Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


„2014 möchte ich einfach glücklich werden“, sagte neulich jemand zu mir. Wie wird man glücklich? Es gibt tausende Artikel und Ratgeber dazu. Trotzdem habe ich noch nicht verstanden wie das gehen soll. Richtig stutzig hat mich dann dieser Satz gemacht: „Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.“
Bronnie Ware, eine australische Krankenschwester hat ihn aufgeschrieben. Sie hat sterbende Menschen gepflegt und von ihnen oft diesen Satz gehört.
„Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen“. Ich verstehe das so: Da hat
sich jemand selbst am Glücklich sein gehindert. Kein Krieg, keine zerrüttete Familie, keine Arbeitslosigkeit oder Krankheit sind schuld.
Auch kein fehlender Lebenspartner, der zum Glück noch fehlt. Fast ein bisschen unverschämt klingt dieser reuige Vorwurf an sich selbst. Was Glück ist, kann man ja sehr unterschiedlich definieren: Genug Geld, Gesundheit, viele Freunde, eine intakte Familie, Kinder, beruflicher Erfolg, allgemeine Zufriedenheit. Ist es allein die Summe dieser Teile, die glücklich macht? Eine ungewohnte Beschreibung von Glück liefert Jesus in seiner Bergpredigt: Glücklich sind die, die erkennen wie arm sie vor Gott sind, sagt er. Ihnen gehört die neue Welt. Oder: Glücklich sind die Trauernden. Sie werden Trost finden. Glücklich sind die Friedfertigen, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Und so weiter. Glück habe ich mir immer leicht und unbeschwert vorgestellt. Etwas das sich schon heute toll anfühlt. Aber vielleicht liegt genau da das Missverständnis, das die Patienten von Bronnie Ware schon verstanden hatten. Vielleicht bedeutet Glück gar nicht so sehr etwas zu haben, sondern eher eine innere Orientierung. Das ich mich an etwas halten kann, dass mein Leben hell macht. Obwohl ich nicht immer was zu lachen habe.
Bestimmt gibt es das auch in Ihrem Leben. Eine Einstellung oder Fähigkeit, um die andere Sie beneiden. Das Sie mit wenig zufrieden sein können vielleicht, oder, dass Sie auch im Schlechten immer noch etwas Gutes entdecken.
Ihre Freude daran, Kaputtes wieder repariert zu kriegen, oder die Fähigkeit anderen geduldig zuzuhören. Da passiert Glück. Da glückt uns etwas. Glücken meint, das etwas gut ausgeht und ein gutes Ende findet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen glücklichen Tag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16933

Ich wünschte, ich hätte ihm das zu Lebzeiten gesagt…25 Jahre ist es her, da lief ein Lied mit dieser Textzeile rauf und runter in den Radiosendern. „The living years“, von Mike and the Mechanics. Das Lied erzählt von einem ungelösten Konflikt zwischen Vater und Sohn. Als der Vater plötzlich stirbt bereut der Sohn, das so vieles unausgesprochen zwischen ihnen geblieben ist. Am Ende meines Lebens möchte ich nichts bereuen. Trotzdem tun es die meisten Menschen, sagt Bronnie Ware.
Sie hat jahrelang Sterbende gepflegt und diesen Satz viel zu oft gehört: „Ich wünschte,
ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle zu zeigen.“ Gefühle. Hat jeder. Aber sie einem
anderen wirklich zu zeigen, das ist schwer. Dabei sehne ich mich wie jeder Mensch
danach. Das mir ein anderer offen zeigt, dass er mich mag, dass er stolz auf mich ist,
mich vermisst, meine Hilfe braucht, an mich denkt, oder mit mir leidet. Auf eine Art, die ich verstehe und die mich spüren lässt: Ich bin dem anderen wirklich wichtig.
Das ist zwischen Partnern und Freunden so, zwischen Kollegen, Eltern und Kindern.
Sogar zwischen Gott und uns Menschen fehlt sonst etwas Entscheidendes. In Sachen Gefühle zeigen, ist Gott ein echtes Vorbild für mich. Er ist unglaublich kreativ darin: Schickt einen Regenbogen nach der Sintflut, eine Taube, als sein geliebter Sohn sich taufen lässt, oder lässt einen Propheten ausrichten, wie enttäuscht er von seinem Volk ist.
Gott bleibt nicht cool. Er liebt und leidet ganz offensichtlich mit seinen Menschen, ist
wütend und bietet trotzdem immer wieder Versöhnung an. Wer einem anderen seine Gefühle zeigt, sagt damit genauso wie Gott: Du bist wertvoll. Für dich lohnt es sich,
etwas zu investieren. Einen Umweg, weil du Angst vor Hunden hast, eine Tafel Schokolade im Briefkasten, gegen deinen Frust, eine überfällige Aussprache, ein echtes Lob, eine tränenreiche Entschuldigung, oder auch nur eine stumme Umarmung. Lassen wir sie raus, die Gefühle.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16932

