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Das hatte ich bislang noch nie gesehen. Ich stand an einer Fußgängerampel, die nicht nur das vertraute rote bzw. grüne Männchen anzeigte, sondern bei Rot  zusätzlich einblendete, in wie viel Sekunden die Grünphase kommt. Damit uns  Wartenden die Zeit nicht zu lang wird und wir nicht bei Rot über die Straße laufen.
Ehrlich gesagt: mich ärgern ja diejenigen, die nicht warten können. Die einfach losgehen, obwohl Rot ist. Nicht nur, weil sie ein schlechtes Vorbild für Kinder abgeben, sondern weil sie das tun, was ich eigentlich selbst gern tun würde.
Warten kann sehr schwer werden. Weil es den Gang unterbricht,  zum Anhalten zwingt.

Das ist nicht nur an der Ampel der Fall.
Wenn mit einem Mal der Lebensrhythmus unterbrochen wird.
Durch eine schlimme Nachricht, durch ein trauriges Ereignis.
Warten, dass sich endlich Schlimmes zum Besseren verändert.
Dann wünschte man sich manchmal solch ein Zeichen wie an der Ampel. Das anzeigt, wie lange es noch dauert, bis endlich die Grünphase kommt
Anders klingt, was Friedrich Bodelschwingh einmal über das Warten gesagt hat: „Warten ist ein freudevolles Ding“. Dann nämlich, „wenn über ihm der Schein der Hoffnung liegt.“
Er nimmt damit eine Erfahrung auf, die Viele kennen. Warten ist nicht zwangsläufig vertane Zeit. Es kann sehr konstruktiv sein. Im Anhalten und Aushalten kann Neues wachsen, Entscheidungen können reifen, man kann gestärkt aus Krisen hervorgehen.
Bodelschwingh  meint allerdings mehr. Er spricht vom Glauben und vom Vertrauen in Gottes Liebe. Der „Schein der Hoffnung“ von dem er spricht, das ist die Liebe Gottes, in der er uns Menschen stehen sieht. Die Zusage eines Gottes, der sagt: ich begleite dich, ich halte mit dir aus – auch in schwersten Stunden.
Mit dieser Hoffnung ist Warten nicht nur Stillhalten und ungeduldiges Warten, bis es endlich weiter geht. Mit dieser Hoffnung kann Warten sogar Freude beinhalten. Vorfreude nämlich, dass der vor einem liegende Weg tatsächlich beschritten werden kann.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=16462

Uhren und Hähne,  die Kirchtürme zieren, gehören zum vertrauten Anblick in unseren Städten und Gemeinden. Ist man aber in Kassel unterwegs, sieht man im offenen Turm der Elisabethkirche ein anderes Motiv: Eine Weltkugel und darauf ein Mann stehend mit weit ausgebreiteten Armen:  Christus auf der Weltenkugel.
Aus der Kunstgeschichte ist das ein bekanntes Motiv -  hier ist es neu inszeniert. Denn dieser Christus ist nicht himmlisch weit weg, sondern irdisch nah. Als sei er gerade aus einer Sitzung ins Freie getreten. Als wolle er gleich in die Fußgängerzone gehen und bummeln. Mit schwarzer Hose und einfachem weißem Hemd. Ein Mann, wie er uns jederzeit auf der Straße begegnen könnte.
Stephan Balkenhol hat diese ungewöhnliche Skulptur geschaffen und hat sie anlässlich der Documenta 2012 der Kirchengemeinde geschenkt.
Mir gefällt sie. Weil der Segnende so menschlich ist, weil er einer ist, wie die anderen auch. Und die Hände sind weit ausgebreitet, als wolle er das Gute und den Segen allen Menschen geben.
Segen kommt von oben, so heißt es immer wieder. Und tatsächlich erzählt die Bibel so vom Segen. Als Geschenk Gottes. Als etwas, das ich nicht gemacht oder verdient habe, das mir in den Schoß gelegt wird. Als Schönes, manchmal als großes Glück.
Aber zugleich ist Segen irdisch und oft auch ganz unscheinbar. Segen ist menschlich. Segen erfahre ich, wenn Menschen mich freundlich ansprechen oder mir ein gutes Wort mit auf den Weg geben. Segen gebe ich weiter, wenn ich zuhöre und andere stärke. Segen nimmt so oft menschliche Gestalt an.
Dieser Christus in Kassel erinnert daran, dass der Himmel, von dem der Segen kommt, mit Jesus von Nazareth ein menschliches Gesicht bekommen hat. Und das ist nicht weit weg, oben über den Wolken, sondern ganz nah.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=16461

