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17JAN2021
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Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus
Gotteslob. Aus dem Choralwerk-Zyklus "Das Heilige Jahr", für Orgel
Ahrens, Joseph | Ahrens, Sieglinde

 

Geht das: in diesen Zeiten ein Loblied auf Gott anzustimmen? Ich habe heute bewusst eines ausgewählt. Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus. Kann man das, wo eine Pandemie die Welt verändert, wo viele sterben, andere in ihrer Existenz bedroht sind? Die Welt als Schöpfung Gottes, wie der glaubende Mensch sie betrachtet, scheint kompliziert zu sein. Es mag uns schwer fallen sie zu lesen und zu begreifen. Aber die Spuren Gottes im Kosmos sind trotzdem da.

 

Gotteslobvideo (GL 381): Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus
gesungen von der Mädchenkantorei und Knabenchor am Dom St. Petrus zu Osnabrück im Dom St. Petrus in Osnabrück.

https://www.katholisch.de/video/15106-gotteslobvideo-gl-381-dein-lob-herr-ruft-der-himmel-aus

 

(1) Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus,
das blaue, lichterfüllte Haus,
mit so viel Zung`n als Sternen.
Der weiße Tag, die schwarze Nacht,
wann sie abwechseln von der Wacht,
sie kündens aus den Fernen.

 

Es gibt Leute, die behaupten, es sei einfach, an Gott zu glauben. Bequem. Etwas für schlichte Gemüter, die einen Lückenbüßer brauchen, weil sie auf die grundlegenden Fragen keine Antworten finden. Gläubige Menschen beantworten diese Fragen immer mit Gott. Das stimmt. Aber dass diese Antwort simpel, gar eine Ausrede sei, das denke ich gerade nicht. An Gott zu glauben ist anspruchsvoll, weil ich nie aufgeben will, auf der Suche nach IHM zu bleiben. Zu glauben ist ein lebenslanger Weg, ein unentwegtes Fragen und Zweifeln. Ich sehe eine Spur von Gott, verwerfe sie wieder. Ich halte fest und lasse los. Ich kreise um Gott mit allem Verstand, den ich habe. So, dass ich am Ende immer dahin komme, letztlich doch Gott zu loben. Auch in der aktuellen Pandemie.

 

Postludium, op 100, 6 (für Orgel) Orgelwerke, Vol. 2
Baumann, Max | Haas, Rosalinde

(3) Die Sonne ist des Himmels Ehr,
doch dein Gesetz, Herr, noch viel mehr,
das Du uns hast gegeben;
so trostreich, so gerecht und wahr,
so licht und mehr als sonnenklar,
erhellt es unser Leben.

 

Glauben bedeutet für mich: Gott zu loben im Auf und Ab meiner Existenz. Eben nicht nur an guten Tagen, im Glück, sondern auch wenn es um mich dunkel wird. Wenn ich es schaffe, an ihm festzuhalten, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz. Das ist auch der Grundtenor des Lieds, das ich Ihnen heute vorstelle. Der Dichter hat sich dabei an einem Lobgesang aus dem biblischen Buch der Psalmen orientiert. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk deiner Hände, heißt es am Beginn von Psalm 19. Ausgangspunkt ist also die Schöpfung. Gott hat die Welt gemacht und es gibt Grund genug, ihn dafür zu loben, was er gemacht und wie er es gemacht hat. Das zeigt auch der Dreiertakt, der an einen Reigentanz erinnert und die harmonische Gliederung der Melodie mit ihren gleichlangen Zeilen.

Nun geht aber nicht alles so, wie wir es uns wünschen oder es uns guttut. Das verschweigt das Lied nicht. Aber es lenkt den Blick auf die andere Seite und hält uns den Spiegel vor:

 

Postludium, op 100, 6 (für Orgel) Orgelwerke, Vol. 2
Baumann, Max | Haas, Rosalinde

(4) Behüt mich vor der stolzen Welt, 
die allen Sinn dahingestellt, 
von Dir mich abzuwenden.
Wann sie nicht wird mein Meister sein, 
so bleib ich, durch die Gnade rein, 
in Deinen guten Händen.

