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12JUN2021
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Die Buchautorin und Ordensschwester Philippa Rath antwortet auf die Frage, wo Sie Gottes Geist am Werk sieht:

„Es gibt [...] unendlich viele Menschen auf allen Kontinenten, die sich engagieren zum Beispiel für die Menschenwürde. Die sich engagieren für die Schöpfung - „Fridays for future“. Auch jetzt in der Pandemie: es gibt [...]  unendlich viele Menschen, die sich für ihre Mitmenschen  einsetzen und das jetzt über doch schon eine ziemlich lange Zeit. Die auch bereit sind auf Vieles zu verzichten, um die Gesundheit der anderen zu schützen.  Also ich brauche nicht weit zu schauen, ich sehe überall Gottes Geist am Werk.“ 

 

Quelle:  https://www.kirche-im-swr.de/?page=beitraege&id=33215, Ausdruck vom 26.05.2021, 14:58 Uhr

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11JUN2021
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Der Moderator der NDR-Talkshow, Hubertus Meyer-Burkhardt, antwortet auf die Frage: Was tröstet Sie?

„Je älter ich werde [...], was ich nie geglaubt hätte, so was wie Glaube. Ich bin mit 26 Jahren aus der Kirche ausgetreten und auch nicht wieder eingetreten. Vielleicht ist es wirklich ein Zeichen von Älterwerden, dass ich das Gefühl habe, da passt jemand auf dich auf.  [...] Manchmal gucke ich nach oben und bedanke mich beim lieben Gott für das Leben, das ich führen kann.“

 

Quelle: Die ZEIT Nummer 19 vom 6.Mai 2021: Unterhaltung „Ich bin eine reisende Seele“, S.30.

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10JUN2021
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Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker überlebte vor ihrer Wahl ein Attentat. Ihr christlicher Glaube ist ihr wichtig. Sie sagt:

„ Stehe ich an einer Weggabelung, frage ich mich: Welchen Weg würde unser Freund Jesus einschlagen? Das ist für mich eine Orientierung: Wie möchte ich selbst sein? Wie kann ich sinnvoll leben? Kinder erziehen oder eine Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen, das hat einen Sinn. Ich habe ungewollt keine Kinder. So ging ich vor 20 Jahren in die Verwaltung, dort kann ich helfen, dort kann ich für andere da sein. Eine Weggabelung war auch nach dem Attentat die Entscheidung: Will ich unter diesen Umständen Oberbürgermeisterin sein? Mein Mann hat mich das gefragt, im Krankenhaus, bald nachdem ich aufgewacht war. Es hat vielleicht zehn Sekunden gedauert, dann hatte ich meine Antwort: Ich hatte so viel Glück, Gott hat mit mir etwas vor, ich habe noch eine Aufgabe zu erledigen.“

 

Quelle:  chrismon. Das evangelische Magazin,  04.2021, Fragen an das Leben Folge 178, S.48.

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09JUN2021
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Der Schauspieler Matthew McConaughey ist gläubiger Christ. In seinem Buch „Greenlights“ schreibt er:

„Warum beten?

Eine Zeit, um Inventur zu machen.

Von oben und von weit weg auf uns selbst, unsere Liebsten, unsere Sterblichkeit zu schauen.

Eine Zeit , um lächelnd auf die Dinge zu blicken, mit denen wir gesegnet sind,

 um unsere selbstsüchtigen Sehnsüchte zu entmachten,

um die, von denen wir wissen, dass sie bedürftig sind, mit unserem Mitgefühl zu umfangen [...]

bevor wir Amen sagen.“

 

Quelle:  Matthew McConaughey: Greenlights oder die Kunst, bergab zu rennen, Seite 291., Ullstein Buchverlage Berlin 2021 (deutsche Ausgabe).Aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33275
08JUN2021
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Der Journalist Matthias Drobinski erzählt, wie er von Kolleginnen und Kollegen getröstet wurde:


„Auf einmal stand diese Flasche Wein auf dem Schreibtisch. Was sollte das? Es gab nichts zu feiern, im Gegenteil. Da war dieser furchtbare Fehler, der den Schlaf raubte und den Boden schwanken ließ. Der Chef tobte, der Magen zog sich zusammen. Ein Post-it –Zettel klebte auf der Flasche, mit Filzstift beschrieben: „Wir wollten Dir nur zeigen, wie sehr wir dich schätzen. Die Kolleginnen und Kollegen.“ Eine kleine Geste nur, und trotzdem änderte sie die Welt: Sie wenden sich nicht ab von mir, du bist nicht allein in der Katastrophe [...]“

