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05NOV2021
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Es gibt so Vieles, für das ich dankbar sein kann. Aber an manchen Tagen kann ich das einfach nicht sehen. Dann sehe ich nur das, was mir Sorgen macht und was mich bedrückt. Die Probleme. Die Ängste. Was mir fehlt. Aber wenn ich mich dann hinsetze und nachdenke, dann wird mir klar: Es gibt viel mehr in meinem Leben, für das ich dankbar bin, als Anlässe, zu klagen.

Ich bin dankbar, dass ich morgens ohne fremde Hilfe aus meinem Bett steigen kann. Überhaupt, dass ich ein Bett habe und ein festes Dach über dem Kopf. Millionen Menschen haben das nicht. Ich bin dankbar, dass ich warmes Wasser und eine Dusche habe. Dankbar für die Frau, die mir jeden Morgen die Zeitung bringt. Ich bin dankbar für den Bäcker, der mitten in der Nacht aufsteht, damit ich morgens frisches Brot habe. Dankbar bin ich auch für die Männer von der Müllabfuhr, die meinen Müll abholen. Es gibt Länder, da verrottet der Müll am Straßenrad und Kinder spielen zwischen Abfall und Schrott. – Ich bin auch dankbar für die ältere Frau, die seit über 20 Jahren regelmäßig für mich betet. Welch eine Treue! Und ich bin dankbar für den Ingenieur, der sich um mich gekümmert hat, als ich ein Jugendlicher war. Er hatte immer ein offenes Ohr für mich und von ihm habe ich den Glauben an Gott gelernt. Dankbar bin ich auch für den Theologieprofessor in Heidelberg, zu dem ich gehen konnte als ich im Studium eine Glaubenskrise hatte. Er hat mir geholfen Glauben und Denken zusammen zu bringen. – So könnte ich noch lange weitererzählen. Wenn ich nachdenke fällt mir immer mehr ein, wofür ich dankbar bin. Vielen Menschen verdanke ich viel.

Und so wird mir klar: Es kommt auf die Perspektive an. Es kommt darauf an, worauf ich meinen Blick und meine Gedanken richte. Wenn ich das anschaue, was mir Sorgen macht, werde ich unglücklich und fange an zu jammern und zu klagen. Aber ich kann auch auf das schauen, was ich im Leben geschenkt bekommen habe. Und täglich immer noch geschenkt bekomme. Dann werde ich dankbar.

Und meine Dankbarkeit hat auch ein Ziel. Im Psalm 136 heißt es: „Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewig.“ (Ps 136,1)  Das will ich tun. Was mir Sorgen macht, will ich Gott klagen. Aber meine Dankbarkeit will ich ihm genauso bringen.

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04NOV2021
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Manchmal träume ich davon, reich zu sein. Zum Beispiel wenn wieder so eine Mail auf meinem Computer erscheint mit der Nachricht: „Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden ausgewählt, eine Millionen US-Dollar zu erhalten“. Wenn ich dann weiterlese erfahre ich, dass irgendwo in Südamerika ein Milliardär gestorben sei, der keine Erben hatte. Und nun wird sein Milliardenvermögen per Zufall an Menschen auf der ganzen Welt verschenkt. Wenn ich gleich die Anwaltskosten von 3.000 Euro überweise, bekäme ich auch einen Teil davon. Solche Mails bekomme ich öfter und ich weiß natürlich, dass das Betrug ist. Da will jemand nur meine 3.000 Euro, sonst nichts. Hoffentlich fällt darauf niemand herein.

Aber einen kleinen Moment lang möchte ich das mit dem vielen Geld trotzdem glauben. Wäre das nicht toll, wenn es diesen angeblichen Milliardär wirklich gäbe und wirklich eine Millionen Dollar für mich bereit lägen? Ich fange an zu träumen. Und ich glaube, viele von uns sind für so einen Traum empfänglich.

