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13MAI2021
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Alexander Foitzik: Zum Fest „Christi Himmelfahrt“ spreche ich heute mit Schwester Margareta Gruber.

Sie ist Professorin für Neutestamentliche Exegese und Biblische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar und gehört zu der Kongregation der Franziskanerinnen des Klosters Sießen.

Frau Professorin Gruber, liebe Schwester Margareta. Heute feiern Christinnen und Christen die „Himmelfahrt Christi“. Wie kann oder soll man sie sich eigentlich vorstellen, diese Himmelfahrt?

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Unsere Vorstellung ist von Bildern bevölkert, die wir gesehen haben: Christus schreitet in den Himmel, aus dem ihm Gott seine Hand entgegenstreckt, oder er schwebt mit ausgestreckten Armen nach oben, oder er entschwindet in die Wolken und nur seine Füße streckt er noch heraus. Im Spätmittelalter wurde eine Figur opernhaft die Kirche hinaufgezogen und die Osterkerze gelöscht.

Das Neue Testament ist viel nüchterner. Dort heißt es einfach: er wurde vor ihren Augen emporgehoben. Das berichtet auch nur Lukas, und selbst er hat zwei Versionen: Im Evangelium findet das am Morgen des Montags nach Ostern statt; nur in der Apostelgeschichte schreibt er von den 40 Tagen.

Alexander Foitzik: Demnach hat Lukas also die „Himmelfahrt“ sozusagen erfunden?

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Nein. Er hat für seine Botschaft ein eingängiges und geniales Bild gefunden.

Was wir uns als Auffahrt in den Himmel bildlich vorstellen, wird biblisch auch Erhöhung, Entrückung oder Verherrlichung genannt. Erhöhung meint, dass jemand bei Gott ist und von dort her vollmächtig für das Heil der Welt wirkt. Das tut der auferstandene Christus. Für Paulus fällt die Erhöhung deshalb z.B. mit der Auferstehung zusammen. Auch im ältesten Credo in 1 Kor 15 wird die Erhöhung nicht genannt, sondern mit der Auferstehung vorausgesetzt. Dann kommt Lukas und macht daraus eine eindrückliche Szene. Die ältesten kirchlichen Glaubensbekenntnisse übernehmen das: „Auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“.

Alexander Foitzik: Was bedeuten denn die „vierzig Tage“, von denen in der Apostelgeschichte die Rede ist? Befand sich Jesus vierzig Tag lang in einer Art „Zwischenzustand“, zwischen Auferstehung und Himmelfahrt?

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Das wird so nur in der Apostelgeschichte gesagt. 40 ist die Heilige Zahl der Vollendung. Was ist vollendet? Das Projekt Menschwerdung! Wenn Christus in den Himmel zurückgekehrt ist, hat sich der Kreis geschlossen, die Verbindung zwischen Himmel und Erde steht sozusagen – störungsfrei für alle Zeit. Christus ist mit seiner ganzen Existenz bei Gott und gleichzeitig gegenwärtig bei den Seinen. Was er aber in den „Himmel“, in den göttlichen Bereich, mitnimmt, sind seine Erfahrungen als Mensch. Unser aller Menschsein, das er ja in seiner Menschwerdung angekommen hat, ist damit in ihm bereits im Himmel, in Gott, angekommen.

Das Christentum feiert das Fest übrigens erst frühestens seit dem vierten Jahrhundert. Am Anfang hat man Tod, Auferstehung und Erhöhung Christ als Einheit und in einer Feier in der Osternacht begangen.

Alexander Foitzik: Den Weg von Karfreitag bis zu Ostern müssen die Jüngerinnen und Jüngern Jesu als ein kaum auszuhaltendes Drama erlebt haben: Gott ganz fern, dann wieder ganz nah! Den Jüngerinnen, die ans Grab geeilt waren, sagt ein Engel: „Er ist nicht hier!“. Dann begegnen sie doch selbst dem von Gott „Auferweckten“. Und die „Himmelfahrt“ Jesu – wieder auf und davon?

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Die Ostererzählungen gehören für mich zu den faszinierendsten Texten des Neuen Testaments. Sie scheinen so klar, aber je genauer man hinschaut desto geheimnisvoller werden sie. Warum erkennen die Jünger und Jüngerinnen ihn nicht? Warum kommt er, aber es wird nicht gesagt, dass er wieder geht? Was bedeutet es, dass es immer wieder um Brot geht? Warum darf Thomas die Wunde berühren? Und so weiter.

Ich glaube immer mehr, dass diese Erzählungen weniger berichten möchten, was konkrete Personen damals mit Jesus erlebt haben, sondern dass es um etwa ganz anders ging: Dieser Jesus, der Auferstandenen, war ja weiterhin gegenwärtig unter den ersten Christen, sie lebten mit ihm und erfuhren ihn, beteten zu ihm. Aber diese Gegenwart war von einer geheimnisvollen Art: Der Auferstandene gibt sich und entzieht sich, er ist „nicht mehr da“ und doch anwesend. Man darf ihn nicht festhalten, aber ihm nachfolgen. Man erkennt ihn am Brotbrechen, an den Wunden, und im Armen. Das hat viel zu tun mit dem, was auch Menschen heute erfahren. Gott ist gegenwärtig in der Verborgenheit. Er offenbart sich und er entzieht sich. Beides ist oft kaum zu unterscheiden. Ostern ist kein Happy end sondern der Beginn einer neuen Weise, wie Gott unter den Menschen gegenwärtig ist. 

Alexander Foitzik: Das biblische Buch „der Offenbarung des Johannes“ ist für Sie, Frau Professorin Gruber, ein Schwerpunkt ihrer Forschung und Lehre. In diesem Buch ist von dem Versprechen „eines neuen Himmels und einer neuen Erde“ die Rede. Was hat diese Verheißung mit Christi Himmelfahrt zu tun?  

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Ganz knapp so: Wenn die Himmelfahrt Christi bedeutet, dass unser ganzes armes Menschsein mit seinem auferstandenen Leben bereits bei Gott angekommen ist, dann ist der „Himmel“, das Leben mit oder in Gott, das Ziel von allem geschaffenen Leben. Der neue Himmel und die neue Erde kommen vom Himmel her auf die Erde – also hat das mit Verwandlung der Erde zu tun, nicht mit ihrer Zerstörung.

Alexander Foitzik: Schwester Margareta, Sie haben vier Jahre lang in Jerusalem ein ökumenisches Haus für Theologiestudierende geleitet. In dieser Stadt erinnert man an die „Himmelfahrt Jesu“, aber auch an die „Himmelsreise“ des Propheten Mohammed. Worin unterscheiden sich die beiden „Himmelfahrten“? Aber auch umgekehrt: Kann das nicht auch zum Gespräch miteinander inspirieren - wenn wir, Muslim*innen und Christ*innen, gemeinsam zum Himmel schauen?  