„Glück ist kein Zufall“, so lese ich bei Recherchen zum Thema „Glück“ im Internet. Dort finde ich auch Hinweise auf einen Glücksatlas, den die Post veröffentlicht hat. Er begründet unter anderem, warum die Hamburger glücklicher sind als die Bewohner von Essen. Dann ist da noch die das Schulfach „Glück“ – in dem Kinder zum glücklichen Leben erzogen werden. Und nun auch die Themenwoche in der ARD – zum Glück.
Zum Glück? Ich weiß es nicht.
Natürlich bin ich selbst gern glücklich und freue mich am Glück anderer. Was mich aber nervt sind Tipps und Ratgeber zum Glück, wie in einem Kochbuch: Man nehme, man tue, man beherzige und als Ergebnis kommt das Glück. Als wenn es so leicht wäre.
Da freue ich mich doch an der Bibel. Auch sie redet viel vom Glück, aber tut es ganz anders: Da kann ich lesen, dass der glücklich ist, der nach Gott fragt, der sich ihm anvertraut -  glücklich, wer sich in Gott geborgen weiß. Und was mich besonders freut: Glück wird niemals so verstanden, dass es in mir schlummern würde und ich es nur durch eine Aktion oder Aktivität erwecken müsste. Es ist außerhalb von mir, es ruht in Gott und kommt von ihm.
Das ist eine total andere Sichtweise. Nicht ich bin gefordert, für mein Glück zu sorgen. Sondern Gott ist es. - Und die Bibel erzählt auch immer wieder, warum er das ist und warum er das sein will.  Weil er ein liebender Gott ist, kein unbekanntes Schicksal. Eine Macht, die nicht nur weit weg und fremd ist, sondern Person, Gegenüber. - Ein Gott, der in dem Menschen Jesus von Nazareth sein freundliches Gesicht gezeigt hat.
„Glück ist kein Zufall!“ Das ist wohl war. Denn es ist Geschenk! Geschenk der Liebe Gottes. …. -  Was für ein Glück!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16460