Jesus hat das Herz von uns Menschen gekannt. Jesus wusste, dass viele von uns vom großen Geld und Reichtum träumen. Darum hat er einmal folgende Geschichte erzählt: Ein Bauer wollte reich sein. Darum hat er viele Scheunen gebaut und sie alle mit seinem Korn gefüllt. Als sie voll waren, da hat der Bauer gesagt: „Jetzt kann ich beruhigt sein und mein Leben genießen“. Aber in der folgenden Nacht starb er. Jesus hat dazu gesagt: „So geht es Menschen, die hier auf der Erde reich sein wollen, aber bei Gott nicht reich sind.“ (Lk 12,16-21)

Und ich mit meinen Träumen vom großen Geld? Wer weiß, was ich davon ausgeben könnte, wenn ich es hätte. Am Ende meines Lebens kann ich jedenfalls keinen Reichtum mitnehmen.  „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. Also will ich lieber nicht träumen, sondern das Leben anpacken, so wie es ist. Dabei kann ich mir aber offenbar einen Reichtum im Himmel ansammeln. So sagt Jesus. Ich sammle Schätze im Himmel, wenn ich einem anderen Menschen etwas Gutes tu. Wenn ich barmherzig bin. Wenn ich andere nicht verurteile. Wenn ich Menschen, die meine Hilfe brauchen, beistehe. Für sie bete. Sie ermutige. Sie tröste. Jedes Mal, wenn ich das tue, vermehrt sich mein Reichtum im Himmel. Und der geht nie verloren.

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03NOV2021
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Heute am 3.November ist „Hubertustag“. In manchen Gegenden finden Hubertusjagden statt und in katholischen Gebieten gibt es mancherorts „Hubertusmessen“, also Gottesdienste für den heiligen Hubertus. Aber kennen Sie Hubertus? Ich habe erst mal nachschlagen müssen. Hubertus ist in der katholischen Kirche der Schutzpatron der Jäger und Jagdhunde. Wie es dazu gekommen ist? Nun, Hubertus lebte im 8. Jahrhundert als Pfalzgraf am Hof des fränkischen Königs ins Paris. Es wird erzählt, dass er gerne auf die Jagd gegangen ist. So gerne, dass er das gegen alle guten Sitten auch an Feiertagen tat. Es war an einem Karfreitag. Hubertus war wieder auf der Jagd als vor ihm ein prachtvoller Hirsch aus dem Gebüsch hervorgebrochen ist. Hubertus wollte bereits auf ihn schießen, als er plötzlich im Geweih des Hirsches ein leuchtendes Kreuz gesehen hat. Dann hat eine Stimme gehört: „Hubertus, ich bin Jesus, der dich erlöst hat. Warum verfolgst du mich?“ Man kann sich vorstellen, dass es damit mit der Jagd vorbei war. Hubertus bekehrte sich zu Jesus und ging nie wieder an Feiertagen jagen, sondern ab sofort in die Kirche.

Natürlich ist das eine fromme Legende, sich nicht beweisen lässt. Aber ganz egal, ob sie stimmt oder nicht, mich bringt sie ins Nachdenken. Redet Gott manchmal zu uns? Wer kann schon von sich behaupten, dass er Gottes Stimme so laut und klar gehört hätte, wie Hubertus in der Legende. Aber es gibt viele Menschen, die davon berichten können, dass Gott auf andere Weise zu ihnen gesprochen hat. Als sie einen Bibeltext gelesen haben oder eine Predigt gehört haben, da war ihnen so, als ob Gott ihnen ganz persönlich etwas gesagt hat. - Oder es stand in einem Moment, als sie verzweifelt waren, plötzlich eine Freundin vor ihrer Tür. Sie hat sie getröstet und dabei kam es ihnen so vor, als ob Gott selbst mit den Worten der Freundin ihnen Mut zuspricht. Ich kenn das auch. Situationen, wo etwas geschieht, und ich habe den Eindruck: Da redet Gott zu mir. Und manchmal verändert es etwas in meinem Leben.

Solche Begebenheiten ermutigen mich, aufmerksam durch den Tag zu gehen und damit zu rechnen, dass Gott mir vielleicht etwas zu sagen hat.

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02NOV2021
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„Ein Geduldiger ist besser als ein Starker“. – Dieser Satz steht in der Bibel. Im Buch der Sprüche (Spr. 16,32). Heute würde man vielleicht sagen: Manche Dinge im Leben kann man nicht erzwingen, sondern man muss geduldig auf sie warten.

