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Du könntest mir ruhig mal helfen!" tönt es aus der Küche, während ich es mir gerade auf dem Sessel bequem gemacht habe. „Du könntest mir ruhig mal helfen" ist aus dem Keller zu hören, und es klingt schon ein bisschen hilfesuchend. Was tun? Ignorieren, und so tun, als habe man es nicht gehört? Oder doch nachgeben und das aufkommende schlechte Gewissen beruhigen? „Du könntest mir ruhig mal helfen!", das kann schon mal gewaltig stören und verlangt eine Entscheidung von mir. Was wäre, wenn nicht aus der Küche oder dem Keller, sondern aus dem Himmel zu hören wäre: „Du könntest mir ruhig mal helfen!" Zu ungewöhnlich, dieser Gedanke? Undenkbar? - Hat Gott denn unsere Hilfe überhaupt nötig? als Schöpfer und Herr der Welt? Eigentlich nicht, oder doch?! - Wie gesagt, so richtig vorstellen kann man sich das nicht. Aber, in der Bibel wird berichtet, dass Gott sehr oft, meistens sogar, durch Menschen redet und handelt. So kommt er den Menschen nahe, so wird er erfahrbar. Das fing schon sehr früh in der Geschichte an, wurde dann bei Jesus Christus besonders deutlich und setzte sich mit den ersten Christen fort bis heute. Die Propheten z.B. verkündeten den Willen Gottes und unterstrichen das häufig mit Zeichenhandlungen und ihrem Lebensstil. Andere wiederum taten, was Gott sagte, und so erlebten Menschen durch sie sehr direkt, wie Gott eingreift und handelt. Hätte Gott all das nicht auch ohne Beteiligung von Menschen geschafft? Sicher ja, aber wäre das dann so deutlich und einsichtig gewesen, wenn irgendetwas irgendwie geschieht, ohne dass jemand auf Gott als Urheber hinweist? Manchmal denke ich: „Da müsste Gott doch eingreifen; das geht so nicht weiter" Da wird z.B. mein Verhältnis zu einem bestimmten Menschen immer angespannter. Wir können fast nicht mehr miteinander. Ich wünsch mir so, dass Gott da eingreift und hilft. Und Gott sagt: „Du könntest mir ruhig mal helfen! Lad ihn doch mal ein; überrascht ihn mit einem Geschenk; interessier dich dafür, wie es ihm geht - und dann sieh, was geschieht. Ich bin dabei!" Gott wünscht sich Menschen, die sich ihm zur Verfügung stellen, damit er handeln kann. Bis heute ist das sein Anliegen. Darum erreicht Sie und mich auch dieser Zuruf: „Du könntest mir ruhig mal helfen!"