Arbeiten Sie nicht so viel! Ich weiß, toller Witz an einem Montagmorgen, aber ich meine es ernst. Viel zu viele Menschen sagen am Ende ihres Lebens: „Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet“.
Bronnie Ware, eine australische Krankenschwester hat jahrelang sterbende Menschen gepflegt. „Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet.“
Sie hat das oft gehört. Ich hoffe, ich werde diese Worte nie sagen müssen. Aber was meinen sie eigentlich? Arbeit ist für die allermeisten von uns Pflicht. Damit das Geld für die Miete und den Strom reicht. Für einen vollen Kühlschrank. Ohne Arbeit fehlt auf Dauer etwas. Auch im Selbstwertgefühl. Arbeit kann ja auch glücklich machen. Aus dem Beruf wird dann eine Berufung. Zum guten Gefühl, ich bin genau am richtigen Platz. Ich werde gebraucht, ich kann etwas bewegen. Ich vermute, gefährlich wird Arbeit vor allem dann, wenn ich zu viel von ihr erwarte. Sinn, Sicherheit und Erfüllung. Denn manchmal passiert genau das Gegenteil: Die erhoffte Karriere bleibt aus, der Betrieb geht pleite. Auch die eigenen Kinder und die zu pflegende Oma sind nicht nur dankbar, für den 24-Stunden-Service. Arbeit kann doppelt Kraft kosten. Und trotzdem einen bitteren Nachgeschmack haben. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Stunden wir mit Arbeit verbringen. Sondern welchen Stellenwert sie in unserem Leben hat.
Jesus hat einmal zwei Schwestern besucht, Maria und Martha. Im Schlepptau, seine Jünger. Es gab jede Menge zu tun, bei den vielen Gästen. Aber nur Martha rackert und arbeitet. Maria nimmt sich lieber Zeit für die Gäste, sie hört Jesus aufmerksam zu. Bis ihre Schwester irgendwann ausflippt: „Kümmert es dich gar nicht, dass sie mich alles alleine machen lässt?“ Jesus reagiert deutlich: „Liebe Martha. Du machst dir viele Sorgen und Mühe.
Aber Maria hat erkannt was wirklich wichtig ist. Das kann ihr keiner mehr nehmen.“ Arbeit ist wichtig. Sie ist nötig. Aber letztlich, so verstehe ich Jesus, ist sie nicht der Sinn unseres Lebens. Was wirklich zählt, sind unsere Beziehungen. Zu anderen Menschen und zu Gott. Und das wir erkennen, was wann wirklich wichtig ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16931

