Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Der alte Herr lebte völlig zurückgezogen. Notdürftig versorgte er sich mit dem Wichtigsten, was er zum Leben brauchte. Es war höchste Zeit, dass für Herrn Naumann in unserem Altenzentrum ein Zimmer frei wurde. Der scheue alte Mann wagte sich am Anfang nicht einmal aus seinem Zimmer heraus. Erst nach Tagen öffnete er seine Tür einen Spalt breit. Erst viel später lief er auch einmal auf den Flur hinaus, und am Heiligabend saß er dann mitten unter den anderen Bewohnern im Ge-meinschaftsraum. Bei den altbekannten Liedern bewegten sich seine Lippen. Die kannte er noch, die waren ihm vertraut. Die biblischen Botschaften bei den Andachten nahm er gerne auf, wie zum Bei-spiel die Zusage Gottes: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jes. 46,4). Viele stellten später fest: „Herr Naumann ist hier im Haus noch einmal richtig aufgeblüht.“

Die Altenhilfe innerhalb der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde hat eine lange Tradition. Ausgerechnet während der Inflationszeit in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde das erste Altenheim in Korntal erbaut. Die Zeiten damals erinnern ein wenig an heute. Viele alleinste-hende Frauen waren zu Hause geblieben, um ihre alten Eltern zu versorgen. Für ihr eigenes Alter hatten sie mit sogenannten „Reichsschatzanweisungen vorgesorgt“. Doch durch die Inflation waren über Nacht alle Ersparnisse dahin. Die „Haustöchter“ von damals wurden bettelarm. Aus dieser Not heraus handelten die Christen in Korntal. Sie wollten den verarmten Frauen am Ort ein Zu Hause bieten. Ganz gegen den Trend der Zeit schufen sie Werte, wo alles wertlos geworden war. Beim Bau des neuen Altenheims in Korntal reihte sich ein Wunder ans andere. Das Baugrundstück wurde von Korntaler Bürgern gespendet und selbst aus Amerika kamen großzügige Spenden. Mit den US Dol-lars konnte auch während der zunehmenden Geldentwertung sicher bezahlt werden.

Wert schaffen, wenn alles wertlos wird! Gegen den Werteverfall motiviert Gott Menschen dazu, Wer-te zu schaffen.

Sicherlich ist nicht jeder berufen, ein Altenheim zu bauen. Aber auch uns gilt die gute Nachricht, die den alten Herrn Naumann aufleben ließ: „Ich bin wertvoll!“ Und auch wir können langsam die Tür öffnen und Menschen begegnen, für die wir wertvoll sind.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5288
Im Zug, unterwegs zum Orientierungsjahr nach Korntal hat Patrick aus Chemnitz noch seinen letz-ten Joint geraucht. Er war auch sonst extrem drauf und hat alles Mögliche ausprobiert. Eine Zeit lang trug er auch Röcke. Doch in diesem Jahr, in der Lebensgemeinschaft mit jungen Christen hat sich das Leben von Patrick völlig verändert. Er nahm nicht nur Abstand von Drogen. Ihm gelang es auch in vielen anderen Bereichen, sein Leben auf die Reihe zu bringen. Inzwischen hat er seinen Be-ruf gefunden und sogar geheiratet.

Madeleine aus Aalen sagt im Rückblick: „Das Orientierungsjahr muss man einfach erlebt haben. In weniger als 10 Monaten hab ich wahnsinnig viel über Gottes Wort erfahren. Trockener Stoff? Nee, lebensnahe Themen wurden angeschnitten, es wurde diskutiert, und es gab immer was in die Praxis umzusetzen. Das Orientierungsjahr hat mir aber auch viel Mut für die Zukunft gegeben, über den Tellerrand zu schauen und der Berufswelt entgegenzugehen.“

Und Anna aus Springe ergänzt: „Für mich war das Orientierungsjahr das coolste Jahr in meinem Le-ben: Ich durfte erfahren, was es heißt eine Familie in Gott zu haben, die mich so annimmt wie ich bin! Und ich durfte von Hochs und Tiefs lernen, was es heißt Gott arbeiten zu lassen und was es heißt zu vergeben.“