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Das darf doch nicht wahr sein!" - entweder, weil etwas passiert ist, was uns sehr verwundert; weil jemand sich so anders verhalten hat, als wir es erwartet haben; weil etwas anders eingetreten ist, als wir es gedacht haben. Wie dem auch sei: „Das darf doch nicht wahr sein!" Das haben Menschen in der Bibel auch gedacht. Besonders im Blick auf Jesus Christus war das öfters der Fall. Da hat er, anstatt den angesehenen Bürgern einer Stadt seine Aufwartung zu machen, lieber mit den sozial auffälligen gegessen und getrunken, „Tischgemeinschaft" gehabt. Da hat er, entgegen aller Konventionen und allseits anerkannter Gebote, getan, was er wollte und für richtig hielt. Da hat er sich, alle Regeln des Anstands missachtend, z. B. auch Aussätzigen, Leprakranken, zugewandt und körperlichen Kontakt gesucht. Da hat er, anstatt auf Fragen zu antworten, seine Gegenüber in Frage gestellt und damit zutiefst verunsichert. Das alles „darf doch nicht wahr sein!" Denn, wo kämen wir da hin, wenn sich keiner mehr an das halten würde, was gesellschaftlicher Konsens ist? Das Chaos wäre doch vorprogrammiert, oder?! „Das darf doch nicht wahr sein!" denn, sonst würde sich ja was ändern. Wenn Einzelne tun würden, was sie für richtig halten und ihrem Herzen folgen würden, dann kämen Vorurteile und übernommene Regeln ins Wanken. Aber wäre das so schlimm? Wie sonst könnten und würden sich Dinge verändern und weiterentwickeln?! Wie denn sonst könnte unsere Welt menschlicher werden? Ich würde gerne, wie Jesus, unabhängiger werden von den überkommenen Regeln, Maßstäben und Verhaltensweisen. Warum nicht einfach mal auf Menschen zugehen, die sonst gemieden werden, und Kontakt mit ihnen suchen? Warum nicht mal Menschen in meiner Umgebung ansprechen, fragen wie es ihnen geht oder wie ich ihnen helfen kann? Warum nicht einfach mal mit anpacken, wenn ich sehe, dass es der andere kaum schafft? Lesen Sie doch einfach mal in der Bibel nach, wie Jesus das gemacht hat damals. Mich fasziniert das. Wenn ich mir vorstelle, heute so „anders" zu sein wie er damals, dann merke ich auch: Dazu braucht es keine große Planung, keine ausgefeilten Programme. Eine Portion Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe genügt, und schon sieht die Welt ein klein bisschen anders aus. Und vielleicht bekäme dann der Ausspruch „Das darf doch nicht wahr sein!" irgendwann einmal diesen anderen, staunenden und anerkennenden Klang.

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Das ist wieder mal typisch"  - entfährt es mir hin und wieder: in bestimmten Situationen im Straßenverkehr, bei manchen Verhaltensweisen von Bekannten, beim Erleben bestimmter Berufsgruppen. „Das ist wieder mal typisch" - weil sich gewisse Vorurteile immer wieder bestätigen; zumindest scheint es so. Dies typische Verhalten kennzeichnet den anderen. Ich erkenne ihn als zu dieser oder jener Gruppe zugehörig. Das erleichtert, zugegeben, meine Sicht der Dinge. Ich brauch nicht mehr so genau hinschauen, schon gar nicht zu differenzieren. Ob das dann immer berechtigt ist, und ob der andere das auch so sieht, bleibt dahingestellt. Manche geben sich auch bewusst als zu einer Gruppe gehörig zu erkennen. Das fängt schon mit Äußerlichkeiten an, wie T-Shirt, Fan-Schal, Anzug oder Automarke - und das wird bestätigt und verstärkt durch bestimmtes Auftreten und Verhalten. Sofort wird erkennbar: der oder die gehört dazu! Gilt das auch für Christen? Sind sie von vorn herein als solche erkennbar? Ich wünsch mir das schon, dass auch hier durch Reden und Handeln deutlich wird: der oder die gehört dazu, weil sich zeigt: der lebt, was er glaubt; die orientiert sich an dem, was in der Bibel steht; der strahlt Hoffnung aus, weil er sein Leben in Gott verankert weiß. Ich fände es gut, wenn Glaube an Gott solch konkrete Auswirkungen haben würde, und nicht versteckt und im geheimen praktiziert würde. Dann könnte man nämlich zurückfragen, warum jemand so lebt. Dann könnte man sehen, was es bringt und welche Auswirkungen das hat, mit Gott zu leben. Dann wüsste man, wen man fragen kann, weil er eine Antwort weiß. Dann könnte man überlegen, ob man nicht auch dazugehören will, weil sich das als eine Möglichkeit fürs eigene Leben anbietet. In der Zeit der ersten christlichen Gemeinden war das der Fall. Da sprach sich herum, was Glauben ausmacht, weil man die Auswirkungen sah. Da half man sich gegenseitig, ließ keinen hängen, kümmerte sich um Nachbarn und setzte sich ein zum Wohl der Menschen. Das gab den Gemeinden ihre Ausstrahlungskraft und war anziehend. Da konnte man einfach „sehen" wer Christ war. Ich wünsch mir das für mich, dass man erkennt, dass ich Christ bin und als solcher lebe. „Das ist wieder mal typisch", soll auch für mein Leben gelten - und das nicht abwertend und abstoßend, sondern nachahmungswert.

