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23JAN2021
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Der Schauspieler Tobias Moretti über seinen Glauben an Gott:

„Ich fühle mich, wenn es darauf ankommt, nicht allein. Ich versuche, dieses Gefühl in meinem Alltag nicht zu strapazieren. Weil es eher in Dankbarkeit Ausdruck findet, als dass ich um etwas bitte.  Als Kinder haben wir zu viert in einem Zimmer geschlafen, abends kam immer die Mama rein und hat ein Gebet ge­sprochen. [...] Dann ist die Ruhe gekommen, das hat uns in unsere Träume entlassen, und wir haben geschlafen wie die Murmelen. Das hat mir ein tiefes Vertrauen ins Leben gegeben.“

 

 

Quelle: Tobias Moretti auf der Homepage: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2020/50895/tobias-moretti-ueber-musik-ein-abendgebet-und-seine-frau, Ausdruck vom 11.01.2021 um 19:40 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32443
22JAN2021
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Mit Blick auf das Jahr 2021 denkt Papst Franziskus über den Wert von Zeit nach:

„In diesem Jahr, in dem wir auf einen Neubeginn und neue Behandlungsmöglichkeiten hoffen, sollten wir die Sorge füreinander nicht vernachlässigen. Denn über den Impfstoff für den Körper hinaus brauchen wir auch einen Impfstoff für das Herz: die Sorge füreinander. Es wird ein gutes Jahr werden, wenn wir für andere sorgen [...] Zeit ist der Reichtum, den wir alle haben [...] Bitten wir um die Gnade, Zeit für Gott und für unsere Mitmenschen zu finden – für die Einsamen, für die Leidenden, für die, die jemanden brauchen, der ihnen zuhört und sich um sie kümmert.“

 

 

 

Quelle:Papst Franziskus, auf der Homepage: https://religion.orf.at/stories/3203877/, Ausdruck vom 09.01.2021 10:53 Uhr

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32442
21JAN2021
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Der Schauspieler Volker Bruch, bekannt aus „Babylon Berlin“,  engagiert sich mit der Aktion „Los für Lesbos“ für die Menschen im griechischen Flüchtlingslager Kara Tepe. Er fordert die Politik zum Handeln auf:

„Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist abgebrannt. Alle haben es gesehen. Aber verbessert hat sich für die Geflüchteten an den Außengrenzen nichts. Die Not-Unterkünfte im neuen Camp sind nicht winterfest, es gibt zu wenig Nahrungsmittel, keine ausreichende medizinische Versorgung und jetzt, wo es kalt wird, sind die Menschen der Witterung schutzlos ausgeliefert. Trotzdem handelt Europa nicht. Und auch die Bundesregierung hat bisher keinen Plan vorgelegt, um angemessen mit der Situation umzugehen.Es gibt nichts Schlimmeres als nicht zu helfen, obwohl man helfen könnte.“

 

Quelle: Volker Bruch auf der Homepage:https://losfuerlesbos.com/LFL2_PR_german_v1.pdf, Ausdruck vom 14.1.2021 um 12:07 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32441
20JAN2021
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Heute wird Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in sein Amt eingeführt. Der Katholik zitierte in seiner Rede nach dem Wahlsieg  auch aus dem biblischen Buch Kohelet:

„Es ist an der Zeit, die harsche Rhetorik beiseite zu legen, die Temperatur herunterzuschalten und einander wieder zu sehen. Hören wir einander wieder zu. [...] Die Bibel sagt uns, dass es eine Jahreszeit für alles gibt, eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Ernten und eine Zeit zum Säen. Und eine Zeit zum Heilen. [...] Jetzt ist der Wahlkampf vorüber.“

 

Quelle:


Joe Biden auf der Homepage https://rp-online.de/politik/ausland/us-wahlen/joe-biden-die-wichtigsten-passagen-der-siegesrede-an-die-nation_aid-54500313, Ausdruck vom 11.1.2021, 13:25 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32440
19JAN2021
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Bruder Roger Schutz hat in dem französischen Ort Taizé ein internationales Kloster gegründet, wo jedes Jahr junge Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen. Der Ordensmann sagte einmal:

„Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“ [...] „Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen. Unsere Hinwendung gilt allen Menschen ohne Ausnahme, weil in jedem Menschen Zeichen Christi, unseres Bruders, erkennbar sind.“ [...] „ Liebe und sag es durch dein Leben! “

 

 

Quelle:

Bruder Roger Schutz, auf der Homepage:

https://bistummainz.de/dekanat/ruesselsheim/aktuell/nachrichten/nachricht/Lebe-das-was-du-vom-Evangelium-verstanden-hast/?instancedate=1601190000000, Ausdruck vom 12.012021 um 13:32 Uhr

und auf der Homepage:

https://www.sankt-maria.net/gottesdienste/besondere-gottesdienstformen/taize-andachten.html, Ausdruck vom 12.01.2021 um 13:32 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32439
18JAN2021
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Der Fußballer Leon Goretzka hat sich vor kurzem mit der 99-jährigen Margot Friedländer getroffen, die das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hat. Goretzka erzählt:

„Ich bin das Treffen mit großer Ehrfurcht angetreten, war sehr demütig und werde die Unterhaltung mein Leben lang nicht mehr vergessen“ [...] „Durch das Gespräch mit einer Überlebenden wurde das alles total real. Sie hatte sogar ihren Judenstern mitgebracht. Das sind Momente, da erstarrst du förmlich“[...]  „Wir müssen diejenigen sein, die dafür Sorge tragen, damit so etwas nie wieder vorkommt.“ [...] „Rassismus wird in unserem Land nun schon seit einiger Zeit präsenter. Diese Tendenz macht mir Sorgen. Zeigt Zivilcourage, weist Rassisten in die Schranken – im Stadion wie im Alltag!“   

 

Quelle:

Leon Goretzka,  auf der Homepage: https://www.facebook.com/LeonGoretzka/photos/a.1024360767576415/3880478748631255/, Ausdruck vom 11.01.2021, um 19:58 Uhr.

und auf der Homepage: https://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/tolle-aktion-rot-gegen-rassismus-fc-bayern-macht-sich-stark-fuer-menschlichkeit_id_11737765.html, Ausdruck vom 11.01.2021, um 19:58 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32438
17JAN2021
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"Weinert Brothers": Dennis und Patrick Weinert Copyright: Dennis und Patrick Weinert

Begegnungen mit Christopher Hoffmann...

und mit Dennis und Patrick Weinert, zwei jungen Auslandsjournalisten, die mir per Videokonferenz aus dem Vietnam zugeschaltet sind. Gebürtig kommen die Brüder aus Rheda-Wiedenbrück. Nun leben sie in Ho-Chi-Minh-Stadt und bereisen von dort gemeinsam unter dem Namen „Weinert Brothers“ die Welt. Um jenen Menschen in ihren Dokumentarfilmen und Fotos ein Gesicht zu geben, die sonst niemand sieht. Von Afghanistan bis zur Zentralafrikanischen Republik haben der 28-jährige Dennis und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Patrick Krisenherde besucht und vor kurzem den Peter Scholl-Latour Preis gewonnen. Mich beeindruckt ihre Haltung. Dennis erzählt mir, wie sie mit den Menschen in Konfliktgebieten in Kontakt kommen:

Dennis: Ich glaube es kommt sehr darauf an, dass man versucht nicht unbedingt nur mit einem journalistischen Blick, sondern erst mal als Mensch oder als Freund dahin zu gehen und zu schauen: Was für Leute möchten ja vielleicht auch mit mir reden? Und das öffnet so ein bisschen die Tür, dass Menschen glaube ich dann auch sehr, sehr ehrlich berichten.

Die Filme und Fotos der „Weinert Brothers“ gehen unter die Haut. Auch unter die von Dennis und Patrick, auf der außen bunte Tatoos den Anschein erwecken, dass hier zwei hippe, sportliche Brüder die pure Abenteuerlust gepackt hat. Doch den sensiblen Journalisten geht es um mehr: Licht in vergessene Konflikte zu bringen. Etwa in der Zentralafrikanischen Republik, wo seit Jahren ein von der Öffentlichkeit fast unbemerkter Bürgerkrieg tobt. Die Gewalt sich rivalisierender Rebellengruppen ist hier an der Tagesordnung. Aber auch: der unbedingte Wille zum Frieden. Patrick erzählt mir von einer Beerdigung,  auf der die Bewohner eines Dorfes, in dem Menschen ermordet wurden, sich dazu entscheiden, nicht mit Waffengewalt zurückzuschlagen:

Patrick: Das waren Menschen, die tatsächlich  die andere Wange hingehalten haben. Und die gesagt haben: Wir bleiben als Gemeinde stark und wir lassen uns jetzt nicht irgendwie von Hass korrumpieren oder dass wir Rache üben wollen. Und ich glaube, dass es aber dann genau diese Auslegung, dieser Wert war, der den Menschen noch so eine Art Zufriedenheit oder so eine Art Glück gegeben hat. Dass diese Menschen trotzdem noch irgendwie den Frieden wahren wollen. Und dass denen das heiliger ist, als irgendwie Rache zu üben, das war ziemlich inspirierend für uns.

Die „Weinert Brothers“ haben viele bewaffnete Konflikte weltweit dokumentiert und kritisieren scharf, dass Deutschland zu den größten Waffenexporteuren weltweit gehört. Dennis und Patrick wollen ihre Kamera auch auf die Friedensstifter richten. Dennis erklärt mir, warum:

Dennis: Es ist immer verlockend, gerade wenn man in Krisengebieten unterwegs ist, dass man sich mit den Leuten auseinandersetzt, die dort die Macht haben. Und das sind dann in der Regel diejenigen, die zur Waffe greifen. Aber die eigentlichen Leute, auf die man sich glaub ich noch mehr konzentrieren sollte, sind eben die, die sagen: Wir machen das nicht. Menschen, die einfach nur sagen: Ich gehe wieder am nächsten Morgen auf den Markt und verkaufe dort mein Gemüse zum Beispiel, obwohl ich weiß, dass es die Gefahr gibt, dass jemand vorbeikommt mit seinem Gewehr und sagt: Das gehört jetzt alles mir.

Ich spreche mit Dennis und Patrick Weinert, die als Fotografen einen Bildband mit dem Titel „Resilienz“ herausgegeben haben*. Darin sind Menschen zu sehen, die in den Krisengebieten dieser Welt trotz widrigster Umstände ihre Hoffnung und Menschlichkeit nicht verlieren. Das Foto auf dem Cover des Bildbands zeigt einen Rohingya in Bangladesch, der auf der Flucht vor Militärgewalt in Myanmar selbst knietief im Schlamm steckt und dabei einen anderen Menschen auf seinem Rücken trägt. Mich erinnert das Foto an den barmherzigen Samariter aus der Bibel. Ein Moment praktizierter Nächstenliebe. Patrick erklärt mir, dass diese Szene in Bangladesch keine Ausnahme war:

Patrick: Dieses Bild ist auch in der Situation entstanden als da gerade mehrere tausend Geflüchtete über die Grenze kamen und die Bilder, dass Menschen sich gegenseitig geholfen haben und sich gegenseitig getragen haben, die Kranken versucht haben durchzubringen, das war also wirklich sehr allgegenwärtig. Und natürlich war das Leid dort, und  diese Verzweiflung der Menschen, die mich emotional überfordert hat, aber eben gleichzeitig auch diese Hilfsbereitschaft, die wirklich so geballt dort stattgefunden hat.

Diese großen Gesten der Menschlichkeit haben Dennis und Patrick auch neu über Religion nachdenken lassen, zu der sie früher keinen Bezug hatten. Auf ihren Reisen machen sie immer wieder die Entdeckung, dass verschiedene Grundwahrheiten in allen Religionen vorkommen:

Dennis: Ich glaube es gibt einfach bestimmte Werte, bei denen wir jetzt über die letzten Jahre immer mehr und mehr das Gefühl bekommen: Da ist schon sehr viel Wahrheit drin und das ist ziemlich universell. Und das ist eigentlich ganz schön zu sehen, dass es dann so viel Schnittmenge, so viel Gemeinsamkeiten gibt.

Patrick: Ich glaube es ist einfach der Punkt sich ein bisschen zu öffnen und darauf zu vertrauen,dass es was Größeres gibt.