Vor sechs Jahren entstand in Korntal das Orientierungsjahr für Jugendliche. Junge Menschen aus ganz Deutschland leben in Wohngemeinschaften zusammen. Sie nehmen am Unterricht über bibli-sche Themen und praktischen Lebensfragen teil. Und – sie können unter über 100 Partnerbetrieben wählen, insgesamt vier Berufspraktika zu durchlaufen. Dirk Dühring, der Leiter der Initiative be-schreibt das Ziel des Orientierungsjahres so: „Ich möchte mit jungen Menschen ihre berufliche und die sonstige Zukunft entdecken, aber auch die Aktualität des christlichen Glaubens.“ Das Orientie-rungsjahr knüpft an dem Versprechen Gottes an: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ (Ps. 32,8).

Die tägliche Orientierung an Gott und der Bibel ist mir persönlich sehr wichtig. Gott hat mich ge-schaffen. Er kennt mich und hat ein Ziel für mein Leben. Darum hat er auch den Überblick, mir die nächsten Schritte zu zeigen, die ich gehen kann.

Vielleicht hat nicht jeder unbedingt ein ganzes Jahr Zeit, um neue Orientierung für sein Leben zu finden. Dennoch empfehle ich aus guter Erfahrung, sich heute an dem zu orientieren, der die Koor-dinaten unseres Lebens kennt und uns führen will.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5287
Salima hat eine heftige Kindheit hinter sich. Das Jugendamt sorgte schon früh dafür, dass sie in eine Jugendhilfeeinrichtung nach Korntal kam. Die junge Muslima erfährt in Korntal zum ersten Mal in ih-rem Leben echte Zuwendung, Fürsorge und Liebe. Sie hört in der christlichen Einrichtung von Jesus und öffnet sich für den christlichen Glauben. Später nimmt Salima wieder Kontakt mit ihrer Mutter auf. Aber sie stößt sie erneut auf tiefe Ablehnung. Welch eine Enttäuschung. Doch sie erlebt auch Ermutigung durch den Glauben. Auf dem Weg zur S-Bahn schiebt ein Reisender das Fenster seines Zugabteils herunter und ruft hinter Salima her: „Jesus liebt dich. Vergiss es nicht, Jesus liebt dich. Er will, dass du für ihn lebst.“ Für Salima war dieses Erlebnis eine innere Bestätigung: „Ich bin ge-liebt, ich bin gewollt, mein Leben hat Sinn, auch wenn mich meine eigene Mutter zutiefst ablehnt. Im Rückblick sagt sie heute: „Ohne die Erzieherinnen und Schwestern im Flattichhaus hätte ich Je-sus nie kennen gelernt. Ich hätte niemals die Kraft bekommen und den Halt, den ich heute habe.“

Kinder wie Salima werden in der Diakonie der Evang. Brüdergemeinde seit über 185 Jahren beglei-tet. Interessant ist es, wie es zu den Jugendhilfeeinrichtungen in Korntal kam. In den Anfangsjahren dieser pietistischen Gemeindegründung saß der Gemeindeleiter Gottlieb Wilhelm Hoffman mit eini-gen Leuten im Gemeindegasthaus zusammen, als eines der vielen Straßenkinder jener Zeit herein-kam, um zu betteln. Hoffmann sagte: „Wenn ich ein vermögender Mann wäre, würde ich ein Haus für solche verwahrloste Kinder bauen, wo sie ein Zuhause fänden. Denn Jesus hat ja gesagt: ‚Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf‘ (Mt. 18,5).“ Jetzt wandte sich der Kutscher am Nebentisch an Hoffmann und sagte: „Hier haben sie ein 24 Kreuzerstück. Lassen Sie den Gedanken nicht fahren, ein Haus für verwahrloste Kinder zu bauen.“

Das war der Anfang der ersten „Kinderrettungsanstalt“, wie man damals sagte. Verbunden mit gro-ßen finanziellen Risiken aber im tiefen Glauben an Christus ging Hoffmann ans Werk und baute ein Haus für die Straßenkinder seiner Zeit.