 

Quelle:  chrismon. Das evangelische Magazin,  04.2021, Fragen an das Leben Folge 178, S.48.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33274
07JUN2021
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In einem Interview antwortet Außenminister Heiko Maas auf die Frage: „Haben Sie eine Vorstellung von Gott?“ Der Politiker sagt:

„Wir kommen nicht aus dem Nichts, es muss etwas geben, wo alles herkommt und wo alles hinführt. Es gibt vieles, was wir nicht verstehen [...]. Die Gewalt und all das, was sich Menschen antun – das werden wir uns wahrscheinlich nie vollkommen erklären können. Doch ich habe die Hoffnung, dass es etwas gibt, das aus diesem Unerklärlichen einen Sinn macht. Und das auch meiner eigenen Existenz fernab aller weltlichen Kriterien einen Sinn gibt. Gehadert mit Gott habe ich oft, grundsätzlich gezweifelt noch nie. Gehadert in Fällen großer Katas­trophen und großer menschlicher Brutalität, manchmal aber auch bei kleinen Ungerechtigkeiten des Lebens. [...] Das, was ich heute als Solidarität im politischen Leben vertrete, hat viel mit dem zu tun, was ich als Nächstenliebe [...] kennengelernt habe.

 

Quelle:https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2016/32635/bundesjustizminister-heiko-maas-beantwortet-die-fragen-das-leben, Ausdruck vom 23.05.2021 10:15 Uhr

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33273
06JUN2021
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Der Regisseur Wim Wenders ist katholisch aufgewachsen, war dann eine Zeit lang Atheist und hat schließlich  erneut zum christlichen Glauben gefunden. Dabei spielt für ihn das Neue Testament eine große Rolle:

„Ich finde das Neue Testament so atemberaubend, weil es nur Möglichkeiten eröffnet und keinerlei Einengungen. Das ist kein abstrakter Gott. Sein Wesen kann ich heute spüren. Nicht nur beim Beten. Auch das Licht erlebe ich oft als eine Nähe Gottes und jeden Akt von Freundlichkeit oder Brüderlichkeit unter Menschen! [...] Ich habe in meinem Leben Antworten auf Gebete bekommen, gerade dann, wenn ich niemand anderen mehr fragen konnte.“

 

Quelle:  https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2010/1697/guter-sex-was-ist-das-denn-ueberhaupt-filmemacher-wim-wenders-ueber-liebe-und-guten-sex, Ausdruck vom 26.05.2021 um 12:58

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33272
03JUN2021
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Clemens Tewinkel Clemens Tewinkel mit seiner Familie. Copyright: Clemens Tewinkel.

Begegnungen mit Christopher Hoffmann...

und mit Clemens Tewinkel, der mit den „Wise Guys“ große Erfolge gefeiert hat. Die a capella-Band hat immer wieder riesige Konzerte auf Kirchentagen gegeben und engagierte sich auch für ein Projekt des katholischen Hilfswerks Misereor.* Und zwar für Straßenkinder in Neu-Delhi. Die hat Clemens Tewinkel vor Ort besucht. Er schaut aktuell sehr besorgt nach Indien, wo die Lage wegen Corona dramatisch ist. Neu-Delhi gilt weltweit als die Hauptstadt mit der schlechtesten Luft. Zahlreiche Menschen leiden dort sowieso schon an Lungenkrankheiten und sind nun wegen Corona besonders gefährdet:

Ich weiß noch genau, dass der erste Schockmoment, den ich hatte, war als ich in Delhi aus dem Flughafengebäude rauskam und da auf der Straße stand. Und offensichtlich verbrannte irgendjemand in unmittelbarer Nähe irgendwelchen Plastikmüll oder sonst was – es stank jedenfalls unglaublich. Und man hatte das Gefühl: „Oh Gott, lass uns mal hier weggehen.“ Und dann merkte man aber, man konnte dem nicht entfliehen, weil das einfach die ganze Stadt war.