Prof. Dr. Sr. Margareta Gruber: Was der Prophet Mohammed erfahren hat ist keine Himmelfahrt, sondern eine Himmelsreise, also ein Zustand der Entrückung, wie ihn im Neuen Testament etwa Paulus von sich beschreibt. Mohammed befand sich in Mekka und wurde von dort im Traum „zur fernen Anbetungsstätte“ geführt. Gemeint ist Jerusalem und der Heilige Ort des Tempelberges. Die erste Gebetsrichtung der Muslime war ja nicht Mekka, sondern Jerusalem. Durch die Traumerfahrung des Gründers schreibt sich die junge muslimische Gemeinde in die biblische Heilsgeschichte ein. Erinnert wird an Mose, aber auch die anderen großen Propheten mit ihren Gotteserfahrungen auf dem Berg, damit auch an Jesus mit seiner Erfahrung der Verklärung auf dem Berg Tabor. Jerusalem ist auch für die Muslime der Ort des privilegierten Gebetes. Wenn man das nicht als Streitapfel versteht, wie es sich heute darstellt, sondern als ein gemeinsamer Auftrag von Gott für die Welt, dann sehe ich hier einen Anknüpfungspunkt für das Gespräch, vielleicht sogar mehr: Franziskus von Assisi war so kühn, sich einen Aufruf zum gemeinsamen Gebet vorzustellen. Der könnte aus Jerusalem kommen, aber auch aus jeder anderen Stadt.

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11JUN2020
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Foitzik: Heute feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Darüber spreche ich mit dem Freiburger Theologen Karlheinz Ruhstorfer. Professor Ruhstorfer lehrt Dogmatik und Ökumenische Theologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Freiburg.

Das Fest Fronleichnam feiert die katholische Kirche öffentlich auf Straßen und Plätzen. Im Zentrum steht dabei der Glaube, dass Christus in den Zeichen Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist, so wie es Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern beim letzten Abendmahl versprochen hat. Das Wort Fronleichnam lässt sich so übersetzen: der lebendige Leib des Herren.

Herr Professor Ruhstorfer, öffentliche Gottesdienste und Messfeiern waren in den letzten Wochen und Monaten gar nicht möglich – wegen all der Maßnahmen, die nötig waren, um die Covid 19-Pandemie einzudämmen. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund heute Fronleichnam zu feiern, eben dieses Fest, bei dem der Glaube der Kirche öffentlich bekannt und bezeugt wird?

Ruhstorfer: In der Pfingstausgabe der Wochenzeitschrift DIE ZEIT vor zwei Wochen stand auf der Titelseite: „Frommes Schweigen“. Die Redakteurin Evelyn Finger stellt darin fest, dass die Kirchen in der Coronakrise die Menschen allein gelassen hätte. Sie hätten das Gefühl vermittelt, nicht systemrelevant zu sein. Was auch immer die Kirche in diesen Wochen im Verborgenen getan haben oder nicht getan haben. In der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, die Kirchen seien nicht präsent. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung. Die Kirchen vermitteln ohnehin schon lange das Gefühl, auf dem Rückzug zu sein. Corona wirkte hier wie ein Brandbeschleuniger. Eben deshalb ist ein Fest wie Fronleichnam so wichtig. Die Kirche muss öffentlich sichtbar sein. In den Medien, aber eben auch auf den Straßen und Plätzen unserer Städte. Eine Fronleichnamsprozession könnte da schon die Botschaft vermitteln: Wir sind da. Wir bezeugen, dass es einen Gott gibt. Ein Gott, der mit uns durch die Straßen und Gassen geht, der uns auf allen Lebenswegen begleitet.

Foitzik: Der erzwungene Verzicht auf öffentliche Eucharistiefeiern ist sicherlich vielen in der Kirche sehr schwer gefallen, ist doch die Eucharistiefeier – wie es eben auch das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hat – Quelle und Höhepunkt unseres Glaubens und Glaubensleben. Dabei haben sich aber auch manche gefragt, wie wichtig ihnen eigentlich diese Eucharistiefeier wirklich ist. Liegt so in dieser Art erzwungenem eucharistischen Fasten auch eine Chance?

Ruhstorfer: Die Chance liegt wohl darin, dass eine Unterbrechung zur Besinnung und zur Neuorientierung führen kann. Der Philosoph Jürgen Habermas, der selbst unverdächtig ist in Sachen radikalem Katholizismus, schrieb vor kurzem über die sakramentalen Handlungen der Kirche. Er meint, dass Sakramente und damit auch die Eucharistiefeier niemals nur „eine irdische, von der Kirche veranstaltete feierliche Kommunikation unter den Gemeindemitgliedern sein kann“. Das war jetzt Orgiginalton Habermas. Eucharistie ist eine rein menschliche und soziale Angelegenheit. Das wäre falsch. Es geht darin um die Realpräsenz Gottes. Die sakrale Dimension der Eucharistie verweist darauf, dass Gott selbst hier sinnlich gegenwärtig wird. Er verwandelt sich in irdische Wirklichkeit, um die irdische Wirklichkeit in göttliches Leben zu verwandeln. Diese sakrale Tiefendimension darf nach Habermas nie vergessen werden. Und diese eigentlich spirituelle, religiöse oder metaphysische Dimension der Eucharistie betrifft auch das gesellschaftliche Miteinander. Denn ohne diese Dimension droht - so Habermas - „das Versiegen der sakralen Quellen sozialer Integration“. D.h. es geht um gesellschaftlichen Zusammenhalt, um die Verwandlung der Welt in einen menschenwürdigen und damit gottgefälligen Ort. Habermas sagt, dass der Verlust dieser transformativen Kraft der Sakramente „einer menschheitsgeschichtlichen Zäsur gleichkäme“.

Foitzik: Von Habermas jetzt mal auf eine ganz andere Ebene. Herr Professor Ruhstorfer, sie sind Vater von drei Kindern und waren Religionslehrer bevor Sie an die Universität zurückkehrten. Das Fest Fronleichnam ist wohl das Fest im katholischen Kirchenjahr, mit dem sich heute die meisten Katholikinnen und Katholiken schwertun, erst recht, wenn sie als Eltern oder als Lehrerinnen beispielsweise Kindern und Jugendlichen erklären sollen, um was es da eigentlich geht. Wie kann man dieses Fest heute noch begehen, das doch einer ganz anderen Sakramenten-Theologie, einem ganz anderen Sakramentenverständnis entstammt?

