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Kaum recht im Hafen angekommen,
hat Jona schon das Schiff erklommen,
das in der sachten Dünung rollte
und bald nach Tharsis fahren sollte,
und Jona, um die Fahrt zu buchen,
ließ eifrig nach dem Käp’ten suchen.

Dann ging es los, man stach in See,
und Jona seufzte: ‚Nun, adieu!
Zwar weiß ich nicht, ob’s etwas nützt,
doch bin ich erst mal ausgebüchst.
Den Weg nach Ninive zu wagen,
das schlug mir mächtig auf den Magen,
und wenn es selbst dem Herrn missfällt:
ich bin Prophet, jedoch kein Held!
Mag er `nen wirklich Tapfren finden,
um Ninive Gericht zu künden.
Ich reiße aus, so bin ich eben:
bin lieber feig und bleib am Leben.’

Allein, der Herrgott grollte sehr
und schickte einen Sturm daher,
der sollt’ das Schiff in Seenot bringen
und Jona zum Gehorsam zwingen.
Es brauste tüchtig übers Deck,
kein Ding blieb mehr an seinem Fleck,
Matrosen taumelten und schrieen
in dem verzweifelten Bemühen,
mit Stricken und mit schweren Ketten
noch dies und jenes Gut zu retten,
indem sie’s an die Masten banden.
Trotzdem ging allerlei zuschanden.

Dann lief’s bei ihren großen Nöten
gemäß der Weisheit: Not lehrt beten!
Sie fielen hin auf ihre Knie
und alle Götter riefen sie
und riefen jeder, Mann für Mann,
`nen andern Gott um Hilfe an.
Und wie sie sich auch immer mühten -
die Frommen und die Abgebrühten –
es fand doch kein Gebet Gehör:
der Sturm zog wütend übers Meer.
Nun schrie der Käpt’n: ‚Los, sofort
werft allen Ballast über Bord! -
Man tut’s. Das Wetter wird darüber
jedoch nicht lichter, sondern trüber.
Der Käpt’n brüllt: ‚Für solche Pein
muss irgendeiner schuldig sein.
Ein Gott mag irgendwen nicht leiden
und wen, dies soll das Los entscheiden.’
Man tritt zusammen und im Nu
holt man den Jona auch dazu.
Der kommt heran, bedeckt von Schweiß,
weil er schon eine Weile weiß:
er muss es jetzt ganz schrecklich büßen,
dass er vor Gott ist ausgerissen.
Und deshalb wundert’s ihn nicht groß:
er trägt die Schuld, ihn trifft das Los.
Er weiß, dass er verkehrt gehandelt,
bereut’s und steht jetzt wie verwandelt
ganz ohne Angst, mit großem Mut
und sagt: ‚So wie es kommt, ist’s gut.
Werft mich hinab ins tiefe Meer
und nehmt es bitte nicht so schwer!
Denn wenn mein Gott mich haben will,
dann stellt er Sturm und Wasser still,
und mich, soll ich denn weiter leben,
wird aus den Tiefen er erheben
hinauf aufs Land, dank seiner Hände,
dass ich nach Ninive mich wende.’
Die Männer tun, was sie tun müssen.
Sie tun’s mit ängstlichem Gewissen,
doch kaum ist Jona über Bord,
sind Sturm und Not und Wellen fort.
Und Jona schwimmt auf feuchten Wegen
dem Gott, der rettet, stracks entgegen.


wenn Sie mehr von Reiner Strunks
biblischen Geschichten in Reimform
lesen wollen, demnächst gibt es das Buch:


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96 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-920207-33-9
Verlag der Evang. Gesellschaft https://www.kirche-im-swr.de/?m=5427
Von Westen dräut es schwarz daher:
ein unermesslich Wolkenheer.
Und als die ersten Blitze zucken,
stehn Gaffer ungerührt und gucken
vom Strand die große Arche an
und witzeln über Noahs Kahn.
‚Da müsst ihr arg zusammenrücken’,
so ruft’s, ‚und werdet bald ersticken
am Duft der Kühe und der Ziegen
und allem, was davon bleibt liegen.’