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Nach Ostern gibt es eine neue Mitte. Die „neue Mitte" war, vor gar nicht so langer Zeit, als politisches Schlagwort in aller Munde. In der „Mitte" wollte man sich treffen und zueinander finden. Als „neue Mitte" sollte sie für viele anziehend sein. Wahrscheinlich ist mir deshalb dieser Begriff eingefallen, als ich an die Zeit nach Ostern dachte und an die Menschen, die Jesus damals nachfolgten. Die Jünger brauchten dringend so etwas wie eine „neue Mitte". Für sie war ja eine Welt zusammengebrochen. Sie hatten gehofft, dass mit Jesus alles anders werden würde. Mit ihm zusammen wollten sie in einer neu gestalteten Welt leben. Als seine engsten Mitarbeiter wollten sie hautnah und an entscheidenden Positionen dabei mitwirken. Alles hatte auch darauf hingedeutet: das, was Jesus sagte und tat; wie er von Gott und der Zukunft des Reiches Gottes redete; sein grandioser Einzug in Jerusalem mit der Erfüllung alter, prophetischer Vorhersagen; und vieles andere. Alles lief auf die Bestätigung ihrer Vorstellungen und Erwartungen hinaus. Und dann das: Jesus war gestorben, gewaltsam umgebracht, öffentlich am Kreuz hingerichtet worden. Aus der Traum! Auch für sie. Ihre Mitte war weg! Danach sitzen sie zusammen, versteckt in einem Hinterzimmer, und blasen Trübsinn. Sollten sie sich so getäuscht haben? Wie geht's jetzt weiter? Was soll nun werden? Und während sie so dasitzen und ihren Gedanken nachhängen, ist plötzlich Jesus da, wieder da, einfach so. Klar, dass sie das nicht wahr haben wollen, glauben können. Das gibt's doch nicht. Doch Jesus spricht sie an, so wie sie es kannten: „Friede sei mit euch!"  Ja, ich bin's. Ich bin auferstanden, ich lebe. Genauer heißt es in der Bibel: „Da trat Jesus in ihre Mitte und sprach". Er trat in die Mitte, die vorher wie eine große Leere erschien, nachdem er nicht mehr da war. Jesus füllt diese Mitte wieder aus, wird erneut ihr Mittelpunkt, ihr Zentrum. Damals änderte das die Lage, die Stimmung, das Leben. Was vorbei und hoffnungslos schien, hat sich grundlegend gewandelt. Es konnte weitergehen, Es gab wieder eine Perspektive. Wir leben heute, wie die Jünger damals auch, in der Zeit nach Ostern. Jesu lebt! Darum kann das, wenn wir wollen, auch für uns Grundlage des Lebens sein. Eine „neue Mitte" ist da und uns angeboten. Wir können uns darauf einlassen.

