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"Ich will grad einfach nur weg, wo einfach alles einfach ist“, singt ein deutscher Liedermacher und spricht mir mit seinen Fluchtgedanken voll aus der Seele.
Manchmal jedenfalls. Wenn es bei mir - mal wieder - alles andere als einfach ist. Weil mir alles über den Kopf wächst.
Gerade in solchen Momenten träume ich mich gerne mal davon.
Aber meistens ist das gar nicht so einfach. Das mit dem Flüchten. Was kann dann helfen?
Vielleicht ist es erst einmal die kleine Flucht - aus dem Alltag.
Jesus hat das so gemacht. Der hat sich immer mal zurückgezogen. An einen einsamen Ort, auf einen Berg oder in den Garten. Im Gespräch mit Gott hat er versucht, zur Ruhe zu kommen. Und überlegt, wie und wo es weitergeht. Schließlich hat er sich leiten und beflügeln lassen.
Und zwar - von der Liebe.
Das erzählt auch die Bibel: Jesus hat sich mit Freunden auf einen Berg geflüchtet.
Petrus ist auch dabei. Und dem gefällt es auf dem Berg so gut, dass er am liebsten für länger bleiben möchte. Er schlägt deshalb vor, dort Hütten zu bauen und einfach weg zu bleiben.
Jesus geht darauf aber nicht ein. Denn er liebt. Und zwar die Menschen und seine Aufgabe.
Jesus war nämlich auch erfüllt und beseelt von seinem Auftrag. Dem Wunsch, die Liebe, die er in sich spürt, die Liebe, mit der Gott ihm begegnet, weiterzugeben.
Weil ihm das auf dem Berg wieder klar wird, kommt eine dauerhafte Flucht für ihn nicht in Frage und er kann zurückkehren.
Manch ein Kurz- oder Langzeit-Urlauber hat das vielleicht schon einmal ähnlich erlebt. Nach einiger Zeit der Ruhe, ist da wieder mehr Gespür da. Für das, was und wer einem Zuhause wichtig ist. Und das gibt plötzlich neue Kraft.
Da sind vielleicht die Enkel, um die man sich noch kümmern will. Oder der Job, den man vermisst. Da ist vielleicht der eine besondere Mensch, dem man etwas zu geben hat.
Wer die Liebe in sich entdeckt oder wiederfindet und sich davon leiten lässt, der wird beflügelt und hat plötzlich neue, manchmal ungeahnte Kräfte.

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Unglaublich, was sich in kürzester Zeit so an Kram ansammeln kann. Wenn ich in Urlaub fahre zum Beispiel. Auf dem Hinweg ist noch Platz im Koffer. Auf dem Rückweg muss ich mich mit meinem ganzen Gewicht auf den Koffer setzen, um ihn noch zuzukriegen. Und Zuhause ist das ähnlich. Da sammelt sich auch immer mehr an.
Da bewundere ich doch Menschen, die mit ganz wenig Gepäck unterwegs und trotzdem glücklich sind. Ich denke da zum Beispiel an einen ehemaligen Mitbewohner. Der ruhte irgendwie in sich, obwohl der kaum was hatte. Bevor er umgezogen war, hatte der alle seine Sachen verkauft und sich auch von vielen Erinnerungsstücken getrennt. Weil er äußerlich und innerlich frei sein wollte, hat er gesagt.
Frei wollten auch die Israeliten sein. Vor mehr als 3000 Jahren sind sie aus Ägypten geflohen, erzählt die Bibel. Und zwar mit Kind und Kegel. Die mussten sich auch fragen: „Was brauchen wir wirklich. Was schleppen wir mit und wovon trennen wir uns?“
Neben alledem, was für sie damals überlebenswichtig war, Essen, Trinken, Zelte, Werkzeug, haben die Israeliten damals entschieden, auf jeden Fall noch ein weiteres Zelt mitzunehmen. Ein Zelt, das sie überall, wo sie waren, aufgebaut haben.
In diesem Zelt hat niemand gewohnt. Das Zelt war für Gott gedacht. Er sollte drin wohnen.
Seltsam. Die Israeliten haben auf materielle Dinge verzichtet, um Raum zu haben für etwas, was man nicht anfassen, hören oder sehen kann. Sie haben Raum gelassen für Leere. Damit man Gott nah sein kann. Und dadurch haben sie sich freier gefühlt.