Am Ende steht die Bitte. Wer glaubt, legt sein Leben und die ganze Welt in Gottes Hand. Im festen Vertrauen, Gott werde nicht untergehen lassen, was er gemacht hat.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32435
10JAN2021
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In katholischen Kreisen kursiert das Sprichwort: „Geburtstag hat jede Kuh.“ Was soviel heißen soll wie: Dein Namenstag ist das größere Fest. Weil der Name an die Taufe erinnert. Es ist schön, dass du geboren bist und lebst. Aber wichtiger ist: Du bist bestimmt für das ewige Leben. Früher war das die Standardantwort, wenn Eltern bei der Taufe eines Kindes danach gefragt wurden, um was sie bitten: „Wir bitten um das ewige Leben“ … für unsere Tochter, unseren Sohn. Für meinen geliebten Sohn - wie es heute in den katholischen Gottesdiensten heißt. Denn am Sonntag nach Dreikönig wird an die Taufe Jesu im Jordan erinnert. Wie der junge Mann, bevor er sein öffentliches Leben beginnt, von Gott gesagt bekommt, was er mehr braucht als sein schieres Leben. Die kurze Szene am Anfang des Markusevangeliums fasst prägnant zusammen, was die Taufe bedeutet. Jesus sieht den Himmel offen, hört die Stimme Gottes, die ihn bestärkt in allem, was kommen mag. Jesus hat eine Verbindung mit Gott; sie kann durch nichts zerstört werden. Jeder, der getauft ist, hat sie. Neben dem, was ich zum materiellen Überleben brauche, gibt es anderes, das wichtiger, wertvoller ist. Etwas, das mir die Richtung im Leben zeigt. Und immer wieder auch das Ziel von allem: den geöffneten Himmel. Am wichtigsten ist aber wohl das: Die Taufe ist eine Liebeserklärung. Ich bin gut, so wie ich bin, bin der Liebe wert. Kein Mensch kann darauf verzichten, das immer wieder gesagt zu bekommen. Und anders herum: Wo einer darauf verzichten muss oder wenn seine Lebensumstände so sind, dass er das nicht mehr spürt, beginnt er mit der Zeit als Mensch zu verkümmern. Weil jeder Mensch diesen liebenden Blick braucht. Besonders spürbar dann, wenn sein Name genannt wird.

Nun kenne ich inzwischen kaum noch jemanden, der seinen Namenstag feiert. Unter ganz traditionellen Katholiken mag das noch eine Rolle spielen. Aber die meisten Menschen, die ich kenne, wissen gar nicht, wann der Heilige, auf den sie getauft sind, seinen Festtag hat. Alle feiern ihren Geburtstag, kriegen da Geschenke, veranstalten an diesem Tag ein Fest. Das ist ja auch ein Ausdruck von Liebe. Nur dass dabei die Verbindung nach oben weniger in den Blick kommt. Es geht beim Geburtstag mehr um das Leben im Hier und Heute und weniger um das Ewige. Ich glaube, es ist wichtig, das nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Dass ich ein kleiner Teil des großen Kosmos bin. Dass ich trotzdem die Welt beeinflusse, wenn ich rede und handle. Dass mein Leben einen Sinn hat und ein Ziel. Und dass es alles in allem unter einem guten Vorzeichen steht. Das haben meine Eltern einmal gewollt, als sie mich zur Taufe gebracht haben. Und ich bin sehr einverstanden damit.

Mk 1,7-11

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01JAN2021
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Panzer:
Wie steht es mit Ihren Vorsätzen fürs neue Jahr? Haben Sie welche? Ich ja. Ich möchte gern ein guter Mensch sein. Eine Frau, die verzeihen kann und anderen Gutes tun, auch wenn ich es schon ganz anders erlebt habe. Eine Frau, die hilft und gibt, damit andere leben können. So ein guter Mensch wäre ich gern.

Steiger:
Richtig konkrete Vorsätze fürs neue Jahr nehme ich mir keine. Aus denen wird sowieso meistens nichts. Aber, dass ich gut mit anderen umgehe, am besten noch mehr als bisher Gutes tue, das ist mir wichtig. Manche sagen „Gutmensch dazu“ und verdrehen die Augen. Das macht mir nichts. Ich möchte gern ein Gutmensch sein. Nur wenn es allen einigermaßen gut geht, können wir in Frieden miteinander leben.