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Da hab ich mich wieder mal voll aufgeregt über ein unmögliches Verhalten eines anderen. „Wie kann man nur ..." und „Typisch ...!" Und während ich mich immer mehr reinsteigere, sagt mein Freund zu mir: „Nun komm mal wieder runter. Denk doch mal an letzte Woche. Du verhältst Dich doch auch nicht viel anders." - Ertappt, erwischt! Er hat recht. Wie peinlich.
Bei einer Begebenheit aus dem Alten Testament ist es ähnlich. Da ist der Prophet Nathan eines Tages zum König David gekommen. Er hat ihm von Gott her etwas mitzuteilen. Der Lebensstil des Königs ist zu rügen und nicht im Sinne Gottes. Besonders betrifft das seine Affäre mit einer verheirateten Frau. Doch, wie soll er's dem König sagen? Wie sagt man etwas, damit es ankommt und angenommen werden kann? Keine leichte Aufgabe.
So ging Nathan zum König und erzählte ihm eine Geschichte. Ein armer Mann hegt und pflegt sein ein und alles: ein einziges, kleines Schaf. Mehr hat er nicht. Daran hängt sein ganzes Herz. Und weil sein Nachbar, ein reicher Mann, Gäste bekommen hatte, und keines seiner eigenen vielen Schafe schlachten wollte, nahm er das Schaf des armen Mannes, um es seinen Gästen vorzusetzen. Welch ein Skandal, ohne Skrupel und Gewissensbisse; und anscheinend hat er auch noch das Recht auf seiner Seite.
Der König hört sich das alles an und er reagiert. Das Verhalten des reichen Mannes war so offensichtlich falsch und gemein, dass der König erbost ausrief: „Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod". So geht's nicht! Das muss geahndet werden. -
Nach dieser Erkenntnis kommt nun der entscheidende, folgenschwere Satz des Propheten: „Du bist der Mann!" - Du bist genauso wie dieser Mann, den Du eben zu Recht kritisiert und verurteilt hast. Da gehen David die Augen auf, und er erkennt sein eigenes Fehlverhalten und die Schwere seiner Schuld. „Du bist der Mann!" Und er bricht zusammen und weint.
Manchmal braucht's mehr als die nackten Fakten, um zur Einsicht zu kommen. Manchmal braucht es Menschen, die einen drauf hinweisen, die einem das sagen, u.z. so, dass wir's erkennen und annehmen können. Vielleicht hilft eine Geschichte dabei, ein Vergleich, ein Bild. So können Beide das Gesicht wahren, und es wird dennoch angesprochen.
Ich wünsche mir Mut und das nötige Fingerspitzengefühl, wenn ich andere auf etwas hinweisen muss - und genügend Selbsterkenntnis, wenn es um mein eigenes Fehlverhalten geht.

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„Was willst Du eigentlich?" - diese Frage, meist als Vorwurf gemeint, ist oftmals bei Auseinandersetzungen zu hören. „Was willst Du eigentlich?" - wenn ich das selbst immer so genau wüsste. Manchmal bin ich innerlich hin- und hergerissen und ohne konkreten Plan. Dabei ist es doch wichtig, zu wissen, was ich will; ja, es ist entscheidend für mein Leben. Wie sonst kann ich bewusst und zielgerichtet leben?!
Diese Frage „was willst Du" ist mir neulich wieder einmal beim Bibellesen begegnet. Da fragt Jesus einen Blinden, der zu ihm kommt, was er will. Eigenartig. Eigentlich müsste Jesus das doch wissen. Will er den Blinden etwa ärgern? Wie dem auch sei: der Blinde äußert seinen Wunsch, wieder sehen zu können. Und Jesus erfüllt ihm diesen Wunsch.
Aber warum, so frage ich mich, warum erst diese Rückfrage? Dann begegnet mir das wenige Tage später noch mal. Einen Mann, der 37 Jahre lang krank an einem Teich in Jerusalem liegt, fragt Jesus „Willst Du gesund werden?" - Was denn sonst, kommt es mir in den Sinn. Was denn sonst,  nach so vielen Jahren.
Und doch ist diese Rückfrage von Jesus eine Aufforderung an den Kranken, sich seiner Wünsche und Motive klar zu werden. Zu lange hat er sich mit seiner Krankheit arrangieren müssen, als dass er so plötzlich anders leben könnte. Er soll neu für sein Leben Verantwortung übernehmen. Und das ist gar nicht so einfach. 
So gesehen ist die Frage Jesu „was willst Du?" oder „willst Du (überhaupt/ wirklich) gesund werden?"; so gesehen ist diese Frage gar nicht so unsinnig oder ärgerlich, sondern sie ist nötig, sinnvoll und im positiven Sinne provozierend, herausfordernd.
Wenn Jesus mich so fragen würde „was willst Du", ich wüsste gar nicht so schnell eine Antwort. Natürlich wünsche ich mir, dass meine momentanen Aufgaben gelingen, dass alles klar geht, keine Schwierigkeiten auftreten usw., aber was ich wirklich will, darüber müsste ich erst noch mal gründlicher nachdenken. Aber es würde sich lohnen, besonders wenn Gott mich fragt, um mir etwas zu geben. Da antworten zu können würde entscheidend sein.
Vielleicht können Sie sich heute zwischendurch immer wieder mal diese Frage stellen: „Was will ich eigentlich?" - Ich will's versuchen!