Beeindruckend.
Natürlich brauche ich allen möglichen Kram, ob im Urlaub oder zu Hause. Mancher Kram ist mir auch regelrecht ans Herz gewachsen.
Aber ich glaube, es braucht auch Platz für das, was man nicht anfassen kann. Es braucht leere Räume und Zeiten. Räume für gute Erinnerungen und Gefühle. Räume, in denen man Gott begegnen und sich selber spüren kann.
Dann klärt sich das vielleicht von alleine. Die Frage, was ich wirklich brauche. Und ich kann vielleicht mit leichterem Gepäck reisen.

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Manchmal kann ich die Spannung nicht mehr aushalten. Da ist ein Buch so packend, dass ich unbedingt wissen will, wie es ausgeht. Dann – ich muss es zugeben- schlage ich die letzten Seiten auf, schaue nach, was mit meinen Hautpersonen passiert - bin manchmal ziemlich überrascht und lege das Buch dann nachdenklich zur Seite.
Im richtigen Leben bin ich oft auch gespannt wie ein Flitzebogen. Und würde sehr gerne auch da mal „vorblättern“. Und nachsehen, ob die Geschichte gut ausgeht. Dann könnte ich manche lebenswichtige Entscheidung leichter treffen.
Vielleicht hat sich das der junge Mann auch gedacht, von dem Jesus einmal erzählt. Eines Tages steht der nämlich vor so einer Lebensentscheidung. Er will auf eigenen Beinen stehen, braucht dafür aber Unterstützung. Deshalb trifft er eine schwere Entscheidung: er bittet seine Eltern, ihm sein Erbe auszuzahlen.
Dieser Schritt hat unabsehbare Folgen. Denn damit stößt er nicht nur seine Familie vor den Kopf, er verlässt auch deren Schutz – damals überlebenswichtig. Aber für seinen Traum will er alles riskieren.
Was hat ihn so mutig gemacht? Was macht mutig, Entscheidungen zu treffen und voranzugehen. Auch wenn man das Ende nicht kennt?
Die Geschichte von dem jungen Mann, die Jesus erzählt, ist jedenfalls erst einmal nicht gut gegangen. Der junge Mann scheitert auf ganzer Linie. Sein Erbe hat er falsch investiert, dann kommt eine Hungersnot. Alles läuft anders, als er sich das erträumt hat.
Hätte er das vorher gewusst, hätte er vielleicht anders entschieden.
Aber „vorblättern“ in der eigenen Geschichte geht eben nicht.
Jesus erzählt, dass der junge Mann dann zu seiner Familie zurückgeht. Und obwohl er sein Erbe verspielt hat, setzt ihn sein Vater wieder als seinen Sohn und Erben ein.
Jesus will damit sagen: auch wenn Lebensentscheidungen sich als falsch erweisen, Sie und ich, wir dürfen und sollen unsere Lebensgeschichte weiterschreiben. Unser Leben endet nicht mit der letzten Seite wie ein Buch, sondern sie geht weiter.
Und niemand darf an falschen Entscheidungen zugrunde gehen. Wir sollen einander weiterhelfen und auch Gott räumt uns immer wieder neue Chancen ein.

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Manchmal kommt mir mein Gedächtnis vor wie ein Sieb. Da lerne oder lese ich was Tolles, bin total begeistert und nehme mir fest vor, mir alles zu merken für später. Aber - wenn ich dann auf das Gelernte zugreifen will, ist nicht mehr viel davon übrig.
Ach, könnte ich doch einfach alles Wichtige abspeichern und bei Bedarf abrufen – wie ein Computer. Dann könnte ich auf meinen Kopf wie auf eine Festplatte zugreifen und müsste mir Sachen nicht immer wieder neu merken oder Daten nachschauen.
Noch mehr ärgere ich mich allerdings, wenn auch wirkliche Aha-Erlebnisse durchs Sieb fallen.
Ein wenig tröstet es mich, dass es anderen offenbar auch so geht. Sogar den klügsten Köpfen. Paulus zum Beispiel, einem der ersten großen christlichen Denker.