Panzer:
Gutmensch ist für viele inzwischen aber ein Schimpfwort geworden. Als Gutmenschen werden die beschimpft, die sich in ihrer Freizeit bei der Bahnhofsmission für hilflose Menschen einsetzen, wer als Krankenschwester in ein Krisengebiet geht oder am Samstag Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben hilft.

Steiger:
Als Gutmensch glaube ich daran, dass die Welt sich ändern kann. Dass mehr Gerechtigkeit möglich ist. Dass Gott die Welt insgesamt gut geschaffen hat und so, dass ihre Güter für alle reichen. Dass die Starken für die Schwachen Verantwortung übernehmen gerade jetzt in der Pandemie. Dass es möglich ist, die Geflüchteten in unserem reichen Land zu integrieren, wenn man nur will. Aber wenn man das sagt, dann heißt es schnell: „Ihr Gutmenschen habt doch keine Ahnung. Ihr seht einfach nicht, wie es zugeht in der Welt.“

Panzer:
Jesus, nach dem wir uns Christen nennen, hat das anders gesehen. Er hat gesagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Die Kirchen haben diesen Satz zum Motto, zur Jahreslosung für 2021 ausgerufen.

Steiger:
Seid barmherzig! Barmherzig wie Gott! Vielleicht kommt Ihnen das übertrieben und unrealistisch vor. Kann das sein? Dass Jesus Sie und mich mit Gott vergleicht? Da erwartet er ganz schön viel von uns. Aber offenbar traut er uns das zu!

Panzer:
Aber eigentlich ist ja nicht die verwegene Aufforderung das erste. Das erste ist Gott. Gott und seine Barmherzigkeit. Gott ist barmherzig. Das ist der Anfang. Gott kann gut machen, was Menschen verdorben haben. Er kann auch aus Bösem Gutes machen. Er kann es auch für mich gut machen, selbst wenn ich alles verdorben habe in dem Jahr, das hinter mir liegt. Auch dann hält Gott an mir fest. Auch dann gilt: Kommt her, die ihr mühselig und beladen sein. Es ist nicht endgültig aus und vorbei. Ihr könnt neu anfangen. Aufrecht und selbstbewusst. Ihr könnt es besser machen.

Steiger:
Jesus hat gesagt und gezeigt: So ist Gott. Aber Hand aufs Herz: Können wir auch so sein, so barmherzig, Sie und ich? 

Steiger:
Barmherzig sollen Christen sein – das haben die Kirchen als Motto für das neue Jahr ausgegeben. Daran haben wir gerade schon hierin den SWR4 Feiertagsgedanken erinnert. Und vielleicht denken Sie jetzt: Ja, das sollte eigentlich nicht nur für die Christen gelten. Das wäre ein guter Vorsatz für alle Menschen im Neuen Jahr.

Panzer:
Barmherzig wie Gott. Also nicht fragen: und was kriege ich dafür? Auch nicht: lohnt sich das überhaupt? Und jetzt sagen Sie nicht: Ja, so ist Gott. Gott im Himmel. Im Himmel, da geht es vielleicht so zu. Hoffentlich. Aber das ist doch kein Maßstab für uns hier in Deutschland.

Steiger:
Für Jesus waren der Himmel und die Erde nicht strikt getrennt. Immer wieder und soll es schon auf der Erde zugehen, wie wir es im Himmel erwarten. So jedenfalls verstehe ich seine Bitte im Vaterunser: Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.Barmherzig – wie im Himmel, so auf Erden! Wie im Himmel, so bei uns im Land! Für Jesus war das ganz selbstverständlich.

Panzer:
Viele sagen bis heute, es sei unrealistisch, so zu denken. Wo kämen wir hin, wenn wir mit Barmherzigkeit unsere Welt gestalten würden? Würden uns dann die anderen nicht auf der Nase herumtanzen?

Steiger:
Ich glaube, so denken die Krämer. Das ist Krämermoral. Ich gebe nur, wenn ich etwas zurückkriege, Wenn alle so denken, dann kann das Gute unter uns nicht wachsen. Dann denkt jeder nur an sich und was er rausschlagen kann. So müssen die Schwachen sehen, wo sie bleiben.

Panzer:
Es gibt viele, die sagen: In unserer Welt, da muss man vernünftig handeln. Und vernünftig ist anders als barmherzig.

