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Strohsterne! Warum gerade Strohsterne am Weihnachtsbaum? Gibt es nicht prächtigeren Baumschmuck - Baumschmuck, der so richtig etwas her macht. Goldene Kugeln zum Beispiel, die funkeln und blitzen. Und doch hänge ich immer wieder Strohsterne in unseren Weihnachtsbaum - erinnern sie mich doch daran, dass Gott nicht nur das Besondere sucht. Gott freut sich auch über die einfachen Dinge und lächelt mir zu, wenn sie von Herzen kommen. Davon handelt eine Legende, in der sich auch alles um Strohsterne dreht:
Sie spielt in Bethlehem zur Zeit der Geburt Jesu. Als die Hirten sich zum Stall aufmachen wollen, wollen sie nicht mit leeren Händen dastehen. Und so sucht jeder von ihnen etwas, was er dem Neugeborenen mitbringen will. Der eine findet ein weiches Fell, der nächste einen guten Käse. Nur der kleine Hirtenjunge weiß nicht, was er dem Jesus Kind mitbringen soll - er hat doch eigentlich nichts. Da fällt sein Blick auf den Boden und er sieht das Stroh vor seinen Füßen liegen. Ein paar der Strohhalme sehen aus wie ein Stern. Und so bückt sich der kleine Hirtenjunge, nimmt einige Halme und bastelt daraus den ersten Strohstern.
Als die Hirten zur Krippe gekommen sind, bleiben sie erst einmal sprachlos stehen, dann übergeben sie Maria und Josef ihre Geschenke. Der kleine Hirtenjunge schaut auf seinen Stern und denkt: was ist so ein Strohstern im Vergleich zu einem Lammfell! Aber dann ist er auch an der Reihe und überreicht mit zitternden Fingern seinen Stern. Als das Jesus Kind den Stern sieht, lächelt es den kleinen Hirtenjungen an.
Gewiss, das ist nur eine Legende. Aber sie gefällt mir, weil da etwas Wahres drin steckt. Gott reicht es, wenn du dich mit deinen Möglichkeiten einbringest, will sie sagen - mit den Dingen, die du kannst. Es braucht nicht die große Weihnachtsspende, du musst nicht auf der Liste der Spender in der Zeitung erscheinen. Gott freut sich auch über das Wenige, dass ich gerne gebe. Wenn ich zum Beispiel ein paar Plätzchen meinem Nachbarn vorbeibringe, dem es - warum auch immer - gerade mal nicht so gut geht. Vielleicht sollte ich noch einen Strohstern dazu tun.

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Grau und unscheinbar sieht der Stein aus, der bei einem Freund auf dem Schreibtisch liegt. Was der da bloß soll? Mein Freund schmunzelt: „Schau ihn Dir doch einmal genauer an". Als ich ihn in die Hand nehme, zerfällt er in zwei Hälften und ich bin fasziniert: Da strahlen und leuchten tiefrote Kristalle auf - wer hätte das gedacht.
„Mich erinnert dieser Stein an eine Geschichte aus der Bibel", erklärt mir mein Freund. „Samuel, ein Prophet Gottes, soll einen König salben. Er soll aus der Familie Isai stammen, die in Bethlehem lebt. Samuel macht sich auf den Weg. Bald ist er bei Isai angekommen und Isai stellt ihm seine Söhne vor. Samuels Blick fällt sofort auf den ältesten Sohn, ein stattlicher Mann - den kann er sich gut als König vorstellen. Doch da hört er Gott reden: Lass Dich nicht von seinem Äußeren täuschen, er wäre kein guter König.
Nach und nach treten auch all die anderen vor Samuel hin, doch keinen erwählt Gott. Schließlich ist nur noch einer übrig, der Jüngste, der, der die Schafe hütet. Isai lässt ihn holen. Und tatsächlich, er ist es, den Gott auserwählt hat. Und warum: ‚Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an'.
„Mir geht es oft so wie Samuel. Ich schaue erst mal nur auf das Äußere eines Menschen," fährt mein Freund fort. „Und dabei habe ich mich so manches Mal schon ziemlich getäuscht. Wie oft habe ich den wahren Schatz eines Menschen erst entdeckt, wenn ich ihn näher kennen gelernt habe." Deshalb also liegt dieser graue Stein bei meinem Freund auf dem Schreibtisch. Er erinnert ihn daran, ein bisschen vorsichtig umzugehen mit dem ersten Augenschein.