Ruhstorfer: Sicher verändert sich das Sakramentenverständnis in der Zeit. Aber eines muss doch gleich bleiben. Die Sakramente sind die Schnittfläche von Gott und Schöpfung, Schöpfer und Geschöpf. Bei einer Fortentwicklung der Theologie muss es meines Erachtens darum gehen, zu einem tieferen und weiteren Verständnis der Sakramente zu kommen. In der Materie, im Fleisch, im Schmutz der Erde will Gott ankommen. Überall da, wo Krankheiten überwunden werden durch Ärztinnen und Ärzte, wo Trost gespendet wird durch Mitmenschen, wo Kindern von Lehrerinnen und Lehrern Welt und Zukunft erschlossen wird, wo Armut überwunden wird, wo gerechte Strukturen in der Welt geschaffen werden, überall da wird sakramentale Verwandlung der Welt sinnfällig und wirklich. In diesem Sinn sind Sakramente die bleibende Gegenwart Jesu, der ja selbst auch gesagt hat, dass das Reich Gottes nahe ist, dass es wie ein Sauerteig die gesamte Welt durchsäuert. Die konkreten Sakramente der Kirche (Taufe, Eucharistie, Buße usw.) sind doch nur besonders sichtbare Ausprägungen der Tatsache, dass das Gottesreich angebrochen ist und sich mehr und mehr durchsetzt – gegen allen Anschein, gegen alle Dunkelheit der Welt.

Foitzik: Herr Professor Ruhstorfer, Sie lehren Ökumenische Theologie an der Universität Freiburg: Fronleichnam gilt als das allerkatholischste Fest im Jahreskreis. Es war das Fest mit dem die katholische Kirche geradezu öffentlich demonstriert hat, was sie von den Protestanten unterscheidet, nämlich der Glaube an die Gegenwart Jesu in der als Leib Christi verehrten Hostie.

Umgekehrt war für Luther Fronleichnam das, ich zitiere, „allerschändlichste Fest“; an keinem anderen werde - so Luther - „Gott und sein Christus mehr gelästert, denn an diesem Tag und sonderlich mit der Prozession.“ Wie sehr trennt uns heute dieses Fronleichnamsfest noch von unseren evangelischen Schwestern und Brüdern?

Heute muss uns Fronleichnam in keiner Weise von unseren evangelischen Mitchristinnen und Mitchristen trennen. Es kommt nicht darauf an, ob Gott hier mehr durch die objektive Seite der Kirche, des Amtes und damit des Priesters wirkt, so wie esdie katholische Kirche denkt, oder über die subjektive Seite des gläubigen und freien Individuums, so wie es in der evangelischen Kirche Tradition ist. Es muss nur klar werden, dass Gott es ist, der mit den Menschen auf ihren verschlungenen Wegen unterwegs ist. Dass Gott uns Hoffnung gibt, dass Gott uns von unserenIrrwegen zurückholt und auch über Umwege findet. Vielleicht müssen wir Katholiken heute evangelischer werden und die evangelischen Gläubigen katholischer. Den Weg in die Zukunft können wir nur miteinander finden.

Foitzik: Herr Professor Ruhstorfer, ganz herzlichen Dank für diese so reichhaltigen Gedanken, die vielleicht dem einen oder anderen von uns ein einigermaßen schwieriges Fest ganz neu nahe gebracht hat, vielen Dank.

Ruhstorfer: Ich bedanke mich.

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In unzähligen Kirchen finden sich Statuen oder Darstellungen des heiligen Antonius - im braunen Gewand der „Minderbrüder“, wie sich die junge Ordensbewegung um Franz von Assisi selbst nannte; Antonius gehörte zur ersten Generation der franziskanischen Gemeinschaft.

In Darstellungen trägt Antonius oft das Jesuskind auf den Armen: darin drückt sich seine besonders innige Beziehung zum Evangelium aus, so sagen die einen. Mit dem Jesuskind auf dem Arm ist er seinen Mitbrüdern im Wunder erschienen, sagen die anderen.

Eine Menge Legenden ranken sich um Antonius - gerade auch um seine offenkundige Redekunst. Antonius war ein Predigttalent. So sollen ihm sogar Fische andächtig gelauscht haben. Zu Hunderten müssen ihm jedenfalls seine Zeitgenossen, oft unter freiem Himmel, gebannt zugehört haben. Seine Kenntnis der Bibel, seine theologische Bildung war legendär. Gerade aber für die Einfachen und Ungebildeten unter seinen Zuhörern fand Antonius offenbar die richtigen Worte.

Dass er so beliebt ist, verdankt der heilige Antonius seinem Image als helfendem „Schlamper-Toni“. So soll ein Stoßgebet zu Antonius helfen, wenn etwas unauffindbar  ist. Ursprünglich war allerdings bei dem, was verloren ist, weniger an Portemonnaie oder Schlüssel gedacht. Antonius hatte offenbar eine besondere Gabe: mit seiner ebenso klugen wie menschenfreundlichen Predigt diejenigen zu überzeugen, die ihren Glauben verloren hatten.

Ich verdanke meinen Zugang zum heiligen Antonius dem österreichischen Autor Michael Köhlmeier. Vor zwei Jahren hat er ein wunderschönes Buch geschrieben, eine Novelle, vielsagend betitelt: „Der Mann, der Verlorenes wiederfindet.“ Der renommierte Romanautor erzählt darin eine leise, einfühlsame Geschichte, keine jubelnde Heiligenlegende Antonius wird von Köhlmeier vor allem auch mit Widersprüchen gezeichnet: fromm und unabhängig im Denken. Antonius ist einer, der durchaus weiß, was er kann. Dennoch bemüht er sich, demütig zu sein. Der gefragte Prediger schien selbst  oft auch zu zweifeln in seinem Glauben.

Das macht für mich den heiligen Antonius zu einem ungemein sympathischen Heiligen, gerade für unsere Zeit.

 

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Alexander Foitzik: Am heutigen Karfreitag spreche ich mit dem katholischen Moraltheologen von der Universität Bonn, Jochen Sautermeister. Herr Professor Sautermeister, Sie sind promovierter katholischer Theologe und Psychologe. Sie haben einen Lehrstuhl für Moraltheologie, einen besonderen Schwerpunkt legen Sie dabei auf die Moralpsychologie.

Vielen von uns sind die Glaubensaussagen von Karfreitag eher fremd. Wir können kaum verstehen wie und von was Jesus uns erlöst haben könnte, in diesem grauenvollen Tod. Wie lässt sich heute die „erlösende Tat“ Jesu am Kreuz verständlich beschreiben? Oder sollen wir uns von den ganzen traditionellen Aussagen verabschieden?

Jochen Sautermeister:Die Rede von der Erlösung von Jesus am Kreuz kann ich eigentlich nur verstehen - und ich glaube lässt sich auch nur verstehen -  wenn wir uns fragen: Wovon brauchen wir eigentlich oder wünschen wir uns Erlösung? Was liegt uns schwer im Leben? Was belastet uns? Was steht so quer bei uns? Was setzt uns so unter Druck und ist so unversöhnt, unerlöst, dass wir uns Erlösung wünschen? Und ich glaube, da muss es ansetzen. Eigentlich bei der Erfahrung von unserer Unerlöstheit.

