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19MRZ2022
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Heute abend werde ich mich von dieser Woche verabschieden. „Wochenschluss“ nennt man das in der Kirche, wenn am Samstagabend die Kirchenglocken den Sonntag einläuten. An der Türschwelle zum Sonntag drehe ich mich nochmal um und schaue auf diese Woche. Das ist ein bisschen wie Silvester, wenn ich auf das ganze Jahr zurückschaue. Am Samstagabend schaue ich auf die Woche zurück.

Welchen Menschen bin ich begegnet? Welche Begegnung hat mir gutgetan?
Was hat mich genervt? Was beunruhigt mich?
Was ruft nach Veränderung?

Manches, was ich diese Woche erlebt habe, macht mich dankbar und zufrieden. Es tut mir gut, nicht einfach darüber hinwegzugehen, sondern mich daran zu erinnern.

Anderes habe ich nicht zuende bringen können – also überlege ich: Lasse ich es gut sein oder nehme ich es mit in die neue Woche?

Und manches tut mir im Nachhinein leid: ich nehme mir vor, daraus zu lernen. Überhaupt, das Lernen. Ich erinnere mich an einen Professor, der uns im Studium Woche für Woche nach seinem Seminar interessiert gefragt hat: „Was haben Sie heute gelernt?“ Ich finde, das ist auch eine gute Frage zum Ende der Woche. Was habe ich diese Woche gelernt?

Wenn ich zum Wochenschluss so über die Woche nachdenke, bleibt das alles nicht einfach nur im Raum stehen. Ich halte es Gott hin und bitte: „Nimm es in deine Hände. Alles, was war. Alles, was mich heute abend beschäftigt und was mir noch nachgeht. Bei dir lege ich es ab.“ So beende ich die Woche.

Im 2. Schritt kann ich nach vorne schauen und den Sonntag begrüßen. Ich will die neue Woche bewusst beginnen, sie aus Gottes Hand in Empfang nehmen. Manche zünden dabei ein Licht an, als Zeichen für Jesus Christus. Sein Licht soll uns leuchten. Am Sonntag und in der neuen Woche, in allem, was ich da erleben werde.

Ich wünsche Ihnen heute einen guten Wochenschluss. Und einen behüteten Start in die neue Woche.

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18MRZ2022
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Ich war zu Besuch in einer diakonischen Einrichtung. Da hat mich eine Frau angesprochen, die dort gewohnt hat. Sie war geistig behindert. „Wie heißt du?“, hat sie gefragt. „Ich bin Ute“, habe ich geantwortet. Da hat sie mich nachdenklich angeschaut und gefragt: „Kennst du die?“ Jetzt war ich verwirrt und habe nachgefragt: „Wen?“ Nun war sie auch irritiert und hat einen neuen Anlauf genommen: „Wie heißt du?“ Antwort: „Ute.“ Und wieder die gleiche Nachfrage: „Kennst du die?“ Hm. Eine ziemlich philosophische Frage. Kenne ich mich?

Ich habe eine Weile gebraucht, um zu kapieren: Sie meint nicht mich. Sie kennt noch eine Ute. Eine andere Ute. Sie wollte wissen, ob ich die andere auch kenne, wenn wir schon den gleichen Vornamen haben. Da sie fand, das liegt auf der Hand, hat sie das Gespräch unterwegs etwas abgekürzt. Sie konnte ja nicht ahnen, dass ich da nicht mitkomme.

Ein Missverständnis, aber die Frage, die sie mir gestellt hat, kommt mir seither trotzdem immer wieder in den Sinn. Vor allem, wenn ich mich selbst etwas rätselhaft finde. Zum Beispiel wenn ich mich frage, warum ich neulich so reagiert habe und nicht anders. „Kennst du die?“ Dann muss ich ehrlicherweise antworten: „Nicht wirklich.“ Also, ein bisschen schon und manchmal meine ich, ich kann mich ganz gut einschätzen. Aber dann bin ich mir doch wieder selbst ein Rätsel, überrasche mich selbst und freue mich darüber oder komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus.

In einem Gebet der Bibel, dem Psalm 139, heißt es: „Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.“

So betet ein Mensch, der weiß: Ich kann mich nicht selbst ergründen. Ich kann nicht meine eigene Seele ausloten. Muss ich auch gar nicht. Es wäre ein ziemlich vermessenes Unterfangen.