Natürlich weiß ich: Es gibt keine Garantie, dass sich Geduld am Ende immer auszahlt. Trotzdem können bestimmt viele von Ihnen Geschichten erzählen, wo geduldiges Warten am Ende belohnt worden ist. Vielleicht könnten jemand von einem Kind erzählen, das im Streit den Kontakt abgebrochen hat. Es ist schlimm, wenn man merkt: Liebe kann man nicht erzwingen. Aber dann, nach Jahren geduldigen Wartens, hat sich dieses Kind vielleicht doch wieder gemeldet oder auf einen Brief geantwortet. - Ein Paar hat erlebt, wie sie jahrelang darauf gewartet haben, schwanger zu werden. Alle medizinischen Therapien haben nichts genützt. Aber dann, als sie schon fast verzweifelt aufgeben wollten, hat sich doch noch Nachwuchs eingestellt. - Manchmal geht es auch um eine Krankheit. Ich denke an einen älteren Mann, der nach einem Schlaganfall gelähmt war. Es hat lange gedauert, bis er wieder lernte, Worte zu sprechen, selbst zu essen und auf eigenen Beinen zu stehen. Heute geht das wieder. Mühsam, aber es geht.

Es gibt Situationen im Leben, da brauchen wir viel Geduld. Mehr als wir manchmal haben. Es gibt Situationen, da würden wir gerne etwas erzwingen: Die Schwangerschaft. Die Gesundheit. Die Versöhnung. Aber schon der Verfasser der biblischen Sprüche weiß, dass das nicht geht. Sicher: Das, was ich tun kann, das soll ich tun. Die Hand ausstrecken zur Versöhnung. Medizinische Hilfe annehmen. Aber wenn ich das getan habe was in meiner Macht steht, dann brauche ich Geduld. „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker“

Was hilft, die Geduld nicht zu verlieren und nicht aufzugeben? Mir hilft es, an Gott zu glauben. Ich glaube, dass ich nicht allein bin. Da gibt es einen liebenden und gnädigen Gott, der meine Situation, an der ich leide, genau kennt. Er weiß, was ich brauche. Und er kümmert sich um mich. Darum brauche ich nicht verzweifeln. Ich kann das Warten aushalten.

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02JUL2021
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Seit April gibt es in Karlsruhe selbstfahrende Busse. Sicher, das ist noch ein Modellversuch und darum fahren die Busse auch nur in einem Stadtteil umher, befördern höchstens 10 Fahrgäste und sind gerade einmal 20 Stundenkilometer schnell. Aber wahrscheinlich sieht so die Zukunft aus. Wir fahren mit selbstfahrenden Bussen oder Autos. - So ganz traue ich der Sache aber nicht. Ich weiß zwar, dass die Technik ziemlich sicher ist, aber lieber möchte ich die Kontrolle behalten. Ich möchte mein Auto selbst lenken. Und im Bus sollte ein Mensch aus Fleisch und Blut am Steuer sitzen. Den kann ich besser einschätzen. Kontrolle abzugeben, das fällt mir schwer.

Ich merke: Diesen Wunsch nach Kontrolle steckt tief in mir drin. Ich möchte selbst bestimmen, was in meinem Leben passiert. Ab und zu aber ahne ich, dass das eine Illusion ist. Ich kann noch so viel planen, aber meine Gesundheit habe ich nicht allein in der Hand. Ich kann nicht kontrollieren, wie sich meine Mitmenschen verhalten - zum Glück! Und oft genug passiert etwas Unerwartetes und schmeißt alle meine Pläne über den Haufen. Je älter ich werde umso mehr verstehe ich, dass ich mein Leben viel weniger unter Kontrolle habe, als ich denke. Manchmal beunruhigt mich das und ich frage mich bange: Was kommt da wohl noch in meinem Leben?

Ich kann nicht alles kontrollieren. Da macht mir manchmal Angst, und da brauche ich ein Gegengewicht:  Vertrauen ist das Gegengewicht zur Kontrolle. Es braucht im Leben immer beides. Denn absolute Kontrolle ist genauso gefährlich wie blindes Vertrauen. Weil ich den Wunsch nach Kontrolle habe und mir das Vertrauen manchmal schwerfällt, darum habe ich wohl meinen Konfirmationsspruch bekommen. Der steht im Hebräerbrief und lautet: „Werft euer Vertrauen nicht weg, weil es eine große Belohnung hat“. Kontrolle allein genügt also nicht. Ich muss immer wieder lernen Menschen zu vertrauen. Manchmal auch mir selbst zu vertrauen. Und vor allem Gott zu vertrauen, dass er hinter den Geschehnissen meines Lebens steht und mein Leben lenkt. Er hat die Kontrolle.