Wie kann man das heute sagen? Diese theologischen Bilder und theologischen Denkfiguren - Gott, der Genugtuung will oder Gott, der durch sein Blut versöhnt in Jesus, oder der sich am Kreuz opfert - ich glaube, die können wir nur verstehen, wenn wir heute fragen: Wo suchen wir Erlösung? Und ich glaube, das ist ganz vielfältig und sehr weit. Das eine ist, denke ich, zum einen, wenn wir nur hinausschauen was passiert. Hinaus nicht nur aus den eigenen vier Wänden, sondern auch in die eigenen vier Wände, ins eigene Leben. Gewalttaten, Kriege, Hunger, Menschenverachtung, Verletzung von Menschenrechten aber auch ganz konkret die Fragen für einen selber: Wo merke ich, bin ich unfrei? Bin ich unter Zwang? Sehe ich in mir Lebloses? Sehe ich in mir Seiten, die so unerlöst sind? Aber auch im Miteinander zwischen Menschen. Also für mich ist die Frage: Wo sind wir wirklich existenziell erlösungsbedürftig? Und ich glaube, da kommen wir nur hin, wenn wir wirklich sehen, wie radikal wir eigentlich in unserem Leben auch an unsere Grenzen stoßen.

Alexander Foitzik: Wenn wir auf die Frömmigkeitsgeschichte zurückblicken: Hatte der Karfreitag nicht immer auch eine problematische Bedeutung? Nämlich dass mit dem Leiden Jesu auch das Leid und das Leiden der Menschen sozusagen verherrlicht, verklärt und überhöht wurde?

Jochen Sautermeister: Ich glaube, die Gefahr besteht tatsächlich. Die Gefahr, dass durch die Verklärung vom Leiden Jesu auch noch viel Weiteres verfolgt wird, was wir eigentlich uns nicht wünschen, z. B. problematische Gottesbilder. Was für einen Gott stellen wir uns vor? Und an was für einen Gott glauben wir, dass er wirklich das Leiden will? Oder auch  problematische Vorstellungen von Erlösung, so als ob Gott es nötig hätte, seinen Sohn sozusagen als Lösegeld zu uns zu schicken. Das waren Denkfiguren, die vielleicht zu manchen Zeiten noch eher gepasst haben, aber ich halte sie für sehr problematisch. Schwierig wird es, wenn es um Leidensverherrlichung geht. Und ich glaube, dann spalten wir etwas ab. Dann spalten wir eigentlich die Seite ab, dass es im Glauben um Leben geht, um Lebendigkeit, um Versöhnung, um Leben-können mit Grenzen, um Perspektiven, die Grenzen überwinden und alle Spaltung überwinden. Und da ist eine Leidensverherrlichung - finde ich - sehr problematisch.

Alexander Foitzik: Der Karfreitag ist eingebettet in die so genannten Heiligen drei Tage. Wie wichtig ist es dann, den Karfreitag als eigenständigen Feiertag zu begehen, und nicht nur sozusagen als Vorspiel vor Ostern? Wir wissen ja wie die Geschichte ausgeht…

Jochen Sautermeister: Ich glaube, den Karfreitag als eigenständigen Feiertag zu feiern ist deshalb so wichtig, wenn man sich überlegt, worum es am Karfreitag geht. Das ist ja radikal, das ist ja eigentlich atemlos, das ist eigentlich schockierend: dass da Jesus am Kreuz stirbt. Wenn man sich versucht hineinzuversetzen, was es war - da war ja alles aus, abgebrochen, Entsetzen, und eigentlich müsste man an Karfreitag unter Schock sein. Und insofern ist es gut, Karfreitag auch als eigenen Feiertag zu feiern - und wirklich in der Abgründigkeit, was am Karfreitag passiert ist, auch sich daran zu erinnern und es sich zu vergegenwärtigen. Auch im Hinblick auf die Menschen, die diese Erfahrung vom Karfreitag heute machen, ohne die Hoffnung auf Ostern zu haben.

Alexander Foitzik: Herr Professor Sautermeister, Sie sind auch Psychologe und legen in Ihrer Forschung und Lehre einen Schwerpunkt auf die Moral-Psychologie, und Sie haben lange Jahre als ausgebildeter Berater in der Familien- und Lebensberatung gearbeitet.
Kann da Karfreitag auch etwas Tröstliches haben? Oder wie kann da der Karfreitag auch eine befreiende, auch eine therapeutische, heilsame Botschaft für uns Zeitgenossen haben?

Jochen Sautermeister: Die Erfahrung, dass Jesus am Kreuz sich von Gott verlassen fühlte, glaube ich, kann ganz besonders für Mensch tröstlich sein. Tröstlich in dem Sinn, dass da jemand ist, der wirklich bis zum Äußersten versteht mitzuleiden. Der weiß was es bedeutet, ganz verlassen zu sein. Und für solche Menschen, die in dieser Notlage sind, kann die Erfahrung - da ist jemand, der kennt mein Leiden, der kann mitfühlen - glaube ich eine ganz wichtige Erfahrung sein. Nicht im Sinne, dass es Trost ist, der zugesprochen wird, sondern dass es nicht mehr in Worte zu fassen ist, mit dabei sein und mit aushalten. Das scheint auch ohnehin etwas ganz Wichtiges auch von der Grunddimension der therapeutischen Botschaft des Glaubens zu sein. Nämlich dass wir gerade in den ganz tiefen existenziellen Erfahrungen von tiefster Verzweiflung, Depression, tiefster Angst, dass in dieser Erfahrung vielleicht Worte gar nicht weiterhelfen. Sondern, dass es darum geht, dass jemand dabei ist, der mitfühlt, der mit aushält, der nicht wegläuft. Und dass in diesem Dabeisein auch spürbar wird: kein Wort ist eigentlich hinreichend um zu sagen, worum es geht. Dass jeder einzelne Mensch, den es gibt und der da ist, dass es gut ist, auch wenn er in keiner Weise -  dieser Mensch - es spürt oder erlebt. Und hier glaube ich, kommen dann die nicht gesprochenen Worte, das Schweigen, das Dabeisein zu ihrer Bedeutung. Ich möchte es noch anders formulieren. Wenn jemand in der größten Not und Verzweiflung jemand hat, der ihn begleitet und wirklich mitgeht und mitfühlt und mit in die Tiefen hinabsteigt - bildlich gesprochen - dann ist auch implizit etwas dabei von Sinn: ich geh mit dir, oder die Erfahrung machen, jemand geht mit mir, kann tröstlich sein.

Alexander Foitzik: In geistlichen Schriften der Kirche hieß es früher oft: Wir Christen sollen mit Blick auf das Kreuz und den Gekreuzigten alles freudig und dankbar vor allem auch dankbar annehmen: das woran wir leiden, das, was uns schmerzt und im letzten auch, dass wir sterben müssen. Sind solche Ausforderungen nicht auch sehr ambivalent, womöglich sogar gefährlich? Oder kann eine solche Botschaft nicht auch sehr leicht missbraucht werden?