Als Noah seine Luke schließt
und noch einmal nach draußen grüßt,
wird das Gelächter riesengroß, -
und schon bricht das Gewitter los.
Das Wasser rauscht vom Himmel her.
Wo vordem Land war, wächst das Meer.
Und Noahs Boot, mit allem drin,
es schaukelt übers Meer dahin.
Und wird es manchem Landtier auch
speiübel in Gedärm und Bauch,
weil die Erfahrung völlig neu
mit solcher Seefahrtsschaukelei,
so können sie es doch verwinden,
weil sie im Trocknen sich befinden.
Der Regen trommelt laut aufs Dach,
doch dieses Dach – es gibt nicht nach.

Das Boot steigt langsam mit der Flut,
schwimmt immer oben. So ist’s gut.
Und Noah, der gerechte Mann,
hilft fleißig, wo er helfen kann,
streicht hier dem Zebra übern Nacken,
lässt dort den Floh ein Äffchen zwacken,
reicht der Giraffe etwas Heu,
dem Dackel seinen Schappibrei
und merkt auf alle Notrufzeichen,
dieweil die Tage zäh verstreichen.

Nach Wochen plötzlich wird es still;
kein Scharren, Schmatzen, kein Gebrüll:
die ganze Archonautenschar
ist stumm, wie sie’s zuvor nie war,
und aller Augen sind nach oben
erwartungsvoll emporgehoben,
wo es so heftig und so nass
getrommelt ohne Unterlass.
Denn droben hört man jetzt nichts mehr,
und Noah seufzt: ‚Gott, danke sehr!’
Er schaut umher in frohe Mienen
sogar die Krokodile grienen -
und ruft: ‚versprochen in die Hand:
wir steigen bald aufs feste Land’ –

Nach Tagen banger Warterei
erbebt das Boot mit einem Schrei
und rammt und ruckt und geht dabei
o Wunder! nicht einmal entzwei.
Und Noah streicht sich seinen Bart
und meint: ‚Fürwahr, der Stoß war hart.
Wir schwimmen nicht mehr, sondern schweben,
draus dürfte sich der Schluss ergeben,
dass wir auf eines Berges Spitzen
mit unserm Boot vor Anker sitzen.’

Der Berg, wie man vernommen hat,
war wohl der hohe Ararat.
Und gehst du hin und suchst mit Glück,
dann findest du vielleicht ein Stück
der Arche aus den Sintfluttagen
und kannst es stolz nach Hause tragen.
Und treibst du das mit Akribie,
wird’s Biblisch’ Archäologie.


wenn Sie mehr von Reiner Strunks
biblischen Geschichten in Reimform
lesen wollen, demnächst gibt es das Buch:


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96 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-920207-33-9
Verlag der Evang. Gesellschaft https://www.kirche-im-swr.de/?m=5426
Der Jakob saß auf nacktem Stein
und sehnte sich, daheim zu sein.
Doch schien der Heimweg ihm verschlossen:
er war weit übers Ziel geschossen
und hatte für den guten Segen
sich listig halb – und halb verwegen
ein Schurkenstückchen ausgedacht,
den Bruder sich zum Feind gemacht
und Vater Isaak vergrätzt
und in der Seele tief verletzt.
So saß der Jakob einsam da,
und ferne lag Beerseba.

