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30OKT2021
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Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton in einem Interview darüber, welches Erbe er hinterlassen möchte. Er sagt:

 

„Als ich jünger war, da wollte ich der beste Rennfahrer aller Zeiten werden. Das kümmert mich inzwischen sehr viel weniger. Mich reizt weitaus mehr, die Plattform zu nutzen, die ich mir erarbeitet habe und auf der mir Menschen zusehen. Wo sie sehen, was meine Werte sind. Und wo ich Kinder inspirieren kann. Kinder müssen wissen, dass sie die Welt ebenfalls verändern können. Dieser Gedanke hält mich wach!“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung, Samstag, 09. Oktober 2021, Ressort: Sport, Artikel 1/24: Ich bin bereit, meine Karriere zu riskieren, Digital-Abo.

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29OKT2021
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Die Autorin Helga Schubert hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter. Die war kühl und hat sie als Kind eigentlich offen abgelehnt.
Darüber hat Helga Schubert mit einer Pastorin gesprochen. Das war für sie so etwas wie ein Erlösungsmoment. Sie erinnert sich:

 

„Ich hab gesagt: Ich möchte als Christin das vierte Gebot erfüllen. Und das ist der Grund, dass ich jetzt zu Ihnen gekommen bin.


Wie ist denn Ihrer Meinung nach das vierte Gebot?


Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben.

Darauf die Pastorin: da haben sie einfach nur ein Verb falsch erinnert: du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und das kann man mit Absicht machen und lieben ist freiwillig.
Und ihre Mutter ist auch nicht gezwungen, sie zu lieben.“

Diese Frau, sagt Helga Schubert, hat ihr unglaublich geholfen.

 

Aus: SWR1 Begegnungen, 03.10.2021, „Das nehme ich jetzt an“, Johanna Vering trifft Helga Schubert.

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28OKT2021
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Der evangelische Bischof Heinrich Bedford-Strohm hat als Student viel in Wärmestuben für obdachlose Menschen und in Flüchtlingsunterkünften gearbeitet. In einem Interview spricht er über Geld. Er sagt:

 

„Ich habe dort über Geld gelernt, dass es wichtig ist für die Menschen, die keines haben. Es gibt viele Menschen unter uns, die sich jeden Tag Riesensorgen machen müssen um ihr Auskommen. Deshalb weiß ich, dass es ein großes Privileg ist, von seinem Geld gut leben zu können, so wie ich das mit meiner Familie kann. Dafür bin ich dankbar. Und deswegen ist für mich Geld immer mit Teilen verbunden.
Ich will mit meinem Geld - soweit ich das kann - auch etwas dazu beitragen, dass alle Menschen in Würde leben können. Und wenn ich über meine Finanzen entscheide, sind meine Begegnungen in Wärmestuben und Flüchtlingsunterkünften immer im Hinterkopf.“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung, Freitag, 3.September 2021, Ressort: Wirtschaft, Artikel 9/20: Niemand sollte zum Sklaven seines Geldes werden, Digital-Abo.

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27OKT2021
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Christiane Lutz ist Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung. In einem Artikel denkt sie über den Glauben nach. Sie schreibt:

 

„Menschen, die behaupten, Gott könne es nicht geben, sind mir suspekt. Für wie allwissend muss man sich halten, das verkünden zu können? Ich plädiere für mehr Demut. Nur weil unsere Gehirne nicht in der Lage sind, sich bestimmte Dinge auch nur vorzustellen oder sogar Beweise zu erbringen, heißt das doch nicht, dass sie nicht existieren. […]

Mein Vater sagt es so: `In der Geburt, in der Liebe, im Tod, da steckt doch überall ein riesiges Geheimnis dahinter, ein Zauber, der unerklärlich ist. Die Menschen spüren das - und wollen das spüren.´ […]

Glaube, das ist, wenn ich Ideen nicht belegen kann. Glaube ist Vertrauen, Trost, Ärger und Arbeit. Am Ende ist Glaube vielleicht nicht mehr als sich zu weigern, die Welt ausschließlich in mathematische Formeln zu packen. Und dabei, glaube ich, bleibe ich.“

 

Aus: SZ-Magazin Nr. 13/2021, Artikel: Wer´s glaubt. Ein Plädoyer für den Glauben, Digital-Abo.

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26OKT2021
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Eine Geschichte über das Schenken.

 

„Auf einer der größeren Inseln vor der Küste lebte ein Schüler, der seiner Lehrerin eine ganz besonders geformte Muschel schenkte. Sie dankte ihm erfreut und bemerkte: `Ich habe noch nie eine so wunderbare Muschel gesehen, sie ist ganz außergewöhnlich schön! Wo hast du sie denn gefunden?´
Der Schüler erzählte ihr von einer versteckten Stelle am anderen Ende der Insel und dass dort hin und wieder solch eine Muschel angeschwemmt werden würde.
`Ich danke dir nochmals von Herzen. Aber du hättest doch keinen so weiten Weg machen sollen, nur um mir etwas zu schenken.´ Darauf der Schüler: `Aber der weite Weg ist doch ein Teil des Geschenks.´“

 

Aus: andere Zeiten. Das Magazin zum Kirchenjahr 3/2021, Andere Zeiten e.V., Hamburg 2021, Umschlag-Rückseite.