Jochen Sautermeister:Ja ich glaube, auch diese Botschaft ist ambivalent und ist in Gefahr, verzehrt zu werden bzw. missbraucht zu werden. Weil damit noch nicht gesagt wird, um welches Leid es geht. Und ich glaube, dass wir uns gerade in der gegenwärtigen Zeit ganz viel damit auseinandersetzen müssen: was bedeutet es, welche Seite ist unvermeidlich, mit welchen Leiden müssen wir leben, weil es zum Leben dazugehört. Aber welches Leid ist auch unnötig, darf nicht verklärt oder verherrlicht werden. Und das scheint mir ganz wichtig zu sein, hier zu unterscheiden. Und es gibt auch die Form der Lust im Leid, sozusagen sich selbst zu stilisieren. Weil man das Leid erträgt, sich doch nochmals erhoben oder besser zu fühlen. Also man könnte sagen: Leiden als eine Form der Selbstbestätigung in einer sadomasochistischen Weise. Und ich glaube das ist ein Thema, diese idealisierende Erhöhung, mit dem wir uns in der Kirche, in der Gegenwart viel auseinandersetzen müssen. Damit wir nicht in einer Leidverherrlichung oder Überhöhung und einer ungesunden Idealisierung - und auch meines Erachtens Idealsierungen, die wirklich nicht drauf vertrauen, das Leben anzunehmen – damit wir der nicht erliegen.

Alexander Foitzik: Und welche Konsequenzen hat das für die Verkündigung der Kirche, für die Kirche selbst, dafür, wie sie sich selbst, wie sie ihren Auftrag versteht?

Jochen Sautermeister:Ich glaube, zum einen bedeutet das ganz konkret, dass Kirche selber auch sich fragen muss, dass wir unsere Kirche fragen müssen: Wo haben wir Idealisierungen? Wo haben wir Abspaltungen? Wo blenden wir das aus, was uns in unserem Bild als Kirche durchkreuzt und im Wege steht? Uns unsere Ideale beschädigt und unseren realistischen Blick von uns auf Kirchen. Und das zweite ist - neben dieser Kritik an Abspaltung in Kirche - dass andere weniger moralisieren, mehr wahrnehmen was ist. Mehr wahrnehmen, wie das Leben in seiner Vielfalt ist. In seinen Gründen und in seinen Abgründen. Ich glaube das ist ein zweiter wichtiger Punkt. Und ich würde formulieren, ein dritter Punkt ist: Karfreitag lehrt eigentlich auch Demut. Was heißt, sich mit dem auseinandersetzen, was ist, was da ist, auch was schwer ist, was dunkel ist, wo man schuldig geworden ist. Auch das ist mit Blick auf Kirche in heutiger Zeit wichtig. Und das Thema Machtmissbrauch, diese Übergriffigkeit, auch das bedeutet heute Karfreitag, wirklich den Blick darauf zu lenken. Und ein letztes lässt mich immer wieder nachdenken: Gott lässt sich am Karfreitag nicht verwalten. Und dass wir uns auch kritisch fragen als Kirche: Wo verwalten wir mehr Gott statt Gott seinen Raum zu geben?

Alexander Foitzik: Herr Sautermeister, ich danke Ihnen sehr für Ihre offenen und menschenfreundlichen Aussagen zum heutigen Karfreitag.

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Der Titel dieses Buch springt sofort ins Auge, vermutlich nicht nur mir als Theologen: „Der Vogelgott“ heißt der Roman von Susanne Röckel, der im Herbst letzten Jahres erschienen ist.

Das Buch ist sicher kein theologisches Fachbuch. Aber umso mehr geht es um alles, was irgendwie unerklärlich ist, um Archaisches und Abgründiges, Wirklichkeit und Wahn. Und so hat es mich letztlich doch provoziert: Darüber nachzudenken, wie ich mir Gott eigentlich vorstelle.

Der „Vogelgott“, um den es hier geht, hat nichts mit dem liebenden und befreienden Gott der Bibel zu tun. Eher steht er für eine dunkle, dämonische Macht,  und die hat die Gestalt eines unheimlichen Greifvogels.

Vier Menschen begegnen diesem „Vogelgott“ und sie erfahren dabei etwas, das jenseits von alldem liegt, womit sie rechnen, was sie bisher gedacht und gefühlt haben.

Diese vier Menschen, sind ein Vater und seine drei Kinder. Der Vater ist ein Hobby-Vogelkundler, der fast schon besessen nach etwas Außergewöhnlichem für seine Sammlung ausgestopfter Vögel sucht. Der älteste Sohn ist ein rationaler, leicht zynischer Journalist. Die Tochter untersucht mit dem analytisch-distanzierten Blick der Kunstgeschichtlerin Mariendarstellungen aus der Barockzeit. Und der Jüngste ist ein verkrachter Medizinstudent, der sein Leben nicht so richtig auf die Reihe bringt.

Alle vier schauen in einen vermeintlich „leeren“, gott- und götterlosen Himmel. Plötzlich, unerwartet und unabhängig voneinander, werden alle vier mit dem „Vogelgott“ konfrontiert und diese verstörende Begegnung verändert ihr Leben:

Dem gescheiterten Medizinstudenten zeigt sich der „Vogelgott“ während eines Aufenthaltes in einem Missionscamp, irgendwo am Rand der zivilisierten Welt; der Volksstamm verehrt den „Vogelgott“ in blutrünstigen Ritualen.

Dem nüchternen Journalisten begegnet der „Vogelgott“ in einer scheinbar  besessenen Frau und einem modernen Alchimisten. Und der Vater, der Vogelkundler, stößt auf seinen ganz außergewöhnlichen Vogel. Den Versuch, ihn zu fangen, zu töten und zu besitzen, überlebt der Vater fast nicht.

„Der Vogelgott“ von Susanne Röckel ist ein skurriles, in manchem bizarres Buch. Und doch fand ich es faszinierend: Vier Menschen widerfährt, was völlig jenseits dessen liegt, womit sie rechnen.

Das erinnert mich dann doch wieder an manche biblische Geschichte: Gott eröffnet immer wieder einen völlig neuen Blick auf die Wirklichkeit.

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„Ist das gerecht?“ Diese Frage hat die ARD über ihre aktuelle Themenwoche geschrieben. In vielen Sendungen und unterschiedlichen Formaten widmen sich die ARD-Sender seit Montag dem Thema Gerechtigkeit. Was wir unter Gerechtigkeit verstehen, ist entscheidend dafür, wie wir zusammenleben. Nicht zuletzt hängt davon ab, was wir den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft nennen.