Gott, es reicht mir, dass du mich kennst und mich verstehst. Dass du um mich herum bist, egal, was gerade in mir vorgeht. Dann fühl ich mich gut aufgehoben.

Überraschen kann ich mich und andere dann immer noch. Wäre ja auch schade, wenn es anders wäre. Hauptsache, Du kennst mich.
Übrigens, falls jemand von Ihnen Ute heißen sollte: Ich kenne Sie nicht.

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17MRZ2022
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Was brauchen wir? Was ist wirklich nötig, um ein gutes Leben zu führen?

Eine Geschichte der Bibel erzählt davon, wie Menschen aus dem Volk Israel versuchen, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Gerade noch hatten sie gefeiert, dass sie der Sklaverei in Ägypten entkommen waren. Freiheit! Glücklich leben können. Aber es dauert nicht lange, da stehen sie vor neuen Problemen: Ihr Weg in die neue Heimat - durch die Wüste hindurch -, der ist unglaublich anstrengend. Zu anstrengend, finden viele. Ihre Sehnsucht nach Freiheit haben sie schnell vergessen. Jetzt ist es die Sicherheit von früher, nach der sie sich sehnen. Die brauchen wir, so meinen sie. Die Menschen sind enttäuscht und müde. So müde, dass sie nicht nach vorne schauen, nur noch nach hinten.

Mose, der sie in die Freiheit geführt hatte, denkt anders: Wir brauchen den Blick nach vorne, auch wenn wir nicht wissen, was kommt. Wir brauchen Vertrauen. Gott wird uns einen Weg in die Zukunft zeigen.

Am nächsten Morgen finden sie, womit sie in der Wüste nicht gerechnet hatten. Sieht aus wie Hagelkörner oder kleine Beeren, und entpuppt sich als essbar. Es gibt ihnen Energie. „Manna“ nennen sie es. Himmelsbrot.

Sie sammeln, was sie für diesen Tag brauchen, nicht mehr. Manche wollen lieber einen Vorrat anlegen, aber der verdirbt in der Wüste. Das Himmelsbrot gibt ihnen immer nur Kraft für einen Tag. Am nächsten Morgen sammeln sie wieder. Sie üben zu vertrauen: Gott wird auch morgen da sein. Morgen werde ich wieder etwas finden, was mir Kraft gibt.

Vielleicht hatte Jesus diese Geschichte im Hinterkopf, als er Jahrhunderte später seinen Jüngern das Vaterunser beigebracht hat. „Unser täglich Brot gib uns heute“. Hilf mir herauszufinden, was ich heute brauche. Für diesen Tag. Kraft, Freundschaft, Gottvertrauen, Menschen an meiner Seite. Manna, Himmelsbrot für heute.

In Heidelberg haben eine evangelische Gemeinde und die Diakonie zusammen ein Café gegründet, dem sie den Namen „Manna“ gegeben haben. Für Leute, die wenig Geld haben oder sich über ein Gespräch freuen. Kurse kann man da auch belegen: zusammen kochen oder sich am PC fit machen lassen. Ich glaube, solche Ideen und Menschen, die anderen helfen, die sind auf ihre Weise auch Manna. Himmelsbrot, das wir füreinander sein können.  

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16MRZ2022
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Die Seiten in meinem Terminkalender füllen sich fast von allein. Und dann stehen immer noch Termine oder Aufgaben Schlange, die eigentlich auch noch untergebracht werden wollen. Möglichst bald.

In der Bibel habe ich einen Satz entdeckt, der mir hilft, mit der Fülle der Aufgaben umzugehen. „Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“ Im Buch Prediger steht das, mittendrin in Gedanken über Arbeit und Lebensfreude.

Als ich das das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht: Na, da baut aber einer ganz schön Druck auf. „Auf, los, da geht noch was, da geht noch mehr! Streng dich an!“
Aber inzwischen mag ich den Satz. Er ist hilfreich, wenn man ihn genau anschaut.

Ich soll tun, was mir vor die Hände kommt, heißt es zuerst. Aber das ist vielleicht nicht unbedingt das, was andere gerade von mir erwarten. Ob es jetzt für mich dran ist oder nicht, das muss ich schon selbst entscheiden. Es sind ja meine Hände, meine Kreativität, meine Zeit und meine Energie, um die es da geht.