Steiger:
Das stimmt: Unsere Welt ist nicht das Paradies. Vom Reich Gottes sieht man wenig. Deshalb gibt es keine einfachen Lösungen. Wir können die Probleme der Welt nicht alle hier in unserem Land lösen. Aber abgeben und teilen, damit man auch anderswo gut leben kann – das könnten wir schon. Verzichten und anders leben – damit die Welt bewohnbar bleiben kann – das könnten wir schon. Uns ein bisschen einschränken, damit wir alle gut durch die Pandemie kommen – das ist barmherzig und vernünftig.

Panzer:
Ich bin deshalb froh, dass es Gutmenschen gibt: Die rechnen damit, dass mehr möglich ist, als die Pessimisten meinen. Ich würde sagen: Sie vertrauen darauf, dass für Gott nichts unmöglich ist. Sie vertrauen auf Gott. Gottvertrauen – das ist ein anderes Wort für Glauben. Deshalb teilen die Gutmenschen, was sie haben. Retten Schiffbrüchige. Geben Geflüchteten Wohnung und Arbeit. Halten mit den Kranken aus. Helfen den Schwachen auf die Beine. Nehmen Rücksicht auf die Gefährdeten, jetzt in der Pandemie.

Steiger:
Und wenn man es erst mal probiert – dann geht mehr, als man denkt. Das hab ich selber nicht bloß einmal erlebt. Wir wünschen Ihnen und uns fürs Neue Jahr Gottes Segen.

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20DEZ2020
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Gabriel und Maria. Der Engel und die junge Frau. Ungezählte Künstler hat diese Szene zu einem Bild inspiriert. Maria sitzt in ihrem Zimmer, in Andacht versunken. Gabriel bringt ihr die Nachricht, dass Gott sie ausgewählt hat. Sie braucht nur noch „Ja“ zu sagen. Aber wozu!? Zu einer plötzlichen, ungeplanten Schwangerschaft, ohne irdischen Kindsvater. Erst jetzt nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. In Marias Kopf geht es drunter und drüber. Gottvertrauen und Angst prallen ungeschützt aufeinander. „Wer? Ich? Nein! Ich habe einen Freund, einen Verlobten. Ich bin blamiert. Das ist zu viel.“ Gleichzeitig aber auch: „Soll ich? Wenn ER es will …“ Der Engel: Fürchte dich nicht! Maria: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. Dann ist die Szene zu Ende, die Geschichte nimmt ihren Lauf. Nächste Szene: Geburt im Stall. Das ist dann in vier Tagen dran. In der Weih-Nacht. Die vom gleichen Autor stammt. Vom Evangelisten Lukas.

Lukas ist ein Meister des Kopf-Kinos. Wenn er etwas erzählt, dann entstehen Bilder und sie beginnen zu leben. Ich kann mich wunderbar hineinversetzen in die Szenen, die er entwirft. Wie Maria und ihr Freund einen Platz suchen für die eigenartige Schwangerschaft. Der Stall und die Geburt bei den Tieren. Die Hirten auf dem Feld. Das sind schlichte und schöne Bilder. Aber sie bewirken in mir mehr. Ich kann mir viel besser vorstellen, wie Gott vorgeht und was er beabsichtigt. Dass da eben eins und eins nicht immer zwei ergibt. Dass er auf krummen Lebenslinien gerade schreibt. Wie sich eins zum anderen fügt, oft unerwartet und gegen den gewohnten Strich gebürstet. Die Bilder des Lukas helfen mir zu verstehen; sie berühren aber auch mein Gefühl. Im Rückblick frage ich mich: Was ist in mir vorgegangen, als ich so jung war wie Maria, ein Schüler noch, und gespürt habe, dass Gott mich begeistert? Es hat mich auch Mut gekostet, meinen Weg zu gehen, Widerstände aus dem Weg zu räumen, die von außen kamen und aus meinem Inneren.

Es sind einfache und gleichzeitig ursprüngliche Bilder, die Lukas in seinen Geschichten verwendet. Sie bekommen eine aktuelle, sogar persönliche Bedeutung, wenn ich sie auf meine eigene Person beziehe, und auf die Welt, in der ich lebe. 