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01JUL2021
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Heute beginnt der Juli. Aber wissen Sie eigentlich, woher dieser Monat seinen Namen hat? Juli – der Name stammt vom Römischen Kaiser Julius Cäsar, der vor über 2000 Jahren gelebt hat. Die einen kennen ihn aus dem Geschichtsunterricht, die anderen aus den Comicbänden „Asterix“. Julius Cäsar hat nicht nur ganz Gallien erobert, er hat auch den Kalender reformiert. Dabei hat er zum Beispiel die Monate neu geordnet und so wurde der 7.Monat zu seinen Ehren „Julius“ oder kurz: „Juli“ genannt.

Aber nicht nur die Monatsnamen haben ihre Geschichte und Bedeutung. Auch unsere Vornamen. Andreas bedeutet: Der Tapfere. Karin: Die Reine. - Viele Namen haben auch einen christlichen Hintergrund. So beutetet Johannes zum Beispiel: „Gott ist gütig“ oder Christina: „Die von Gott gesalbt ist“. Wir haben uns bei unseren Kindern immer gut überlegt, wie wir sie nennen wollen. Ihre Namen sollten nicht nur schön klingen, sondern auch ein Fingerzeig sein für ihr Leben.

In der Bibel wird von Menschen erzählt, die ihren Namen direkt von Gott bekommen haben. Die ersten Menschen wurden von Gott Adam und Eva genannt - das bedeutet: „von Erde genommen“ und „Die, die Leben schenkt“. Jakob bekam von Gott den Namen Israel, „Gott herrscht“. Und als Maria schwanger war, kam ein Engel zu ihr und richtete ihr von Gott aus, sie solle ihren Sohn Jesus nennen. Gott mischt sich hier in die Namensgebung ein, denn für Gott sind unsere Namen wichtig. Sie sagen etwas über uns aus. Und - wichtiger noch - sie sagen, wer wir sind! Darum sagt Jesus einmal: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lk. 10,20) Gott kennt unsere Namen, und er kennt uns.

Ich finde das eine wunderbare Vorstellung: Im Himmel stehen irgendwo alle unsere Namen geschrieben. In einem dicken Buch. Oder in Stein gemeißelt. Gott kennt jede und jeden von uns mit Namen. Wir sind bei Gott keine anonymen Menschen, austauschbar und beliebig, sondern alle sind wir einzigartig. Und wenn wir irgendwann einmal zu ihm kommen, dann werden wir von Gott selbst mit Namen begrüßt: Hallo Axel, hallo Karin, hallo Christina, hallo Julius – schön, dass du da bist! Gott freut sich über uns und ruft uns beim Namen.

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30JUN2021
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Happy Birthday Deutsche Bahn. Ich will den Juni nicht zuende gehen lassen, ohne der Deutschen Bundesbahn gratuliert zu haben. Denn in diesem Juni ist der ICE 30 Jahre alt geworden. Seit 30 Jahren rollt er also durch Deutschland - und das mit Höchstgeschwindigkeit! In fünf Stunden erreiche ich von Karlsruhe aus Berlin. In sechs bin ich in Hamburg. Und nach München brauche ich nur drei Stunden. Schnelligkeit ist Trumpf!

Schnelligkeit ist Trumpf. Aber trotzdem fahre ich ab und zu mit dem Fahrrad nach Karlsruhe in mein Büro. Ich nehme ganz bewusst das Tempo raus, lasse das Auto stehen und steige auch nicht in die S-Bahn. Und wenn ich gemächlich durch die Welt strample, dann nehme ich meine Umwelt bewusster wahr: Die Häuser, an denen ich vorbeifahre. Die Menschen, die mir begegnen. Die blühenden Bäume. Der Duft der schweren Erde auf den Äckern. Das Singen der Vögel. Geschwindigkeit spart zwar Zeit, aber verhindert auch Erfahrungen.