Ganz werden - Elend wer rafft / halb nur wer hortet / ganz erst, wer teilt.
Mit wenigen Worten bringt der Dichter und Theologe Kurt Marti eine wichtige Lebensweisheit auf den Punkt.
Elend, wer nur rafft, wer nur haben und besitzen will und sich abschottet und in sich selbst verschließt.
Halb nur, wer hortet und meint, sich so seine Zukunft sichern zu können, dabei aber das Leben in der Gegenwart vergisst.
Ganz erst, wer teilt, wer das Leben anderer Menschen sieht und Not mit ihnen teilt.
Ganz werden da schwingt natürlich eine tiefe Sehnsucht mit. Wer tagtäglich an sich selbst die Zerrissenheit erlebt - von Ansprüchen und Erwartungen, von Wollen und Können, von Wunsch und Wirklichkeit, der sehnt sich danach, ganz zu sein, eins zu sein mit sich, dem lieben Gott und der ganzen Welt. Und wer sich selbstkritisch befragen lässt, wie sehr das eigene Leben diktiert wird von Wünschen und Konsum und wie wenig Zeit dann noch bleibt für's Teilen, für Gemeinschaft und die Möglichkeit, sich gegenseitig das Leben schön zu machen, der kennt die Sehnsucht ebenso.
Ganz werden ... das verbinde ich aber auch mit einer großen Hoffnung. Denn entscheidend, so lese ich es immer wieder in der Bibel, ist nicht, dass ich endlich alles unter einen Hut bekomme, dass ich Ansprüchen und Erwartungen gerecht werde und dann auch noch Zeit habe für Beziehungen und Menschen, und alles gelingt mir. Entscheidend ist, dass Gott derjenige ist, der nicht rafft und hortet, sondern Leben teilt. Er bleibt nicht bei sich selbst und schottet sich nicht ab, sondern fragt nach uns Menschen, mehr noch: Er kommt auf uns zu und sucht uns. Sie und mich.
Eine bemerkenswerte Hoffnung. Er kommt und teilt das Leben mit mir, nimmt Anteil an mir, an dem, was mich freut  und an dem, was mich traurig macht, an meinen Stärken und an meinen Schwächen. -  Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Das gilt auch für den Glauben.
Kurt Marti sagt: Ganz erst, wer teilt. Ich denke, er meint Gott. Aber sicher auch uns, die suchen und denen er entgegen kommt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14314

Oleg Popov gehört zu den ganz großen Clowns der Welt. Mit dem russischen Staatszirkus hat er Menschen in der ganzen Welt erreicht, Kleine und Große.
Einer seiner Auftritte beginnt im Dunkeln. Nur ein kleiner Lichtkegel in der Mitte der Manege. Oleg Popov tritt heran, einen kleinen Koffer in der Hand. Und macht es sich gemütlich. Setzt sich, nimmt eine Flasche aus der Tasche und räkelt sich im wärmenden Licht.
Doch plötzlich bewegt sich der Lichtkegel weg. Der Clown sitzt im Dunkeln und  beeilt sich zu folgen,  mit großen Schuhen und weitem Mantel, den Koffer in der Hand. Kaum hat er's sich im Licht wieder gemütlich gemacht, wandert dies weiter. Er hinterher. Und so wiederholt es sich. - Schließlich beginnt er, den Lichtkegel einzufangen, wie mit Handfeger und Kehrschaufel. Und schwupps, ist das Licht im Koffer.
Ich finde, dieser Auftritt passt gut in diese dunklen Tage Anfang Dezember. Wo die Sehnsucht nach Licht mit Händen zu greifen ist. Lichterketten, Kerzen, Leuchten. Wie viel Sehnsucht nach Licht und Wärme wird da spürbar. Wie Popov, der den lichtgefüllten Koffer fest in seine Arme schließt.
„Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben" - das schreibt der Apostel Paulus in einem seiner Briefe an Menschen, die sich auch nach Licht sehnen. Christus ist dieses Licht, sagt Paulus, ein Licht, das stärker ist als alles Dunkle. Er ist in die Welt gekommen, mehr noch, sein Licht leuchtet auf - bis heute in den Herzen. Als Lichtschein der Hoffnung und der Freude. Wenn Menschen merken, dass sie dem Licht nicht immer hinterher laufen müssen, sondern es sich gefallen lassen dürfen. Sich hineinstellen in das wärmende Licht seiner Liebe.
Nachdem Popov das Licht im Koffer eingefangen hat, ist es dunkel im Zirkuszelt, kein Licht mehr. - Doch mit  einem Mal wird es hell, denn mit großer Geste hat der Clown den Koffer geöffnet und wirft das Licht ins Zirkusrund. Keine Chance für die Dunkelheit. Paulus würde vermutlich sagen: so ist´s auch mit der Liebe Gottes. Wenn man sie großzügig austeilt, wird es ganz hell. Bei Popov im Zirkus, wie im Leben..