Es muss kein Kind sein, das heute an meine Tür klopft. Aber bestimmt werde ich auch heute Men-schen begegnen, die Gott mir in den Weg stellt, die mich und meine Zuwendung brauchen. Ich wün-sche uns allen einen Tag mit hilf - reichen Begegnungen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5286
„Gott kennen ist Leben“, hat der russische Dichter Leo Tolstoi einmal gesagt. Wer leben will, muss Gott kennen lernen. Durch das Bibelwort des Tages möchte ich Ihnen eine bestimmte Seite Gottes etwas näher vorstellen. Im 3. Buch Mose Kapitel 19 wird deutlich gemacht, dass Gott gerecht ist: „Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen“ (3. Mo. 19,15).
Herrnhuter Losung für 12.11.2008

Die Maßstäbe die wir setzen und die Art, wie wir einander begegnen, sind sehr unterschiedlich. Oft entscheiden bei der ersten Begegnung mit einem Menschen wenige Sekunden über die Einschätzung des anderen. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle: Sympathie und Antipathie, Macht und Einfluss, Intelligenz und Überzeugungskraft, Aussehen und Kleidung.

In der Heiligen Schrift werden zwei Extreme gegenübergestellt: Es kann sein, dass der Geringe dem Höhergestellten vorgezogen wird. Häufiger kommt sicherlich das andere vor, dass der Große und Einflussreiche begünstigt wird. Aus den beiden Extrempositionen haben sich ganze Gesellschaftssys-teme entwickelt. Im Marxismus werden die Geringen vorgezogen. Das Ideal ist die Herrschaft des Proletariats. Der Kapitalismus hat die Tendenz, dass die Großen begünstigt werden.

Anders ist es bei Gott. Gott ist gerecht. Er macht keine Unterschiede. Er ist der Schöpfer. Er hat alle Menschen erdacht, gemacht und gewollt. Alle wurden als sein Ebenbild erschaffen. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Noch mehr: Von Gott werden alle Menschen geliebt. Damit die Verbindung des fehlerhaften und schuldbeladenen Menschen mit dem Schöpfer der Welt wieder möglich ist, hat Gott seinen Sohn geopfert. Johannes sagt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3,16).

Die Gerechtigkeit Gottes stellt unsere Beziehungen auf eine neue Basis. Sehen Sie heute die Men-schen, die Ihnen begegnen und mit denen Sie zu tun haben, einmal mit anderen Augen an. Sehen Sie in ihnen Menschen, die Gott geschaffen hat und die von ihm geliebt werden. Versuchen Sie dem anderen auf Augenhöhe zu begegnen. Sie werden dann in Ihrem Urteil den Geringen nicht vorzie-hen, aber auch den Großen nicht begünstigen. Sie werden sich in Ihrem Verantwortungsbereich für Gerechtigkeit einsetzen. Und ich bin ich bin sicher, dass sich dann auch manche Beziehung erneuern lässt. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4835
„Gott kennen ist Leben“, hat der russische Dichter Leo Tolstoi einmal gesagt. Wer leben will, muss Gott kennen lernen. Durch das Bibelwort des Tages möchte ich Ihnen eine bestimmte Seite Gottes etwas näher vorstellen. Gott ist vertrauenswürdig. In Psalm 2 steht: „Wohl allen, die auf ihn trauen“ (Ps. 2,12)!
Herrnhuter Losung für 11.11.2008

Zum unverzichtbaren Programm unserer Konfirmandenfreizeiten in Korntal gehört auch die Moor-wanderung durch das Pfrunger Ried bei Wilhelmsdorf. Mit dem Kompass geht es quer durch das Ried. Dabei müssen auch verschiedene Wassergräben auf wackeligen und halbmorschen Baum-stämmen überquert werden. Ab und zu geht es durch das Dickicht des dichten Nadelwaldes und immer wieder besteht die Gefahr, in eines der Moorlöcher zu treten und manchmal bis zur Hüfte ein-zusinken. Beim Abenteuerweg durch das Moor ist Vertrauen angesagt. Die Konfirmanden müssen ih-rem Pfarrer vertrauen, dass er sie wohlbehalten durch die Wildnis führt. Sie müssen auch einander vertrauen und einander helfen. Zum Beispiel beim Balancieren über einen Baumstamm, beim Sprung über ein Moorloch oder beim Klettern über umgestürzte Bäume. Trotz allem kommt es im-mer wieder vor, dass einer der Konfirmanden im Wassergraben oder im Moorloch landet, weil die helfende Hand des anderen zu kurz war oder jeder zu sehr mit dem eigenen Weiterkommen be-schäftigt ist.