Die Geschichte von Gabriel und Maria wird heute am Vierten Advent in den katholischen Gottesdiensten erzählt. Auch in dem, der um 10:15 Uhr im SWR Fernsehen übertragen wird. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Adventssonntag und noch gute Tage bis Weihnachten.

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19DEZ2020
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Was ist eigentlich an Weihnachten so besonders? Manchmal kommt es mir so vor, als wäre Weihnachten das einzige Fest im Jahr. So ein Brimborium wird darum gemacht. Geschenke, Essen, Kirchgang, Familientreffen. Damit es schön ist und festlich. Es kann gut sein, dass das in diesem Jahr noch viel mehr Bedeutung bekommt. Ich verstehe gut, dass viele ältere und einsame Menschen sich nach Nähe und Trost sehnen: Etwas heile Welt. Ich kenne allerdings auch Leute, die sagen: „Wenn das bloß schon vorbei wäre!“ Weil ihnen die aufgeladene Stimmung zu viel wird. Weil die Menschen, die auf Besuch kommen, sie überfordern. Weil sie es nicht ertragen, dass an Weihnachten möglichst alles perfekt sein soll, während doch das Jahr über so viel schlecht läuft. Wie soll das auf einmal vorbei sein, wenn Partner sich streiten? Wieso soll es beim Familienbesuch glatt laufen, wenn die Kinder doch froh sind, endlich aus dem Haus zu sein? Man spricht von Gott, kramt die alte Geschichte von Betlehem hervor, und hofft auf das, was dort versprochen wird: Friede auf Erden bei den Menschen seiner Gnade[1].

Ich weiß, dass das viele überfordert. Bei mir zuhause, als ich Kind war, stand Weihnachten auch nicht immer unter einem guten Stern. Es war oft zu viel: zu viel Erwartung, zu viel Projektion, zu viel Stress. Und deshalb plädiere ich hier und jetzt nachdrücklich für Gelassenheit. In dieser letzten Woche, die noch bleibt bis zum Heiligabend. Als Nebeneffekt könnte dem sogar entgegenkommen, dass wir in diesem Jahr gar nicht so viel unternehmen können. Womit ich die Probleme nicht kleinreden will. Aber dass alles kleiner ausfällt als sonst, könnte auch ein Vorteil sein. Weniger Stress hilft zu mehr Gelassenheit.

Und was noch? Mir hilft am meisten eine grundlegende Einsicht. Wir feiern zwar Weihnachten an einem bestimmten Datum. Aber was dieses Fest im Kern ausmacht, spielt sich das ganze Jahr über ab. Gott wird Mensch. Er macht mir auf diese Weise Mut, meiner menschlichen Natur zu vertrauen. Ich bin gut, wie ich bin. Ich habe alles, was ich brauche, um ein guter Mensch zu sein. Ich kann an jedem Tag das Jahr über, was daraus machen. Friede auf Erden- darum geht es immer; nicht nur an den Weihnachtstagen. Und auch wenn ich nichts Großartiges plane und vorbereite für das Fest der Liebe. Die Liebe habe ich immer dabei. Und kann sie denen zeige, mit denen ich feiere.

 

[1]Lukas 2,14

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17DEZ2020
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In schweren Zeiten brauchen wir Trost. Etwas, das uns aufrichtet, auf andere Gedanken bringt, und das Gefühl gibt: Ich bin nicht allein. Je länger diese Pandemie dauert, desto mehr Trost brauchen wir.

Aber es ist nicht immer einfach, jemanden zu trösten. Es gibt Krisen im Leben, die lange dauern und auch nicht mit Medikamenten, Therapien oder intensiver Seelsorge zu beseitigen sind. Ich habe viele Male erlebt, dass Menschen zu mir gekommen sind, die im wahrsten Sinne un-tröstlich waren.

Ich suche für sie einen Trost und möchte ihn gern weitergeben, aber: Was soll ich sagen: Dass alles nicht so schlimm ist? Bestimmt nicht. Dass der liebe Gott schon alles richten wird. Das hoffe ich zwar auf lange Sicht gesehen. Aber wer es gerade schwer hat, dem nützen solche Beteuerungen kaum etwas. Auch der Trost, der von Gott kommt, an den ich glaube, muss spürbar werden für die, die ihn brauchen. Echter, ehrlicher Trost braucht Zeit und Geduld und Nähe.