Clemens Tewinkel besucht damals das Projekt „Butterflies“ und ist total begeistert. „Butterflies“ leistet  ganz unbürokratisch Hilfe zur Selbsthilfe: Lehrer fahren zum Beispiel dorthin, wo die Straßenkinder leben und unterrichten sie: unter Brücken oder auf dem Bürgersteig. Außerdem helfen sie medizinisch. Und die Kinder werden ermutigt das gefährliche Leben auf den Straßen Delhis mit eigenen Ideen zu verbessern:

Ein Problem für die Kinder war zum Beispiel, dass es keinerlei Registrierung gab und dass – wenn so ein Kind dann auf einmal nicht mehr kam – das im Zweifel niemand bemerkt hat.So ein Kind, das  mit acht Jahren auf der Straße lebt, allein, ohne Angehörige, ohne irgendeine Kontrolle durch die Polizei und so weiter ist natürlich leichte Beute für alle möglichen furchtbaren Dinge, die da passieren können von Sklaverei über Zwangsprostitution und so weiter. Und diese Bedrohung war den Kindern sehr bewusst und dann haben sie sich überlegt, was sie dagegen machen können und haben ein Ausweissystem  eingeführt , wo die Kinder bei der Organisation registriert wurden und dann auch irgendein Kärtchen, Ausweispapier mit sich führten, wo halt nur drinstand: Ich bin ein registriertes  Kind, wenn ich nicht mehr auftauche, dann wird das bemerkt – man wird mich vermissen. Weil ich registriert bin.

Als Clemens Tewinkel Indien besucht ist er junger, dreifacher Familienvater und erlebt deshalb besonders krass, wie unterschiedlich die Startbedingungen auf dieser Welt verteilt sind:

Man hat halt Kinder getroffen, die ein bisschen älter waren als die eigenen und vielleicht war es deswegen auch so, dass man gesehen hat: meine Kinder sind nicht anders als diese Kinder hier, aber es ist irgendwo total unfair, dass diese Kinder hier nicht die gleichen Chancen haben. Und der lebt hier im Slum, während meine Kinder zu Hause hier einen tollen Garten haben.  

Die Indienreise verändert Clemens Tewinkel, der von da an auf jedem Konzert der „Wise Guys“ um Spenden für das Projekt wirbt – ich merke ihm an: bis heute lässt ihn das Schicksal der jungen Menschen aus Delhi nicht kalt:

Es ist tatsächlich so, dass mich das rührt, wenn ich da zurückdenke, weil ich diese Kinder dann getroffen habe. Das war eine Erscheinung! Das war eine Erfahrung!Das Problem ist, dass in Delhi diese Kinderim Dreck leben – und dass „Butterflies“ denen die Möglichkeit gegeben hatin Erscheinung zu treten und ihre auch Talente zu nutzen. Das waren einfach Kinder, wo man so denkt: „Du bist ja Hammer!“

In einer Millionenstadt den einzelnen Menschen sehen – und seine und ihre Talente. Das begeistert Clemens Tewinkel bis heute. Er selbst hatte in seinem Leben die Chance seine Talente zu entfalten – studiert Physik, Mathe, Musik und Informatik. Ich spreche mit Clemens Tewinkel, der mit der a capella Band „Wise Guys“ berühmt wurde. In seiner aktiven Zeit als Sänger warb er auf jedem Konzert für ein Hilfsprojekt von Misereor für Straßenkinder in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Und denen geht es gerade so schlimm wie noch nie:

Also was ich erfahren habe ist, dass es unheimlich viele Kinder tatsächlich gibt, die verwaisen, wo die Eltern einfach sterben oder die Eltern  so krank sind, dass sie sich einfach nicht mehr um die Kinder kümmern können. Dann wurde mir eigentlich erst klar durch die Gespräche auch mit Misereor, dass natürlich viel viel mehr Kinder jetzt dazukommen – und die Situation durch Corona noch mal viel dramatischer wird .

Misereor ist auf Unterstützung angewiesen, um weiterhin in Indien mit Nahrungsmitteln, Masken und psychologischer Begleitung für die traumatisierten Kinder da sein zu können.  Für Clemens Tewinkel  spielen christliche Werte wie Nächstenliebe eine zentrale Rolle in seinem Engagement. Aber er geht noch einen Schritt weiter und erzählt mir, dass für ihn ein Gebot  Jesu eine ganz besondere Bedeutung hat:  „Liebe deine Feinde“ (Mt 5,44).