Die Geschichte tröstet mich aber auch. Sie sagt mir: Gott begnügt sich nicht mit dem äußeren Augenschein. Er sieht den ganzen Menschen: mit seiner äußeren Erscheinung und den inneren Werten. Gott will auch Ihnen und mir ins Herz schauen und vielleicht entdeckt er dabei viel mehr Schätze in uns, als wir ahnen.

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Es ist mal wieder voll in Bethlehem. Viele Menschen besuchen auch in diesem Jahr wieder die Stadt. Und so stehen sie dicht gedrängt in der Geburtsgrotte vor dem silbernen Stern. Hier also soll es gewesen sein. Hier soll Jesus geboren sein. Ein paar Meter weiter soll die Futterkrippe gestanden haben, in die sie das Christuskind gelegt haben sollen. Es gibt sogar eine Milchgrotte, in der Maria den Sohn Gottes gestillt haben soll.
Vielleicht fragen Sie sich auch: Ist das nicht alles religiöser Firlefanz? Wozu sollen die gut sein, diese so genannten historischen Stätten im Heiligen Land? Historisch beweisen kann man sie doch eh nicht und die Vorstellung einer Milchgrotte mit einer stillenden Maria mag vielleicht richtig sein, aber ist die nicht einfach nur kitschig?
Ich kann Ihre Skepsis gut verstehen. Auch mich irritieren manchmal Menschen, die von einer heiligen Stätte zur nächsten pilgern und hoffen, dadurch Gott näher zu kommen. Und doch glaube ich: Es braucht diese Stätten. Jesus ist ja keine Fantasiegestalt, es hat ihn wirklich gegeben. Dort im Heiligen Land ist er geboren worden und gestorben. Deshalb muss es auch Orte geben, wo man Spuren von ihm finden kann.
Mir ist das wichtig, diesen Spuren nachzugehen, weil ich glaube, dass Gott in diesem Menschen Jesus ein Gesicht und eine Gestalt bekommen hat. Dass Gott uns in ihm ganz nah gekommen ist. Und deshalb sind die Stätten in Israel und Palästina, wo er war, eben heilige Stätten.
Wer an diesen Jesus Christus glaubt, der glaubt zugleich an einen Gott, der das menschliche Leben geteilt hat, der genau wie wir als Baby auf die Welt gekommen ist. Seine Eltern mussten sich um ihn kümmern, wie unsere Eltern. Und Maria wird ihn gestillt haben. Mir hilft diese Vorstellung, wenn ich mich Gott mit meinen Sorgen anvertraue. Wenn sein Sohn einer von uns war, dann ist ihm mein Leben nicht so fern.
Als ich in der Geburtsgrotte von Bethlehem vor dem silbernen Stern gestanden bin, habe ich mich Gott nicht näher gefühlt. Aber ich war Gott dankbar, dass er einer von uns geworden ist und dass wir seine Spuren in unserer Welt finden können.

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Wer aufhört zu träumen, hört auf zu leben
„Nur wer träumt, steht mit beiden Beinen mitten im Leben" - so lautet ein altes Sprichwort. Na klar, wer Träume hat, hat Hoffnung. Und wer Hoffnung hat, schaut nach vorne, beginnt seinen Tag fröhlich und hat oft ein frohes Lied auf den Lippen. Träume gehören zum Leben, wie die Luft zum Atmen.
„Träume sind Schäume" - so lautet ein anderes Sprichwort. Passt das nicht viel mehr zu meinem Alltag? Denn wie viele Träume haben sich nicht oder noch nicht erfüllt. Wo ist sie, die wunderbare Zukunft, die ich mir erträumt habe? Was von all dem hat sich schon erfüllt? Sollte ich nicht doch lieber mit dem Träumen aufhören?