In dieser Woche erinnern aber auch unzählige Veranstaltungen an das Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. Viele haben gehofft, dass sich ein so katastrophaler Krieg nie mehr wiederholen würde;  aber zwanzig Jahre später war diese Hoffnung schon dahin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Friedensengagement der christlichen Kirchen verändert. Bis dahin war es geprägt von der so genannten Theorie des „gerechten Krieges“. Grob gesagt ging es darum, wann und wie Kriege begonnen werden dürfen und wie sie zu führen sind  um als ethisch „gerechtfertigt“ gelten zu können. Gerecht meinte also gerechtfertigt, in einem eher rechtlichen Sinn

Im Jahr 2000 haben die katholischen Bischöfe in Deutschland ein Friedenswort mit dem Titel „Gerechter Friede“ veröffentlicht. Die Perspektive hat sich gedreht: Vom „gerechten Krieg“ zum „gerechten Friede“: Krieg soll nach Gottes willen nicht sein, jede Gewaltanwendung soll vermieden werden, denn jede Gewalt bleibt ein Übel. Oder wie es Papst Johannes Paul II formuliert hat: „Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit.“

Die unzähligen Konflikte und Kriege unserer Zeit zeigen es täglich: Sie verursachen weitaus größeres Leid als nur das, was mit Waffen angetan wird: Menschen hungern, sie werden verfolgt, vertrieben, vergewaltigt – und betroffen sind oft besonders die, die ohnehin schon arm, schutzlos, schwach sind.

Entsprechend meint die Rede vom „Gerechten Frieden“ weit mehr, als  dass es nur keine Gewalt mehr gibt: „Gerecht“ ist der Friede dort, wo Menschen in Würde leben und arbeiten können, wo ihre Rechte geschützt sind, ebenso das, von dem sie leben – das Land, seine Rohstoffe, das Wasser. Und das Leid der Opfer wird gesehen, anerkannt, womöglich Abhilfe geschaffen.

Das ist gerecht! Und nur so wird Friede möglich! Oder wie es schon beim Propheten Jesaja heißt: Das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit“.

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Europa muss sich auf seine Wurzeln, seine Seele zurückbesinnen! Viele machen sich in diesen Tagen große Sorgen, wenn sie auf den Zustand unseres Kontinents schauen. Viel zu lange schon und viel zu selbstverständlich ist nur noch von der Krise Europas die Rede! Immer mehr europäische Staaten scheinen vor allem an sich selbst zu denken; nicht nur in der Flüchtlingspolitik.

Hat sich die Idee eines gemeinsamen Europas in unseren Tagen erledigt? Tragen die großen Hoffnungen nicht mehr, die einst die Gründungsväter und – mütter Europas bewegten? Und der christliche Glaube, der die europäische Kultur fraglos geprägt hat? In unseren Tagen muss dieser Glaube eher herhalten, um sich von anderen abzugrenzen, andere auszugrenzen.

Am 11. Juli jeden Jahres wird in der Katholischen Kirche besonders an den Heiligen Benedikt gedacht. Im Jahr 480 wird der „Gründer des abendländischen Mönchtums“ in dem kleinen Ort Nursia geboren, in der heutigen italienischen Region Umbrien . Mit 67 Jahren stirbt er auf dem Monte Cassino. Dort hat er mit einem Kreis von Freunden und Getreuen eine erste Gemeinschaft gegründet.

1964 erklärt Papst Paul VI. den Heiligen Benedikt zum bedeutendsten Patron Europas. Gerade auch die Frömmigkeit Benedikts hat Europa geprägt. Benedikt hat als erster eine umfassende Regel für das Leben in Ordensgemeinschaften entwickelt. Und viele Klöster und Gemeinschaften in Europa haben sie für sich übernommen, manchmal mit kleinen Veränderungen. Der Kerngedanke der benediktinischen Regel heißt „Ora et labora“, also „bete und arbeite“. Mit dieser ganzheitlichen Spiritualität wurden die Klöster zu bedeutenden Zentren, die für Bildung gesorgt haben, die das Handwerk und die Landwirtschaft gefördert und weiterentwickelt haben.

Gerade in der aktuellen Krise Europas kann der Heilige Benedikt, der Patron Europas, an eine große Hoffnung erinnern!

Die Hoffnung auf eine europäische Gemeinschaft, die von gemeinsamen Werten und Haltungen geprägt ist: Von Werten und Haltungen, die nicht zuletzt in der Bibel begründet sind: zum Beispiel in der  Vorstellung, dass jeder einzelne eine besondere Würde hat, unabhängig von seiner Leistung und seiner Herkunft! So hoffe ich auch auf eine Gemeinschaft, die versucht, Maß zu nehmen am biblischen Gleichnis vom barmherzigen Samariter: dem Gleichnis, wo ein Fremder einem verletzten Fremden hilft.

Dies ist der Geist, die Seele Europas. Und uns daran zu erinnern, dabei möge der Heilige Benedikt uns helfen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26839

In unserer Gesellschaft ist eine ängstliche Stimmung weitverbreitet, die kaum zu fassen ist. Soziologen und Meinungsforscher beschreiben das immer wieder. Die einen sorgen sich, dass sich die Gesellschaft sozial immer weiter spalten wird. Andere befürchten, dass zu viel Fremdes, zu viel Fremde zu uns kommen. Und am Ende wissen wir gar nicht mehr, wer wir sind!

Viele treibt die tägliche Angst, den hohen und immer höheren Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Zu viel, was andere von mir erwarten, erst recht zu viel, was ich selbst von mir erwarte. Der renommierte Soziologe Heinz Bude spricht von einer „Gesellschaft der Angst“: Ängstlich zu sein, scheint zu einer modernen Gesellschaft wie der unsrigen einfach dazuzugehören.

In diesem Jahr erinnert ein Kreis von Anhängern, Schülerinnen und Schülern an den katholischen Theologen und Grenzgänger Eugen Biser. Im Januar wäre er 100 Jahre alt geworden. In ganz besonderer Weise hat Eugen Biser die Angst, die Lebensängste des modernen Menschen ins Zentrum seiner Theologie gestellt. Die allgegenwärtige und zunehmende Angst hielt er für das Hauptproblem der Gegenwart.

Für Eugen Biser ist das Christentum die „Religion gegen die Angst“, für ihn ist der christliche Glaube die alles entscheidende Heilkraft, für alle die ängstlich sind! Entschieden kritisierte er so jede kirchliche Verkündigung, die selbst Ängste weckt. Und umkehrt war Eugen Biser überzeugt: Der christliche Glaube und das Christentum werden in unserer Gesellschaft nur dann eine Zukunft haben, wenn wir uns auf unseren Ursprung zurückbesinnen:

Für Eugen Biser ist Jesus der „Angst-Therapeut“ schlechthin. Durch seinen menschgewordenen Sohn sucht Gott den Menschen zu heilen - von seinen alltäglichen Ängsten und der Angst, keinen Sinn im Leben zu finden, der Angst sterben zu müssen.

In dem, was Jesus verkündet hat, in dem was er gelebt und gelehrt hat und nicht zuletzt in seinem Sterben am Kreuz und in seiner Auferstehung steckt eine dreifache Botschaft gegen die Angst:

Der Gott, den Jesus – für seine Zeit unvorstellbar revolutionär - zärtlich mit Abba, also Papa, angesprochen hat, ist kein ehr- und kein rachsüchtiger Gott, vor dem wir uns ängstigen müssen.