Ich musste denken: Wie gut ist es im Leben, wenn ich mich nicht nur auf Menschen verlassen muss. Auf Menschen vertrauen ist gut, auf Gott vertrauen ist besser.

Gott hat eine starke Hand. Im 95. Psalm wird von ihm gesagt: „In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein“ (Ps. 95,4). Weil er alles geschaffen hat und weil er alles am Leben erhält, hat er auch alles im Griff. Auch Sie kann er halten, damit Sie nicht abrutschen und absinken und am Ende sogar im Morast versinken. Und dass keiner sich wie Münchhausen an seinen eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf ziehen kann, dürfte ja wohl klar sein.

Gott lädt uns ein, ihm zu trauen und zu vertrauen. Er reicht mir die Hand und lässt mich nicht los. Er hilft mir über Hindernisse hinweg. Er führt mich auf dem rechten Weg. Er wurde begreiflich und fassbar in seinem Sohn Jesus Christus.

Ich möchte Ihnen Mut machen, in die starke Hand Gottes einzuschlagen. Reden Sie mit dem Herrn der Welt im Gebet. „Wohl allen, die auf ihn trauen.“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=4834
„Gott kennen ist Leben“, hat der russische Dichter Leo Tolstoi einmal gesagt. Wer leben will, muss Gott kennen lernen. Durch das Bibelwort des Tages möchte ich Ihnen eine bestimmte Seite Gottes etwas näher vorstellen. Der Prophet Joel schreibt im zweiten Kapitel: „Der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen“ (Joel 2,11-12).
Herrnhuter Losung für 10.11.2008

Tsunami, Hungersnöte, Finanzkrise, Börsen-Crash. Immer mehr apokalyptische Zeichen zeigen sich wie dunkle Gewitterwolken am Horizont. Wir spüren, dass sich etwas Unheilvolles zusammenbraut. „Wer rettet die Welt?“ fragt deshalb in diesen Tagen ein namhaftes Wirtschaftsmagazin auf der Titel-seite.

Viele apokalyptische Zeichen, die schon in der Bibel beschrieben werden, sind heute durchaus vor-stellbar und rücken greifbar nahe: Kriege, Hungersnöte, Seuchen, Inflation und Erdbeben. Aber auch die Einführung von Personenkennzahlen für ein weltweites Zahlungs- und Überwachungssystem. Und ebenso das Aufkommen des „großen Tieres“ mit seiner Kennzahl 666, auch „Antichrist“ ge-nannt, das mit seinem System die ganze Welt regiert.

Die Heilige Schrift spricht davon, dass einmal der große Tag kommt, an dem sich alles ändern wird. Dieser „Tag des Herrn“ ist die Zeit, in der Jesus Christus wiederkommt. Die apokalyptischen Zeichen am Welthorizont sind nur Vorzeichen für den Tag des Herrn, der kommen wird. Sie sind die Zeichen, die eine neue Zeit ankündigen. Wenn Jesus Christus wiederkommt, wird aufgeräumt. Er stürzt die Tyrannen vom Thron, macht den Kriegen ein Ende, hält Gericht, beseitigt alle Ungerechtigkeit und richtet seine Herrschaft auf.

Der Tag des Herrn wird ein Tag der Scheidung sein. Für die, die Jesus Christus kennen und lieben ist der Tag des Herrn die Stunde der Befreiung. Für die anderen jedoch die Stunde der Wahrheit. Für die einen die Erfüllung ihrer Hoffnungen, für die anderen die Zerstörung ihrer Illusionen. Weil der Tag des Herrn ein Tag der Scheidung ist, muss eine Entscheidung fallen, bevor es zu spät ist. Der Prophet sagt: Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen“