Dann lese ich von Josef, einem alten Träumer in der Bibel. Er träumt davon, einmal eine wichtige Person zu sein, Macht zu haben und Verantwortung für andere zu tragen. Er ist so überzeugt von diesen Träumen, dass er sich jetzt schon mächtig fühlt. Aber das ärgert seine Brüder und sie verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten. Seine Träume scheinen ausgeträumt. Doch es sind wieder Träume, die ihn retten. Es sind die Träume des Pharao. Denn der Pharao versteht seine Träume nicht und bekommt einen großen Schrecken. Doch Josef weiß, welche Wahrheit in diesen Träumen steckt und was zu tun ist. Aus Dankbarkeit für diese wunderbare Botschaft ernennt der Pharao Josef zu seinem Verwalter. Und auf einmal erfüllen sich auch seine ursprünglichen Träume von Macht und Verantwortung.
„Nur wer träumt, steht mit beiden Beinen mitten im Leben" - Josef hat weiter geträumt und nicht aufgegeben.
Vielleicht weil er an einen Gott glaubt, der auch ein großer Träumer ist. Auch heute träumt Gott von Frieden und Gerechtigkeit, von Freiheit und Gleichheit, von Liebe und Barmherzigkeit unter den Menschen. Gott verbindet unser alltägliches Leben mit seinen großen Visionen. In unseren Träumen leuchten sie auf.
Deshalb glaube ich: Gott möchte auch heute mit uns träumen. Von einer besseren Welt, von einem besseren Leben. Warum nur an dem kleben, was nun mal so ist? Wir können unsere Gedanken hinauswandern lassen - über die Grenzen und Ernüchterungen der Gegenwart. „Hör nicht auf zu träumen und lebe Deinen Traum", das ist Gottes Wunsch an uns für den heutigen Tag.

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Ins Meer eintauchen, sich von den Wellen tragen lassen. Ich finde das herrlich. Vielleicht erinnern Sie sich ja auch an so ein Gefühl von Ihrem letzten Strandurlaub. Vielleicht freuen Sie sich auch noch auf dieses Gefühl, denn der Urlaub liegt noch vor ihnen. Diese Weite, diese Freiheit!
Dietrich Bonhoeffer, der Pfarrer und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, hat das auch erlebt. Er erinnert sich an einen Tag am Strand. Das Wasser der Ostsee ist kalt - es prickelt auf seiner Haut. Dann treibt er rücklings auf dem Wasser, schaut in den Himmel und genießt dieses Gefühl von Freiheit. Doch bald merkt er, dass ihn die Strömung erfasst. Er fängt an zu schwimmen, kämpft gegen die Strömung und weiß doch schnell, dass sie stärker ist. Also hört er auf zu schwimmen, stellt sich hin und watet zu Fuß wieder zurück zum Strand.
Am 20. Juli 1944, also heute vor 68 Jahren ist das Attentat gegen Hitler gescheitert. In der Folge ist Bonhoeffer mit anderen Mitgliedern der Gruppe um Stauffenberg verhaftet worden. Und nun sitzt er in seiner Zelle und erinnert sich an diesen einen Tag der Freiheit, als er in der Ostsee geschwommen ist. Er erinnert sich an diese Weite, diese Freiheit, die ihm jetzt genommen ist.
Und trotzdem wird dieser Tag an der Ostsee für ihn zum Sinnbild für sein Leben. Bonhoeffer hat die Freiheit geliebt. Sein Leben und Wirken wollte er ganz in den Dienst dieser Freiheit stellen. Eine Freiheit, die er nur von Gott her verstehen kann und will. Weil Gott der feste Boden unter seinen Füßen ist. Wie damals in der Ostsee, als die Strömung ihn ins offene Meer und in den Tod hinausziehen wollte.
Dietrich Bonhoeffer hat sich in seiner Gefangenschaft stets ein Stück seiner Freiheit bewahrt. Aufrecht sei er immer wieder aus seiner Zelle getreten und die Wärter hätten in großem Respekt von ihm gesprochen.
In Allem wusste er sich getragen und gehalten von dem allmächtigen und barmherzigen Gott. Ein Gott, der mir festen Boden unter den Füßen schenkt. Ein Gott, der für mich da ist, so dass ich mich auch einmal im Leben einfach nur treiben lassen kann. Ein Gott der zu mir sagt, Du bist mein Kind. Und so hält er in einer Schlusszeile seines Gedichtes aus der Gefangenschaft fest: Dein bin ich, oh Gott.