Unsere Mitmenschen, die wir mit Jesus als „unsere Nächsten“ erkennen dürfen und die wir „als unsere Nächsten“ lieben dürfen wie uns selbst, ängstigen uns nicht mehr als Fremde und Feinde.

Und ebenso revolutionär war und ist die Botschaft Jesu an jeden Einzelnen: Eugen Biser spricht von der „einzigartigen Ermutigung des Menschen zu sich selbst“ – unmissverständlich beschrieben in den wundervollen Worten, dass wir Menschen Gottes „Freunde“ sind, dass wir Gottes „Kinder“ sind.

Wenn ein liebender und barmherziger Gott so groß von uns Menschen denkt, bräuchten wir eigentlich vor nichts und niemandem Angst haben.

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Alexander Foitzik im Gespräch mit Dr. Barbara Henze, Theol. Fakultät der Uni Freiburg

Mit dem heutigen Fest „Allerheiligen“ gedenken wir der Gemeinschaft der Heiligen. Also all der Männer und Frauen, die oft auch unbequem und anstößig Zeugnis von Ihrem Christusglauben gegeben haben in dem was Sie gesagt haben und in dem was sie taten. Wenn wir aber an diese heiligen Frauen und Männer denken stellen wir uns zugleich in ihre Gemeinschaft, denn das Fest Allerheiligen erinnert uns daran, dass wir alle, alle Getauften und Gefirmten zur Heiligkeit berufen sind. Über dieses besondere Fest und seine Botschaft spreche ich heute mit Dr. Barbara Henze. Sie lehrt Frömmigkeitsgeschichte und kirchliche Landesgeschichte an der theologischen Fakultät in Freiburg.

Frau Dr. Henze, was bedeutet für Sie dieses Fest „Allerheiligen“? Ist das für Sie eher eine schöne Tradition im Kirchenjahr, die es mit Blick auf eine durchaus wertvolle Geschichte zu pflegen gilt, oder hat dieses Fest Allerheiligen für Sie einen besonderen aktuellen Bezug? Eine besondere Botschaft für uns heute?

Allerheiligen – ein Stellvertreterfest

Das Fest „ Allerheiligen“ ist tatsächlich Beides. Wir erinnern uns daran, dass früher an diesem Fest all derer gedacht wurde, für die man Name und Todesdatum nicht wusste und derer man dennoch gedenken wollte. Deswegen ist das Fest Allerheiligen so etwas wie ein Stellvertreterfest.

Und dieses Prinzip Stellvertretung oder „Stehen für“ finde ich auch für heute sehr aktuell, weil man damit nicht nur an die Gemeinschaft denkt zu der man auch gehören möchte, wie Sie im Eingang gesagt haben, sondern man kann sich auch vorstellen, dass die Heiligen so etwas wie stellvertretend das Menschsein gelebt haben, das wir selbst auch leben möchten. Also auch ein Vorbild für mich selbst.

Gab es denn Heilige, die man in diesem Gedanken vergessen hat, wenn Sie jetzt zurück auf die Kirchengeschichte schauen?

Heilige mit und ohne Namen

In der Anfangszeit wurden die als Heilige gesehen, die sich in besonderer Weise in ihrem Leben der Verbundenheit mit Jesus Christus bewusst waren, und das waren die Märtyrer. In der Anfangszeit sind viele umgebracht worden um ihres Glaubens Willen. Von denen die Überlieferung weder Name noch Todesdatum überliefert hatte. Und diese namenlosen Märtyrer, die werden an Allerheiligen oder wurden seit der Anfangszeit der Kirche an Allerheiligen gefeiert.

Für die mit Namen bekannten Märtyrer hatte man immer einen festen Platz im Kirchenkalender. An die heilige Barbara denkt man am 4. Dezember. Die Person ist zwar fiktiv aber man hatte für sie einen festen Platz im Kalender.

Jetzt haben Sie die Hl. Barbara ausdrücklich erwähnt. Aber wie ist es mit den heiligen Frauen in der Kirchengeschichte gewesen? Wurden nicht ganz besonders die heiligen Frauen immer leicht vergessen?

Frauen wurden nicht vergessen

Man hat tatsächlich eine Statistik gemacht. Wer war wann heilig oder wurde als heilig angesehen? Jetzt könnte man als erstes denken, ja werden nicht die Frauen  immer vergessen weil sie ja heute vergessen werden.

Es war in der Tat so, dass zum Beispiel in der Zeit des Hochmittelalters besonders viele Frauen gewürdigt wurden. Nicht nur die Hl. Klara u. die Hl. Elisabeth. Stellvertretung heißt ja, zu bestimmten Zeiten ist Heiligkeit etwas, das genau für diese Zeit wichtig ist. So gab es auch Zeiten, wo exemplarisch Frauen diese Herrlichkeit gelebt haben, und das war die Zeit der Armutsbewegung, weil die Lebensweise in der Zeit der Armutsbewegung bedeutete: Ich nehme an Jesus Christus Maß.
Und man hatte sich irgendwie vorgestellt, dass dieses Maßnehmen an Jesus Christus besonderes Einfühlungsvermögen voraussetzt. Und da hatte man gedacht, das machen Frauen in besonderer Weise.

Welches Bild, welche Metapher passt dann gerade jetzt vor dem von Ihnen ausgeführten Hintergrund für Sie am besten? Wenn Sie in ein bis zwei Sätzen beschreiben sollen, was eigentlich Heilige für Sie sind…

Heilige als Vorbild in ihrem Lebensraum

Es muss was damit zu tun haben, dass diese Menschen einerseits die Kraft spüren, die von Gott kommt, bestimmte Dinge auszuhalten, die man sonst nicht aushalten würde.

Es muss andererseits etwas damit zu tun haben, dass sie in sich schauen und denken was kann ich. Was ist in meinem jeweiligen Lebensraum möglich? Die sind ja nicht jenseits ihres Lebensraums gegangen, sondern die haben ja ihre Möglichkeiten genutzt. Deswegen gibt es auch unbekannte Heilige, oder deswegen gibt es auch Leute, die gar keine großartigen Dinge getan haben, sondern einfach versucht haben, in die Not ihrer Zeit zu schauen und zu sagen: hier läuft etwas schief, hier muss etwas passieren.

Und da finde ich dann sehr interessant, dass die Zahl der offiziell von der kath. Kirche Heiliggesprochenen seit der Zeit von Papst Johannes Paul II, also seit 1978, explodiert ist. Weil dann der Papst gedacht hat, es kann nicht sein, dass man in Lateinamerika, in Ozeanien, in Südafrika als Heilige und Namenspatronen immer nur Leute aus Europa hat als Vorbild ihres Lebens. Sondern das müssen Leute sein, die in ihrem konkreten Lebensumfeld versucht haben ihr Leben zu leben. Die hat er dann heilig gesprochen.

Gestern haben wir den Reformationstag gefeiert. 2017 jährt er sich ja zum 500. Mal. Ist das Fest Allerheiligen ein sehr katholisches Fest?