Anregend finde ich außerdem, dass da von meiner Kraft die Rede ist. Also nicht: alles, was dir vor die Hände kommt, das mach. Und auch nicht alles, was dir gerade in den Sinn kommt. Nein, da ist so etwas wie ein Filter eingebaut. Meine Kraft. Die ist nicht unerschöpflich.

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“

Manches schaffe ich nicht. Und manches ist für mich gerade auch nicht dran. Der Satz aus der Bibel gesteht mir das zu. Und Martin Luther hat über diesen Satz mal trocken gesagt: „Ich tu, was ich kann. Und was ich nicht kann, davon muss es heißen: ‚Wem ein Stein zu schwer ist, der lass ihn liegen.‘“ So einfach. Wenn ich mich übernehme, ist niemandem gedient. Manches kann ich getrost liegen lassen. Vielleicht versuche ich mich in einem Jahr nochmal an diesem Stein. Aber vielleicht ist er auch für jemand anderes gedacht. Oder es ist so ein dicker Brocken, dass er in 50 Jahren immer noch da liegen wird. Macht nichts. Ich muss mich ja nur um das kümmern, was für mich gerade dran ist.

Heißt für mich: anschauen, was mir vor die Hände kommt, abwägen, was für mich gerade geht und was nicht. Und dann tun, was ich kann, und den Rest getrost liegen lassen.

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15MRZ2022
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In der irischen Hauptstadt Dublin kann man in einer Kathedrale die „Tür der Versöhnung“ besichtigen. Sie hat schon seit Jahrhunderten in der Mitte ein Loch, gerade groß genug, dass man mit einer Hand hindurchgreifen kann. Dieses Loch und ihren Namen „Tür der Versöhnung“ verdankt die Tür einer Begebenheit, die sich 1492 zugetragen hat. Zwei irische Adlige waren aneinander geraten. Es kam zu einer gewalttätigen Auseinan­dersetzung zwischen ihnen und ihren Gefolgsleuten. Einer der beiden Grafen hat sich mit einigen Getreuen in höchster Not in die Kathedrale gerettet. Sie haben sich in einen Nebenraum geflüchtet und sich hinter der Tür verschanzt. Raus konnten sie nicht mehr. Ihre bewaffneten Gegner haben die Tür belagert. Die drau­ßen haben irgendwann angeboten: „Kommt raus, dann reden wir.“ Die drin haben sich natürlich nicht getraut. Schließlich ließ der Graf, der außen stand, mit Streitäxten ein Loch in die Tür hauen. Durch das Loch haben sie miteinander gesprochen. Dann hat einer der beiden unglaublich viel riskiert: er hat seine Hand und seinen ganzen Arm durch das Loch gestreckt, dem Widersacher entgegen. Er war komplett wehrlos in dem Moment. Ich vermute, alle haben den Atem angehalten. Auf beiden Seiten der Tür.

Mir geht diese Geschichte nach. Jesus hat mal gesagt: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Genau genommen hat er gesagt: Selig sind, die Frieden „tun“. Also nicht nur darüber reden, sondern selbst etwas tun. Aktiv werden. Und: dafür etwas riskieren. Die Geschichte von dem Loch in der Tür erzählt eindrücklich: Aufeinander zugehen kostet womöglich mehr Überwindung und mehr Mut als aufeinander losgehen.

Ich hoffe und wünsche, dass die Verantwortlichen dieser Welt genau diese Überwindung und diesen Mut aufbringen. Und auch für mich persönlich nehme ich diese Herausforderung mit: Rede nicht nur über Frieden. Tu was dafür!

Und was ist mit der Hand des Grafen an der Tür vor 500 Jahren geschehen? Der andere hat sie ergriffen. Der Friede hat am Ende gewonnen.

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14MRZ2022
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Heute ist der internationale Stell-eine-Frage-Tag. Vermutlich ist es kein Zufall, dass dieser Tag auf den 14. März gelegt worden ist. Denn heute hat Albert Einstein Geburtstag. Und der wusste nicht nur viele Antworten, er hat auch gesagt, dass man nie aufhören soll zu fragen. Nur wenn ich frage, lerne ich dazu.

Wenn ich frage, zeige ich: Ich weiß noch lange nicht alles, und es gibt noch so viel zu entdecken.

