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SWR3 Gedanken

Sendetext von Sonntag, 22. November 2009

Autor: Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg, Katholische Kirche


Die 10 Gebote – Nr. 1: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben

Es wäre eine klassische Quizfrage „Wie lautet das erste der 10 Gebote?“
So früh am Sonntagmorgen natürlich gleich die Antwort: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Das erste Gebot ist vor rund 3000 Jahren entstanden: Das Volk Israel sollte sich von anderen Kulturen abgrenzen, von Vielgötterei, mit zwanghaften Unterwerfungsritualen und Opfern, oft Menschenopfern. Und es sollte sich stattdessen auf einen, auf seinen Gott ausrichten. Ein Gott der zu seinem Volk sagte, „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, dem Hause der Knechtschaft geführt hat.“ Also ein Gott, der die Menschen frei sehen möchte. Frei von fremder Knechtschaft oder auch eigenen Versklavungen. Und warum erzähle ich das alles? Weil ich diese steinalten Gebote aus dem kulturgeschichtlichen Museum holen möchte und spürbar machen, welch befreiende Kraft in ihnen steckt. Auf die heutige Zeit gewendet heißt das 1. Gebot: wo ist der Fixpunkt deines Lebens, woran hängt dein Herz? Was sind deine kleinen Götter, deine unbewussten Götzen? Geld, Leistung, Erfolg, Sex, Spaß, Autos, Computer, Waffen oder Sport? Das erste Gebot ist kein Miesmachergebot! All die gerade aufgezählten Dinge sind ja nicht in sich schlecht. Nur, wenn sie Besitz von mir ergreifen, mich versklaven, dann werden sie zu Götzen. Und davor kann mich der Glaube an einen Gott bewahren, der jenseits all dieser menschlich, allzu menschlichen Bedürfnisse ist. Wenn es mir gelingt mich immer wieder auf diesen mir wohlwollenden Gott auszurichten, zu zentrieren, konzentrieren, dann kann mich das vor innerer Zersplitterung bewahren. Dann kann mich das zu meiner Mitte führen und mir so manche Ängste, Zwänge und Belastungen nehmen. Und darum verstehe ich das erste der 10 Gebote auch als ein Angebot an mich, frei zu sein oder frei zu werden.