Die „Weinert Brothers“ wollen auch ganz konkret helfen. 80% aus dem Erlös ihres Bildbands spenden sie aktuell an die indische Hilfsorganisation Kat-Katha.*  Die haben sie bei eigenen Recherchen zum Thema Menschenhandel kennengelernt. Sie unterstützt Frauen, die im Rotlichtviertel von Neu-Delhi als Zwangsprostituierte versklavt werden. Und sie hilft deren Kindern, die in den Bordellen mit aufwachsen müssen. Corona hat die ohnehin schreckliche Situation der Kinder und Frauen nochmal verschlimmert, denn nun haben sie nicht einmal mehr etwas zum Essen, weiß Patrick:

Patrick: Die Organisation Kat-Katha setzt sich halt dafür ein erst mal diese Kinder zu betreuen, dass sie in einem anderen Umfeld aufwachsen können und gleichzeitig halt irgendwie eine Zukunftsperspektive zu bieten. Nicht nur für die Kinder, sondern weiterführend auch für die Frauen. Dass wenn sich Frauen dazu entscheiden aus diesem Rotlichtmilieu auszutreten, dass sie dann eine Anlaufstelle haben und Leute haben, die ihnen dabei helfen sich eine andere Zukunft aufzubauen.

Die „Weinert Brothers“ sind für mich zwei moderne barmherzige Brüder, deren Dokumentationen viele Denkanstöße liefern, für dich ich dankbar bin.

 

*https://shop.weinertbrothers.com/produkt/resilienz-bildband/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32444
17JAN2021
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Magdalena Neuner, die zweifache Olympia-Siegerin im Biathlon,  über ihren Glauben an Gott :

„ Es gibt oft so Momente, wo ich wirklich eine tiefe Verbindung spüre und  [...] darum bitte, dass er mir jetzt irgendwie hilft oder dass er mir jetzt irgendwie so einen kleinen Schubs gibt, damit sich Lösungen auftun.“ [...] „Für mich ist es wichtig zu wissen, dass es eine Kraft gibt, die uns leitet und uns im Leben führt.“ [...] „ Ich glaube, dass Gott uns so liebt, wie wir sind. Das ist ja auch das, was der Glaube vermittelt.“ [...] „Ich glaube, die Werte, die ich als Kind aus der Kirche und dem religiösen Leben mitbekommen habe, sind auch heute wichtig.“

 

Quelle:

Magdalena Neuner, auf der Homepage: https://promisglauben.de/magdalena-neuner-es-gibt-oft-so-momente-wo-ich-eine-tiefe-verbindung-spuere, Ausdruck vom 11.01.2021 um 19:09 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32437
03JAN2021
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Gregor Podschun Foto: BDKJ-Bundesstelle / Christian Schnaubelt.

Begegnungen mit Christopher Hoffmann...

...und mit Gregor Podschun, Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, kurz BDKJ. Das ist der Zusammenschluss aller katholischen Jugendverbände, zu denen zum Beispiel die Pfadfinder gehören. Insgesamt vertritt er 660.000 junge Menschen in 17 Verbänden bundesweit. Als Gregor Podschun als Kind im brandenburgischen Königs Wusterhausen nahe Berlin aufwächst, kann er sich eine solche Zahl katholischer Menschen gar nicht vorstellen. Kirche war für ihn geprägt von Diaspora, die Katholiken in der absoluten Minderheit:

Was bedeutet, dass ich mit meinem Zwillingsbruder der einzige in der Klasse war, der katholisch war. Was ich wahrgenommen hab in dem Umfeld ist, dass Christ*innen, um sich für christliche Ideale einzusetzen, halt nicht unter sich bleiben dürfen.

Gregor Podschun erlebt eine Kirche, die sich zu den Menschen hin aufmacht, um Gesellschaft zu gestalten. Als er elf Jahre alt ist, starten die Pfadfinder in seiner Gemeinde mit Jugendverbandsarbeit – für sein Leben eine prägende Erfahrung. Denn er merkt:

Es gibt auch mal andere Formen, wie ich auch meinen Glauben leben kann. Das ist sogar eine demokratische Form. Auch wir haben damals unsere Leiter*innen gewählt. Schon als kleines Kind. Und das war natürlich spannend das in der Kirche zu erleben.