Hätte, hätte, Fahrradkette. Fast jeder bereut etwas, am Ende seines Lebens. Sagt Bronnie Ware. Sie ist Australierin, Krankenschwester und hat jahrelang sterbende Menschen gepflegt. Dabei hat sie bemerkt: Die meisten bereuen ganz ähnliche Dinge. Als ich von ihren Erfahrungen gelesen habe, habe ich gedacht: Das ist ist eine einmalige Chance! Ich könnte mein Leben anders leben. So, dass es am Ende möglichst wenig zu bereuen gibt. Vielleicht geht‘ s Ihnen ähnlich. Deswegen kommt hier der Satz Nummer 1, aus der „Hätte ich doch“-Liste von Bronnie Ware: „Ich wünschte, ich hätte mehr Mut gehabt, ein Leben zu führen das mir entspricht. Statt mich dem zu fügen, was andere von mir erwartet haben.“ Ein bitteres Eingeständnis. Ich war feige. Ich habe nie das Leben geführt, das ich mir gewünscht habe. Ich habe immer nur versucht es allen anderen Recht zu machen. Eltern, Freunde, der Partner, die Kinder, Chefs oder Nachbarn erwarten eine ganze Menge.
Manchmal behauptet das auch nur unser Gefühl:
„Wenn ich nicht das Haus meiner Eltern übernehme, dann verzeihen sie mir das nie“.
Oder: „Mein Chef nimmt mich doch nicht mehr ernst, wenn ich den Leitungsposten
ablehne.“ Was glauben Sie tun zu müssen, damit Sie in den Augen der anderen „richtig“
sind? Mir fällt da einiges ein. Aber auch, was ich eigentlich will. Was ich unbedingt noch
machen möchte, solange ich lebe. Davon abhalten kann mich nur Angst. Dass ich
versage. Dass ich am Ende allein und ungeliebt da stehe. Aus christlicher Sicht völliger
Quatsch. Ich war nie allein und werde es auch nie sein, weil Gott immer in meiner Nähe ist. Über, unter, neben mir. Egal wohin ich gehe, wovor ich wegrenne. In der Bibel heißt es: „Du hast mich gesehen, bevor ich geboren war. Jeder Tag meines Lebens war in deinem Buch geschrieben. Jeder Augenblick stand fest, noch bevor der erste Tag begann.“ Dieses Staunen über Gott kenne ich auch. Das ich überhaupt gesund geboren werden konnte war ein kleines Wunder. Wenn dieser Gott damals schon mein ganzes Leben gekannt hat, dann kennt er auch meine Lebensträume. Vielleicht steckt er auch dahinter, dass sie mich nicht loslassen. Und mich daran erinnern:
Ich habe meine Zeit nicht umsonst von Gott bekommen. Solange auch nur ein Tag davon übrig ist, soll und darf ich meinen eigenen Weg gehen. Gott wird mitgehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16930

„Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen!" Der Apostel Paulus hat so einen Brief an die christliche Gemeinde in Thessalonich beendet. Eigentlich könnte ich mich jetzt auch schon verabschieden. Frieden und Gottes Segen. Besser kann ein Tag nicht anfangen. Ich zumindest brauche Gottes Frieden. Dringend und täglich, noch dringender als meine Dusche und den Kaffee zum Aufwachen. Denn manchmal beginnen die Schwierigkeiten ja schon vor dem Aufstehen. Man hätte ausgeschlafen aufwachen können, stattdessen hat man sich die ganze Nacht mit Alpträumen herumgeschlagen oder Probleme gewälzt. Also raus aus dem Bett. Aber da wird es ja nicht immer besser. Eine Tasse fällt runter, jemand nörgelt weil die Nutella alle ist, dann fehlt auch noch ein wichtiger Schlüssel. Jetzt hilft nur tiiiiieeef durchatmen! Einen Tag lang wirklich friedlich zu sein, ist schwer. Sich nicht lautstark aufzuregen, wenn der Autofahrer vor einem an der Ampel pennt, es bei der Arbeit gerade gar nicht gut läuft, oder die Nachbarin jedes Mal die Mülltonne draußen stehen lässt. Absichtlich, ganz bestimmt. Ich brauche Frieden, wenn schon mein Blick töten könnte, oder meine Handbewegung im Rückspiegel. Wenn ich das Gefühl nicht loswerde: Es trifft doch immer mich, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und platzen könnte vor Wut. Wenn ich unruhig und nervös bin, weil mich nichts zufrieden macht. Weil sich nichts gut genug und richtig anfühlt. Frieden ist viel mehr als „es gibt gerade keinen Krieg". Frieden ist eine tiefe Gelassenheit und Ruhe in mir drin. Eine Kraft die mich trägt und stützt, die mich manches fröhlich übersehen und anderes schlicht aushalten lässt. Der Frieden macht mich bereit zum vergeben und zum hoffen. Er ist eine wundervolle Erfindung von Gott. Keiner kann ihn machen oder befehlen. Aber wer ihn selbst erlebt hat, der will ihn nicht mehr missen. Und der kann ihn auch weitertragen. „Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen!" Auch mit Ihnen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14643

