofort erledigt werden muss, und ich will ja nicht „Nein“ sagen. Dabei wäre es besser, wenn ich mir selber klare Ziele setze und dran bleibe, Schritt für Schritt. Mit diesem Lied hoffe ich, dass Jesus mit mir geht, auch auf steinigen Wegen, und dass er uns allen vorausgeht. Grund genug, ins „Halleluja“ mit einzustimmen.

Musik 7 – Strophe 3  mit Nachspiel

Seht, der Herr erstand vom Tod,
sucht ihn nicht mehr hier,
geht mit ihm in alle Welt,
er geht euch voraus.
Halleluja, halleluja, …

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Lothar Zenetti / Walter Hirt: „Seht, der Stein ist weggerückt“
(Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg Nr. 800)
SWR-Aufnahme im Studio Freiburg, Schlossbergsaal, am 24. April 2019 mit Eduard Wagner (Gesang) und Jörg Josef Schwab (Klavier)

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28562

Musik 1                  Vorspiel Klavier (Michael Gees)

Musik von Johann Sebastian Bach gefällt mir eigentlich immer. Beim Lied „Komm, süßer Tod“ jedoch spüre ich eine Art von Hassliebe. Bachs Melodie ist ausdrucksvoll, und die Harmonien funkeln in leuchtenden Farben. Probleme aber bereitet mir der Text: Warum soll ich, wenn ich so gern lebe, den Tod willkommen heißen? Das heutige Lied zum Sonntag geht mir nicht so leicht von den Lippen. Die erste Strophe heißt:

„Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh!              
Komm, führe mich in Friede,
weil ich der Welt bin müde.
Komm, ich wart auf dich, komm bald und führe mich,
drück mir die Augen zu,     
komm selge Ruh!“   

 

Musik 2                  Bach-Strophe 1 mit Christoph Prégardien und Michael Gees

Johann Sebastian Bach war mit dem Tod vertraut: mit neun Jahren hat  er seine Mutter verloren, im Jahr darauf auch den Vater. Viele Schicksalsschläge hat er verkraftet. Und trotzdem spricht aus seiner Musik pure Lebensfreude. Aber er hat auch das Lied „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh“ komponiert. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Lebenslust für Bach ebenso wichtig war wie der Gedanke daran, sterben zu müssen. Und wie die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Weil Jesus selbst das letzte Wort spricht. Er hat nämlich gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Damit meint er das ewige Leben, in dem Gott selbst alle Tränen trocknet. Und wenn dieses Leben kommt, war der Tod ja vielleicht wirklich süß.

 

Musik 3             Knut Nystedt: „Immortal Bach“ für Chor a cappella

                         Beginn: „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh, komm, führe mich in Friede“

Spätere Komponisten haben Bachs Lied „Komm, süßer Tod“ musikalisch bearbeitet, sozusagen daran weiter komponiert. Der Norweger Knut Nystedt hat aus dem Solo-Lied einen vielstimmigen Chorsatz gemacht. Und dabei kam ihm die Idee, dass die Sängerinnen und Sänger kein einheitliches Tempo brauchen. Jeder wählt sein eigenes Tempo – so wie jeder sein eigenes Leben lebt. Auf diese Weise entstehen Zusammenklänge, die vielleicht auch Bach gefallen hätten.

 

Musik 4                Knut Nystedt: „Immortal Bach”

                            Liedzeile „Komm, selge Ruh” (unter dem Text bis Schluss des Beitrags)

 

„Immortal Bach“ – Unsterblicher Bach –, so heißt dieses Chorstück über Bachs Lied. Unsterblich will ich gar nicht sein. Aber es ist mir wichtig, Lebenslust und recht verstandene Sterbekunst gut auszubalancieren. Auf meinem Lebens-Weg darf es auch Brüche geben und manche schrägen Klänge, so wie in dieser Musik. Dass der Chor am Ende jeder Zeile den erlösenden Schlusston findet, gibt mir Hoffnung für mein eigenes Ende. Nicht zu oft, aber auch nicht zu selten will ich an das Ende denken: mit Lebenslust im Herzen, aber auch mit Johann Sebastian Bachs komponierter Sterbekunst im Ohr.