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Haben Sie auch einen Navi mit GPS in ihrem Auto? Ein Navigationssystem mit dem Global-Positioning-System - eben kurz GPS. Eine moderne Erfindung, die einem schnell weiter hilft, sich auf den Straßen zurechtzufinden.
In der Bibel entdecke ich, dass GPS nicht nur eine Erfindung unserer Tage ist. GPS gibt es schon seit hunderten von Jahren, ich muss das Kürzel nur anders auflösen: GPS - Gott positioniert sich. Das heißt: Gott bezieht Stellung. Er will nicht mal hier mal da sein. Er will ein Fixpunkt im Leben sein. Er redet nicht lari fari. Er hat einen klaren Standpunkt. Man kann sich darauf verlassen: Was Gott gesagt hat, das gilt. In vielen Geschichten der Bibel können wir das nachlesen. Gott positioniert sich an der Seite der Menschen. Vorzugsweise dann, wenn sie Hilfe brauchen und nicht wissen, wo es langgeht.
Das zu wissen, tut mir gut. Vor allem dann, wenn ich mich verfahren oder gar in etwas verrannt habe. Oder wenn ich nicht weiß, ob das noch der richtig Weg ist. Schon auf der Straße ist das ein blödes Gefühl - wenn man in einer fremden Stadt sich verfranzt hat. Noch viel mehr ist es das im Leben. So ein Lebensnavi hilft dann sicher weiter. Mit GPS- Gott positioniert sich. Nachzulesen in der Bibel.
Zum Beispiel Abraham, seine Geschichte steht in den ersten Kapiteln der Bibel. Als Abraham sich vor bald 3000 Jahren auf den Weg macht um eine neue Heimat zu suchen, da warten viele Herausforderungen auf ihn. Umwege, Hungersnöte, Streitereien- und dabei trägt er noch die Verantwortung für all die Menschen, die mit ihm unterwegs sind. Aber Gott hat zu ihm gesagt: „Ich bin mit Dir -ich werde für dich da sein." Da hat sich Gott eindeutig positioniert. Und das hat er auch gehalten. Am Ende schaut Abraham dankbar auf sein Leben zurück - alt und lebenssatt.
GPS - Gott positioniert sich. Auch heute. Auch in meinem und in Ihrem Leben. Das ist spannend. Ich kann es im Lauf des Lebens immer mehr entdecken. Am Anfang, in der Taufe wird es mir versprochen. Und im späteren Leben darf ich mich immer wieder daran erinnern: „Ich bin mit Dir", sagt Gott, „vor allem, wenn du mal wieder nicht genau weißt, wo es hingehen soll mit dir."

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Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Zu dem Ergebnis ist der Theologe Karl Barth gekommen. Er hat sich seine Hände angeschaut und gefragt: Was mache ich eigentlich mit ihnen? Was sollte ich mit meinen Händen machen? Was macht Sinn? Seine Antwort lautet schlicht: Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten.
Der erste Punkt ist klar: Man muss das Leben anpacken. Also Hände aus der Tasche, Ärmel hochgekrempelt und die Dinge angehen. Karl Barth lebt während der Nazizeit. Er kämpft gegen die Überheblichkeit der Parteiideologen und dass sie die Kirche manipulieren wollen. Deshalb verfasst er mit anderen ein wichtiges Bekenntnis gegen die Nazis und unterstützt die Kirche, wo sie im Widerstand arbeitet.
Doch so sehr Karl Barth für ein aktives Leben eintritt, so weiß er auch: nur powern führt dazu, dass man bald ausgepowert und ausgebrannt ist. Deshalb muss man die Hände auch mal in den Schoß legen können, mal Arbeit Arbeit sein lassen, den Feierabend genießen. Schließlich hat sogar Gott nicht nur geschafft, sondern auch ausgeruht am siebten Tag, als die Welt fertig war. Deshalb darf auch ich regelmäßig die Hände in den Schoß legen, mindestens einmal die Woche.
Hände aus der Tasche nehmen und Hände in den Schoss legen, Das ist der Rhythmus. Und darin gibt's noch ein Drittes: Hände ab und zu mal falten, also zu Gott beten. Warum? Wenn ich bete, dann spüre ich, dass ich in einen größeren Zusammenhang eingebunden bin. Es gibt mehr als Arbeiten und Ausruhen. Schuften und schlafen. Leben ist ein wunderbares Geschenk. Ich habe Hände! Und mit denen kann ich eine ganze Menge bewegen. Was für ein Möglichkeit. Und das ist nicht selbstverständlich. Wenn ich die Hände falte, gebe ich zu, dass ich Grenzen habe. Und dass nicht alles an mir hängt und von mir kommt.
Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Ziemlich alt, die Gedanken von Karl Barth, und doch leuchten sie mir heute immer noch ein. Leben ist gar nicht so kompliziert, wenn man aufs Gleichgewicht achtet. Arbeiten, ausruhen, beten. So einfach.

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Heute hat er die Mathearbeit zurückbekommen, geht es der Mutter durch den Kopf. Was hat sie mit ihrem Sohn auf diese Arbeit gelernt. Und so öffnet sie erwartungsvoll die Tür. „Na, was hast Du in der Arbeit", platzt es aus ihr heraus. Schweigen. Dann leise „Erst einmal drücken". Und schon liegt der große Sohn seiner Mutter in den Armen. Und sie - sie drückt ihn fest an sich.
Danach haben sie sich die Mathearbeit in Ruhe angeschaut. Er hat sie gründlich verhauen. Da liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor ihnen. Doch der Sohn weiß, dass er sich auch nach dieser 5 auf seine Mutter verlassen kann. Sie will sich mit ihm der Herausforderung stellen. Sie steht zu ihm und hat ihn lieb.
An der Aufgabe gescheitert- das passiert nicht nur in der Schulzeit. Was ist bei mir nicht alles schon schief gegangen. Aber Gott sei Dank, waren da immer wieder Leute, die mich erst einmal in den Arm genommen haben. Sie haben mir Mut gemacht. Und so ging es weiter.
Und ich glaube, genau so muss man sich Gott vorstellen. Wie eine Mutter, wie ein Vater, der dich erst einmal drückt und tröstet, wenn etwas schief gegangen ist. Trotz Mühe und Anstrengung. Gott begleitet dich, will dir immer wieder Mut machen. „Gib nicht auf. Versuchs noch mal."
Jesus beschreibt das wunderbar in einem Gleichnis. Ein Vater muss seinen Sohn in die Fremde ziehen lassen. Der Sohn hat sein Erbe eingefordert, will in die weite Welt hinaus. Und der Vater lässt ihn ziehen. In der Welt bringt er dann sein Erbe durch, am Ende sitz er als Schweinehirte mitten im Dreck. Da erinnert er sich an seinen Vater und begibt sich auf den Nachhauseweg. Und was macht der Vater? Er hält ihm keine Gardinenpredigt. Er läuft ihm entgegen, nimmt ihn in den Arm und drückt ihn. So will Gott mit mir, mit uns Menschen umgehen.
 „Erst einmal drücken", darum darf ich Gott bitten und spüren, dass er an meiner Seite ist. Er lässt mich nicht fallen, wenn mir etwas danebengeht. „Erst einmal drücken", darum darf ich Gott bitten, wenn mir mal wieder etwas über den Kopf gewachsen ist. Und dann bespreche ich mit ihm meine Situation. Und dabei habe ich oft neuen Mut und neue Kraft - und manchmal auch die Lösung für ein Problem gefunden.

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Wie das Kaninchen vor der Schlange - so habe ich mich schon oft gefühlt. Wenn die Woche wieder beginnt und sich auf dem Schreitisch all die Arbeit stapelt. Wo soll ich anfangen, was ist am wichtigsten, was kann liegen bleiben, was können auch andere machen - Fragen über Fragen, die entschieden werden müssen. Doch ich starre nur auf den Berg der Aufgaben und komme nicht voran.
Dabei weiß ich ja: ich bin kein Kaninchen. Und mein Problem fühlt sich zwar an wie eine Schlange, ist es aber nicht. Außerdem: Kein Problem wird dadurch gelöst, dass man wie hypnotisiert davor stehen bleibt. Schlangen und Probleme muss man beherzt am Kopf packen. Dann kann man sie überwinden.
Auch Mose - ein großer Anführer der Israeliten - musste das erst einmal lernen. Die Bibel erzählt, dass Gott ihm eine große Aufgabe überträgt. Er soll sein Volk in die Freiheit führen. Aber Mose hat Angst. Ein Problem nach dem anderen fällt ihm ein. Wie soll er das machen? Menschen führen und überzeugen? Wo er doch überhaupt kein guter Redner ist. Nein, nein, lieber nicht.