Der war hoch gebildet, sehr belesen und selbst der hat zugegeben, dass er dranbleiben muss beim Lernen. Gerade wenn es um Dinge geht, die ihm besonders wichtig sind. In einem Brief erzählt er davon und gibt zu: „Nicht, dass ich schon vollkommen bin“ (Phil 3,12).
Respekt. Dieser kluge Kopf steht hier ganz offen zu seiner Unvollkommenheit. Mehr noch, er macht sogar Mut, sie wert zu schätzen.
Vielleicht weil Paulus gemerkt hat: Die Stärke des Menschen liegt manchmal darin, gerade nicht so effizient zu sein wie eine Maschine. Er hatte erlebt, als Mensch bin ich nicht vorprogrammiert, sondern kann und muss Dinge, die mir wichtig sind, oft neu lernen. Daten, Fakten, klar. Aber manchmal sogar auch das, was ich längst meine, verstanden zu haben. Über Gott, die Welt, die Menschen, mich selbst.
Das ist mitunter lästig. Gibt aber gleichzeitig die Chance, zurechtzurücken, was ich vielleicht mal anders gesehen habe. Und das ist manchmal nötig.
Bei Paulus war das so. Der hat einiges über Gott und die Welt dazu gelernt. Und die Chance genutzt, seine Sicht zu verändern. Das können eben nur unvollkommene Menschen.
Selbst wenn ich manchmal gerne ein Supergedächtnis hätte, bin ich doch auch froh, dass ich nicht vorprogrammiert bin. Das heißt zwar: ich muss öfter mal was nachschlagen – aber dafür habe ich ganz viele Chancen, immer wieder Neues zu lernen und auch mal was zurechtzurücken, wenn es nötig ist.

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„Waren Sie mit unserem Service zufrieden? Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit und bewerten Ihren Berater. Kaum habe ich das Telefonat mit einem Service-Berater beendet, erreicht mich diese Bitte per email. Ich soll also sofort meine Bewertung abgeben: ob mir geholfen wurde, wie freundlich der Berater war usw. Schnell habe ich mich durchgeklickt. Schließlich sitze ich ja noch am PC und -vielleicht hilft es. Aber tut es das wirklich?
Manchmal bin ich mir da unsicher. Schließlich weiß ich nicht, was mit meinen Bewertungen im Nachhinein passiert. Und ich frage mich, ob damit wirklich nur der Service verbessert werden soll oder vielleicht doch ein Berater ruckzuck Konsequenzen zu fürchten hat, weil er nicht so funktioniert wie gewünscht.
Nun kann man sagen, mit Bewertungen muss man irgendwie umgehen lernen – auf allen Seiten. Als der, der Bewertungen abgibt oder hört und als der, der bewertet wird. Immerhin ist der scheinbar moderne Bewertungshype von heute gar nicht so neu. Denn eigentlich haben sich die Menschen schon immer gegenseitig bewertet. Empfehlungen zum Beispiel für die besonders nette Ärztin oder den guten Bäcker im Ort - oder eben auch das Gegenteil - gab es doch schon immer.
Und trotzdem gibt es Grenzen.
Jesus hat das ziemlich deutlich gemacht. Er selbst hat zwar ständig Bewertungen abgegeben und auch gefordert. Er wollte, dass man sich Gedanken macht, eigenes und fremdes Verhalten einschätzt, weil man sich dadurch weiterentwickeln kann.
Aber eines wollte er nicht: dass man seine Bewertung und Sicht der Dinge für absolut hält und mit dem Urteil Gottes gleichsetzt. Das funktioniert nicht, meint er, denn kein Mensch kann dem anderen in den Kopf und ins Herz schauen.
Jesus sagt deshalb: „Richtet nicht“ (Mt 6,7) und gibt damit allen eine Abfuhr, die eigene oder fremde Urteile überbewerten. Stattdessen ermutigt er, trotz aller Bewertungen offen zu bleiben für neue und andere Eindrücke oder auch positive Überraschungen.
Ich finde, das ist ein guter Tipp im Blick auf den allgegenwärtigen Bewertungshype.
Mir hilft es, wenn ich mir immer wieder klar mache: ins Herz schauen kann mir eigentlich nur einer, nämlich Gott. Und das heißt, menschliche Bewertungen haben ihre Grenzen. Darüber hinaus ist noch viel mehr möglich. Bei mir und bei Ihnen auch.

