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24NOV2021
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Der Adventskranz steht schon auf dem Tisch. Seit ein paar Tagen. Jeden Morgen freue ich mich. Nur noch 4 Tage, dann zünde ich die erste Kerze an. Und ich denke daran, dass mit mir Millionen anderer Menschen auch die erste Kerze anzünden. Und damit die Hoffnung verbinden auf Frieden, Gerechtigkeit, das Ende der Pandemie und noch ganz viele persönliche Hoffnungswünsche. Für mich sind die Lichter des Adventskranzes Gottes ‚Gute Nachricht Licht‘. Jesus ist auf dem Weg. Das Licht der Welt kommt.

Licht braucht es vor allem in schweren Zeiten. Daran erinnert auch eine Geschichte aus Providence, in den USA. Die Geschichte erzählt von einem besonderen Ritual. Erfunden hat es der Cartoonist Steve Brosnihan. Er hat viele Abende dort in der Kinderklinik verbracht und für die Kinder persönliche Cartoons gezeichnet. Um sie aufzumuntern und auf andere Gedanken zu bringen. Als er eines Abends in die Stadt zurückgeradelt ist, hat er sich in einiger Entfernung umgedreht und das Krankenhaus gesehen. Spontan hat er Lichtzeichen mit seiner Stirnlampe gemacht. Er hat gehofft, dass wenigstens ein Kind seinen Gute-Nacht-Gruß sieht. Und ja, es gab Kinder, die ihn an diesem Abend gesehen haben. Aus diesem kleinen spontanen Lichtgruß ist ein Ritual entstanden. Jeden Abend um halb neun senden nun Hotels und Restaurants, Polizei und Feuerwehr und viele Bewohner von Providence Gute Nacht Grüße in die Kinderklinik. Um halb neun schalten alle ihre Lichter an und aus und an und aus. Sie zeigen den Kindern: Wir denken an euch. Wir hoffen mit euch. Und jeden Abend versammeln sich die Kinder an den Fenstern der Kinderklinik und empfangen das Licht.

Auch wir brauchen das Licht. Unsere Welt ist nicht heil. Doch der Advent kommt. Gott kommt in die Welt. Und mit jedem Licht des Adventskranzes sendet er uns ein Lichtzeichen: Bald bin ich bei euch. Habt keine Angst.

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23NOV2021
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Die Tage zwischen Totensonntag und dem 1. Advent fallen in die dunkle Jahreszeit. Wenn morgens der Wecker klingelt, dringt noch kein Licht durch die Jalousien. Und ich spüre: meine Trauer ist mal wieder zu Besuch. Sie fühlt sich wohl in den dunklen Tagen. Wir kennen uns sehr gut. Zwei Jahre war sie meine Mitbewohnerin, in der Zeit nach dem Tod meines Mannes. Jetzt kommt sie nur noch zu Besuch. An besonderen Tagen, wie Geburtstagen oder dem Hochzeitstag klingelt sie und setzt sich zu mir an den Tisch. Und den November mit seinen ganzen Gedenktagen und der Dunkelheit mag sie besonders. Da zieht sie vorrübergehend wieder ein. Und wie das so ist, Besuch braucht Zeit und Platz. Und mittlerweile nehme ich mir gerne Zeit für sie.

Als sie noch ganz bei mir gewohnt hat, wollte ich sie gerne immer mal loswerden. Aber sie blieb hartnäckig da. Egal, wohin ich gegangen bin, sie ist mitgekommen. Manchmal hat sie mich zum Weinen gebracht, dann wieder hat sie sich einfach auf meinen Schoß gesetzt und mich von anderen Menschen getrennt.

Manche fanden das ziemlich anstrengend, dass sie immer mit dabei war. Es gab mich nur noch im Doppelpack, meine Trauer und mich. Ich hatte viel Zeit sie kennenzulernen. Und, was soll ich sagen, wir haben uns miteinander angefreundet. Ich habe akzeptiert, dass sie bei mir wohnt. Und ich habe ihr Geschichten erzählt von früher. Ich habe uns einen Tee gekocht und mich mit ihr unter die Decke gekuschelt. Und so hat sie mich gestärkt.

Vor einiger Zeit ist sie ausgezogen. Ganz still und leise hat sie sich nach und nach verabschiedet. Daran musste ich mich nun auch wieder gewöhnen. Ab und zu fehlt sie mir sogar.Und deswegen freue ich mich, wenn sie klingelt und zu Besuch kommt. Wahrscheinlich spürt sie, dass ich mal wieder einen Tag unter der Kuscheldecke mit Tee und Erinnerungsgeschichten brauche. Gerade jetzt im November.