Also mit anderen Worten – das Vergeben und das Verzeihen und das Ablehnen von Rache. Im Christentum ist die Rache verpönt. Das ist für mich total entscheidend. Und natürlich gelingt einem das nicht immer ja, so Revanchegedanken hat man ja schon manchmal. Aber insgesamt bin ich schon christlich geprägt und versuche das auch an meine Kinder weiterzugeben.

Auch wenn Clemens Tewinkel am Bodenpersonal und der Institution Kirche vieles kritisch sieht. Und die Musik? Hat die für den Künstler Clemens Tewinkel auch eine religiöse Dimension, will ich wissen. Dem ehemaligen Mitglied der „Wise Guys“ fällt ein Chorstück ein, das er in seiner Jugend sehr gerne gesungen hat, das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Darin geht es um den alttestamentlichen Propheten Elias - und für Clemens Tewinkel geht es  auch um Urvertrauen:

Es gibt im Elias zum Beispiel das Stück „Ob tausend fallen zu deiner Seite und Zehntausend zu deiner Rechten , so wird es doch dich nicht treffen“. Und wenn man den mit großem Orchester und dann im Chor mitsingt, das packt einen schon und das hat dann auch eine spirituelle Komponente find ich, weil man dieses Zutrauen oder dieses sich Verlassen auf Gott und auf „es wird schon alles werden“ und „Es wird gut werden“  und ich glaube daran, das hat schon eine unheimliche Kraft.

 

Weitere Infos auf www.misereor.de

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33271
24MAI2021
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Schwester Philippa Rath copyright Foto: Christopher Hoffmann

Schwester Philippa Rath, Sie sind seit über 30 Jahren Benediktinerin in der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim - Eibingen, Sie haben Theologie studiert, außerdem auch Geschichte und Politikwissenschaften. Und sie haben ein Zusatzstudium in Logotherapie und in Existenzanalyse. Um die Existenz, ums Eingemachte, da  geht es ja auch heute am Pfingstfest. In der Apostelgeschichte wird ja beschrieben, dass der Heilige Geist an Pfingsten auf alle herabkam, die zu Jesus gehörten. Der Heilige Geist als die Kraft mit der Gott in dieser Welt wirken will. Und es entsteht eine große Dynamik, deshalb gilt Pfingsten ja auch als der Geburtstag der Kirche. Sie haben in einem Interview kürzlich gesagt: „Ich liebe meine Kirche und ich leide an ihr“.* Was lieben Sie an ihrer Kirche?

Die katholische Kirche ist meine Heimat. Das finde ich ganz wichtig. Ich liebe die Heilige Schrift, die Botschaft der Bibel, das Zeugnis und das Vorbild Jesu. Ich liebe auch die Liturgie von Kindheit an, bin gerne immer in die Kirche gegangen, das sich Hinwenden zu Gott und leben aus Gottes Liebe und im Vertrauen auf Gottes Beistand.    

Und warum leiden Sie dann auch an der Kirche?

Die Kirche ist ja eine Institution, die immer neu – denke ich – die Botschaft in der jeweiligen Zeit in der wir leben verkünden muss. Ich glaube die Frauenfrage ist eine existentiell wichtige Frage für die Zukunft der Kirche. Mehr als die Hälfte aller Katholiken sind Frauen. Und sie leiden daran, dass sie überall an Grenzen stoßen, dass sie keinen Zugang zu den Weiheämtern in der Kirche haben und damit auch nicht zu den Leitungsämtern, also nicht gestalten, mitgestalten können, mit die Verantwortung tragen. Und ich denke wir leben in einer Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind und genau dieses würde ich mir für unsere Kirche auch wünschen.

Viele Menschen treten aktuell aus der Kirche aus – andere bleiben in der Kirche und kämpfen für Veränderungen, wie Sie es ja auch tun, im so genannten „Synodalen Weg“, der sich in der katholischen Kirche aufgemacht hat, um Reformen und Veränderungen zu thematisieren, die jetzt anstehen. Sie sind Teilnehmerin am Synodalen Weg und zwar im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.  Und in diesem Forum geht es um Geschlechtergerechtigkeit– welche Rolle spielt da für Sie die Kraft des Heiligen Geistes?