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25OKT2021
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Formel- 1-Fahrer Lewis Hamilton setzt sich für benachteiligte Menschen in den Ländern ein, in denen die Rennen stattfinden. Dafür nutzt er seine Karriere und seine Netzwerke. In einem Interview erzählt er:

 

„Ich höre immer auf mein Herz. Mich kümmert es, wie es den Menschen ergeht. Als ich aufgewachsen bin, habe ich schlimme Dinge gesehen. Wenn ich die Bilder […]von Menschen sehe, die um ihre Existenz kämpfen, während wir uns in unserer heilen Welt ins Auto setzen um einen Kaffee zu holen: Das macht mich traurig!
[…] Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich bereit bin, meine Karriere zu riskieren, wenn es hilft. Beispielsweise um ein Leben zu retten. Oder die Gedanken der Mächtigen anzuregen, um einen Wandel einzuleiten, der den Menschen hilft. Diesen Menschen sollten die Mächtigen eigentlich dienen.“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung, Samstag, 09. Oktober 2021, Ressort: Sport, Artikel 1/24: Ich bin bereit, meine Karriere zu riskieren, Digital-Abo.

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24OKT2021
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Der Schauspieler und Stuttgarter Tatort-Kommissar Richy Müller über das, was für ihn im Leben zählt. Er sagt:

 

„Wenn man innerlich nur vom Beruf lebt, müsste man permanent arbeiten, um sich wohl zu fühlen. Nein, die privaten Dinge sind die wichtigen - und dass man bescheiden ist und Demut lebt und zufrieden ist mit dem, was man hat.“

 

Aus: Tageszeitung „Die Glocke“, Nr. 208, Dienstag, 7.September 2021, Verlag E. Holterdorf, Oelde, Ressort: Weltchronik.

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03OKT2021
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Helga Schubert Foto: privat.

TEIL I

… und mit Helga Schubert. Sie ist Schriftstellerin und Psychologin. Ihr Buch „Vom Aufstehen“ hab ich verschlungen - mehrmals. Ich liebe Lebens- und Familiengeschichten. Und genau das ist „Vom Aufstehen“. In Erzählungen bringt die 80-jährige Helga Schubert ihr Leben auf den Punkt. Klar und präzise, unpathetisch, oft so schmerzhaft, dass man weinen könnte und dann wieder befreiend zum Lachen.
Mich begeistert diese wache, offene Dame, deren Leben alles andere als leicht war. Geboren im Zweiten Weltkrieg, aufgewachsen mit einer kühlen und übergriffigen Mutter, der Vater gefallen, Flucht, Vertreibung, Neustart, als Christin leben in der DDR und schließlich in der Bundesrepublik, eine komplexe Familiengeschichte, Krebserkrankung und jetzt mit über 80 Jahren Vollzeitpflege ihres schwerkranken Mannes. Ich will erstmal wissen, wie sie das eigentlich alles geschafft hat und ja auch heute immer noch schafft.

Indem man es annimmt, das ist wirklich meine einzige Antwort nach den vielen Jahrzehnten, die ich selbst in der Psychotherapie gearbeitet habe und in der ich einfach diesem Leben so gegenübergestanden habe, bis ich gedacht habe das nehme ich jetzt an.
Das hört sich vielleicht ganz einfach an, aber das ist die Lösung.
Wenn man dann auf irgendeine Weise noch eine Distanz dazu kriegt, die aber nur durch Humor kommen darf. Die Distanz, die muss dadurch kommen, dass man sich auch relativiert, dass man das eigene Leben relativiert und einfach weiß, es gibt etwas viel Größeres als dieses eigene Leben. Und daran glaube ich.

Helga Schubert ist evangelische Christin und ihr Glaube ist aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Obwohl Ihre Eltern selbst nicht gläubig waren. Für Helga Schubert ist Gott…

Ein ganz gutes konstruktives Prinzip, in dem ich lebe. Dann bin ich da drin und fühle mich geborgen und versuche einigermaßen, ich kleiner Mensch so.
das alles zu schaffen und vernünftig zu sein.

Wodurch bin ich jetzt gläubig geworden? Ich bin dadurch gläubig geworden, dass ich gemerkt habe, was es für eine unglaubliche Wärme bedeutet, wenn man gesegnet wird, wenn man zu etwas dazu gehört, was ruhig, vernünftig, warmherzig und dann auch noch geborgenheitsspendend ist. Ja, dass es friedlich ist.

Geborgen sein. Was Helga Schubert im Glauben erfährt, konnte ihre Mutter ihr nicht geben. Von ihrem schwierigen Verhältnis zur Mutter und was der 3. Oktober für sie bedeutet, hören Sie nach der Musik.