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Manchmal kann der Morgen noch so schön sein, die Stimmung ist trotzdem mies. Aus wer weiß was für Gründen. Oder weil irgendwie alles zu viel ist. Da steht etwas aus, was mir Sorgen macht. Ein schwieriges Gespräch zum Beispiel, eine Prüfung, irgendetwas Unangenehmes. Allein der Gedanke daran, und was da schief gehen könnte - kann mir morgens - sogar schon Tage und Wochen vorher - die Stimmung vermiesen. Wenn ich so drauf bin, würde ich am liebsten im Bett bleiben und die Decke über den Kopf ziehen.
Das geht aber nicht. Und ist auch keine Lösung, meint jedenfalls ein kluger Stratege aus alter Zeit. Der hat einmal so etwas gesagt wie: „Du sollst die Schlacht nicht schon im Voraus als verloren betrauern.“
Das leuchtet mir ein. Etwas betrauern, was noch gar nicht passiert ist – sich sozusagen im Voraus die Decke über den Kopf ziehen, macht eigentlich keinen Sinn. Sinnvoller und auch viel angenehmer wäre doch das Gegenteil, nämlich gute Laune und Tatendrang. Aber wie kommt man raus aus der Miesepetrigkeit, wenn man erstmal drinsteckt?
Die Bibel erzählt dazu eine Geschichte von König Saul:
Sauls Stimmung ist nämlich regelmäßig im Keller. Er weiß genau, er hat noch so manche Schlachten zu schlagen. Aber ob die gut für ihn ausgehen, weiß er nicht. Und genau das schlägt ihm aufs Gemüt. Seine Mitarbeiter haben da aber plötzlich eine Idee. Sie wollen für den König einen echten Musiker engagieren, denn Musik hebt die Stimmung, meinen sie.
König Saul ist einverstanden. Schnell wird ein Harfenspieler geholt und die Rechnung geht auf. In der Bibel heißt es, immer wenn er das Harfenspiel hört „dann wurde es Saul leichter ums Herz, er fühlte sich wieder wohler“ (1Sam 16,23).Saul schöpft Mut und kann wieder weiter machen.
Eine Patentlösung gegen schlechte Laune und Zukunftsängste ist das natürlich nicht.
Mir sagt die Geschichte aber: wenn ich wirklich miese Laune habe, darf ich mir Hilfe suchen. Sogar morgens schon. Sei es, dass ich mich von meiner Lieblingsmusik aufmuntern lasse oder sozusagen meinen ganz „persönlichen Harfenspieler“ herbei hole. Eben etwas oder jemand, der mir Gesellschaft leistet, gut tut und dadurch Mut macht, meine ganz persönlichen Schlachten zu schlagen.

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„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, das soll der Popstar John Lennon gesagt haben. Und manchmal denke ich: stimmt!
Denn das passiert doch ziemlich oft: Da hat man sich einen Plan gemacht und dann kommt es doch ganz anders.
Manche Pläne werden durch schreckliche Ereignisse durchkreuzt. Bei meinen Großeltern war das der Krieg. Der hat das Leben vieler Menschen verändert. Viele haben damals ihre Ausbildungsstelle nicht mehr angetreten, weil plötzlich Zuhause jede Hand gebraucht wurde. Und viele mussten fliehen, alles hinter sich lassen, ihr Zuhause, ihre Pläne und Träume.
Und trotzdem ist Leben passiert.
Für mich ist die Weihnachtsgeschichte ein Beispiel dafür.
Maria und Josef hatten sicher ihre Pläne. Jung und frisch verlobt – da träumt man von einer rosigen Zukunft, vielleicht auch von Nachwuchs. Und genau dafür braucht es oft ein bisschen Planung. Schließlich will man der Familie ja etwas bieten, ein schönes Zuhause, Sicherheit, Zukunft.
Aber dann wurde Maria schwanger und alles ist anders gekommen als geplant. Denn Jesus ist ja nicht zu Hause geboren worden, sondern in der Ferne, unter ziemlich aufregenden Umständen.
Die frischgebackene Familie konnte auch nicht wie geplant nach der Geburt zurück nach Nazareth, wo ihr Zuhause ist. Sie musste flüchten. Der damalige König Herodes hatte nämlich eigene Pläne – und es auf das Leben Jesu abgesehen.