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„Alles neu, macht der Mai" - Schön wär's! Was für die Natur durchaus gilt, sieht im Leben doch ganz anders aus. Da hängt es nicht von einem bestimmten Monat ab; und von alleine wird schon gar nicht alles neu.
Aber die Hoffnung, der Wunsch, ist schon da. Wäre das nicht schön, wenn es im Leben, wie in der Natur, von alleine wieder neu und grün und schön werden würde?! Aber Vieles bleibt so, wie es ist - es sei denn, wir ändern es.
Neu anfangen, das ist möglich. Es gibt diese 2. Chance im Leben, bei Gott sogar eine 3. und 4. Chance. Das macht ihn aus, dass seine Geduld nicht so leicht erschöpft ist. Er hat nicht so schnell die Nase voll von Menschen, die nicht alles schaffen, die auch mal daneben liegen und versagt haben. Er hat keine Freude am Scheitern - und schon gar keine Schadenfreude. Er zieht auch keinen Nutzen draus und wittert dabei eine eigene Chance.
Das unterscheidet ihn von uns, dass er einen anderen Blick, den Überblick, hat. Er glaubt an das Gute, auch im Menschen, weil er selbst es geschaffen hat. Was manchmal verschüttet ist soll freigelegt werden, notfalls in einem zweiten und dritten Anlauf.
In der Bibel wird häufig berichtet, dass Menschen nach einer Begegnung mit Jesus ihr Leben ganz neu und anders gelebt haben. Manchmal entlässt Jesus sein Gegenüber auch mit dem direkten Hinweis: „Sündige hinfort nicht mehr!" zu deutsch: Lebe in Zukunft anders als bisher. Setz Dir andere Ziele und neue Inhalte. Z.B.: Kümmere Dich nicht mehr nur um Dich und Deine Interessen, sondern achte auch auf den Anderen und sein Wohl. Biete ihm Deine Hilfe an, Deine Zeit, Deine Zuwendung. Du wirst sehn, dann ändert sich etwas; dann wird was neu.
  Vergebung ist so ein guter Neustart. Altes wird abgeschlossen, indem ich mich mit dem anderen, trotz unserer bisherigen Erfahrung miteinander, auf eine neue Ebene stelle. Dann versuchen wir es noch mal, nach Möglichkeit anders.
Ich bin froh, dass es das gibt und dass ich das schon erlebt habe. So ein Neuanfang ist befreiend, lässt förmlich aufatmen. Da kann dann tatsächlich Neues wachsen, nicht nur im Mai.
Könnte uns nicht die Natur daran erinnern, dem anderen diese 2. Chance zu gewähren, auch wenn es nicht immer leicht fällt. Aber was daraus Neues entstehen kann, das sehen wir, jetzt im Mai, an allen Ecken und Enden.