Falls also heute Morgen die Trauer auch bei ihnen mit am Tisch sitzt, kochen sie ihr vielleicht erst mal einen Tee. Nehmen Sie sich die Zeit und gönnen sie sich noch eine Runde unter der Kuscheldecke.

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22NOV2021
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Wohin gehen die Toten und wie sieht es da aus, wo sie jetzt sind. Und leben sie weiter wie wir hier oder ganz neu? Fragen, die nicht nur Kinder stellen. Wenn ein Mensch gestorben ist, kann es helfen, wenn zu diesen Fragen Bilder entstehen. Vorstellungen davon, wie es sein könnte, nach dem Tod.

Ein Vater hat mir nach dem Tod seines Sohnes ein wunderbares Bild beschrieben. Er hat erzählt: „Ich sehe meinen Sohn mit den blonden Locken über eine große Blumenwiese laufen. Er hüpft und lacht.“ Und er hat den Duft und die Farben der Blumen ausführlich beschrieben. Damals habe ich seinen Sohn inmitten all dieser Blumen sehen können. In seinem Schmerz taucht mit dem Bild noch ein anderes Gefühl auf. Dort, wo er seinen Sohn nun sieht, scheint es ihm gut zu gehen. Und er ist quicklebendig. Neben den Tod stellt der trauernde Vater ein Bild des Lebens.

Viel nüchterner bekennen es Christinnen und Christen im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an die Auferstehung der Toten, heißt es da. Da der Tod und der Schmerz nun aber gar nicht nüchtern sind, helfen Bilder, das Bekenntnis mit Leben zu füllen. Auch im letzten Buch der Bibel wird ein Bild gemalt:
Da schreibt einer: Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr da. Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.

In diesem Bild leben die Verstorbenen zusammen mit Gott. Sie leben auf einer neuen Erde unter einem neuen Himmel. Und Gott sorgt gut für sie. Er wischt jede einzelne Träne ab. Auf der neuen Erde gibt es keine Schmerzen mehr.

Diese Bilder bringen die Verstorbenen nicht zurück. Aber es ist tröstlich daran festzuhalten, dass sie auf der neuen Erde von Gott gut versorgt werden.

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21NOV2021
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Heute ist Totensonntag. Der letzte Sonntag im Kirchenjahr. In den evangelischen Kirchen werden die Namen der Menschen vorgelesen, die in diesem Jahr gestorben sind. Die Namen erklingen und füllen den Kirchenraum. Wir legen sie Gott ans Herz. Und oft wird für jeden Namen, für jeden verstorbenen Menschen, eine Kerze entzündet. Viele Angehörige sitzen heute im Gottesdienst. Sie hören den Namen eines Lieblingsmenschen und erinnern sich. An die Stimme und das Aussehen, an die Zeit der Krankheit, an die Beerdigung, an den letzten Urlaub in Italien. Da liegen Traurigkeit und Dankbarkeit ganz nah beieinander. Manchmal fließen Tränen, manchmal ist das Herz hart.

Als ich noch Pfarrerin in einer Gemeinde war, habe ich die Atmosphäre in diesem Gottesdienst fast gerne gehabt. Es war, als säßen die Verstorbenen noch einmal mitten in der Gemeinde.

Vor drei Jahren dann saß ich als Trauernde im Gottesdienst am Totensonntag. Der Name meines verstorbenen Mannes wurde vorgelesen. So gut es für mich war, seinen Namen in diesem Kirchenraum noch einmal laut ausgesprochen zu hören, so schmerzhaft war es. Tröstlich war: Ich war nicht allein. Es waren andere da, die auch einen Menschen betrauerten. Wir haben unseren persönlichen Schmerz zusammengetragen und ihn so auch miteinander geteilt.

Heute ist Totensonntag. Wieder gehe ich in die Kirche, setze mich in die Gemeinde und höre die Namen der Verstorbenen dieses Jahres. Ich sehe die Lichter der Kerzen. Die letzte Kerze wird hier im Gottesdienst für all die Menschen entzündet, die gestorben sind und deren Namen nicht mehr verlesen werden. Und leise für mich, spreche ich den Namen meines Mannes aus. Ich lege ihn, gemeinsam mit den anderen, Gott ans Herz und lege meinen Schmerz und meine Dankbarkeit mit in den Raum. Denn geteiltes Leid lässt sich besser tragen. Wir sind nicht alleine mit unserer Trauer. Vielleicht haben Sie heute Morgen auch den Namen eines Lieblingsmenschen auf den Lippen und legen ihn Gott ans Herz.

