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06NOV2021
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Ein sterbenskranker Musiker bittet einen befreundeten Autoren um einen Liedtext. Er will dann die Musik dazu schreiben, damit das Lied bei seiner eigenen Beerdigung gespielt werden kann. Was für eine Aufgabe! Denn was für Worte sollen in dieser Situation helfen, trösten, guttun?

Der Glaube an Gott verbindet den Musiker und den Autor. Und so fängt der Autor an zu schreiben. Er findet eine Zeile in einem anderen Lied, die ihn inspiriert. „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Der Gedanke gefällt ihm. Wort um Wort fügt er an. Und immer wieder greift er diese eine Zeile auf.

Mit dem bevorstehenden Tod seines Freundes konfrontiert, kann er sich nur einen Inhalt vorstellen: „Halte dich weiter an Gott. Auch wenn Not, Tod und Elend in dein Leben kommen. Halte dich weiter an Gott. Denn was Gott macht, das soll so sein. Deswegen weiß er auch, wie es dir geht. Und wenn alles zum Ende kommt, wird er dich in seinen Armen halten. Deswegen lass ihn machen.“

Das Lied ist inzwischen fast 350 Jahre alt. „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, so beginnt jede einzelne Strophe des Lieds. Heute würden wir das wahrscheinlich anders formulieren. Aber auch wenn sich unsere Sprache geändert hat, singen wir in unserer Kirchengemeinde das Lied immer wieder in Gottesdiensten. Erst vor wenigen Tagen wieder. Denn es gibt immer welche, die anschließend sagen, dass ihnen das Lied in schweren Zeiten Halt und Kraft gegeben hat.

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04NOV2021
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Es war an einem Donnerstag. Erst vor wenigen Wochen. Dieser Tag hat verändert, wie ich von Gott rede. An diesem Donnerstag ist aus gut vier Metern Höhe ein großes Metallteil abgestürzt, als ich gerade darunter stand. Es hat mich mitten im Gesicht getroffen. Bis auf eine kaputte Nase und zwei kleine Hautabschürfungen ist mir aber nichts weiter passiert. Keiner der Haken hat meine Augen erwischt. Alle Zähne sind heil geblieben. Kopf, Nacken, Schultern – alles gut. Auch die Ohren haben nichts abbekommen. Von Herzen sage ich heute: „Gott sei Dank! Es ist nicht mehr passiert.“

„Gott sei Dank“, das habe ich früher eigentlich nie gesagt. Diese Situation war aber wirklich heikel. Das habe ich verstanden, als ich das Ganze danach in Gedanken immer wieder durchgespielt habe. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Deswegen glaube ich, dass Gott mich da vor Schlimmerem bewahrt hat.

Beweisen kann ich das natürlich nicht. Es könnte auch Zufall, Glück oder sonst was gewesen sein. Aber wenn es Zufall gewesen sein kann, warum sollte es nicht möglich sein, dass es Gott war? Deswegen sage ich seitdem gerne immer wieder: „Gott sei Dank!“

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03NOV2021
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Tablets. Staubsaugerroboter. Handys. Erfindungen mitten aus unserem Alltag. Zuerst aufgetaucht sind sie aber in Science-Fiction-Filmen oder -Büchern. Oft lange, bevor sie wirklich jemand entwickelt hat. Manchmal war es sogar so, dass die Science-Fiction-Idee Menschen erst zu ihren Erfindungen inspiriert hat.

Ich finde das spannend: Da setzt sich jemand hin. Überlegt sich, was für ein Gadget es noch nicht gibt, das Leben aber erleichtern würde. Und schreibt dann eine Geschichte auf, in der dieser Gegenstand vorkommt. Das bedeutet ja Science-Fiction: eine Erzählung mit naturwissenschaftlichen Erfindungen oder Entwicklungen, die es noch gar nicht gibt. Und das inspiriert dann andere, genau das tatsächlich herzustellen.

Der Gedanke gefällt mir: Etwas aufzuschreiben, um andere zu inspirieren. Neues entstehen zu lassen. In der Bibel gibt es Teile, die auch so funktionieren. Da geht es aber nicht um Science-Fiction, sondern um „Social-Fiction“. Erzählungen davon, was für unser Zusammenleben als Menschen gut sein könnte. Anders, besser, als es heute oft ist. Zum Beispiel ohne Gewalt. Mit der gerechten Behandlung von allen Menschen, egal woher sie kommen, wie alt sie sind oder welches Geschlecht sie haben.