Ich bin überzeugt, dass Jesus sehr viele Frauen in seine Nachfolge berufen hat, wenn auch der Apostelkreis selber zwölf Männer waren. Aber das begründet sich meines Erachtens mit der damaligen zeitgeschichtlichen Situation, weil Apostelamt war Zeugenschaft für Leben, Tod  und Auferstehung Jesu und die Frauen hatten in der damaligen Zeit nicht das Recht auf Zeugenschaft. Also mir ist es wichtig auf die Heilige Schrift zu schauen, auf die vielen Frauen, die berufen wurden, auch auf den Umgang Jesu mit den Frauen. Wir benutzen heute das Wort oft und gerne „Auf Augenhöhe“ miteinander sprechen und umgehen – das hat Jesus vorgelebt!  Es gibt viele wunderschöne biblische Erzählungen, wo Frauen  im Gespräch mit Jesus sind und er sie hoch wertschätzt und achtetund das ist meines Erachtens einfach im Laufe der Kirchengeschichte zu kurz gekommen und da müssen wir uns neu auf die Ursprünge besinnen.

Also der Heilige Geist auch als eine Kraft, die Menschen befähigt für Gerechtigkeit einzutreten, in dem Fall für Geschlechtergerechtigkeit?

Ja, als eine Kraft – oder als die entscheidende Kraft, die mich antreibt. Wir müssen auch offen sein für das Wirken des Geistes, der oft ganz anders wirkt und weht, als wir uns das vorstellen, also wir dürfen ihn nicht in bestimmte Positionen vereinnahmen,  sondern  - das ist das Entscheidende glaub ich - der Heilige Geist befähigt uns offen zu sein für das Wirken Gottes.

Kommen wir zu ihrem Buch: Sie hatten ja eigentlich nie vor ein Buch zu schreiben, sondern wollten für den Synodalen Weg Lebenszeugnisse von Frauen sammeln, die sich zur Priesterin oder zur Diakonin berufen fühlen. Ihr Buch heißt interessanterweise „Weil Gott es so will“**...

... genau, letztes Jahr Pfingsten hatte ich 150 Texte von Frauen in meinem Computer. Und ich muss Ihnen ehrlich sagen, das war für mich auch ein Pfingstwunder, ein Wirken des Heiligen Geistes, dass so viele Frauen sich gemeldet haben auf meinen Aufruf hin. Meine ursprüngliche Idee war einige Texte zu sammeln – Lebenszeugnisse von Frauen, die sich zur Diakonin oder Priesterin berufen fühlen. Um diese dann wiederum mitzunehmen in die Beratungen des  Frauenforums im Rahmen des Synodalen Wegs, denn ich habe dort erfahren, dass einige Amtsträger sich gar nicht vorstellen können, dass es überhaupt Frauen gibt, die sich zu diesen geistlichen Ämtern berufen wissen. Ich konnte natürlich nicht 150 Texte mitnehmen in den Synodalen Weg und so blieb eigentlich nur die Variante – wenn ich allen Frauen gerecht werden wollte – ein Buch daraus zu machen. Und so ist das Buch entstanden. Ich habe Unmengen an Reaktionen bekommen von ganz normalen Christen, aber auch von Priestern, auch sogar von Bischöfen, die sich bedankt haben für dieses Buch und die mir bestätigen, dass ihr Denken sich zumindest teilweise geändert hat. Sie sind ins Nachdenken gekommen und das freut mich natürlich ungemein,  das war ja auch meine Absicht: Bewusstseinsveränderung herbeizuführen. Das erste Ziel war die Frauen aus der Anonymität zu holen und dass sie also überhaupt darüber sprechen können. Aber das zweite, dass wir einsehen, welches Potential, welche Ressourcen, welche Charismen, welche Begabungen die Kirche links liegen lässt, indem sie die Frauen nicht gleichberechtigt beteiligt. Das heißt die Kirche, davon bin ich fest überzeugt, unsere Kirche schadet sich selbst, indem sie die Frauen nicht zu den Weiheämtern zulässt.  Ich kenne so viele Krankenhausseelsorgerinnen, die eine wunderbare Arbeit machen und am Ende die Krankensalbung nicht spenden dürfen – nur ein Beispiel von vielen.