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24JUL2021
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Es gibt Zahlen, die haben eine besondere Bedeutung. Die 40 ist in der Bibel so eine besondere Zahl. Sie steht für eine Unterbrechung, für einen Neuanfang. Die 40 steht für eine notwendige Auszeit. 40 Tage ist Mose auf dem Berg Sinai. Dann kommt er zurück und hat die 10 Gebote dabei, Regeln für ein Leben in Freiheit. 40 Tage wandert der Prophet Elija zum Berg Horeb. Dort erfährt er Gott auf ganz neue Weise, zart und leise erscheint Gott. Jesus fastet 40 Tage in der Wüste. Dann wandert er durch die Welt und erzählt ganz neu von Gott.

40 Tage Auszeit. Menschen brauchen Auszeiten. Es geht um ein Innehalten, bevor jemand neue Erfahrungen machen kann. In der Bibel geht es um die Zeit, um mit sich selbst und mit Gott in Kontakt zu kommen. Mose sitzt auf einem Berg, Elija wandert und Jesus fastet.

40 Tage Auszeit nehme ich mir nicht. Aber ich habe diesen Sommer eine Zahl, die ich mit meiner persönlichen Auszeit verbinde. 73 ist meine Zahl des Sommers. Die Nummer meiner Dauerkarte für das Freibad. Wenn ich zum Freibad komme, zeige ich die Karte und sage meine Nummer: 73. Und dann liegt das Bad vor mir. Das Blau tut meiner Seele wohl. Ich lege mit den Kleidern meinen Tag ab, schlüpfe in den Badeanzug und tauche in das kühle Wasser. Und mit jedem Zug, mit jeder Bahn werde ich ein bisschen neu. Die ersten Bahnen schwimmen noch die Ereignisse des Tages mit, manchmal Ärger, manchmal eine Unruhe und Hektik. Mit jedem Zug fließt mehr davon ab. Und es bleibt die Bewegung, der Rhythmus. Ich schwimme und komme in Kontakt mit mir selbst. Ich spüre mich im Wasser. Und für mich ist Schwimmen mehr als Bewegung. Schwimmen sind meine 40 Tage. Hier begegne ich Gott. Denn nichts lenkt mich mehr ab. Im Wasser bin und werde ich still und neu.

Ob 40 Tage oder mit der 73 ins Freibad: es braucht Auszeiten, um sich dem Leben neu zuwenden zu können.

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23JUL2021
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Ich packe meinen Koffer und nehme mit… Auf dem Weg in den Urlaub ist das ein beliebtes Kinderspiel. Jeder legt sprachlich noch etwas in den Koffer dazu. Wer kann sich die meisten Begriffe merken? Und was passt so alles in einen Koffer. Der Badeanzug muss mit, Bücher, die sich auf dem Nachttisch stapeln, Sonnencreme, Regenjacke, Flipflops. Dann ist man gerüstet für alle Wetterlagen. Und darf die Katze mit oder das eigene Kopfkissen?

Ich selbst packe gar nicht gerne, schiebe den Zeitpunkt raus bis kurz vor dem Start und schmeiße dann wahllos alles in meine Tasche. Die Zahnbürste ist dann noch das geringste, was ich schon vergessen habe. Für mich steht dahinter die Frage:
Was brauche ich überhaupt, wenn ich mich auf den Weg mache?

Die Bibel erzählt von vielen Menschen, die sich auf den Weg machen. Als Jesus seine Jünger aussendet und sie zu den Menschen schickt, sollen sie nichts mitnehmen als das, was sie auf dem Leib tragen: keinen Stab, keine Tasche, kein Geld und kein zweites Hemd. Natürlich sind die Jünger nicht auf dem Weg in die Sommerfrische. Sie haben eine Mission: Sie ziehen los und erzählen von Gott. Von seiner Liebe und seiner Fürsorge, von seiner Größe und seiner Kraft. Zu dieser Botschaft passt kein Koffer. Damit ihre Botschaft Gehör findet, brauchen die Jünger anderes Gepäck. Sie brauchen Vertrauen in sich Selbst und in Gott. Ein offenes Ohr und ein offenes Herz für die Menschen, denen sie begegnen. Bereitschaft, sich an jedem Ort auf neue Situationen einzulassen. Und da ist es nicht sinnvoll, sich von ganz viel eigenem Gepäck ablenken zu lassen.