Musik 3                Knut Nystedt: „Immortal Bach“

                            auf dem Schlusston langsam ausklingende Zeile „Komm, selge Ruh“

 

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Worte: unbekannter Autor der Barockzeit (um 1720/30); Musik: Lied für Solostimme und Generalbass aus dem „Schemelli-Gesangbuch“ von Johann Sebastian Bach BWV 478 (1736) und dessen chorische Bearbeitung „Immortal Bach“ von Nnut Nystedt (1988) für gem. Chor a cappella

 

Quellen:       

aus dem SWR-Archiv: M0510809 01-002 Johann Sebastian Bach / unbekannter Textdichter: „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh“ BWV 478. Geistliches Lied für Singstimme und Basso continuo. Christoph Prégardien (Gesang) und Michael Gees (Klavier)

CD „Choral Works for 40 voices“. Rundfunkchor Berlin unter Leitung von Simon Halsey. Daraus Track 7: Knut Nystedt (geb. 1915): „Immortal Bach“ für gem. Chor a cappella nach Bachs Lied „Komm, süßer Tod“

Label: Harmonia mundi France, LC 7045

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27463

(Gotteslob 396 ö)  

Musik ist ein Geschenk. Wer ein Lied komponiert oder am Klavier darüber improvisiert, der beschenkt seine Hörer. Für unser heutiges Lied zum Sonntag gilt das ganz besonders. Ein Seelsorger im Waisenhaus von Zürich – Georg Gessner heißt er – schenkt es vor über 200 Jahren den Kindern dort, für die er verantwortlich ist. Es ist ein Abschiedsgeschenk, mit etwas Wehmut vielleicht. Georg Gessner verlässt nämlich um Weihnachten 1794 das Waisenhaus an der Limmat, um eine neue Stelle am Zürcher Fraumünster anzutreten. Und da vergisst er es nicht, seine Schützlinge dazu zu ermuntern, Gott froh zu loben. So bleibt er mit ihnen – so sein Wunsch – über den Abschied hinweg verbunden. 

„Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre!

Er höret gern ein Lied zu seiner Ehre:

Lobt froh den Herrn, lobt froh den Herrn!“ 

Freude – so heißt der Grundton des Liedes. Den Kindern im Züricher Waisenhaus ist das „frohe Lob“ gewiss nicht immer leicht gefallen. Auch mir bleibt die Freude manchmal förmlich im Hals stecken. Wenn ich an Gott zweifle oder an mir selbst, dann will mir kein freudiges Lob über die Lippen kommen, sondern eher ein Klagelied. In vielen Situationen aber kann Musik mich ermutigen oder trösten. Nicht nur beim Hören, sondern vor allem dann, wenn ich Musik mache. Besonders beim Singen erlebe ich glückliche Momente, wenn nicht nur der Mund singt, sondern irgendwie alles in mir. Und dazu fordert unser Lied auf, wenn es heißt: „Vom Preise voll lass unser Herz dir singen“.                                                                          

"Vom Preise voll lass unser Herz dir singen!

Das Loblied soll zu deinem Throne dringen:

Lobt froh den Herrn, lobt froh den Herrn!“ 

Auch die Musik unseres Liedes kommt aus Zürich. Um das Jahr 1800 wirkt dort Hans Georg Nägeli. Er komponiert und dirigiert, leitet Chöre und hält Vorlesungen über Musik. Nägeli ist ein überaus talentierter Pädagoge. Mit seiner Melodie zu unserem Lied sollen Schweizer Schulkinder das Singen lernen. Im schwungvollen Dreivierteltakt und sogar zweistimmig, wie wir es jetzt am Klavier angedeutet hören. 

Hans Georg Nägelis zweistimmige Version des Liedes aus der „Gesangbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen“ 

Im Singen können wir uns gegenseitig beschenken. Und wenn ich in das Lob der „jugendlichen Chöre“ einstimme, spielt es kaum eine Rolle, wie alt ich nach Jahren bin. In der letzten Strophe gelingt den beiden Autoren aus Zürich dann noch eine wunderbare Steigerung. Wenn wir ein kleines Lied singen, dann hoffen wir schon auf die „tausend Weisen“ der himmlischen Musik – ein klangvolles Bild für das Glücklichsein bei Gott, dem Vater. Wenn etwas davon hier und heute schon erlebbar wird – in kostbaren Momenten der „Seligkeit“ – dann schenkt Musik uns das Schönste, was es geben kann. Mitten in der Zeit schlägt sie eine Brücke zur Ewigkeit. 