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Pfingsten, steht morgen und übermorgen auf dem Kalender.
Pfingsten? - „da war doch was?!" - Ich meine jetzt nicht die große Grillparty letztes Jahr oder den tollen Fahrradausflug. Das war auch an Pfingsten, aber ich frage nach dem Ursprung dieser Feiertage. „Da war doch was?!" - richtig, da war doch was, damals, in Jerusalem.
Pfingsten - vom Wort her heißt es ganz einfach „50 Tage nach Ostern" Ok, aber das hilft noch nicht viel weiter. Da muss doch noch mehr dahinter stecken. Und richtig, es gibt ein Ereignis, das sich mit Pfingsten verbindet, und das ist der Empfang des Heiligen Geistes. Auf Anhieb auch keine erhellende Antwort. Denn, was heißt das, Empfang des Heiligen Geistes, und was ist das, der Heilige Geist. Diese sehr abstrakte Aussage kann nur mit Bildern und Vergleichen erklärt werden, übrigens auch schon in der Bibel: von „Windstoß" und „Feuerzungen" wird da berichtet.
Noch besser lässt sich das aber an den Auswirkungen ablesen, die dieser „Empfang des Heiligen Geistes" hatte.
Wie war das damals? Die Jünger, also die Männer, die zu Lebzeiten Jesu mit ihm unterwegs waren, die Jünger hatten Angst bekommen. Nachdem Jesus gefangen genommen, gefoltert und gekreuzigt wurde, hatten sie Angst um ihr Leben. Warum sollte es ihnen jetzt nicht auch so ergehen? Also hatten sie sich zurückgezogen, versteckt. Erst mal abwarten, bis sich die Lage beruhigt hat.

Und in diese Situation hinein kam der Heilige Geist, die Kraft Gottes, und erfüllte sie mit neuem Mut. Sie gingen raus in die Öffentlichkeit und redeten wieder von Jesus. Aus ängstlichen und furchtsamen Jüngern wurden mutige und streitbare Zeugen Jesu. Welch eine Veränderung! Auswirkung des Heiligen Geistes.

Diese Veränderung, diese Neubelebung, kann sich auch in unserer Zeit ereignen. Der Heilige Geist wirkt auch heute noch, in dieser Weise und mit diesen Auswirkungen.
Wenn ich mal wieder mutlos bin, angesichts dessen, was sich ereignet oder gerade auch nicht ereignet, dann bitte ich um die erneute Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Und, das habe ich so erlebt, daraufhin ändert sich die Lage: ich bekomme z.B. eine neue Sicht der Dinge und erkenne Aspekte, die ich vorher nicht sah; oder ich gehe mit neuem Schwung an die Aufgaben, die anliegen, und kann auch länger durchhalten. So wird die Kraft Gottes für mich erlebbar. Mein Pfingsten.
Feiern Sie morgen doch auch mal so Pfingsten.

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„Da war doch was!?" - Ein bisschen mulmiges Gefühl kommt dann doch auf, so abends und allein im Haus. Hab ich nun was gehört oder nicht? Abwarten, weiterhören.
Manchmal bin ich mir ganz sicher, dass ich was gehört habe, und dann gehe ich nachschauen. Sicher ist sicher!
Eine Begebenheit in der Bibel finde ich interessant und spannend dazu. Ein junger Mann lebt bei einem alten Priester. Er macht dort quasi seine Ausbildung. Samuel, so heißt der junge Mann, lernt bei Eli, dem Priester, was so alles zu tun und zu bedenken ist beim Dienst für Gott. Eines Nachts wird Samuel wach, weil er was gehört hat. „Da war doch was!?" - Ja, ganz deutlich hat er seinen Namen gehört. Das kann nur Eli sein, der ihn da rief. Also, aufstehn und nichts wie rüber zu ihm, nachfragen was er will.
Doch der ist sehr erstaunt, dass der Junge zu ihm kommt. „Nein, ich hab Dich nicht gerufen." - Verwirrt geht Samuel wieder schlafen. "Soll ich mich so getäuscht haben?" Er liegt noch eine ganze Weile wach, schläft dann aber doch wieder ein.
Und, „Da war doch was!?" - Das gleiche Spiel. Diesmal ganz deutlich. Da ruft einer seinen Namen. Also wieder, nichts wir raus und rüber zu Eli. Aber der, so behauptet er zumindest, er habe ihn nicht gerufen. Er schickt ihn wieder zurück ins Bett. Das Ganze wiederholt sich dann ein drittes Mal.
Da dämmert es Eli. Das hat er auch schon mal erlebt. Es ist Gott, der da ruft. Deswegen, so jetzt der Ratschlag an Samuel, sollte er nun darauf achten und reagieren. „Rede Herr, dein Knecht hört", so soll er beim nächsten Mal antworten.
Und dann spricht Gott mit ihm, in der Stille der Nacht, und offenbart ihm seine Gedanken und beauftragt ihn mit einer Botschaft an Eli.
Zugegeben, so akustisch hörbar habe ich die Stimme Gottes noch nicht gehört. Aber dass Gott mich meint, mir was klarmachen will, Impulse gibt und auch Aufträge, das habe ich schon erlebt. Eine Idee z.B. kommt auf, die das Problem erhellt; ein Gedanke lässt mich nicht los, etwas zu sagen oder jemanden anzurufen. Das war und ist für mich „Reden Gottes". So „spricht" er, auch heutzutage noch.
„Da war doch was!?" - Ja, gehen Sie doch einfach mal darauf ein. Mal sehn, was sich ereignet.