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14313

Na und? Haben Sie dran gedacht? Die Schuhe rauszustellen? Bzw. die rausgestellten Schuhe zu füllen!  ? - Ach, so. Das ist nichts für Sie! Das macht Ihre Frau! Bzw. die Kinder sind längst aus dem Haus.
Dann kennen Sie das gar nicht, was mir mal passiert ist. Dass ich nichts hatte, und am frühen Morgen ziemlich dumm da stand. Die anderen hatten nämlich doch was erwartet zum Nikolaustag und ihre Schuhe rausgestellt. Und in meiner Verlegenheit suchte ich schnell ein paar Mandarinen, Äpfel und Nüsse zusammen - was ich halt auf die Schnelle in Küche und Lagerraum finden konnte und füllte damit die Schuhe.
„Das hättest du dir auch schenken können!" hörte ich später.
Ja, besser wäre es gewesen. Das hätte ich mir schenken können.
Und vielleicht ist das, an einem Tag wie diesem, sowieso mal einer Überlegung wert: Sich das Schenken zu schenken. Zumindest, das, was nicht aus dem Herzen kommt, sondern nur als Pflicht erscheint.
„Ich müsste dringend mal die oder jenen besuchen", so schießt es mir manchmal durch den Kopf. Dabei habe ich genau den nicht für einen Besuch und mache ihn trotzdem. Hinterher habe ich mich schon öfter gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, zu Hause zu bleiben, so unaufmerksam und so unaufgeräumt wie ich war. Genauso könnte ich an das nicht ernst gemeinte Kompliment denken, an die vorgegaukelte Freundlichkeit, das vermeintlich klärende Gespräch mit dem rechthaberischen Unterton. Der vorwurfsvolle Blick. Die alte Rechnung, die nach langer Zeit beglichen werden soll.
Geschenke, die man sich getrost schenken kann, weil niemand sie braucht.
„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu", heißt es im Volksmund. Die Bibel wird konkreter: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!"
Das dürfte ja auch in unseren Geschenken zum Ausdruck kommen. Schenken so, wie Gott es meint. Tun, was er selbst nach den Worten der Bibel immer wieder tut: Freundlichkeit weitergeben, ein gutes Wort sagen, trösten und offen sein füreinander. Ja, so schenkt Gott - ohne Hintergedanken. Herzlich. Einfach, Einzig, weil er liebt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14312

Auf einem kunstgewerblichen Herbstmarkt fand ich eine liebevoll hergestellte Postkarte. Wenige Zeilen standen darauf, die aber waren wunderschön handgeschrieben:
Zeit des Friedens
Tage der Besinnung
Stunden der Freude
Minuten der Stille
Sekunden des Glücks
Augenblicke der Hoffnung
WEIHNACHTEN
Ich habe davor gestanden und überlegt, was damit gemeint sein könnte. Ich las die großartigen Worte der Sehnsucht, suchte aber nach einer Erklärung, warum die Zeiteinheiten immer kleiner abgestuft werden: Warum so weit gefasster Friede und so kurze Momente des Glücks, warum ganze Tage der Besinnung aber nur Augenblicke der Hoffnung?
Oder steckt vielleicht gar nichts dahinter? Ist die Rede von kürzer werdenden Phasen nichts weiter, als der Versuch, eine tiefe Sehnsucht in schöne Sprache zu kleiden?
Was aber ist der Wert schöner Sprache, wenn die Begriffe entleert sind, wenn Sehnsüchte angerissen werden, aber Antworten fehlen?
Warum denn Frieden? Warum denn Freude, Glück und Hoffnung?
Fehlen die Inhalte, mag die Verpackung zwar schönstes Kunstgewerbe sein, das Gesamte aber wird belanglos. Und Menschen, die Weihnachten nicht als Frieden, Glück und Hoffnung erleben können, weil ihre Umstände so sind, wie sie sind, - traurig, schmerzvoll oder entbehrungsreich - werden brüskiert und verletzt.
Genau das Gegenteil bedeutet aber Weihnachten und auch die Adventszeit, die wir gerade erleben: Im Ursprung geht es um Jesus Christus, der auf uns Menschen zukommt, und der sich selbst uns als Geschenk bringt. Er ist der Friede, Er ist das Glück, Er ist die Hoffnung. Erst wo Er Menschen anrührt, kann wirklich Weihnachten werden.
Mit Frieden, der nicht nur Stimmung ist, sondern Streit überwindet,
mit Besinnung, die sich mutig auch den Abgründen des Lebens stellt,
mit Glück, das sich in Gott geborgen weiß und zugleich die ganze Welt umarmen könnte,
Und mit Hoffnung, die so weit ist, dass sie Flügel verleiht.
In der Bibel klingt das so: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die im Finstern wandeln, scheint es hell."
Das sind mehr als schöne Worte. Diese Worte haben's in sich.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12104