„Bekehrung“ meint Abkehr vom Bisherigen, Umkehr und Hinkehr zu Jesus, dem Retter der Welt. Wer den kennt, der kommt, kann sich freuen und gelassen in die Zukunft blicken. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4833
Es war beim Vorbereitungsgespräch der Taufe für den neugeborenen Sprössling der Familie. Der junge Vater von drei Kindern erzählte mir bei dieser Gelegenheit auch von der Geburt seines ersten Kindes vor einigen Jahren. Die Nachricht die ihn damals erreichte, beschäftigt ihn und seine Frau bis heute. Bereits einen Tag nach der Geburt starb damals das erstgeborene Kind völlig überraschend und aus ganz unerklärlichen Gründen. Und dann erzählte mir der Vater weiter: „Als ich diese schreckliche Nachricht bekam, informierte ich sofort unsere Freunde: ‚Betet für uns. Wir sind in gro-ßer Not. Wir brauchen dringend eure Gebetsunterstützung.’ - Anschließend fuhr ich ins Krankenhaus zu meiner Frau.“
Nun erzählten die beiden Eltern von den Erfahrungen, die sie damals mit der Fürbitte ihrer Freunde gemacht hatten: „Es war alles ganz schrecklich. Aber dennoch fühlten wir uns wie beim Fallschirm-springen im Flugzeug. Wir mussten springen. Es blieb uns nichts anderes übrig. Wir fielen zuerst einmal ins Bodenlose. Aber dann haben wir erlebt, wie der Fallschirm sich öffnete. Wir fühlten uns auf einmal getragen und wussten: Das sind die Gebete der anderen. Die tiefe Geborgenheit, die wir spürten, hielt an. Auch später blieb die tiefe Krise aus.“
Was für eine starke Erfahrung in Verbindung mit der Fürbitte anderer! Das Gebet als Fallschirm, der aufgeht. Die Erfahrung, dass das Gebet anderer durchträgt. Vielleicht gerade dann, wenn man selbst nicht mehr beten kann.
Dieser Bericht hat mich ermutigt, vermehrt für andere zu beten. Ich habe für jeden Tag eine Liste mit Namen von Menschen, für die ich regelmäßig bete. Darunter ist meine Familie. Ich bete aber auch für Kranke oder für Menschen, die in Not sind. Und es sind auch solche darunter, die selbst nicht beten können, weil sie noch nicht an den Gott glauben, der ansprechbar ist und Gebete erhört. Auch Sie, lieber Hörer, stehen heute auf meiner Liste. Ich bete dafür, dass der Geist Gottes Sie er-mutigt, von Gott Hilfe zu erwarten.
Die Fürbitte ist ein unterstützender Dienst für andere. Wie oft habe ich schon diesen Dienst angebo-ten: Bei Geburtstagsbesuchen, im Krankenzimmer, vor Ort oder aber auch am Telefon: „Darf ich noch für Sie beten“. Nur selten wurde dieses Angebot abgelehnt. Haben Sie auch jemand, der für sie betet? Und gibt es jemand, für den Sie beten?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=858
Beim Kurzurlaub im Feriendorf Anfang des Jahres, hatten wir auch einen Kegelabend geplant. Unse-re Vierjährige, die davon hörte, wollte natürlich auch mitkegeln. Und wir fanden schließlich auch ei-nen Weg, wie wir ihr diesen Wunsch erfüllen konnten. Ich nahm eine Kugel, stellte die Kleine vor mich hin und legte ihre Hand in meine. Gemeinsam holten wir aus und brachten die Kugel auf den Weg. Aber im Grunde war ich es allein, der die Kugel schob. Nach jedem Wurf sprang Naemi in die Höhe und rief: „Ich habe vier Kegel umgeworfen. - Jetzt sind es sechs, die umgefallen sind. Spitze!“ Am Ende war es sogar sie, die ihren Sieg über die anderen feiern konnte.
An diesem Abend musste ich noch über den Kegelabend nachdenken. Ich überlegte: „Ist es denn bei mir nicht ganz ähnlich? Ich habe einen himmlischen Vater im Hintergrund, der für mich die Kugeln schiebt. Das vergesse ich immer wieder. Wenn etwas gelingt, dann bilde ich mir ein, dass ich es war, der gewonnen hat. Aber dann wird mir bewusst: In Wirklichkeit stand er doch dahinter. Meine Hand lag in der seinen.