 „Einst kommt die Zeit, wo wir auf tausend Weisen,

–  o Seligkeit! – dich, unsern Vater, preisen

von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

 

Worte: Georg Gessner, Zürich 1794; Melodie: Hans Georg Nägeli, Zürich 1815

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27149

Das Lied zum Sonntag ist heute kein klassisches Kirchenlied, sondern ein Song von Leonard Bernstein. Es stammt aus einer musical-artigen Messe. Bernstein war Pianist, hat dirigiert und komponiert – ein wahres Multitalent. Seine Botschaft heißt „Musik ist gar nicht so schwierig, wie du denkst“. Und mit diesem Song möchte er wohl sagen: Mach deinen Glauben an Gott nicht so kompliziert. Sing dem Höchsten ein schlichtes Lied, so wie früher die Psalmensänger: „Sing God a simple Song“. 

 

Musik 1                Sing God simple Song: Lauda, laude,

                            Make it up as you go along, Lauda, laude,

                            Sing like you like to sing.

                           God loves all simple things,

                           For God is the simplest of all. 

Übersetzt heißt das: „Gott liebt alle einfachen Dinge, denn er selber ist ganz einfach, einfacher als alles andere“. Stimmt das eigentlich: „God is the simplest of all“? Ich weiß es nicht. Als Theologe denke ich über Gott nach. Und manchmal verstricke ich mich regelrecht im Gewirr meines Denkens. Wie in einer höchst komplexen Musik, die mich überfordert, weil ich gar keine Melodie mehr höre. Auch solche Musik hat Bernstein in seiner musical-artigen „Messe für Sänger, Spieler und Tänzer“ komponiert: wirr, komplex und kompliziert: 

Musik 2                  L. Bernstein: „Kyrie“ aus „Mass“   

Mir gefällt auch diese Musik! Ich habe großen Respekt vor jedem, der so etwas singen und spielen oder sogar erschaffen kann. Manchmal denke und – schlimmer noch – manchmal glaube ich so, wie diese Musik klingt: kompliziert. Gott ist vielleicht ganz einfach. Aber auf meinen Wegen, ihn zu suchen, gibt es oft Umwege, Sackgassen und Irrwege. Und dann sehne ich mich nach einem einfachen Lied, wie es Leonard Bernstein gelungen ist. 

Musik 3                  L. Bernstein: A Simple Song: “Blessed is the man …”  

Blessed is the man who loves the Lord,

Blessed is the man who praises Him

Lauda, lauda, laude

And walks in His ways. 

Übersetzt heißt es im Text: „Glücklich, ja selig ist, wer Gott liebt und auf seinen Wegen geht; Lauda, lauda, laude …“ – Ein einziges Wort wird immerzu wiederholt: 

Musik 4                  „Lauda, lauda, laude …“               

… fast lallend, wie aus Kindermund, klingt dieses Lob Gottes. Eine Stimme fängt an, und die anderen können es kaum erwarten, bis auch sie dran sind und ein großer Klang entsteht: viele Stimmen, die den einen Gott loben. Wie eine Himmelsmusik, die gar nicht mehr aufhören will: 

Musik 5                  L. „Secret Songs“ aus „Mass“:

Kanon „Lauda, lauda, laude …“        

Aus dem einfachen musikalischen Thema entsteht ein mächtiger Klang. Leicht und zugleich kraftvoll. So leicht wie in dieser Musik geht es meistens nicht zu in meinem Leben. Gerade ärgere ich mich über die vielen Fehler, die noch zu korrigieren sind im Buch, das ich gerade schreibe. Die Einfachheit ist gar nicht so einfach, im Leben nicht und auch im Glauben. Aber Leonard Bernsteins „simple Song“ bringt mich der Einfachheit vielleicht wieder einen Schritt näher. Jeden Tag – „all of my days …“ – „… sing God a simple song“, spielt am Ende nochmals die Flöte, damit ich es ja nicht vergesse. 

Musik 6                  Leonard Bernstein: „Sing God a simple Song all of my days …“ 

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