An einem bitterkalten Tag drängten sich ein Rabbi und seine Schüler um ein Feuer. Einer der Schüler, Sprecher seines Meisters, sagte: Ich weiß genau, was an einem so eiskalten Tag wie heute zu tun ist.
Was - fragten die anderen?
Warm halten.  - Und wenn das nicht möglich ist. Weiß ich immer noch, was zu tun ist.
Was?
Frieren.
Die Geschichte stammt von Anthony de Mello, einem Jesuitenpriester, der über die Beschäftigung mit Theologie und Psychologie zu einem tiefgründigen und humorvollen Geschichtenerzähler wurde. Was in dieser Geschichte auf den ersten Blick altklug erscheint, erweist sich beim näheren Hinhören als sehr viel tiefgründiger, steckt voller Lebensweisheit  und Glaubenserfahrung. Ich weiß, was zu tun ist. Warm halten. Und wenn das nicht möglich ist: frieren.
Alles hat seine Zeit, so formulierte es die jüdische Tradition. Und meint damit: Es gibt unterschiedliche Zeiten und Lebensphasen, Zeiten zum Jubeln und zum Klagen, Zeiten zum Freuen und zum Weinen, zum Aufbauen und zum Warten. Alles hat seine Zeit und alles braucht auch seine Zeit.
Freilich. Daraus wird im Alten Testament keine Schicksalsergebenheit, die den Menschen zu Ohnmacht und Untätigkeit verdammt.
Vielmehr redet die Bibel so von der Zeit, dass diese von Gott her bestimmt wird. Jede Zeit hat ihre eigene Chance und Herausforderung.
Auch die Adventszeit ist besondere und gefüllte Zeit. Ich versuche, sie bewusst zu erleben und wach zu sein - für mich selbst, für Gott und für Menschen um mich herum. Als Zeit, die mir gegeben ist: das Leben wahrzunehmen - mit den Höhen, aber auch mit den Tiefen, mit Glanzpunkten und mit den dunklen Seiten. Und ich versuche, das das Richtige zu erkennen: z.B einem Menschen Wärme zu geben oder ihm zumindest zu helfen, die unausweichliche Kälte auszuhalten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12103

„Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. So pessimistisch bin ich nicht!" Der Satz stammt vom Künstler, Sänger und Kabarettisten Georg Kreisler. Er war bekannt für seine spitze Zunge und für seinen schwarzen Humor. „Die Gegenwart ist düster genug. - Bitte keine Verlängerung über den Tod hinaus!"
Da hat Kreisler natürlich recht: Wo wir anfangen, uns den Himmel vorzustellen, dort wird's schnell grausig. Ich denke nur an den Münchner im Himmel: dem kann ichs gut nachempfinden, dass er wieder raus will aus diesem Himmel, in dem er von morgens bis abends Halleluja brummeln muss. Oder die Vorstellung, dass ich im Himmel auch mit denen zusammen sein soll, denen ich hier auf Erden lieber aus dem Wege gehe. Nicht unbedingt begeisternd. Dann lieber mit Humor. Wie jener Pfarrer, der im Sterben, kurz vor seinem Tod mit seinem Bruder sprach, Es war ein ernstes Gespräch, über den nahen Tod und seine Unausweichlichkeit. Sagt der Sterbende plötzlich: „Weißt Du, worauf ich mich am meisten freue? -  Auf's Rauchen. Wenn ich im Himmel ankomme, da werde ich als Erstes wieder eine rauchen!"
Bilder vom Himmel entziehen sich unserer Vorstellungskraft. -
Doch - ohne Bilder verblasst die Hoffnung zu einem ungewissen Etwas: „Man weiß ja nichts!"
Und gleichzeitig wird - wo Bilder der Hoffnung fehlen -  auch der Tod zu einem ungewissen Etwas, das sich wie ein Nichts, oder auch wie ein undurchdringlicher Nebel über die Zukunft des Menschen legt. - unheimlich, irgendwie auch deprimierend.
Anders die Bibel. Sie erzählt ohne Scheu in schönsten Bildern von der kommenden Welt. Zum Beispiel von dem Gott, der tröstlich nahe bei den Menschen ist.
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Darum: Anders als Georg Kreisler schließe ich mich gern der Hoffnung der Bibel an. Ich glaube an das Leben nach dem Tod, so optimistisch bin ich dann doch - um Gottes willen. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12102

Eine chinesische Parabel erzählt von einem Brautpaar, das viele Gäste zur Hochzeit einladen wollte, aber selbst zu arm war, sie alle zu bewirten. So teilten sie in der Einladung mit, es solle ein Fest des Teilens werden. Jeder möge bitte eine Flasche Wein mitbringen. Am Eingang des Festsaals werde ein Fass stehen, in das jeder seine Flasche leeren könne. So werde es trotz Armut ein fröhliches Fest werden. Jeder würde die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen feiern können. -
Viele folgten der Einladung in der Erwartung eines besonderen Festes. Doch welch ein Erschrecken, als sie nach dem Eröffnungstoast den ersten Schluck tranken. Es war pures Wasser in den Gläsern.

Das ist eine Geschichte mit einer schlichten, aber klaren Moral: Teilen macht das Leben reich. Wer knausert, lebt nicht nur auf Kosten anderer, er kann sogar ein ganzes Fest vermasseln.
Eine einsichtige Moral, die allerdings an die Grenzen stößt. Denn Nehmen liegt uns offensichtlich immer wieder näher als das Geben. Die Sorge, womöglich den Kürzeren zu ziehen und die Versuchung, dann doch lieber das Beste für sich selbst aus einer Sache zu ziehen, sind meist stärker als die Bereitschaft abzugeben und mit anderen zu teilen.

Auch das Neue Testament erzählt von einer Hochzeit mit Wasser und Wein. Auch dort ist es eine Geschichte des Teilens. Doch wie anders, denn dort gibt es Wein. Reichlich ist er schon geflossen, ein großes Fest. - Doch nun sind die Vorräte erschöpft.
Jesus ist Gast bei diesem Fest. Er geht hin und weist die Diener an, mehrere große Amphoren mit Wasser zu füllen. Und als die Gläser gefüllt werden, ist es Wein. Ausgezeichneter Wein!

Eine wunderbare - ich gebe zu - kaum zu fassende Geschichte. Das Bemerkenswerte: Sie steht am Anfang des Wirkens Jesu. Wie eine Überschrift also: Jesus Christus ist da. Er teilt sein Leben mit uns. So gelingt das Fest des Lebens.

Am Anfang steht damit nicht die Moral, sondern das Geschenk: Wein die Fülle, Gottes Liebe im Übermaß. Zeit zum Feiern, Zeit fröhlich zu sein. - Keiner muss ängstlich horten oder knauserig klammern! Alle dürfen sich an seiner Liebe freuen. –

Ich finde, das sind beste Voraussetzungen für ein gemeinsames Fest.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7663