Lieber nicht, denken auch sie sich vielleicht, wenn es gilt am Arbeitsplatz oder in der Gesellschaft neue Verantwortung zu übernehmen. Gesucht wird eine, die auf dem 50. Geburtstag die Rede für die Belegschaft hält. Gesucht wird einer, der die Elternschaft der Klasse vertreten soll. Warum gerade ich, andere können das doch viel besser. Lieber nicht, auch wenn ich doch tief in mir weiß, dass ich das könnte.
Und was macht Gott mit so einem Angsthasen wie Mose? Der vor seinem Problem erstarrt? Er verpasst ihm eine kleine Schocktherapie.
„Wirf Deinen Stab auf die Erde", sagt Gott zu Mose. Mose wirft den Stab hin, aber als er auf die Erde fällt, verwandelt er sich in eine Schlange. Mose schrickt zurück - genau so, wie er vor der Herausforderung Gottes zurück schreckt. „Und nun pack die Schlange am Kopf", fordert Gott ihn auf. Widerwillig greift Mose schließlich zu, packt die Schlange beherzt am Kopf und sie verwandelt sich wieder in seinen Stab.
So einfach geht das manchmal. Nicht nur mit Schlangen. Auch mit Sorgen und Problemen. Ein beherzter Griff, ein Schritt nach vorne und das Problem verliert seine Schrecken. Nur Mut! Das ist die Botschaft Gottes für den heutigen Tag.

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Es gibt da einen Bockwurst-Verkäufer in New York mit einer etwas tragischen Geschichte. Sie spielt mitten in diesen Zeiten des wirtschaftlichen Auf und Ab. Sie fordert mich heraus, frohen Mutes weiter zu machen, auch wenn die großen Wirtschaftsweisen wieder einmal alles rabenschwarz sehen. Warum nicht einfach einmal auf das gute Bauchgefühl mit einem guten Schuss Gottvertrauen hören.
Dieser Würstchenverkäufer in New York also macht die besten Bockwürstchen in seinem Viertel. Die Leute kommen gerne zu ihm und das Geschäft läuft gut. Er stellt Plakate auf, ordert bald größere Mengen an Würsten und Brötchen. Das Geschäft brummt.
So gut er als Bockwurst-Verkäufer auch ist, so ungern beschäftigt er sich mit dem, was um ihn herum passiert. Er liest keine Zeitung, er hat den Tag über kein Radio laufen und schaut auch kaum Fernsehen. Er lebt eben für seine Würstchen.
Doch nun stellt sich die Frage, ob er nicht eine zweite Wurstkarre anschaffen soll. Der Bockwurst-Verkäufer zögert „Mein Sohn hat doch an der Universität Wirtschaft studiert", fällt ihm ein, „der wird es wissen."
Noch am selben Abend greift er zum Telefonhörer und ruft ihn an. „Bist Du wahnsinnig", meint der Sohn, „uns geht es wirtschaftlich doch schlecht, die Wirtschaft ist mitten in einer Rezession, wer weiß, wie das endet. Und da willst Du eine zweite Wurstkarre anschaffen. Mach das bloß nicht."
Der Würstchenverkäufer denkt sich: Das ist mein Sohn, der hat studiert, der muss es wissen. Also kauft er keinen neuen Wurstkarren. Warum soll er dann aber noch Plakate aufstellen? Bald bestellt er kleinere Mengen - man kann ja nie wissen. Vor lauter Angst vor einer Rezession verliert er mehr und mehr die Freude an seinem Beruf. Die Leute spüren das und bleiben weg. Nach einigen Monaten ist er pleite und muss seine Würstchenbude zumachen. Hat sein Sohn doch recht gehabt?
Manchmal habe ich den Eindruck, vielen geht es heute ähnlich wie dem Würstchenverkäufer. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, verlassen sich auf Experten und sind am Ende enttäuscht. Was sollen wir tun in diesen unsicheren Zeiten? Martin Luther hätte dem Würstchenverkäufer einen anderen Rat gegeben. Luthers Motto war nämlich: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen".

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