 

TEIL II

… und mit der Autorin Helga Schubert, die mit ihrem Buch „Vom Aufstehen“ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat. Sie erzählt darin ihre Lebens- und Familiengeschichte. Die ist geprägt von einem schwierigen Verhältnis zu Ihrer Mutter.

Ich bin mit sehr hasserfüllten Worten großgeworden, also von meiner Mutter aus, einer großen Kühle. Das ist keine Ambivalenz gewesen mir gegenüber, sondern es war eigentlich eine eindeutige Ablehnung meiner ganzen Person.

Helga Schubert selbst wirkt aber alles andere als kühl und distanziert. Wie kam es zu Wärme und Zuneigung in ihrem Leben? Wie konnte sie das trotzdem entwickeln? Das ging dadurch…

Dass ich mir das woanders gesucht habe und dass ich es woanders gefunden habe.
Also ich bin in meinem ganzen Leben noch nie entmutigt gewesen, dass ich die Wärme irgendwo finden könnte.

In der Beziehung zu ihrer Mutter gab es für Helga Schubert so etwas wie einen Erlösungsmoment. Das war im Gespräch mit einer Kurpastorin an der Nordsee. Sie erzählt dort, wie schwierig es mit ihrer Mutter ist und sagt:

Ich möchte als Christin das vierte Gebot erfüllen. Und das ist der Grund, dass ich jetzt zu Ihnen gekommen bin.

Wie ist denn Ihrer Meinung nach das vierte Gebot?

Ich hab gesagt: du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es dir wohl gehe und du lange lebest auf Erden.

Ja sagt sie, da haben sie einfach nur ein Verb falsch erinnert: du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und das kann man mit Absicht machen und lieben ist freiwillig.
Und ihre Mutter ist auch nicht gezwungen, sie zu lieben.

Diese Frau hat mir unglaublich geholfen.

Meine Mutter oder meine Kinder nicht zu lieben, kann ich mir nicht vorstellen.
Aber ich kann mir vorstellen, dass es für Helga Schubert entlastend war, weil es von ihr selbst und von ihrer Mutter den Druck genommen hat: Du musst Deine Mutter oder Deine Tochter lieben.

Nicht nur die Kindheit war durch schwierige Umstände geprägt, auch ihr Leben in der ehemaligen DDR. Deshalb interessiert mich natürlich heute am Tag der Deutschen Einheit, was der 3. Oktober für Helga Schubert bedeutet.

Also das ist auch eine Art von Erlösung. Das ist eine äußere Erlösung, die wirklich bei mir ein großes Glücksgefühl immer wieder hervorruft. Dass wir eine Diktatur überwunden haben mit friedlichen Mitteln.
Dass es nun außerdem auch noch ein einheitliches Deutschland geworden ist. Das ist das Sahnehäubchen auf der ganzen Sache. Das Wichtigste ist diese Diktatur der DDR mit friedlichen Mitteln zu Fall gebracht zu haben.
Dass ich in einem Europa lebe und in einem Land, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit gewährleistet ist, ist für mich das Wichtigste. Weil daraus alles andere folgt.
Daraus folgt alles. Ich kann wählen. Ich kann nicht wählen. Ich kann mich informieren. Ich bin nicht eingesperrt, ich werde nicht überwacht. Das sind alles Dinge, die zu einem Lebensglück beitragen.

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21AUG2021
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Dass ein langer Besuch in einem Kloster einiges verändern kann, beschreibt die Journalistin Ilka Piepgras. Für ihr Leben in Berlin nimmt sie sich anschließend etwas vor. Sie sagt:

 

„Ich fahre mit dem Ziel nach Berlin, mein Leben zu vereinfachen. Künftig nicht auf alles sofort zu reagieren, sondern auch mal Dinge an mir vorüberziehen zu lassen. Ballast abzuwerfen. Die Zerstreuung einzuschränken und mich stattdessen auf Wesentliches zu fokussieren.
Vielleicht können mir meine Kinder dabei helfen. Sie fordern mich heraus. Sie zwingen mich zu Geduld. Sie lehren mich Gelassenheit. Sie brauchen meine Hingabe. Kindererziehung entspricht in etwa der geistigen Arbeit der Nonnen. Die Kinder sind meine Zen-Meister.“

 

Aus: Piepgras, Ilka, Meine Freundin, die Nonne, Knaur, München 2011, S. 290.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33729
20AUG2021
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Der Künstler Joseph Beuys über die Seele und wie sie sich auf alles andere auswirkt Er sagt:

 

„Das Einzige, was sich lohnt aufzurichten, ist die menschliche Seele. Ich meine jetzt „Seele“ im umfassenden Sinn.
Ich meine nicht nur das Gefühlsmäßige, sondern auch die Fähigkeit des Denkens, der Intuition, der Inspiration, das Ichbewusstsein, die Willenskraft. Das sind alles Dinge, die sehr stark geschädigt sind in unserer Zeit. Die müssen gerettet werden. Dann ist alles andere sowieso gerettet.“

 

Aus: Kirche und Schule, Generalvikariat Münster, April 2021, Nr. 193, Münster, S. 5.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33728