Und dann denke ich daran, was er versprochen hat. Durch die Heilige Schrift lässt er mir sagen: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir“ (Jes. 41,13).
Und weil ich das weiß, rede ich mit ihm im Gebet. Ich erwarte alles von ihm und erbitte alles von ihm. Aus dem Selbstgespräch meines Herzens wird ein Zwiegespräch mit ihm. Ich bin mit ihm stän-dig im Gespräch. Ich bespreche alles mit Gott, alle kleinen und großen Dinge, die mich bewegen.
Im Hauskreis erzählte ich einmal davon, dass ich Gott sogar um einen Parkplatz bitte, wenn ich mit dem Auto in die Stadt fahre. Eine Teilnehmerin meinte: „Man kann doch Gott nicht mit solchen Din-gen belästigen. Er hat doch anderes zu tun, als sich um einen freien Parkplatz zu kümmern.“ Ich entgegnete: „Doch, unser Gott interessiert sich für alles. Er will mitten in meinem Leben bei mir sein. Es gibt nichts, was für ihn zu klein und zu belanglos wäre. Es gibt aber auch nichts, was ihm zu groß und zu schwer sein würde.“
Fangen Sie an, mit ihm zu reden. Nehme Sie seine große starke Hand in Anspruch und legen Sie einfach ihre Hand in seine große Hand – so wie meine kleine Tochter beim Kegeln.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=857
Zu unserer Gemeinde gehört auch ein traditionsreiches Hotel mit verschiedenen Gasträumen. Im großen Jugendstilfestsaal ist vorne über der Bühne in großen Lettern zu lesen: „Saget Dank allezeit und für alles“. Die Menschen, die hier seit Generationen ihre Feste feiern haben dieses Bibelwort ständig vor Augen.
Stellen Sie sich eine Hochzeit vor! Die lange Tafel festlich gedeckt, fröhliche Menschen, ein gutes Es-sen in mehreren Gängen. Und immer wieder der Blick auf den Satz da vorne: „Saget Dank allezeit und für alles.“ Vielleicht ein Denkanstoß: Dass wir hier zusammen sind, kommt von Gott. Das gute Essen ist sein Geschenk. Meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde und vor allem sie, meine Braut, alles habe ich ihm zu verdanken, ihm, meinem Gott!
Immer wenn ich selbst dabei bin, bei einer Geburtstagsfeier, bei einer Hochzeit oder bei einer Ver-anstaltung unserer Gemeinde dort im Festsaal, immer wenn ich das Bibelwort vorne lese und vor ei-ner gedeckten Festtafel sitze, werde ich daran erinnert: Ist nicht mein ganzes Leben ein Sitzen am gedeckten Tisch? Mein Gott ist es doch, der mir Tag für Tag so viel Gutes serviert.
Und dann fange ich an, zu danken. Manchmal schreibe ich es mir auch auf, für was ich alles danken kann. Und so komme ich vom Danken zum Denken. Mir fällt ein, was ich meinem Gott alles verdan-ke. Und dann wird mein Herz voller Dankbarkeit.
Und das Danken hat ja noch eine ganz andere Perspektive. Ich habe es einmal erlebt, dass eins meiner Kinder mir eine kaputte Puppe auf den Schreibtisch ins Büro legte. Daneben ein Zettel mit dem Hinweis: „Danke, Papa, dass Du mir meine Puppe reparierst.“ Meine Tochter ging selbstver-ständlich davon aus, dass ich ihren Wunsch erfüllen würde. Sie bedankte sich schon im Voraus für etwas, was sie von ihrem Papa erwartete.
Mit dieser Haltung des Vertrauens gegenüber meinem himmlischen Vater möchte ich in den Tag ge-hen. Ich will ihm alles hinlegen, was mich heute erwartet und beten: „Danke, Herr, dass du mir heu-te durchhilfst. Vielen Dank, dass Du da bist und ich mit deiner Hilfe rechnen darf. Danke, dass Du mich bewahrst. Danke, dass du die Antworten auf alle Fragen kennst. Danke, dass Du sogar das wieder ganz machen kannst, was kaputt ist.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=856