Ich weiß nicht von allein, wie es meiner Freundin geht. Also frage ich bei ihr nach und höre zu. Oder ich kenn mich mit einem komplizierten Thema, über das viel diskutiert wird, nicht gut aus. Also frage ich bei Fachleuten nach und lese etwas dazu. Und wenn mir dabei eine Antwort serviert wird, die mir zu einfach oder vorschnell vorkommt, dann frage ich nach und hinterfrage.

Wer irgendwann aufgehört hat zu fragen, der könnte bei Kindern in die Schule gehen. Die erobern sich die Welt mit ihren Fragen, Und wenn sie richtig loslegen, treibt es uns Erwachsenen ja manchmal Schweißperlen auf die Stirn. „Warum ist der Himmel blau? Mami, wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war? Wie fühlt man sich, wenn man tot ist? Wieso gibt es Krieg?“ Kinder erschließen sich die Welt, im wahrsten Sinn des Wortes. Sie schließen sich mit ihren Fragen neue Räume auf, betreten die neugierig und orientieren sich.

Schon Kinder in biblischen Zeiten waren offenbar „Löcher-in-den Bauch-Frager“. Das fünften Buch Mose rät den Erwachsenen, sich gut darauf vorzubereiten, dass ihre heranwachsenden Kinder sie fragen werden: „Wieso lebt ihr so, wie ihr lebt? Nach welchen Geboten, nach welchen Werten lebt ihr? Was glaubt ihr?“ So fragt eine Generation die Generation ihrer Eltern und Lehrer und Politikerinnen: „Wonach richtet ihr euch? Erzählt mal. Und lasst es uns sehen. Lebt uns vor, worauf es euch ankommt.“

Mose hat damals den Erwachsenen gesagt: Hört ihnen zu. Und dann antwortet ihnen. Versucht es zumindest, so wie ihr es könnt. Nehmt diese Fragen ernst. Und wenn ihr euch selbst und anderen solche Fragen lange nicht mehr gestellt habt, dann fangt damit an. So erschließt ihr auch für euch neue Räume.

Merke: wenn ich selbst frage, dann entdecke ich etwas Neues. Wenn ich gefragt werde und hinterfragt werde, dann auch. Ich wünsche Ihnen heute gute Fragen.

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13MRZ2022
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„Denk dran!“ Auf lateinisch „Reminiscere“. Das ist in der evangelischen Kirche der Name für den heutigen Sonntag.

„Denk dran“, das klingt erst mal wie „Mensch, vergiss das nicht“ Das noch tun, jenes noch erledigen. Aber hier wird kein Mensch aufgefordert, sondern Gott. Der Satz stammt aus einem Gebet, aus Psalm 25. „Denk an deine Barmherzigkeit und Güte, Herr!“ Denke an deine Güte! Denk bitte auch an mich.

Dieser Psalm wird heute in vielen evangelischen Gottesdiensten gebetet. „Denk dran!“

Nach den letzten Wochen nagt womöglich die Frage, ob Gott seine Güte vergessen hat. Und wir Menschen? Vielleicht neigen wir manchmal dazu, Schreckensnachrichten zu verdrängen. Manchmal sind wir hilflos - und irgendwie muss der Alltag schließlich weiter gehen. Aber heute ist Sonntag Reminiscere: Denk dran!

Schon seit einigen Jahren ruft die Evangelische Kirche in Deutschland an diesem Sonntag dazu auf, an Menschen zu denken, die von anderen unbarmherzig behandelt werden: Denkt an die, die in ihrer Heimat unterdrückt und verfolgt werden. Weil sie eine andere Religion als die Mehrheit haben, oder weil sie überhaupt eine Religion haben, welche auch immer. Wenn ihr selbst heute frei in die Kirche gehen könnt oder einen Gottesdienst in Radio oder Fernsehen mitfeiert, dann denkt an die, die so eine Freiheit nicht kennen. Denkt an die, die inhaftiert werden, weil sie sich für Menschenrechte stark machen und sich getraut haben, Unrecht anzuprangern. Oder die ein einem Lager einsitzen, nur weil sie zu einer Minderheit gehören, zu einer anderen Volksgruppe. Denkt an die, in deren Heimat Krieg geführt wird.

Betet für sie. Betet nicht nur für euch und eure Familie. Betet auch für die Verfolgten, deren Namen ihr nicht kennt. Für das uigurische Kind, den nigerianischen Christen, die Menschen in Belarus und der Ukraine. Zündet für sie eine Kerze an, daheim oder in der Kirche. Und bleibt interessiert: Informiert euch, wie es zugeht in der Welt. Schaut nicht weg.