Irrwege der Heiligenverehrung

Dieses Fest Allerheiligen stand damals vor 500 Jahren für eine fehlgeleitete katholische Frömmigkeit. Deswegen hat nicht ohne Sinn am Vorabend dieses Festes Allerheiligen Martin Luther seine Thesen veröffentlicht. Weil er daran erkennen konnte, was schief läuft. Dass man nämlich Heiligkeit den Kräften des Menschen zuspricht und nicht sagt: dieser Mensch muss ja zuvor erst mal in die Beziehung zu Gott getreten sein.  Gott muss ihm ja seinen Auftrag geben. Der wirkt ja nicht nur so. Ein Heiliger hat seine Kräfte von Gott.
Den zweiten Fehler, den Luther benennen konnte war: Ja verdränge ich damit in Wahrheit nicht Jesus Christus, und ist das was die Menschen an Heiligenverehrung tun nicht rein äußerlich und unbiblisch.
Also er kann an dem Fest Allerheiligen genau seine Kritikpunkte gegenüber der katholischen Kirche artikulieren. Und jetzt, da haben Sie recht, muss man sich fragen, hat sich daran etwas in den 500 Jahren verändert? Ich finde schon. Wir haben gelernt, dass es damals ein Irrweg war, die Heiligen so zu verehren, dass es nicht möglich ist an die Stelle von Jesus Christus auf einmal Menschen zu verehren oder sogar anzubeten, was man uns damals vorgeworfen hat. Das würde eigentlich heute niemand mehr tun.

Das heißt, dann trennt das Verständnis von Heiligkeit und von Heiligen heute nicht mehr die Konfessionen?

Trennend ist nur noch das Heiligsprechungsverfahren

Das Verständnis von Heiligkeit trennt nicht. Was trennt ist, dass man in der römisch katholischen Kirche dieses Heiligsprechungsverfahren hat, das man in anderen christlichen Kirchen nicht kennt.
Aber es gibt, wenn man im Internet schauen würde, gibt es einen ökumenischen Heiligenkalender. Da werden alle die Personen genannt, die in der weltweiten Ökumene, egal in welcher Konfession, als besonders vorbildlich gelten. Die haben aber nicht den Heiligsprechungsprozess durchlaufen.

Welchen Heiligen, welche Heilige würden Sie denn gerne noch in diesen ökumenischen Heiligenkalender aufnehmen?

Frère Roger Schütz und Oscar Romero in den Heiligenkalender?

Eine Person, die sicher von vielen christlichen Konfessionen geschätzt wird ist Roger Schütz von Taizé. Wofür steht dieser Mann? Roger Schütz steht, selbst reformierter Christ und nicht Katholik, steht für: Ich habe ein weites Herz für Gebetsformen. Ich weiß, dass ich Gebet brauche, um arbeiten und leben zu können. Und sein Buch, sein sehr populäres Buch, heißt nicht umsonst „Kampf und Kontemplation“. Ich kann also nicht meinen täglichen Stress, meine tägliche Arbeit, die Ansprüche, die an mich gestellt werden, leben ohne beten. Dafür hat er seine Gebetsgemeinschaft gegründet. Andererseits steht Roger Schütz auch für Versuche, mit Menschengruppen in Kontakt zu kommen, die in der Kirche ein bisschen unterbelichtet waren, z.B. die Jugend. Dass er dieser Gruppe einen Raum widmet und sagt: Mit der Jugend muss man sprechen. Das ist die Frömmigkeit und das christliche Leben der Zukunft. Also würde ich sagen Roger Schütz steht für bestimmte Dinge.
Andere Personen stehen für anderes: Oscar Romero von San Salvador – der steht für die Botschaft, dass man schauen muss, was ist das Unrecht, das meinen Menschen, für die ich Verantwortung als Bischof tragen muss, passiert, und woher kommt dieses Unrecht. Heute wird er geschätzt. Seine Leute in San Salvador haben ihn geschätzt, dass er die USA angeprangert hat und gesagt hat: warum schickt ihr eure Waffen in unser Land? Damit unsere Leute damit erschossen werden – das kann nicht sein. Also für eine mutige Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit.

Sie haben jetzt mit dem Bezug zu Bischof Romero noch einmal einen ganz aktuellen Bezug hergestellt zu dem heutigen Fest Allerheiligen. Herzlichen Dank Frau Dr. Henze von der theologischen Fakultät Freiburg.

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Künftig werden wir uns vermutlich das Handy einfach vors Gesicht halten; die Kamera macht ein Bild; blitzschnell wird dieses mit dem im Speicher hinterlegten dreidimensionalen Bild abgeglichen. Schon ist das Handy „entsperrt“. Ich wurde erkannt, autorisiert! Du darfst mich benutzen, sagt mir mein Handy! Die meisten großen Handy-Hersteller arbeiten offenbar an der sogenannten „Gesichtserkennung“.

Mir fällt dazu der liebevoll ironische, vor allem aber so lebenskluge Satz von Albert Schweitzer ein: Demnach hat mit zwanzig Jahren jeder das Gesicht, das Gott ihm geben hat. Mit vierzig Jahren hat man das Gesicht, das einem das Leben gegeben hat, und mit sechzig habe ich schließlich das Gesicht, das ich verdient habe.

Ob die Ingenieure von Apple oder Samsung das einberechnen werden? Und mein Gesicht verändert sich ja nicht nur über die Jahrzehnte. Mein Gesicht zeigt sehr oft und sehr unmittelbar meine aktuelle Stimmung - leider oder zum Glück? Und wenn ich mich besonders verknautscht und hässlich finde, muss ich mir auch noch eingestehen: Das ist jetzt Dein Gesicht, so hast Du es  dir verdient!

Aber mit welchem Gesicht will ich eigentlich erkannt werden? Nicht von meinem Handy, sondern von meinem ganz menschlichen Gegenüber? Mit dem Gesicht, wie es mir Gott gegeben hat, oder meinem Gesicht, wie es vom Leben gezeichnet ist, gezeichnet von vielen hellen, aber auch von reichlich dunklen Stunden. Und warum nicht auch erkannt werden, mit dem Gesicht, das ich mir verdient habe, so wie ich eben bin!

Muss mein Gesicht dem Bild entsprechen, das im Kopf der anderen abgespeichert wurde?

Und wie erkenne ich selbst eigentlich das Gesicht meines Gegenübers? Ich befürchte, oft genug passiert es so: Blitzschnell gleiche ich es ab, mit dem Gesicht, das in meinem Kopf gespeichert ist, alte Geschichten, gute und schlechte. Halte ich ein Gesicht aus, das der andere sich verdient hat, im Laufe der Zeit?

Der Mensch ist geschaffen nach dem Abbild Gottes, so steht es in der Bibel. Jedes Gesicht, das mir begegnet, ist also auch ein Ebenbild Gottes. Das macht jedes Gesicht -auch meines - unendlich kostbar! So wie es ist!

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