Schnelligkeit ist eben nicht immer Trumpf - das gilt auch in Glaubensfragen. Wenn ich bete, erhoffe ich mir eine prompte Antwort auf meine Bitten. Und wenn ich ein Problem habe, soll Gott mir rasch eine Lösung zeigen. Ich will ja schnell weiter machen. Doch die Bibel erzählt davon, dass Gott nicht für schnelle Lösungen zu haben ist. Gott setzt mich nicht in den ICE mit Höchstgeschwindigkeit zu einer schnellen Antwort. Er lässt mir Zeit, nach links und rechts zu sehen, aufmerksam zu bleiben - wie beim Radfahren.

Darum gehört es zum Glauben, auf Gott warten zu können. Die Bibel hat dafür ein altes Wort, das es gut beschreibt: Das Wort „Harren“. Harren bedeutet: Aufmerksam, gespannt nach Gott Ausschau halten. So wie ich auf einen geliebten Menschen warte. Im Psalm 42 heißt es: „Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken.“ Harren ist das zuversichtliche Warten, dass Gott mich nicht vergessen hat, auch wenn er nicht so schnell auf meine Gebete antwortet, wie ich mir das wünsche. Der Beter des Psalms 42 macht mir Mut zum „Harren“. Es lohnt sich. Es ermöglicht neue Erfahrungen. Und am Ende werde ich dankbar sein für das, was Gott tut.

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29JUN2021
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Ich mag es nicht zu streiten. Ich gehe dem Streit lieber aus dem Weg. Aber anscheinend geht es gar nicht ohne. Weil wir als Menschen so unterschiedlich sind. Keine Gemeinschaft und keine Partnerschaft ohne Streit. Welche Entscheidung ist richtig und welche falsch? Wofür geben wir das Geld aus? Wie erziehen wir unsere Kinder? Warum ist das Wohnzimmer nicht aufgeräumt? Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du morgen Abend erst spät nach Hause kommst?  Und so weiter, und so weiter…

Ohne Streit geht es anscheinend nicht. Das zeigen auch viele Geschichten der Bibel: Abraham und Lot zum Beispiel. Sie sind Cousins und Schafhirten und streiten darüber, wer seine Schafe auf welchen Wiesen weiden lassen darf. Die Jünger von Jesus streiten darüber, wer im Himmel den besten Platz bekommen wird. Und die Apostel Petrus und Paulus streiten erbittert darüber, wie man die Botschaft von Jesus am besten in der Welt verbreiten soll. Überall Streit, wohin ich schaue.

Wie gesagt: Ich mag es nicht, zu streiten und gehe Streit lieber aus dem Weg. Aber ich habe lernen müssen, dass es manchmal wichtig ist, den Streit auszuhalten. Dominik Klenk sagt: „Jeder Konflikt hält ein Geschenk bereit, allerdings muss dieses Geschenk ausgepackt werden“. Er meint damit, dass jeder Streit uns Menschen ein Stück weiterbringen kann. Ich muss durch den Streit durch, denn so erfahre ich etwas mehr über mich selbst. Ich lerne, den anderen und seinen Standpunkt besser zu verstehen. Manchmal bringt ein Streit die Wahrheit ans Licht. Ein Streit klärt Fronten und er kann helfen, für ein Problem eine neue gute Lösung zu finden. 

Darum muss Streiten sein. Die Bibel erzählt nicht nur viele Geschichten vom Streiten, sie zeigt auch, wie man mit Streit umgehen kann. Abraham und Lot zum Beispiel gehen nach dem Streit getrennte Wege. Als die Jünger von Jesus aufeinander los gehen, da rückt ihnen Jesus den Kopf zurecht und beendet den Streit durch ein Machtwort. Und die Streithähne Petrus und Paulus? Die berufen eine Versammlung aller Christen ein, um gemeinsam das Problem zu lösen. Streit muss sein. Aber am Ende geht es darum, eine gute Lösung für alle Seiten zu finden und sich wieder zu versöhnen.

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28JUN2021
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Wir leben in einem freien Land. Ich bin froh, dass das Leben bei uns so bunt und vielfältig sein kann.  Heute am 28.Juni ist „Christopher Street Day“ - ein Tag, an dem es vielerorts besonders bunt wird auf den Straßen. Vielleicht haben auch Sie schon mal die grell-bunten Umzüge von Homosexuellen gesehen, die es heute gibt. Trotz aller Freiheit und Toleranz weiß ich: Diese Umzüge sind nicht jedermanns Sache. Wie da Schwule und Lesben in bunten schrillen Kostümen mit lauter Musik durch die Straßen ziehen, das schreckt manchen ab. Doch es hat es einen sehr ernsten Hintergrund.