Damit Menschen in Not erleben: wir sind nicht vergessen. Wir stehen nicht alleine da. Da sind Menschen an unserer Seite, die sich für uns interessieren und sich für uns einsetzen.
Heute will ich mir das wieder zu Herzen nehmen: Denk dran!

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24DEZ2021
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Eine heile Welt. So hat ein Künstler im 15. Jahrhundert die Weihnachtsgeschichte gemalt. Ich habe noch nie so einen sauberen Stall gesehen. Auf Hochglanz poliert. Kein Heu, kein Stroh, keine Tiere, natürlich auch keine Hirten (die hätten mit ihren schmutzigen Stiefeln ja nur Dreck gemacht). Und Maria ist keine erschöpfte Mutter, die soeben unter Schmerzen ein Kind geboren hat, sondern eine edel gewandete Dame, die Hof hält. Die 3 Könige sprechen nämlich gerade vor.

Es gibt keine genervten Leute, keine Anstrengung. Niemand hat vor irgendwas Angst. Keiner streitet. Alles super. Harmonie in Vollendung, wie man’s gerne hat am Heiligen Abend. Die Niederungen des Alltags sind ausgeblendet.

Mit der „echten“ Weihnachtsgeschichte aus der Bibel hat dieses Bild allerdings nichts zu tun. Mit dem echten Leben auch nicht. 

In der Weihnachtsgeschichte der Bibel gibt es eine Geburt in einer Notunterkunft. Ein erschöpftes junges Elternpaar, das natürlich überfordert ist. Wer wäre das nicht an ihrer Stelle? Und dann noch die Hirten, die Nachtwache schieben und rund um die Uhr arbeiten. Keine heile Welt.

Und genau dahinein wird Jesus geboren. Genau da leuchtet ein Licht auf, ein Lichtschein von Gottes Liebe. Das ist kein Fehler in der göttlichen Regie. Sondern genau so soll es sein. Da will Gott sein. Bei diesen Leuten. In dem, was sie gerade erleben.

Die Weihnachtsgeschichte ist etwas für uns normale Leute. Für die mit Alltagsstaub auf ihrer Seele. Für die, die erschöpft sind oder allein. Und auch für die, die das Gefühl haben: „Bei allen anderen um mich herum ist an Weihnachten heile Welt. Nur bei mir nicht.“

Ich glaube, die Ansage der Engel an die Hirten, die gilt auch für uns normale Leute. „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Nicht irgendwelchen perfekten Menschen in einer heilen Welt. Sondern Euch. Euch kommt Gott nah. Euch gilt seine Liebe.

Da ist eine Liebe, die Menschen das Herz wärmt. Wir können sie miteinander teilen. Heil wird die Welt dadurch nicht. Aber ich finde, sie wird heller.

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23DEZ2021
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In vielen Städten und Dörfern leuchtet in diesen Tagen das Friedenslicht aus Bethlehem.
Seit 35 Jahren gibt es diesen Brauch: im Advent zündet ein Kind in der Geburtskirche in Bethlehem eine Kerze an. Das Friedenslicht. Mit dieser Kerze werden andere angezündet. So wird das Licht weitergegeben und mit anderen geteilt. Pfadfinderinnen und Pfadfinder tragen es in die Welt hinaus, über Grenzen von Ländern und Völkern hinweg.

Am 3. Advent ist es in Deutschland angekommen und wandert von Ort zu Ort. In meiner Stadt leuchtet es noch bis Heilig Abend vor einem Pfarrhaus. Wer möchte, kann mit einer Kerze dorthin kommen und sie am Friedenslicht entzünden, um das Licht mit heim zu nehmen. Manche erzählen auch, dass sie es anderen bringen, mit denen sie es gern teilen möchten. Das Friedenslicht wandert. Es wandert in KiTa’s und Rathäuser. Es wandert innerhalb einer Familie oder von Nachbarhaus zu Nachbarhaus, von Alteingesessenen zu Neuzugezogenen. Vielleicht gibt sich auch jemand einen Ruck und bringt es dem, den er lange nicht mehr gegrüßt hat oder den er noch nie gegrüßt hat.