Eine starke Gemeinschaft, sich ehrenamtlich engagieren– das lernt Gregor Podschun in der katholischen Jugendverbandsarbeit. Das ändert sogar seinen Berufswunsch. Eigentlich will er in die Luft- und Raumfahrttechnik, ist begeistert von Physik. Aber noch mehr begeistert ihn der Mensch und er wechselt zum Fach „Soziale Arbeit“. Als BDKJ-Vorsitzender unterstreicht er, wie wichtig in dieser Zeit soziales Lernen ist:

Ich finde das für eine Gesellschaft, die zusammenhalten will, extrem wichtig. Wie funktioniert soziales Miteinander? Auch in Gruppen. Unsere Gesellschaft lebt ja letztendlich von ehrenamtlichem Engagement. Ohne das geht es nicht. Die Jugendverbände sind Werkstätten der Demokratie, hier können Kinder und Jugendliche einüben wie es ist ihre Meinung zu sagen und sich zu beteiligen.

Ganz konkret wird das zum Beispiel in der 72-Stunden-Aktion, die unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ vom BDKJ organisiert wird.  Beim letzten Mal waren 3.400 Jugendgruppen mit dabei. Sie organisierten zum Beispiel gemeinsame Feste mit Menschen mit Behinderung oder Aktionen mit geflüchteten Menschen...

...bis hin zu Straßenmusik, wo sie sowohl die Menschen erfreut haben als auch dann Geld für ein Kinderhospiz gesammelt haben . Und was auch ein sehr erfolgreiches und sehr schönes Projekt war, dass die Katholische Studierende Jugend in Berlin eine Obdachlosenunterkunft eröffnet hat. Und das aus eigener Kraft heraus.

Für Gregor Podschun bekommt der Glaube hier „Hand und Fuß“. Der 30-Jährige findet: Der Einsatz für Mitmenschen ist gelebter Gottesdienst. Und auch in der Pandemie sind die Jugendverbände aktiv:

Ein sehr schönes Beispiel ist der BDKJ Limburg, der sehr spontan einen Dienst eingerichtet hat, um halt Menschen zu unterstützen in der Corona-Pandemie. Zum Beispiel beim Einkaufen aber auch bei der Mobilität, wenn sie irgendwohin müssen und nicht mit den Öffentlichen fahren können. Die aber auch zum Beispiel gemeinsam mit ihnen beten, um sie nicht vereinsamen zu lassen.

Ich spreche mit Gregor Podschun, der als Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend  die Interessen aller 660.000 Kinder und Jugendlichen vertritt, die sich in katholischen Verbänden engagieren. Auch Gregor Podschun weiß: Kirche ist für viele junge Menschen oft kein attraktiver Ort mehr. Und er findet: Das muss die Kirche ändern!

Also zum einen muss man immer gucken: Wer rennt wem weg? Ich glaube kaum, dass die Jugendlichen der Kirche wegrennen, sondern die Kirche rennt vor den Jugendlichen weg. Das ist ja eher so rum. Ich glaub schon , dass Kinder und Jugendliche eine sehr spannende Perspektive für die Kirche haben.

Und deshalb hofft er als Mitglied im so genannten „Synodalen Weg“ auf ganz konkrete Reformen in der katholischen Kirche. Vor allem um Kinder und Jugendliche in Zukunft vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Gregor Podschun wird deutlich:

Weil aus ethischen Gründen wir es den Betroffenen von sexualisierter Gewalt schuldig sind. Der Grund ist, dass die Kirche so wie sie gerade verfasst ist und wie sie systemisch strukturiert ist, Menschen Leid angetan hat und wir das unbedingt ändern müssen.

Dabei beruft sich Podschun auf die Ergebnisse der so genannten MHG-Studie, die 2018 die erschütternde Dimension des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche aufgedeckt und die Ursachen für sexualisierte Gewalt benannt hat:

Konkret sind das, dass wir Verantwortung, Macht und Gewalt teilen müssen in der katholischen Kirche. Die grundsätzliche Ursache ist, dass Missbrauch immer Machtmissbrauch ist. Das heißt wir müssen diese Machtstrukturen aufbrechen und diesen Klerikalismus aufbrechen, um das zu verhindern. Und wir üben ja Kritik, weil uns die Kirche am Herzen liegt.