Als er auf seinem Steine saß
und still sein Brot mit Käse aß,
war schon die Nacht heraufgezogen
mit Sternen hell am Himmelsbogen.
Im Kreis umgab ihn tiefe Stille,
nur eine nimmermüde Grille
erlaubte sich, im Grase drüben
ein neues Zirplied einzuüben.
Der Mond war nirgendwo zu sehn,
es wurde Zeit, zur Ruh zu gehen.
Und Jakob nahm sich selbstvergessen
den Stein, auf dem er gut gesessen,
und meinte, zweifelsfrei zu wissen,
der sei ein gutes Ruhekissen.
Er legte ihn ein wenig südlich
und fand ihn hart, doch auch gemütlich.
Ja, unser Flüchtling ruhte kaum,
da kam zu ihm ein großer Traum.
Er träumte auf der harten Liege
von einer langen, steilen Stiege,
die reichte von des Himmels Höhen
bis dicht vor seine nackten Zehen.
Und Engel stiegen auf und nieder,
die sangen engelgleiche Lieder.
Am End’ erschien gar Gott, der Herr,
und Jakob sah’s und bangte sehr.
Wie mochte der nun furchtbar wettern
und ihn zermalmen und zerschmettern!
Doch Gott sprach väterlich im Traum,
gewährte Jakob weiten Raum
und gab ihm obendrein – man denke! –
das Land zum ewigen Geschenke.
‚Und dann’, sprach er, ‚auf allen Wegen
bin ich bei dir mit meinem Segen.’

Das Traumbild schwand, und Jakob schlief
bis an den Morgen, sanft und tief.
Erhob sich, streckte seine Glieder.
Da kam der Traum ihm deutlich wieder:
die Engel und ihr Klettersport,
und Gott mit seinem guten Wort.
Der hatte ihn nicht heimgesucht
und wild vernichtet auf der Flucht.
War ihm bloß freundschaftlich begegnet,
hatt’ ihn beschenkt und neu gesegnet.
Und Jakob griff den schweren Stein
und wuchtete ihn querfeldein
hinüber zu des Platzes Mitte.
Dann tat er um ihn ein paar Schritte,
nahm Öl aus seiner Reisetasche
und leerte eine ganze Flasche
mit Andacht über diesem Stein
und sagte: ‚So, nun ist er rein,
Altar im Haus des Herrn zu sein.
Die Stätte will ich Bethel nennen.
Dies Heiligtum soll jeder kennen!’


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96 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-920207-33-9
Verlag der Evang. Gesellschaft https://www.kirche-im-swr.de/?m=5430
Breit lagerte mit Spieß und Speer
das grimmige Philisterheer
und dröhnte laut im Waffenklang
und mit barbarischem Gesang.
Sauls Mannen (dies war leicht zu spüren)
ging das Gedröhne an die Nieren. -
Da trat mit einem Mal allein
ein Kerl aus den Philisterreih’n,
ein Riese war’s, ein Eichenbaum,
dem troff vom Maul der weiße Schaum.
Er war mit Waffen voll behängt,
in einen Harnisch eingezwängt
und ließ verlauten mit Gebrüll:
‚Herbei, wer mit mir kämpfen will!’
Auf Seiten Sauls war zu vernehmen:
es mochte niemand sich bequemen.
Ein Zweikampf schien auch aussichtslos.
Die Angst vor Goliath war groß.

Doch Goliath blieb eine Plage.
Er blieb es volle vierzig Tage
und stellte sich am Tag zweimal
zum Kampf bereit, dem Saul zur Qual.
Und als der König schon beinah
sich selbst zum Kämpfen ausersah,
erschien ein Knabe, jung und frei
und sagte, dass er David sei.
Erst wolle er bei Saul anklopfen
und dann dem Feind sein Großmaul stopfen.
Dem Saul gefiel das ziemlich gut.
‚Es gibt in Israel noch Mut’,
so dacht’ er, ‚wenigstens bei Knaben,
wenn schon die Großen keinen haben.’

Er nahm die Rüstung, bleich und stumm,
und hängte sie dem David um,
hob seinen Helm auf dessen Haupt
(das hat ihm schier die Sicht geraubt),
und mit dem Königsschwert in Händen
konnt’ David sich kaum drehn und wenden.
‚Ach, König’, sagte David leise,
‚ich regle es auf meine Weise.’
Er legte alle Waffen ab
und machte sich in leichtem Trab
zum Bache auf, der seitwärts floss,
und suchte sich ein Wurfgeschoss.