Diese schrillen Umzüge gehen auf das Jahr 1969 zurück. In New York in der Christopher Street stürmte die Polizei am 28.Juni eine Schwulenbar und ging dabei mit großer Brutalität vor. Sie verprügelten und misshandelten die friedlichen Leute auf das übelste. Am Tag darauf begannen die Proteste gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Jedes Jahr am 28. Juni fordern nun Menschen weltweit, dass Gewalt und Ungerechtigkeit gegen Homosexuelle aufhört. Gleichzeitig fordern sie Gleichberechtigung und Freiheit für alle Minderheiten in der Gesellschaft.

Trotz aller Proteste besteht das Problem bis heute:  Homosexuelle, Flüchtlinge. Menschen mit dunkler Hautfarbe, einem fremd klingenden Namen oder einer fremden Religion werden oft ungerecht behandelt oder müssen sogar Angst vor Gewalt haben. Längst auch wieder jüdische Mitbürger. Sie werden ausgegrenzt, misstrauisch beobachtet. Sie bekommen keine Wohnung. Menschen, die anders sind, werden auf offener Straße angepöbelt oder sogar geschlagen. Auf jüdische Grabsteine werden Hakenkreuze gemalt. Ich finde, es ist eine Schande, dass so etwa in unserem Land passiert.

Wir nennen uns ein christliches Land. Darum denke ich an das, was Jesus Christus gesagt hat. „Was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch.“ (Mt 7,12) Ich finde, das ist ein guter Rat. Keiner möchte ausgegrenzt, angepöbelt, benachteiligt oder beleidigt werden. Ich will das auch nicht. Jeder wünscht sich Respekt. Darum möchte ich die Worte von Jesus ernst nehmen und anderen ebenfalls Respekt entgegenbringen. Auch wenn ich sie oder ihre Art zu leben nicht verstehe.

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09APR2021
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In der Geschichte unseres Landes gab es schon viele aufrechte und mutige Menschen. Der Pfarrer und Theologie Dietrich Bonhoeffer gehört dazu. Wir denken heute an ihn, denn der 9.April 1945 war sein Todestag. Von Bonhoeffer stammt der Satz: „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen.“ Bonhoeffer hat diesen Satz 1938 gesagt, als die Nazis am 9.November die Synagogen in Brand gesetzt hatten. Er meinte damit: Wir können keine frommen Kirchenlieder singen und Gott im Himmel loben, wenn wir zu dem Unrecht schweigen, das den jüdischen Mitbürgern in Deutschland angetan wird. Schon früh hat sich Bonhoeffer gegen die Diskriminierung der Juden öffentlich geäußert. Später hat er am Widerstand gegen den Nationalsozialismus und gegen Adolf Hitler teilgenommen. Dann hat man ihn festgenommen und ihn noch kurz vor Kriegsende im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffer hat im Gefängnis viele Texte und Gedichte geschrieben. Eines davon ist weltbekannt und sogar als Lied vertont worden. Die bekannteste Strophe lautet so: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Dietrich Bonhoeffer war tief davon überzeugt, dass sein Leben in den Händen dieser wunderbaren Mächte geborgen liegt, trotz Gefängnis, trotz der Sorge um seine Verlobte. Er glaubte fest daran, dass Gott bei ihm ist, jeden Tag. Das gab ihm die Kraft, seine Gefängniszeit durchzustehen und am Ende in den Tod zu gehen.

Ich liebe dieses Gedicht von Dietrich Bonhoeffer. Es sind Worte gegen die Angst. Worte gegen die Ratlosigkeit. Wenn ich nicht weiß, wie es mit mir oder meinen Kindern weitergehen wird. Wenn ich vor einem Problem stehe. Wenn ich mir Sorgen mache um einen kranken Freund. Wenn ich Angst um meine eigene Gesundheit habe. Dann kann ich diese Worte beten oder singen. Sie erinnern mich daran, dass ich bei Gott geborgen bin. Egal was kommt.

Darum bete ich auch heute: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarte ich getrost, was kommen mag. Gott ist mit mir, am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

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