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„Da war doch was?!" - Trotz Grübeln komme ich einfach nicht drauf. Meine Frau sagt: „das liegt am Alter", aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter.
„Da war doch was?!" - Es fällt mir partout nicht mehr ein. Hoffentlich war es nichts Wichtiges.
Ich nehme an Sie kennen das. Ärgern nützt jetzt auch nichts. Vielleicht oder hoffentlich fällt's mir noch rechtzeitig ein.
Manchmal ist es überhaupt gut, sich zu erinnern. Wertvolle Erfahrungen gehen sonst verloren. Da kommen wir in Situationen und wissen nicht mehr weiter. Wie war das noch mal? Da gab's doch eine Lösung, einen Ausweg.
Und da sind es, oftmals die Älteren, die sich erinnern und weiterhelfen können. Mancher Betrieb kann sich glücklich schätzen, wenn er noch solche Mitarbeiter hat, die sich erinnern können. Und auch im Bereich der Familie sind Erinnerungen wichtig und wertvoll. Bis hin zu größeren Gemeinschaften und Völkern können Erinnerungen helfen.
Beim Volk Israel im AT gab es Situationen, da erinnerte sich kaum einer mehr daran, was mal war. Entweder es ging gut und alles lief glatt, dann dachte keiner mehr an die Weisungen Gottes, die das Leben bisher ausmachten. Oder, die Stimmung war am Boden, nichts ging mehr. Woher kommt Hilfe? Keiner dachte da mehr an Gott.
„Da war doch was!?" - erinnern sich glücklicherweise einige noch. In ähnlichen Situationen hat Gott doch eingegriffen, war die Hinwendung zu ihm die Hilfe. Manchmal ist es auch Gott selbst, der sein Volk daran erinnert. Oftmals tut er das durch Propheten, die in seinem Namen auftreten.
„Kehrt um" sagt z.B. der Prophet Micha. „Hört auf, andere zu unterdrücken. Sorgt für Gerechtigkeit, gerade auch gegenüber Fremden und sozial Benachteiligten. Nutzt ihre Lage nicht aus. Zahlt gerechten Lohn und beutet die Arbeiter nicht aus. Denn das ist es, was Euch kaputt macht und an den Rand des Ruins treibt."
Klingt doch sehr aktuell. In den Phasen der Geschichte, in denen das Volk Israel auf solche Erinnerungen einging, wurde es besser und lief es gut.
„Da war doch was?!" - Ja, sagt Micha, und ich zitiere: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr bei dir sucht, nämlich: das Gebotene tun, Gemeinschaftssinn lieben, und aufmerksam mitgehen mit dem Gott, der dir deinen Weg bahnt." (Micha 6,8)

Daran gilt es sich zu erinnern, eventuell auch mit Hilfe von Menschen, die das wieder zur Sprache bringen.

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