Science-Fiction inspiriert Erfinder:innen. Mich inspiriert Social-Fiction, mich dafür einzusetzen, dass wir Menschen wirklich mal so leben.

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02NOV2021
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Im Netz gibt es haufenweise Klickstrecken mit den Simpsons. Lauter Szenen mit Homer und Marge, Bart, Lisa und Maggie. Bei den Klickstrecken geht es um Dinge, die die Autor:innen der Simpsons vorhergesagt haben. In einer Folge kamen zum Beispiel nicht richtig funktionierende Wahlmaschinen vor. Vier Jahre später gab es die fehlerhaften Wahlmaschinen dann tatsächlich bei der Präsidentschaftswahl in den USA. Oder eine Smartwatch gab es bei den Simpsons schon vor 20 Jahren.

Ich glaube jetzt nicht, dass die Autor:innen der Simpsons hellseherische Fähigkeiten haben. Aber sie sind auf jeden Fall aufmerksam für Trends. Sie ahnen, was es an technischen Entwicklungen geben könnte oder sollte. Und wenn es elektronische Wahlkabinen gibt, dann können die natürlich auch fehleranfällig sein. Die Wahrscheinlichkeit ist einfach hoch, richtig zu liegen, wenn man sich aufmerksam mit den Entwicklungen seiner Zeit beschäftigt.

Auch in der Bibel gibt es Abschnitte, die beschreiben, was noch kommen wird. Zum Beispiel, dass wir Menschen nach dem Tod bei Gott sind und es dort kein Leid und keine Tränen mehr gibt. Vielleicht war da auch jemand sehr aufmerksam, was es so an Infos über Gott gibt und hat sich dann überlegt, wie es wohl mit uns Menschen und Gott weitergehen soll. Und dann ist es wie bei den Simpsons: Die Wahrscheinlichkeit ist einfach hoch, dass es wirklich mal so wird. Ich freue mich jedenfalls auf diese Zeit bei Gott. Ohne Leid, ohne Tränen.

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01NOV2021
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„Süßes oder Saures“, das haben gestern wieder viele Kinder gefordert. Auf ihren Halloween-Touren stauben sie so Süßigkeiten ab. Der Name „Halloween“ leitet sich vom Namen des heutigen Tages ab. Denn die katholische Kirche feiert heute Allerheiligen. Der Abend vorher ist der „All Hallows Eve“, Halloween.

Allerheiligen geht zurück auf einen Gedenktag für Frauen und Männer, die wegen ihres christlichen Glaubens umgebracht wurden. Das ist schon viele Jahrhunderte her. Heute gehen an Allerheiligen viele Christ:innen auf den Friedhof. Dort zünden sie auf den Gräbern ihrer Angehörigen Kerzen an. Allerheiligen erinnert viele auch daran, dass ihr eigenes Leben irgendwann enden wird.

In einem alten Gebet heißt es: „Gott, lass uns daran denken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Sich daran zu erinnern, dass das eigene Leben auch ganz plötzlich vorbei sein kann, das lässt vielleicht die Frage aufkommen: „Wenn ich morgen sterbe, habe ich dann so gelebt, wie ich es gut finde? Oder habe ich falsche Prioritäten gesetzt?“ Einer, der viele Menschen beim Sterben begleitet hat, hat mal gesagt: „Ich habe noch niemanden sagen hören: ‚Ach, hätte ich doch bloß mehr Überstunden gemacht.‘“

Sich immer wieder ans eigene Lebensende zu erinnern, das kann lebensklug machen. Ob an Halloween, Allerheiligen oder an jedem anderen Tag.

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31OKT2021
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„Ich sehe alles noch ganz verzerrt“, hat mir ein Bekannter erzählt. Er hatte einige Jahre keine passende Brille auf. Deshalb hat sein Gehirn die verzerrte Wahrnehmung der Augen korrigiert. Das ist aber anstrengend, oft hatte er deswegen Kopfschmerzen.

Mit einer neuen Brille musste sein Gehirn erst mal kapieren, dass jetzt die Brille wieder die Korrektur übernimmt. Inzwischen sieht er alles wieder unverzerrt und er hat viel seltener Kopfschmerzen.

Auch bei der Frage nach Gott können sich mit der Zeit verzerrte Wahrnehmungen einschleichen. Wenn wir sozusagen die falsche Brille aufhaben. Eine, die auf den Gedanken eingestellt ist: „Ich muss alles ‚richtig‘ machen, damit Gott mich mag.“ Ich finde, das ist ein toxischer Gedanke. Denn wer kann schon immer alles richtig machen? Dieser Gedanke kann das ganze Leben vergiften. Quasi zu „Seelenschmerzen“ führen.