Das ein Morgen oder ein ganzer Tag gut wird, das hängt manchmal nur an drei Minuten. Es ist gar nicht so schwer, einem anderen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Oft könnte es schon reichen den Sicherheitsabstand untereinander abzubauen. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Bus immer nur jeder dritte Platz besetzt ist? Es könnte anders sein. Alles was wir dafür brauchen ist ein bisschen Selbstüberwindung, Fingerspitzengefühl und einen Blick für andere. Ein gutes Vorbild kann natürlich auch nicht schaden. In der Bibel wird davon berichtet, wie Jesus von Stadt zu Stadt gezogen ist. Immer wieder wurde er wie ein Star empfangen. Alle wollten ihn sehen und hören, was er zu sagen hat. Sie haben ihre Kranken zu ihm gebracht, damit er sie heilt und ihm Fragen gestellt. Ständig waren Menschenmassen um Jesus herum. Er war ein gefragter Mann, aber das hat Jesus nie sonderlich beeindruckt. Es hat ihn auch nicht aus der Ruhe gebracht als einmal ein Blinder am Straßenrand gestanden ist und so lange geschrien hat, bis Jesus mit ihm gesprochen und ihn geheilt hat. Oder als über seinem Kopf ein Dach abgedeckt wurde, weil vier Männer ihren gelähmten Freund zu ihm bringen wollten. Jesus hat immer neu auf jeden Menschen geschaut, der zu ihm kam. Ohne Berührungsängste und Sicherheitsabstand. Auch den einsamen, ausgegrenzten Mann, der auf einem Baum gesessen hat, um Jesus wenigstens kurz zu sehen, hat er nicht übersehen. Jesus hat ihm zugelächelt und ihn angesprochen. Am Ende haben sie sogar spontan miteinander gegessen. Menschen die Jesus getroffen haben, sind immer verändert aus diesen Begegnungen gegangen. Ich bin kein Superstar, auch nicht Jesus, aber auch mir fallen oft Menschen auf, die gestresst oder traurig aussehen. Oder die vielleicht einfach nur ein paar Sätze reden möchten und jemanden brauchen, der zuhört. Ich überwinde mich nur selten, Fremde anzusprechen. Wer weiß, was die von mir denken? Vielleicht ist es ihnen auch unangenehm, oder ich werde sie gar nicht mehr los. Aber es könnte doch auch sein, dass so ein Drei-Minuten-Gespräch im Bus, oder ein geschenkter Kaffee am Bahnhof einen Menschen verändert. Dass er sich darüber freut und es ein guter Morgen für ihn wird, weil ich mal keinen Abstand gehalten habe

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14642

In meinem Briefkasten lag neulich eine knallbunte Postkarte. Von einem Kind gemalt und in Krakelschrift geschrieben: Viel Geburtstag, zum Glück! Ich musste über diesen verdrehten Satz lachen. Kein Erwachsener würde einem so zum Geburtstag gratulieren. Erst recht nicht, wenn auf dem Kuchen mehr als 30 Kerzen brennen. Dabei wäre der Glückwunsch ja gerade dann angebracht. Für wieder ein Jahr mehr, das gelebt, geliebt und mit Leben gefüllt werden durfte. Viel Geburtstag zum Glück, danke Gott! Irgendwie hat das Älterwerden in unserer Kultur einen negativen Beigeschmack. Es ist eine peinliche Sache. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Lebenserwartung immer höher steigt. Die ersten Menschen wurden laut der Bibel noch steinalt. Irgendwann heißt es da, hat Gott das Alter der Menschen begrenzt. Gute Idee, finde ich. Trotzdem: Auch 80, 90 oder 100 Jahre sind ein Zeitraum, den ich nicht mehr überblicken kann. Mit jeder neuen Kerze auf dem Geburtstagskuchen frage ich mich: Habe ich im vergangenen Jahr die richtigen Entscheidungen getroffen? Habe ich was verpasst? Und wie kann es jetzt für mich weitergehen? Plötzlich, das hört man ja oft, bist du alt und grau, vielleicht auch allein oder krank. Und dann ist alles vorbei. Wie lange es diese Angst schon gibt, zeigt ein Psalm der Bibel. Da bittet ein Mensch: „Verwirf mich nicht, wenn ich alt und grau bin, verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden." Dieser Mensch sagt das zu Gott. Weil er wohl gespürt hat, dass Gott ihn schon immer begleitet. Und, weil er sich wünscht, dass das so bleibt. Graue Haare habe ich noch keine, aber ich kenne dieses gute Gefühl. Zu wissen, dass Gott mich im Blick hat. Meine Lebenszeit, meine Stolperfallen, aber auch den Sinn hinter allem, den ich manchmal nicht erkenne. Dafür danke ich meinem Gott nicht nur an meinem Geburtstag. Vielleicht haben Sie sogar heute Geburtstag. Dann gratuliere ich Ihnen erst recht: Gott ist mit Ihnen mittendrin, in diesem neuen Jahr. Sie dürfen es leben, lieben und mit Leben füllen. Viel Freude dabei und Herzlichen Glückwunsch!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14641