Jesaja, der Prophet des Advents spricht an vielen Stellen vom Trost. Er sagt seinen Leuten: Gott wird euch einen Weg durch die Wüste bahnen, aber er erspart euch die Wüste nicht. Auf der Welt ist so manches verbogen: Gott kann Krummes gerade machen. So finden glaubende Menschen auch heute einen Weg aus ihrer Trauer und ihrem Unglück. Sie glauben: Gott ist da. Auch wenn er ihnen gerade fern zu sein scheint. Und wenn ein Mensch für sie da ist, sie tröstet, dann spüren sie Gott vielleicht. Aber das kann seine Zeit brauchen. Und Geduld. Wenn ich will, dass mein Trost ankommt, muss ich es immer wieder versuchen. Ich muss geduldig sein mit dem, der gerade einfach keine Perspektive hat. Und dass es zum Trost schließlich auch Nähe braucht. Ohne menschliche Nähe kann ich nicht trösten.

Der Advent ist eine Zeit des Wartens. Wir warten, weil wir noch nicht fertig sind. Noch nicht befreit von dem, was uns oft niederdrückt. Wir sind noch nicht erlöst und können das selbst auch nicht schaffen. Wir warten. In diesem Advent besonders auf das Ende der Pandemie, die uns das Leben schwer macht. Wir warten. Und ich als Christ glaube, dass da einer ist, auf den ich warte. Die Erfahrung mit ihm macht mir Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben. Und das gerade in schwierigen Zeiten weiter zu sagen.

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16DEZ2020
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Drei Tote beim Attentat in Nizza und über 140 Tote im Mittelmeer. Am gleichen Tag. Die einen mutmaßlich von einem islamistischen Terroristen erstochen. Die anderen, ertrunken, weil ihr Schiff vor der Küste Senegals verunglückt ist. Alles am gleichen Tag, dem 29. Oktober diesen Jahres. Die einen werden öffentlich betrauert, kommen in den Abendnachrichten. Die anderen werden in einer Randnotiz erwähnt.

Es ist absolut ungehörig, den Tod von Menschen miteinander zu vergleichen. Jeder einzelne Tote ist eine Tragödie, zumal wenn die Umstände grausam sind. Das trifft hier auf beide Umstände zu. Aber es hat mir in diesem Fall weh getan, dass die ertrunkenen Geflüchteten beinahe übersehen worden sind. Zu weit weg. Keine eigenen Leute. Nicht in Europa. Ja, die Brisanz und Bedeutung von Nachrichten folgt ihren eigenen Gesetzen. Das weiß ich. Und halte dem entgegen: Aber der Mensch bleibt immer gleich, jeder einzelne. Und was ich unbedingt vermeiden will, dass ein Toter mehr Bedeutung hat als ein anderer, das geschieht auf diese Weise unentwegt.

Es ist mir deshalb ein echtes Herzensanliegen, das hier immer wieder zu thematisieren. Dass es für einen Christen unerträglich ist, dass es mir körperlich weh tut, wenn ich die Bilder von den Ertrunkenen sehe. Sie haben keine Lobby. Sie sind für uns namenlos und ohne Chance. Es gibt Bürger unseres Landes, die ihnen Böses unterstellen, die mit ihnen nichts zu tun haben wollen. Aber die Geflüchteten sind Menschen. Sie haben die gleiche Würde wie ich. Sie haben das gleiche Recht auf ein gutes Leben und den Zugang zu allem, was sie am nötigsten brauchen. Sie sind - und hier geht es ans Eingemachte meines Glaubens - sie sind Ebenbilder Gottes. Auf jedem ihrer Gesichter zeigt sich etwas von Gott und seinem Glanz. Wenn einer von ihnen stirbt, stirbt mit ihnen etwas von Gott in unserer Welt. Wie mit den Hunderten von Toten, die derzeit jeden Tag an Corona sterben, allein in Deutschland.

Warum ich darüber heute spreche, im Advent, so kurz vor Weihnachten? Weil Christen an Weihnachten genau daran denken und das feiern: Gott wird Mensch in seinem Sohn Jesus. Und seitdem in jedem einzelnen Menschenkind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32207
15DEZ2020
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Wir brauchen was fürs Herz. Gerade in diesem Advent. Ein bisschen Lametta, Tannenzweige, brennende Kerzen und romantische Musik. Es darf ruhig sogar ein bisschen kitschig sein, wenn’s nach mir geht. Wenn man sich nicht treffen und keine Feiern abhalten soll, dann braucht es wenigstens ein paar Stimmungsaufheller.