Das nehme ich als Anregung mit für die nächste Reise. Letztlich ist es gar nicht so wichtig, was in meiner Tasche ist, sondern es ist wichtiger, welche Haltung ich mit in den Urlaub nehme. Und da können mir die Jünger Vorbild sein.

Ich packe in meinen Koffer… Ich wünsche Ihnen für ihre Reise, wo auch immer sie hingeht: Vertrauen, dass Gott bei jeder Reise mit im Gepäck ist und Offenheit für die Menschen am anderen Ort.

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22JUL2021
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Am Geburtstag wird deutlich, was Gnade ist.
Glück- und Segenswünsche trudeln ein, oft gibt es Kuchen. Manchmal kommt Besuch. „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst…“, so haben Kolleginnen und Kollegen dieses Jahr für mich gesungen. Ich habe Geschenke bekommen. Und alles, weil ich geboren bin. Es geht nicht um meine Leistung, nicht um mein Aussehen, nicht um irgendetwas sonst, das ich getan habe. Andere feiern mit mir, weil es mich gibt. Sie feiern mit mir den Tag meiner Geburt. Sie feiern mit mir, obwohl sie mich kennen über die vielen Jahre mit meinen tollen Seiten und mit meinen Ecken und Kanten. Das rührt mich jedes Jahr neu, macht mich ganz tief innen glücklich, gibt mir Kraft für mein neues Lebensjahr.

Für mich ist das vergleichbar mit Gottes Gnade. In der Bibel wird an vielen Stellen von ihr gesprochen. Dann geht es immer darum, dass Gott sich uns zuwendet, einfach weil wir sind. Nicht fromm, nicht schön, nicht intelligent, sondern Geschöpf. Gottes Geschöpf. Paulus formuliert das in einem Brief an eine Gemeinde so: Denn aus Gnade seid ihr gerettet - durch Glauben. Das verdankt ihr nicht eurer eigenen Kraft, sondern es ist Gottes Geschenk.“ Gott macht uns ein Geschenk, nicht weil wir so toll sind. Gott feiert, weil ich bin, weil du bist. Gnade bedeutet also, dass Gott mit jedem von uns Geburtstag feiert. Nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag aufs Neue.

Sich das klar zu machen, nicht nur am eigenen Geburtstag, das berührt, macht ganz tief innen glücklich und gibt Kraft.
Und so gilt nicht nur den Geburtstagskindern heute Morgen: wie schön, dass du geboren bist, Gott hätte dich sonst sehr vermisst.

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17APR2021
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Wir haben ein neues Patenkind, naja, eher ein neues Patentier. Ein Erdmännchen. Sie heißt Klara und lebt im Zoo in Siegelbach bei Kaiserslautern. Vor ein paar Monaten hat der Zoo um Hilfe gebeten. Schon lange durfte niemand mehr den Zoo besuchen. Die Tiere brauchen allerdings weiterhin Nahrung und ja auch Zuneigung und Pflege. Und so hat der Zoo um weitere Tierpaten geworben. Als Tierpate unterstützt man ein Tier für ein Jahr mit einem bestimmten Betrag. Dieser Betrag stellt sicher, dass das Tier versorgt werden kann. Die Idee ist toll. Und viele Menschen haben die Möglichkeit ergriffen und sind Tierpaten geworden.

Mir sagt die Geschichte: Manchmal schafft man es nicht alleine. Und dann ist es in Ordnung, wenn man andere um Hilfe bittet. Der Zoo hat das getan und dabei erfahren: Die Menschen helfen gerne. Es macht uns als Familie richtig Freude für Klara da zu sein.

Manchmal schafft man es nicht alleine. Das ist in vielen Bereichen des Lebens so. Auch wenn man Kinder bekommt. Ich finde es deshalb gut, dass es auch in der Kirche die Möglichkeit gibt, Patinnen und Paten zu benennen.

Die Paten sind bei der Taufe dabei. Sie unterstützen die Eltern. Eigentlich vor allem bei der christlichen Erziehung der Kinder. Aber oft übernehmen sie darüber hinaus Verantwortung für ihr Patenkind. Eine Freundin konnte zum Beispiel als Kind ein paar Wochen bei ihrer Patentante leben, als ihre Mutter im Krankenhaus lag. Alleine hätte die Mutter das damals nicht geschafft. Und zum Glück brauchte sie das auch nicht. Sie konnte auf die Hilfe der Patin zählen. Und ich bin sicher – die hat es gerne gemacht. Meine Freundin sagt: das war eine besondere Zeit damals mit der Patentante. Sie denkt gerne daran zurück.