Es war an einem Tag wie heute. Ein 27. Januar. Es war kalt, draußen lag Schnee. An diesem 27. Januar 1945 haben Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Bis heute ist dieser Ort in Polen ein Symbol für Tod und menschliche Grausamkeit. 1,5 Millionen Menschen, so schätzt man, kamen in Auschwitz durch das Nazi-Regime ums Leben. Juden,  Behinderte, politische Häftlinge, Sinti und Roma. Zur Erinnerung an sie steht heute Holocaust-Gedenktag im Kalender. Obwohl viele Ältere nichts mehr davon hören wollen und die Mehrheit der Jungen findet, das man sie nach 68 Jahren nicht mehr mit den Fehlern ihrer Großeltern belästigen soll. Wir leben in einer neuen Zeit, das stimmt. Aber das Böse im Menschen, das Bedürfnis mächtig und wichtig zu sein, das wird nie verschwinden. Wir können es höchstens in Schach halten. Erinnerungen helfen dabei. Erinnerungen an Fehler, die wir nicht wiederholen wollen und die Erinnerung an die guten Seiten im Menschen. Deswegen erzähle ich Ihnen heute eine Geschichte, die Mut macht. Obwohl sie in Auschwitz passiert ist.
Gisela war damals 18 Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter ins Lager gekommen ist. Die beiden Frauen haben sich gegenseitig gestützt. Trotzdem ist Gisela immer mutloser geworden. Stundenlange Stehappelle, Schwerstarbeit, Hunger, Kälte und Schläge haben ihren Körper und ihren Willen geschwächt. In einem dieser dunklen Momente stand plötzlich eine deutsche Aufseherin vor ihr. Sie hat Gisela etwas zum Anziehen gebracht. Eine rosa Wolljacke! Ein Lichtblick. Gisela hat diese Jacke Tag und Nacht getragen. Obwohl sie schwer krank geworden ist, musste sie beim großen Evakuierungsmarsch zu Fuß mitgehen. Als sie partout nicht mehr weitergehen wollte, ist plötzlich ein junger, deutscher Soldat aufgetaucht. Er hat Giselas Mutter ins Gesicht gespuckt, sich später aber dafür entschuldigt. Und als er weg war, lag da plötzlich ein Brot. Gisela hat Auschwitz überlebt. Weil wenigstens zweimal das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft stärker waren als alle Ideologien und Vorschriften. Sogar größer als die Angst um das eigene Leben. Wir müssen uns nicht von dem Bösen in uns beherrschen lassen. Mir macht das Hoffnung.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14640