Dann trat er, jugendlich verwegen,
dem Riesen Goliath entgegen.
Der schrie: ‚Beim Baal, bin ich toll,
dass ich mit Kindern kämpfen soll?
Du hast, wenn ich bloß Atem hol’,
doch schon die Windeln packevoll!’
Drauf lachte er und schlug mit Lust
auf seine Panzer-Heldenbrust
und gönnte dem ungleichen Streit
nur Hohn und böse Heiterkeit.
Was David mehr und mehr verdross.
Er machte seine Schleuder los,
nahm einen Stein, nicht einmal groß,
und traf, als er behände schoss,
dem Riesen direkt vor die Stirn
und in sein jämmerliches Hirn.
So wurde der Philisterheld
dem Baume ähnlich umgefällt
und lag, was viel Erstaunen weckt’,
von Davids Steinwurf hingestreckt
ohnmächtig da auf dem Gesicht –
und schrie und droht’ und lachte nicht.


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96 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-920207-33-9
Verlag der Evang. Gesellschaft https://www.kirche-im-swr.de/?m=5429
Die Jünger sind ganz schreckensblass:
was sie erlebten, war kein Spaß.
Erst kamen sie mit ihrem Boot
bei wüstem Wetter arg in Not.
Sie schaukelten und dachten bang
schon an den nahen Untergang,
als auf den Wellen sonderbar
ihr Meister plötzlich nahe war.
Und ihr Erleben ward noch krasser:
Ging doch der Meister übers Wasser!
Ging ohne Steg und ohne Bretter
bei diesem fürchterlichen Wetter
und tat ein Wunderding vollführen
und übern See zu Fuß spazieren.
Die Jünger wurden draus nicht klug
und hielten’s schlicht für Teufelsspuk.

Der Simon aber, wie bezwungen,
ist schnell vom Sitzplatz aufgesprungen
und steigt, ganz ohne Schutz und Rüstung
doch wirklich auf des Bootes Brüstung,
wo er hoch droben balanciert
und scheinbar keine Angst verspürt.
Die andern aber im Vereine
sind nun bestrebt, des Simons Beine
mit starken Händen zu umfassen:
sie wollen ihn nicht stürzen lassen.
Und mancher denkt: ‚Ach ja, er neigt
schon gern dazu, dass er uns zeigt,
warum er was Besondres sei;
doch diese Übung ist uns neu.’

Und Simon droben, unterdessen,
hat alle Vorsicht wohl vergessen
und ruft hinein ins Sturmgebraus:
‚Ich steige aus dem Schifflein aus,
denn fest hab ich mir vorgenommen,
zu dir aufs Wasser, Herr, zu kommen.’
Die Jünger in dem Boote drinnen,
die denken: jetzt ist er von Sinnen.
Und hören doch den Meister sagen:
‚Nun, wenn du willst, kannst du es wagen.’
Er wagt es wirklich, steigt behände
vom Boot herab auf dies Gelände,
wo man normalerweis’ nicht steht,
bloß sinkt und schleunigst untergeht.
Doch als die Jünger sprachlos gaffen,
scheint Simon dieses Ding zu schaffen!
Er wandelt hin, als wär’s auf Stegen,
dem Meister gradewegs entgegen.

Da! eine Welle, aufgetürmt,
kommt wild und mächtig angestürmt,
und Simon, für den Augenblick,
scheint irritiert und schaut zurück,
wobei er überdeutlich spürt,
dass er nun jeden Halt verliert.
Er ging ein Stück. Jetzt muss er sinken
und jämmerlich im See ertrinken…
Wenn sich der Meister nicht bemüht
und ihn aus dem Schlamassel zieht.
Drum fängt der Simon an zu schreien:
‚Herr, komme helfen und verziehen!’
Der Meister naht und fasst ihn an
und sagt: ‚Mein Lieber, denke dran:
„Der Wille groß, klein das Vertrauen“,
dies hat noch selten hingehauen’.



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biblischen Geschichten in Reimform
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Die reine Wonne war's

96 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-920207-33-9
Verlag der Evang. Gesellschaft https://www.kirche-im-swr.de/?m=5428