Pfingsten ist ja auch das Fest, an dem wir feiern, dass Gottes Geist weht wo er will – deswegen würde mich interessieren: Wenn Sie in die Welt schauen, Schwester Philippa – wo sehen Sie da auch innerhalb und außerhalb der Kirche Spuren von Gottes Geist?   

Es gibt so unendlich viele Menschen auf allen Kontinenten, die sich engagieren zum Beispiel für die Menschenwürde. Die sich engagieren für die Schöpfung - „Fridays for future“. Auch jetzt in der Pandemie:es gibt auch unendlich viele Menschen, die sich für ihre Mitmenschen  eingesetzt haben und das jetzt über doch schon eine ziemlich lange Zeit. Die auch bereit waren auf Vieles zu verzichten, um die Gesundheit der anderen zu schützen.  Also ich brauche nicht weit zu schauen, ich sehe überall Gottes Geist am Werk.  

Was sind für Sie Themen wo sich Christinnen und Christen auch heute einbringen sollten in unserer Gesellschaft?

Das ist das große Feld des Themas Menschenwürde. Es ist für mich zum Beispiel eine ganz wichtige Frage: Wie gehe ich mit den alten Menschen um. Der Umgang mit Schwäche überhaupt, mit schwachen Menschen. Ich selber habe lange Jahre eine demenzkranke Mitschwester versorgt und betreut und habe da bemerkt wie auch schwerkranke Menschen, die in der Regel eher ausgegrenzt werden, mir persönlich sehr viel bedeuten können und mir auch viel geben können.

Zum Schluss Schwester Philippa: Sie haben ja auch Logotherapie studiert, also eine Form sinnorientierter Psychotherapie. Da geht es um Sinnfindung und deshalb die Frage an Sie: Was ist für Sie der Sinn des Lebens?

Ich bin überzeugt es gibt nicht den Sinn des Lebens, sondern diese Frage kann nur jede Person ganz individuell für sich beantworten. Und wenn ich Menschen begleite, dann versuche ich ihnen zu helfen ihrem eigenen Leben auf die Spur zu kommen und darin Sinnspuren zu entdecken. Auch übrigens in schwierigen Lebenssituationen. Das ist meine Erfahrung, gerade in den Krisen und Grenzsituationen habe ich sehr viel Sinn erfahren. Und ich bin ja der Überzeugung, dass wir am Ende unseres Lebens, wenn wir Gott gegenübertreten einen wunderbaren Überblick über unser Leben gewinnen und dann auch den eigentlichen Sinnfaden entdecken. Und auch wenn ich in manchen Situationen keinen Sinn sehe – oft ist es mir persönlich so gegangen, dass ich im Rückblick sehr genau erkannt habe: Das war der Sinn dieser oder jener Begebenheit, dieser Erfahrung, dieser Begegnung. Also Sinn muss sich ausbuchstabieren.

Vielen vielen Dank für das sehr interessante Gespräch, Schwester Philippa.

Gern geschehen, danke Ihnen für Ihr Interesse.

 

*vgl . https://www.kirche-im-swr.de/?page=beitraege&id=33032

 **Philippa Rath (Hg.): „Weil Gott es so will“. Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin. Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2021.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33215
03APR2021
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„Glaubst du das echt?“  Wenn ich mit Leuten rede, die einen lieben Menschen verloren haben, dann werde ich das immer wieder gefragt. Ob ich das echt glaube mit dem Leben nach dem Tod, dem Wiedersehen bei Gott. Und ja, ich glaube das. Wie das genau wird – da muss ich natürlich auch passen. Aber ich glaube: Mit dem Tod ist nicht alles vorbei. Und genau das feiere ich an Ostern. Deshalb ist mir dieses Fest so wichtig. So heilig. Nicht nur an diesem Wochenende.

Sondern immer auch dann, wenn ich vor Entscheidungen stehe und mich die Frage beschäftigt: Was zählt wirklich, was bleibt, wenn wir mal von dieser Welt gehen? Hinein in diesen „anderen Raum“, wie Michelangelo es so schön gesagt hat.

Und heilig ist mir die Osterhoffnung auch immer dann, wenn ich an meine eigenen Grenzen komme. Wenn ich am Grab einer Freundin stehe, die viel zu früh gegangen ist. Wenn ich sie vermisse. Und wenn ich auf ihrem Grab Frühlingsblumen sehe, die mich daran erinnern, dass das Leben siegt und wir uns  irgendwann wiedersehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32890