Den letzten weihnachtlichen Strohstern habe ich gestern noch in einer Ecke  entdeckt. Ab in die Kiste mit der Weihnachtsdekoration und Tschüß, bis nächstes Jahr! Nur was wäre eigentlich, wenn es ein nächstes Weihnachten gar nicht mehr geben würde? Für 2012 rechnen gleich mehrere Kulturen und religiöse Gruppen mit dem Weltuntergang. Am 21.12.2012 soll es soweit sein. Laut dem Kalender der Maya, den Vorhersagen von Nostradamus und anderen Propheten. Alles Spinner, sagen Sie vielleicht. Mich beunruhigt das schon ein bisschen. Denn auch die Bibel deutet immer wieder an, dass die Welt ein Ende haben wird. Zumindest so, wie wir sie heute kennen wird sie nicht für immer bleiben. Aber wann genau das Weltende sein wird, das steht dort nicht. Ein Glück! Stattdessen heißt es: „Seid jederzeit bereit! Denn der Menschensohn", also Jesus,  „wird zu einer Stunde kommen, wenn ihr es nicht erwartet." Nicht mal die Engel oder Jesus sollen diesen Zeitpunkt kennen, nur Gott allein. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Denn er ist fair. Gott lässt uns nicht ins Messer laufen, er schürt keine Panik. Gott setzt auf Klarheit. Er wünscht sich, dass wir heute so leben, als wäre es unser letzter Tag und gleichzeitig so, als würde diese Welt nie untergehen. Wer so denkt und plant, dem fällt es leichter Prioritäten zu setzen. Wüsste ich, dass morgen die Welt untergeht, ich würde heute sicher nicht meine Fenster putzen oder die Steuererklärung machen, sondern mich sofort bei einer Freundin entschuldigen. Diesen Anruf schiebe ich schon lange vor mir her. Ich würde meine Familie besuchen und viel Zeit mit ihr verbringen, statt den nächsten Urlaub zu planen. Meinem Partner würde ich nicht nur einmal sagen, dass ich ihn liebe. Ich hätte Geduld und Zeit für einen Wildfremden, der mich an der Bushaltestelle in ein Gespräch verwickelt. Ich würde lieber einen Großteil meiner Kleider an Menschen verschenken, die kaum etwas haben, statt mir das 15. Paar Schuhe zu kaufen. Es gäbe noch viel zu tun an so einem letzten Tag. Ich hoffe, es werden noch einige. Aber selbst wenn morgen Schluss wäre, mit dieser Welt. Bis dahin hilft mir dieser Gedanke, meine Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Und ich vermute genau das wünscht sich Gott von uns.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12330

Seit 38 Jahren kann der Mann schon nicht mehr gehen. Damit hat er sich abgefunden, es ist so. Kein Grund mehr, sich aufzuregen. Bis plötzlich dieser Mann vor ihm steht und zu ihm sagt: Steh auf, lass deinen Rollstuhl einfach mal stehen und geh ein paar Schritte! Wird er ihn ernst nehmen und wirklich probieren, aus dem Rollstuhl aufzustehen? Das Risiko sich zu blamieren ist groß.
Von einem solchen Menschen wird in der Bibel berichtet. Ganz kurz nur hat er Kontakt zu Jesus. Und der fordert ihn auf das zu tun, was er seit Jahrzehnten nicht mehr getan hat. Was er nicht tun konnte. Völlig absurd, eigentlich. Warum sollte man das probieren, was so lange unmöglich war? Nur, weil es Jesus ist? Die Enttäuschung, das Hinfallen wäre umso schlimmer.
Der Kranke versucht das Unmögliche trotzdem und oh Wunder: Er kann tatsächlich gehen! Hat Jesus da ein Wunder getan oder der Mann vorher nur nicht mehr bemerkt, dass er gar nicht mehr krank ist? Hätte er sich nur mehr anstrengen müssen? Jesus sagt nichts dazu.
Vielleicht, ist es für ihn auch gar nicht so entscheidend. Denn in erster Linie geht es hier gar nicht darum, dass ein Mensch gesund wird. Sondern um den Glauben daran, dass Veränderung möglich ist. Und das sogar nach 38 Jahren. Wer immer wieder gehört hat „Du bist zu dumm, aus dir wird nie was" oder „Wir wollten eigentlich einen Jungen und dann kamst du", der vergisst das nicht. Auch Worte verjähren nicht einfach. Sie bleiben und belasten uns wie ein alter Rollstuhl oder eine Krücke.
Ein Leben lang mit uns herumschleppen müssen wir sie trotzdem nicht. Wir können sie Jesus zeigen. Denn er interessiert sich vor allem für unsere Zukunft, für das, was noch kommen könnte. Und für das, was passieren muss, damit diese Zukunft möglich wird. Ein Aufbruch, eine Versöhnung, ein mutiger erster Schritt. Bei Jesus sind solche Veränderungen jederzeit möglich. Auch noch nach 80 Jahren. Alles, was ich dafür brauche ist Vertrauen und ein Moment, in dem ich bewusst den Kontakt zu ihm zu suche. Ob ganz leise und bescheiden oder verzweifelt und laut. Heute ist ein guter Tag um sich zu bewegen - auch wenn Sie das schon lange nicht mehr getan haben. Bitten Sie Jesus um die Kraft, einem alten Feind zu vergeben. Sie werden erleben, wie das befreit!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12329