Aber das ist nicht alles, was zum Advent gehört. Der Advent ist nicht schon Weihnachten. Der Advent ist auch eine nüchterne Zeit. Es geht im Advent darum, sich vorzubereiten, sich einzustellen. Auf das, was in der Zukunft liegt, was kommen wird. Das bedeutet ja das Wort übersetzt: Adventus heißt Ankunft. Was da kommen wird, liegt aber im Ungewissen. Zumindest einigermaßen, zumindest für unsere Möglichkeiten, es zu verstehen.

Die Christenheit feiert vor Weihnachten, dass da einer kam, mit dem Gott einen Akzent gesetzt hat. Jesus, der Christus. Von ihm sind uns Hinweise überliefert, wie wir uns auf das Kommende einstellen können. Ich nenne ein paar Beispiele, und wähle dabei bewusst die schwierigen aus, solche, die provozierend sind. Eben weil der Advent keine harmlose Sache ist, sondern uns wach rütteln, sogar erschüttern soll. In unseren ach so festgemauerten Grundfesten. Zur Vorbereitung auf das, was kommt, empfiehlt Jesus uns den Nächsten zu lieben wie sich selbst, sogar wenn der Nächste uns unfreundlich, ja feindlich gesinnt ist. Jesus rät uns, nicht nach oben zu schielen, zu den Reichen und Wohlsituierten, sondern unten anzufangen, bei den Armen und denen, die in der Ordnung unserer Gesellschaft nicht angesehen sind. Er sagt, wir sollen nicht auf unserem Recht bestehen, sondern vergeben, immer und immer wieder. Und vor allem anderen sollen wir nach Gott fragen, uns prüfen, was er von uns erwartet, ihm die Ehre geben.

Im Advent zu leben, bedeutet also: Es ist überhaupt nicht egal, wie ich lebe. Jesus hat einen Weg aufgezeigt, wie der Mensch gut für sich und mit anderen durchs Leben kommt. Und wenn er wiederkommt, am Ende der Zeit, wenn mein Leben zu Ende geht, dann wird er mich mit diesen Maßstäben konfrontieren. Dann wird die Wahrheit auf den Tisch kommen. Da wird es nicht nur froh und munter zugehen. Auch nicht unbarmherzig; das würde nicht zu dem passen, was Jesus uns von Gott gesagt hat. Aber eben doch in seiner ganzen nüchternen Wahrheit und vermutlich auch erschütternd. Sich darauf einzustellen, das nicht zu verdrängen - das bedeutet Advent eben auch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32204
14DEZ2020
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Muss ich als Kirchenmann auch noch etwas zur Wahl in den USA sagen? Ja, ich finde: Ich muss. Und warum gerade heute? Weil heute die Wahlfrauen und -männer in allen Bundesstaaten zusammenkommen und ihre Stimme abgeben. Das ist im komplizierten Prozess der Wahl des amerikanischen Präsidenten ein wichtiger, womöglich gar der entscheidende Schritt.

Wo Menschen es in der Hand haben, ist es wichtig, dass Wahrheit und Gerechtigkeit gewinnen. Weil alles andere die Autorität des mächtigen Amtes untergräbt und Vertrauen zerstört. Beides wird Joe Biden brauchen. Wenn er heute vom Gremium der Wahlleute gewählt wird. Und das hoffe ich sehr. Ich hoffe es als Christ. Und als solcher ist es mir wichtig, etwas dazu zu sagen.

Donald Trump hat die Vereinigten Staaten von Amerika gespalten. Große Gegensätze zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß sind aber unchristlich. Weil vor Gott jeder Mensch gleich ist und deshalb auch die gleichen Chancen verdient hat. Und das ist beileibe keine Kleinigkeit, sondern hat Konsequenzen für die Politik eines Präsidenten. Trump hat sein Land in den vergangenen vier Jahren geführt wie ein Wirtschaftsboss, dem es nur um die eigenen Interessen geht. So ruiniert man auf Dauer die politische Kultur und zeigt anderen Machtmännern: Wenn‘s bei dem klappt, dann wird das bei mir auch funktionieren. Siehe Großbritannien oder Türkei. Seine unberechenbare Außenpolitik war gefährlich für den Frieden auf der Welt. Und: Dieser Präsident hat auch den Anschein erweckt, als sei es kein Problem, sich offen rassistisch zu gebärden. Das wirkt sich auch bei uns aus, wenn Rechtsradikale meinen, sie könnten sich das auch erlauben.