Deshalb lässt die kleine Familie alle ursprünglichen Pläne sausen und setzt sich ab ins Ausland, nach Ägypten.
So haben die Eltern Maria und Josef ihrem Kind das Leben gerettet.
Weil sie ihre Pläne über den Haufen geworfen haben, weil sie viel hinter sich gelassen haben, hat die Familie überlebt. Und ihr Kind Jesus konnte groß werden und die Welt verändern. Zum Guten.
Die Weihnachtsgeschichte, die wir in den vergangenen Tagen gefeiert haben, hat für mich eine bleibende Botschaft. Sie sagt mir: Leben ist möglich und passiert - sogar dann, wenn ich gezwungen bin, meine Pläne aufzugeben und ganz neue Wege zu suchen.
Wenn Gott mitgeht, passiert Leben. Auch wenn man es in der Situation kaum glauben kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18895

Montagmorgen – eine neue Woche beginnt. Nach den Feiertagen eine gute Gelegenheit, neu durchzustarten. Sozusagen ein Neujahrstag in klein – schon heute.
Zeit für gute Vorsätze und die Entscheidung: Wie will ich meine Zukunft mitgestalten? Wofür will und kann ich die Verantwortung übernehmen? Im Blick auf die nächsten paar Tage fällt da vielleicht manche Entscheidung ganz schnell. Da heißt es zum Beispiel: Ab heute trete ich ernährungsmäßig wieder kürzer, lebe bewusster, mache mehr Sport usw.
Vielleicht stehen dieser Tage allerdings auch größere Aufgaben an. Entscheidungen, die weit über die nächsten paar Tage hinausreichen: eine neue berufliche Aufgabe zum Beispiel, von der ich nicht weiß, ob ich ihr gewachsen bin. Oder auch eine Herausforderung in der Familie, die vielleicht über die eigenen Kräfte geht. Wenn solche Entscheidungen anstehen, dann klappt das mit dem Durchstarten nicht so ohne weiteres. Auch wenn ich noch so gute Vorsätze habe.
Die Bibel erzählt dazu eine Geschichte, die Mut macht.
Es ist die Weihnachtsgeschichte – beziehungsweise die Vorgeschichte dazu. Sie handelt von Josef, Marias Mann, Ziehvater von Jesus. Der war in einer Situation, der er sich erst einmal gar nicht gewachsen gefühlt hat. Er musste sich nämlich entscheiden:
Übernehme ich die Verantwortung für eine Familie, meine Verlobte und ein Kind, von dem ich nicht mal weiß, von wem es ist? Oder gehe ich doch lieber meine eigenen Wege?
Wie Josef sich entschieden hat, ist bekannt – für die Familie nämlich. Allerdings berichtet die Bibel auch, wie er zu seiner Entscheidung gekommen ist: als Josef mit sich ringt, was er tun soll, begegnet er nämlich einem Engel. Und der hilft ihm, Mut und Vertrauen zu fassen. Dann erst trifft Josef seine Entscheidung und startet durch.
Vielleicht braucht es in einer schwierigen Situation genau das:
Vertrauen und jemanden – einen Engel, ob menschlich oder göttlich – der mir hilft, immer neu Vertrauen ins Leben zu fassen – auch, wenn es wirklich schwer ist.
Josef hat sich entschieden und sich darauf verlassen, dass Gott ihm hilft, wenn es zu schwer wird.
Und das können Sie auch! Was auch für Entscheidungen und Aufgaben diese Woche oder im neuen Jahr auf Sie zukommen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18894

„Wer nach den Sternen greifen will, muss langfristig planen.“ Das haben sich bestimmt auch die ersten Raumfahrt-Pioniere gedacht und am Anfang des 20. Jahrhunderts vom Flug ins Weltall geträumt. Schon damals haben sie die technischen Grundlagen dazu gelegt - ohne damit zu rechnen, jemals selbst ins All fliegen zu können.
Heute - über 100 Jahre später – ist Raumfahrt und noch viel mehr möglich.
Mich beeindruckt das. Und macht mich neugierig. Wie konnten die Leute das? So langfristig planen, mit einem großen Ziel vor Augen – dabei zu wissen: selbst erreichen werde ich dieses Ziel wohl nie.