Außerdem setzt sich der BDKJ für weitere Reformthemen ein: dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung in der Kirche nicht diskriminiert werden. Weil auch Jesus Christus keinen Menschen diskriminiert hat. Neben diesen kirchenpolitischen Themen engagiert sich der BDKJ auch gesellschaftspolitisch, aktuell besonders für mehr Klimaschutz:

Es ist eine urchristliche Aufgabe sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist, dass viele Menschen jetzt schon von der Klimakrise betroffen sind und zwar die Menschen, die am wenigsten dafür können und die in den ärmsten Regionen der Welt leben, insbesondere im globalen Süden.

Für die Kinder in den ärmsten Regionen der Welt sammelt der BDKJ gemeinsam mit dem Kindermissionswerk DIE STERNSINGER in den kommenden Tagen Spenden. Wegen Corona ist das in diesem Jahr sehr kompliziert. Aber Gregor Podschun hält die größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder nun für umso wichtiger: Denn  in Folge der Pandemie haben Armut und Hunger in den Projektländern stark zugenommen. Und auch hierzulande wollen die Sternsinger  den Menschen mit ihrem Segen Hoffnung bringen:

Es gibt viele Menschen, die ja doch unter Einsamkeit leiden, insbesondere in der Corona-Pandemie. Da braucht es Menschen, die zeigen: Wir sind für euch da.

Auch wenn das in diesem Jahr kontaktlos und deshalb anders geschehen muss als sonst. Draußen oder digital oder wie auch immer. Wie Gregor Podschun glaube ich: Die Sternsinger und Gottes Segen sind da ganz erfinderisch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32369
13DEZ2020
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Peter Maffay Foto Jennifer Többen Photography © Red Rooster Musikproduktion GmbH

Begegnungen mit Christopher Hoffmann…

und mit dem Musiker Peter Maffay, der nach 19 „Nummer- 1-Alben“ nun seine stärksten musikalischen Begegnungen aus 50 Jahren auf einer CD zusammengestellt hat. Duette mit Freunden wie Katie Melua oder Udo Lindenberg. Auch als Mensch sind Peter Maffay Begegnungen elementar wichtig:

Ich glaube wirklich, dass die Entwicklung, die man durchläuft, maßgeblich geprägt ist von Begegnungen. Und ich glaube das formt einen im Lauf der Jahre und ich bin sehr dankbar, dass ich durch die Musik die Möglichkeit hatte und auch hoffentlich noch lange haben werde Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft zu begegnen.

Mit seinem Musikprojekt „Begegnungen“ reiste der Rockmusiker schon in den 1990er Jahren rund um den Globus, um für Kinderhilfsprojekte Spenden zu sammeln. Auch nach Südafrika, wo er den anglikanischen Bischof Desmond Tutu als Pate gewinnen konnte. Die Begegnung mit dem Friedensnobelpreisträger und Kämpfer gegen die Apartheid war auch für Peter Maffays Glauben prägend. Als ich ihn nach Desmond Tutu frage, legt sich ein fröhliches Strahlen auf Peter Maffays Gesicht:

Ich hab einen Gottesmann erlebt, der so geerdet war und so sympathisch und offen und mit der Bereitschaft zu verzeihen. Er hat im Gespräch oft genug wiederholt, dass man – wenn man weiterkommen will – eines in erster Linie schaffen muss: nämlich zu verzeihen. Er ist ja jahrelang ausgesetzt gewesen Repressionen, hat Haft erfahren und hat trotzdem nie seine positive menschliche Haltung dabei verloren und das hat mich total beeindruckt.

Peter Maffay selbst beschreibt seinen Weg zum christlichen Glauben als einen jahrelangen Prozess. Mit Anfang 20 ist er aus der Kirche ausgetreten, bis heute gegenüber der Institution Kirche kritisch. Aber Gott spielt in seinem Leben eine große Rolle. Er erfährt ihn als die Kraft, die trägt, wenn alles andere versagt. Immer wieder besucht er deshalb Kirchen und Kapellen. Zum 70.Geburtstag hat er von Freunden und Familie sogar eine geschenkt bekommen. Das Gespräch mit Gott hilft ihm, sich dann auch wieder anderen Menschen zu öffnen, glaubt Maffay. Ganz wichtig ist ihm: dass das über Konfessionsgrenzen hinweg gilt. Das Religion nicht trennen darf, sondern Menschen verbinden soll. Sein Glaube an Gott hilft ihm auch in der gegenwärtigen Krise:

Ich bin sehr angespannt, weil ich miterlebe, unter welchem Druck viele stehen und das macht mir große Sorgen. Wenn es etwas gibt, was uns Hoffnung schenken kann, dann für viele, zumindest auch für mich, ist das der Glaube.