Donald Trump kannte nur eine Wahrheit. Seine. Um sie durchzusetzen hat er ungezählte Male gelogen und die Fakten mit Füßen getreten. Als Christ erwarte ich aber von jedem die Fähigkeit, den Standpunkt des anderen ernst zu nehmen und wenn es darauf ankommt, Fehler einzugestehen und umzukehren. Versöhnung - das ist für mich ein Kernwort meines Glaubens. Nicht Spaltung. Ich hoffe und bete, dass der neue Präsident das besser machen wird. Der Präsident eines Landes, das zurecht so stolz ist auf seine Freiheit. Und auf seinen Wahlspruch: In God we trust. Wir vertrauen auf Gott. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32203
27NOV2020
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Übermorgen ist schon der Erste Advent. Und so wie es aussieht, wird er in diesem Jahr anders aussehen, als wir es gewohnt sind. Der andere Advent. So heißt ein Adventskalender mit guten Texten, die zum Nachdenken anregen. Es gibt ihn seit über zwanzig Jahren. Aber gute Texte werden in diesem Jahr nicht ausreichen, um mitten in einer Pandemie etwas Sinnvolles aus den Wochen bis Weihachten zu machen. Und aus Weihnachten, denn auch das Fest der Liebe und der Familie wird in diesem Jahr anders sein. Ich habe mir überlegt, wie aus dem Advent trotzdem eine gute Zeit werden kann. Auch in diesem Jahr. Ohne ständig an dem herumzunörgeln, was nicht möglich ist, oder mich zu ärgern, dass früher doch alles soooo schön war.

Einen Advent ohne die schönen alten Lieder kann ich mir nicht vorstellen. In der Kirche darf ich sie nicht singen, in der Schule auch nicht. Aber zuhause am Adventskranz. Und ich denke, dass ich die Idee vom Frühjahr wieder aufgreife, und mit meinen Nachbarn hüben und drüben im Freien singen werde, von Balkon zu Balkon.

Advents- bzw. Weihnachtsfeiern bei gutem Essen und Wein wird es keine geben. Auf der Arbeit nicht und auch nicht im Bekanntenkreis. Aber was hindert mich daran, mich mit anderen an einem schönen Ort zu treffen, im Wald, auf einer Wiese. Natürlich im kleinen Kreis; da kann man problemlos Abstand halten. Ein Topf mit Würstchen, Punsch. Das geht alles regelkonform und ohne Aufwand. Wenn Kinder dabei sind, könnte da sogar der Hl. Nikolaus einen Besuch machen. Und kleine Geschenke zu verteilen ist auch gut möglich.

Und dann liegt in dieser anderen Adventszeit noch eine Chance. Ich werde mehr Zeit haben. Abends vor allem. Ich weiß noch, wie schön die Abendstunden vor Weihnachten waren, als ich ein Kind war. Weil es so behaglich war, stimmungsvoll. Ob es mir gelingt, diese Stimmung wieder aufleben zu lassen? Weihnachtliche Musik hören, ein Buch im Sessel lesen, ein Geschenk selber basteln.

Mir ist klar, nicht alle werden die Zurückgezogenheit genießen. Manchen fällt womöglich gerade jetzt die Decke auf den Kopf. Wenn ich das von jemandem erfahre, dann bleibt genug Zeit für ein Telefonat oder einen spontanen Besuch an der Haustüre. Da genügen ja ein paar Worte oder eine liebevolle Geste, um einen wissen zu lassen: Du bist nicht vergessen!

Der Advent 2020 ist anders als sonst. Aber eines bleibt gleich. Es ist die Zeit um neues Vertrauen zu fassen: dass Gott diese Welt liebt, auch die dunklen Seiten in ihr, und dass er sie nie aufgeben wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32081