Manchmal schafft man es nicht alleine und dann ist es gut, um Hilfe zu bitten. Dafür sind Paten da. Sie helfen und unterstützen – und zwar gerne. Das ist beim Zoo so. Aber das ist auch bei den Menschen so. Deshalb gibt es auch in der Kirche das Patenamt. Wie gut!

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16APR2021
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Eine Bekannte schreibt mir, dass sie sich seit kurzem ehrenamtlich betätigt. Das freut mich, denn sie hat einen Verlust erlitten. Ihr Mann ist vor einem Jahr gestorben. Danach war sie sehr traurig und hat sich erst einmal zurückgezogen.

Über der Traueranzeige damals hat ein Vers aus der Bibel gestanden: „Ihr habt jetzt Trauer“, heißt es da, „aber ich will euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Das sagt Jesus vor seinem Tod zu seinen Jüngern. Er beschreibt sehr knapp, dass es einen Wandel von der Trauer zur Freude gibt. „Ich will euch wiedersehen“, sagt er.

Die Jüngerinnen und Jünger sind dann aber trotzdem erst einmal nur traurig nach Jesu Tod. Sie sehen nur die Lücke, die er hinterlassen hat. Und die ist schwarz und tut furchtbar weh. Aber dann verändert sich etwas. Jesus erscheint einigen von ihnen. Und voller Erstaunen erzählen sie es den anderen: Jesus lebt. Und dann erzählen sie sich, was sie mit ihm erlebt haben. Immer mehr Geschichten tragen sie zusammen. Und jedem fällt noch etwas Anderes ein. Und dann fangen sie an, Gottesdienste zu feiern. Und jedes Mal ist es, als wäre er dabei. Und sie freuen sich, was sie von ihm gelernt haben. Und sie nehmen ernst, was er ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Es ist wichtig, dass wir füreinander einstehen. Dass die Armen satt werden, dass wir die Kranken unterstützen. Und so verwandelt sich die Lücke. Aus der Trauer um Jesus wird eine große Dankbarkeit, dass sie ihn haben durften. Und sie spüren eine tiefe Freude.

So geht es auch meiner Bekannten. Sie sagt: „Ich erinnere mich an meinen Mann und natürlich fehlt er mir. Aber ich bin auch dankbar für all das Schöne, was wir hatten. Heute geht es mir wieder gut. Ich bin gut versorgt und darum möchte ich etwas zurückgeben“, schreibt sie mir. „Es macht mir viel Freude. Und irgendwie fühle ich mich wieder lebendig.“

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15APR2021
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Singet Gott ein neues Lied. So betet einer in der Bibel. Singet Gott ein stilles Lied. So beten oder klagen wir seit einigen Monaten. Denn gemeinsam laut singen geht gerade nicht. Zumindest nicht im Chor und nicht im Gottesdienst. Ich hätte nie gedacht, wie sehr ich den gemeinsamen Gesang vermissen würde. Es schmerzt mich, wenn ich im Gottesdienst die Lieder höre und nicht einstimmen darf. Sicherlich, inwendig singe ich laut mit. Das ist aber etwas Anderes. Es fehlt der gemeinsame Klang, das gemeinsam gesungene Lob Gottes. Singen im Gottesdienst ist ja auch ein gemeinsames Bekenntnis.

Beim Singen kann sich jeder und jede am Gottesdienst beteiligen. So bringt sich jeder ganz persönlich ein. Zugleich nehme ich dabei die anderen wahr und stimme im Gesang mit ihnen zusammen. Aus den vielen einzelnen Stimmen entsteht der gemeinsame Klang. So wird aus den Vielen eine feiernde Gemeinschaft. Schon Martin Luther hat gewusst: Singen macht glücklich. Er hat geschrieben: „Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. So betet einer in der Bibel. Und weil ich nicht die einzige bin, die das gemeinsame Singen vermisst, haben Menschen neue Wege gefunden miteinander zu singen. Da singen Menschen zu Hause für sich und daraus entsteht im Netz ein wunderbarer Chor. Einer meiner Söhne hat jede Woche mit der Jugendkantorei Zoomchorprobe und regelmäßig Stimmbildung per Telefon. Ja, auf ganz neue Weise singen wir seit einem Jahr Gott neue Lieder und erleben auf neue Weise Gemeinschaft.

Denn singen macht glücklich. Vielleicht starten sie heute mal singend in den Tag. Denn zu Hause darf jeder lauthals singen: singend: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder, singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

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