Indem ich das Friedenslicht mit anderen teile, kann ich ein Zeichen setzen. „Friede sei mit dir!“ Der Friede soll leuchten in deinem Haus. Er soll dich wärmen, deiner Seele gut tun. Und er soll bestimmen, wie du mit anderen umgehst.

Ausgerechnet aus Bethlehem kommt das Friedenslicht. Aus einer unruhigen und umkämpften Region. Genau dort ist Jesus geboren worden. In einer Zeit, in der von Frieden auch keine Rede sein konnte. Mit diesem Kind hat Gott ein Zeichen gesetzt.

In der Weihnachtsgeschichte machen Engel die Hirten vor den Toren Bethlehems auf die Geburt Jesu aufmerksam. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“ Eine große Ansage zu einem kleinen Beginn in einem Stall.

Die Hirten waren die ersten, die von Jesus erzählt haben. Sie haben auf ihre Weise das Licht weitergegeben, von Mensch zu Mensch.

Dieses Licht leuchtet bis heute in die Dunkelheiten unserer Welt hinein. Immer wieder sind da Menschen, die einem andern das Licht weitergeben, das sie selbst empfangen haben. Es soll auch denen leuchten, die erschöpft sind, traurig oder zerstritten. „Tragt in die Welt nun ein Licht“, heißt es in einem Kinderlied. Das finde ich auch ein gutes Motto für uns Erwachsene. Tragt in die Welt nun ein Licht. Ein Friedenslicht.

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22DEZ2021
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Die Künstlerin Madeleine Dietz hat im Jahr 2000 ein Bild veröffentlicht: „Madonna mit dem Kinde“. Eigentlich nichts Besonderes, es gibt ja viele Bilder, die Maria mit dem kleinen Jesus zeigen. Erst im zweiten Moment habe ich die gelbe Stoff-Ente in der Hand des Kindes entdeckt. Nanu? Jetzt erst habe ich genauer hingeschaut und gemerkt: Die Künstlerin hat ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert genommen und hat es am PC bearbeitet. Das Kind auf dem Schoß der Maria ist nun ein Kind aus unserer Zeit. Mit Latzhose und rotem Pulli. Und es hat das Down-Syndrom. Ein Kind mit Behinderung. Und habe ich schon erwähnt, dass es ein Mädchen ist?

Ich bin aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Je länger ich das Bild angeschaut habe, umso mehr hat es mich berührt. Ein behindertes Kind, von Maria liebevoll im Arm gehalten. Ich habe das Bild Jugendlichen gezeigt, und sie haben tatsächlich nicht bemerkt, dass das Kind Down-Syndrom hat. Sie haben einfach nur ein Kind gesehen. Ein Kind, das geliebt wird, munter in die Welt guckt und vermutlich gerade jemandem die Stoff-Ente überreichen möchte.

Das allein wäre ja schon eine wichtige Botschaft: Jedes Menschenkind ist einfach nur ein Menschenkind, das geliebt werden möchte und geliebt werden soll. Perfekt ist keines. Oder alle sind es, auf ihre ganz eigene Weise.

Aber nun ist es ja auch noch ein Weihnachtsbild. Jesus, der Sohn Gottes, als Kind mit Behinderung. So kommt Gott zur Welt. Das hat einige Leute aufgeregt, als die Künstlerin ihr Bild vorgestellt hat. „So kann man doch nicht von Gott reden“, haben sie protestiert. „Gott ist doch makellosl!“ Das Bild hat Diskussionen ausgelöst, wie wir uns Jesus als Sohn Gottes vorstellen. War er perfekt und makellos? Vielleicht hatte er einen Seh-Fehler. Und wo steht eigentlich, dass er ein Mathe-As war oder besonders schnell von Begriff gewesen wäre? Er war einfach nur ein Kind. Verletzlich und liebebedürftig wie jedes Kind. So kommt Gott zu Welt. So kommt er mir nah.

Vielleicht habe ich mich über die Jahre so sehr an die Weihnachtsgeschichte gewöhnt, dass ich sie nicht mehr spannend und irritierend finde. Aber eigentlich ist es ja der Hammer. Der ewige Gott wird Mensch. Junge oder Mädchen? Mit Behinderung? Egal. Ein kleines Bündel Mensch, anderen Menschen anvertraut. So nah kommt mir Gott.
An Weihnachten will ich darüber wieder staunen.

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