Einen Hinweis darauf finde ich in der Bibel. Sie erzählt auch so eine Geschichte von einem, der nach den Sternen gegriffen hat. Moses. Der hat zwar nicht von den unendlichen Weiten des Weltalls geträumt, dafür aber von einer offenen und guten Zukunft - für sich und sein Volk. ‚Die sollen es mal weit bringen’, hat er gedacht und sich aufgemacht, seine Leute in ein neues Land zu führen.
Zuerst wollte Moses nicht. Aber Gott hat mit ihm gerungen und am Ende war Moses davon überzeugt, dass es für sein Volk gut sein würde. Deshalb war er bereit, jede Menge für diesen guten Plan einzusetzen: Überzeugungskraft, Energie und viel Lebenszeit.
Jahrzehnte später hat das Volk das gelobte Land vor Augen. Auch Moses. Aber er weiß, dass er es nicht mehr betreten wird. Statt daraufhin zu verzweifeln, steht Moses auf und bestärkt noch einmal alle, die weitergehen.
Ihm ist auf dem Weg etwas klar geworden: Wer nach den Sternen greift und Gutes für viele erreichen will, muss nicht nur langfristig planen, sondern darf auch darauf vertrauen, dass Andere seinen Weg weitergehen und seine Aufgabe fortführen werden.  Er darf darauf vertrauen, dass Gott mitgeht. Denn auch der plant gut und langfristig für die, die sich von ihm inspirieren lassen. In den persönlichen Zielen und in generationenübergreifenden Zielen.
Vielleicht ist es das, was immer wieder Menschen ermutigt hat, nach den Sternen zu greifen und Visionen zu entwickeln. Weil sie gespürt haben: auch wenn ich manchmal große Ziele nicht erreiche, bin ich doch Teil eines guten Plans und einer großen Gemeinschaft. Und auf die kann ich mich verlassen.
Das wünsche ich mir auch für unsere Zeit und Gesellschaft, dass wir gemeinsam immer wieder nach den Sternen greifen!

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„Von ganz oben nach ganz unten – manchmal geht das ganz schnell“, erzählt ein ehemaliger Banker aus New York. Er hat während der Finanzkrise seinen Job verloren. Und wem das in den USA passiert, der landet ganz schnell ganz unten. Kein Job heißt dort oft: keine Krankenversicherung.  Verlust des Angesparten, Probleme in der Familie - und manche verlieren am Ende auch noch den Respekt vor sich selber, ihre Würde.
Weil sie sich so minderwertig vorkommen. Jetzt, wo sie nichts mehr leisten können.
Mich machen solche Verlierergeschichten nachdenklich. Abstürzen, ein Stück Würde verlieren, das geht schneller als man denkt.
Was braucht jemand, der Angst hat um seine Existenz? Der nicht weiß, wie er oder sie die nächste Miete zahlen kann? Der sich minderwertig vorkommt?
Vielleicht ist es Zuwendung. Und zwar im mehrfachen Sinne. Einmal materiell, ganz klar, damit man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
Aber auch menschlich.
Menschliche Zuwendung brauche ich, gerade in den Momenten, wo ich mich klein fühle und am liebsten im Erdboden verschwinden würde. Am besten von jemanden, der mehr in mir sieht als ich selbst.
Manche Menschen können das: Über äußere Umstände hinwegsehen. Mehr in mir entdecken als ich selbst. Mir auch wenn ich am Boden bin auf Augenhöhe begegnen. Und mir so ein Stück Würde zurückgeben.
Warum können die das, meine Würde bewahren, wenn manchmal nicht mal ich das kann?
Vielleicht, weil sie ahnen, „die Würde eines Menschen ist unantastbar“. Denn sie ist auch noch außerhalb unserer Welt mit ihren Regeln verankert. Nämlich bei Gott.
Der spricht die Würde jedem Menschen zu, egal ob Gewinner oder Verlierer. Der wendet sich den Verlierern sogar ganz besonders zu. Um ein für alle mal klar zu machen: Kein Mensch steht in der Würde über dem anderen; kein Mensch fällt im Wert, weil er nichts mehr leisten kann.
Das heißt für mich, auch an Tiefpunkten des Lebens habe ich Wert und Würde. Weil Gott die hochhält. Darauf kann ich bauen, und Sie auch.

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