Um solche toxischen Gedanken über Gott wieder abzulegen, braucht es eine neue Brille. Eine, die meine Wahrnehmung von Gott korrigiert. Martin Luther hat uns so eine Brille in die Hand gedrückt. Der hatte nämlich erkannt: „Ich muss nicht erst alles richtig machen. Gott macht mich richtig!“

Wenn dieser Gedanke in Kopf und Herz ankommt, verdrängt er die verzerrte Wahrnehmung von Gott. Die Seelenschmerzen nehmen ab. Das ist für mich ein Grund zu feiern. Und genau diese Entdeckung von Martin Luther feiere ich heute mit vielen anderen am Reformationstag.

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25SEP2021
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Als Polizistin erlebt Mareike Kloppenburg herausfordernde Situationen. Auch dann muss sie ruhig und besonnen bleiben. Was ihr dabei hilft? Sie sagt:

„Während oder direkt nach Einsätzen, die über das Übliche hinausgehen, habe ich keine festen Rituale. Weil solche Einsätze meist das ganze Bewusstsein und eine gesteigerte Wahrnehmung erfordern, ist dafür oft kein Raum vorhanden. Dann ist es ein Stoßgebet: ‚Herr Jesus, hilf’, oder, wenn mehr Zeit ist, ein kurzes Herzensgebet: ‚Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner’, das mir in solchen Situationen Halt und Ruhe gibt.“

 

Quelle: Mareike Kloppenburg, „Ein Stoßgebet vor dem Einsatz“, in: Missionarische Dienste im Evangelischen Bildungszentrum Haus Birkach (Hg.), Perspektiven. Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde 87, S. 15

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24SEP2021
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In der Arena auf Schalke gibt es eine Kapelle. In den vergangenen 20 Jahren wurden dort zum Beispiel über 1.600 Menschen getauft. Ernst-Martin Barth ist Pfarrer der Kapelle. Was ihn motiviert beschreibt er so:

„Hier bin ich gerne als evangelischer Pfarrer und Fan. [...] Gerne stehe ich den Menschen zur Verfügung mit Worten und Gesten für die Zeiten, in denen sie uns als Kirche brauchen. Diese Begegnungen empfinde ich als sehr persönlich und berührend. Ich möchte zeigen, welche Schätze wir haben und was wir lieben. [...] Und ich freue mich sehr, wenn die Menschen spüren, dass sie bei uns willkommen sind – ‚egal wo du wechkommst’!“

 

Quelle: Ernst-Martin Barth, „Die Kapelle der Arena auf Schalke – Raum der Seele – Ort der Ermutigung“, in: Missionarische Dienste im Evangelischen Bildungszentrum Haus Birkach (Hg.), Perspektiven. Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde 87, S. 51

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23SEP2021
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Jürgen Köhler leitet ein großes Hotel. Seine Angestellten spiegeln wider, wie bunt unsere Gesellschaft ist. Warum es gut ist, dass sein Team so bunt besetzt ist, erklärt er so:

„Wenn es im Team Leute gibt, die Fastenzeiten einhalten, aus welcher Religion auch immer, dann werden wir sensibler für unsere Gäste. Dasselbe gilt auch für den Umgang mit Alkohol oder bestimmten Speiseregeln.

Ich bin gerne Direktor eines Hotels, in dem Gastfreundschaft sensibel und achtsam gelebt wird. Wo wir das schon im Team einüben, gelingt uns das mit unseren Gästen umso besser.“

 

Quelle: Jürgen Köhler im Interview mit Matthias Hiller, „Rituale und Gastfreundschaft“, in: Missionarische Dienste im Evangelischen Bildungszentrum Haus Birkach (Hg.), Perspektiven. Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde 87, S. 16

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22SEP2021
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Manchmal braucht man Unterstützung von außen, wenn das Leben festgefahren scheint. Die Autorin Tina Willms empfiehlt für solche Momente Gottes Geist:

„Ich wünsche dir, dass Gottes Geist wie eine Brise dein Leben durchweht, erfrischend und belebend, anregend und verwirrend. Dass er in dir sein Feuer entfacht, wünsche ich dir, und dich offen macht für das, was unverhofft vom Himmel fällt.“

 

Quelle: Tina Willms, „Im Mai“, zitiert nach Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) (Hg.), „Gemeindebrief. Magazin für Öffentlichkeitsarbeit“ 3/2021, S. 35

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