Ich spreche mit dem Rockmusiker Peter Maffay. In seinem aktuellen Buch „Hier und jetzt!“ schreibt er: „Ein Song kann eine Andacht sein.“ Ich will von ihm wissen, wie er das meint und er nennt als Beispiel sein Lied „Größer als wir“, das sein Kollege Johannes Oerding getextet hat:

Indem man einfach diese Instanz besingt und sagt: Du bist größer, als alles hier auf der Welt. Auch größer natürlich als wir. Und diese Nähe zu dem Glauben, diese Näher zu dieser Instanz, die gibt es im Lauf der Jahre auch bei mir immer wieder. Es gab mal ein Lied, das hieß: „Lieber Gott, wenn es dich gibt, zeig uns einen Weg“. Ich glaube dieses Lied ist entstanden aus einer sehr schwierigen Situation in der ich mich damals befunden hab. Und dann werden diese Lieder im Grunde genommen zuweilen kleine Gebete.

Gott ist für Peter Maffay ein Anker, wie er in seinem Buch schreibt. Dass auch junge Menschen diesen Anker kennenlernen und für sich entdecken können, hält er für ganz wichtig:

Ich glaube ja, dass diese Instanz, Gott oder wie immer wir sie auch nennen wollen, ein ganz, ganz wichtiger Faktor ist für die Entwicklung von jungen Menschen. Und da liegt eine riesengroße Chance Menschen, gerade jungen Menschen etwas mit auf den Weg zu geben, was für die Gestaltung ihrer eigenen Perspektive so wahnsinnig wichtig ist, nämlich das Gleichgewicht in sich zu behalten. Mein Sohn ist 17 Jahre alt und in einem Alter, wo man vermutet, dass die Interessen ganz anders gepolt sind und dass für Glaube und Dinge dieser Art wenig Platz ist – das ist völlig falsch. Ich glaube, dass viele junge Leute sehr empfänglich sind, für diesen Anker.

Junge Menschen, die einen Anker im Leben brauchen, trifft Peter Maffay immer wieder in seinen „Tabaluga-Häusern“, benannt nach Maffays berühmtem Rockmärchen. Jedes Jahr verbringen rund 2.000 Kinder dort eine unbeschwerte Zeit. Kinder, die aus ganz schwierigen Verhältnissen kommen, die Gewalt, Verwahrlosung, Krankheit, Krieg erleben mussten. Die „Tabaluga-Häuser“ liegen inmitten der Natur, inmitten der Schöpfung. Warum?

Weil ich glaube, dass uns die Natur vieles lehrt. Das heißt: Sehen, riechen, tasten, hören. All das, was uns die Schöpfung mit auf den Weg gegeben hat. Ich glaube, dass dieser stabilisierende Faktor, draußen zu sein: das ist ein Gesundungsprozess, das ist ein Stärkungsprozess.  

Sich für Kinder stark machen, die schutzlos sind. Das ist Peter Maffay wichtig. Ich frage ihn, ob es ihn tröstet, dass Gott an Weihnachten selbst als schutzloses Kind in diese Welt kommt. Er sagt ja. Denn Menschwerdung hat für ihn auch mit Verletzlichkeit zu tun und die betrifft jeden Menschen:

Selbst die, die einen gewissen Schutz haben, dürfen sich nicht einbilden, dass sie den nicht gelegentlich auch selber brauchen. Der eine früher der andere später. Der eine mehr, der andere weniger. Aber im Grunde genommen sind wir alle irgendwann mal in einer ähnlichen Situation. Die Menschwerdung, in dieser Kindlichkeit liegt so viel Ursprung und liegt so viel unverbogene Qualität: das sich zu bewahren, ein Leben lang, ist ein unheimlich schönes Ziel. Wenn wir uns diese Weichheit, diese Offenheit ohne Kalkül, wenn wir uns das bewahren, dann glaube ich haben wir ein gutes Regulativ für unser Leben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32217