Woche vom 25.03.2012 bis 31.03.2012 

Von Michael Broch, Leonberg, Katholische Kirche
Musik ist die Sprache der Seele
Sonntag, 25. März 2012
„Als Gott den Menschen schuf, gab er ihm die Musik als Sprache des Himmels und der Herzen" - der libanesische Schriftsteller Khalil Gibran hat dieses wunderschöne Wort gesagt. Und allen, die kein Musikinstrument spielen oder die nicht singen, schreibt er zum Trost: „Bedauerlicherweise muss ich zugeben, dass ich kein Musikinstrument spiele, aber ich liebe die Musik wie das Leben."Aber wem sage ich das! - Sie hören bereits den 3. Tag die Superwunschmelodie in SWR 4. Und dabei wünsche ich Ihnen weiterhin viel Freude und gute Unterhaltung.Manchmal schließe ich die Augen, um ganz entspannt und ungestört nur noch Musik zu hören - sonst nichts. Und dann spüre ich, wie mich die Musik umfängt, durchdringt und wie sie plötzlich tief in meinem Innern klingt. Und dann kommen ganz eigene Gefühle in mir auf - wie diese: Ich weiß nicht, was der Vogel auf dem Zweig singt; auch nicht, was der Bach murmelt, wenn er über die Kiesel plätschert. Ich weiß nicht, was die Wellen mitteilen, wenn sie an die Küste rauschen; auch nicht, was der Regen erzählt, wenn er an die Fensterscheiben klopft. Aber ich fühle, dass mein Herz den Inhalt all dieser Stimmen versteht. Sie spielen auf den Saiten meiner Gefühle. Klingt die Musik traurig, erinnert sie mich an leidvolle Stunden; dann schmerzen alte Wunden, die mir das Leben geschlagen hat. Klingt die Musik heiter, beschwören sie schöne Zeiten herauf; dann malt sie ein Lächeln auf meine Lippen und erinnert mich an Stunden des Glücks. Ich vermute, solche Gefühle haben irgendwie fast alle Menschen. Die Musik ist die Sprache des Herzens und der Seele und damit grenzenlos und frei - wie die Gedanken. Die Musik begleitet uns durch die verschiedenen Stationen des Lebens: sie teilt Leid und Freud mit uns. Sie nimmt Anteil an unserem Glück und Unglück. Sie begleitet unsere Feste und ist ein guter Freund in schweren Zeiten. So ist die Musik die gemeinsame Sprache aller Menschen, die gemeinsame Sprache aller Völker, Kulturen und Religionen. Und alle Völker und Religionen verherrlichen Gott seit jeher mit Hymnen und Lobgesängen. So heißt es in Psalm 150 im Alten Testament: „ Lobt Gott mit dem Schall der Hörner,lobt ihn mit Harfe und Zither!Lobt ihn mit Pauken und Tanzlobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! Lobt ihn mit hellen Zimbeln,lobt ihn mit klingenden Zimbeln!Alles, was atmet, lobe den Herrn!"
Nach einer Idee von Khalil Gibran. In: Sämtliche Werke in 5 Bänden,
Band 1, Patmos-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011,
S. 9-26

Von Dr. Thomas Weißer, Mainz, Katholische Kirche
Himmel
Sonntag, 25. März 2012
Schlagermarathon in SWR 4 Rheinland-Pfalz
Teil 1. Was ist der Himmel?
Den Himmel gibt's in vielen Schlagern. Helene Fischer singt: „Hab den Himmel berührt." Andrea Berg: „Ich hab dir nie den Himmel versprochen, weil es ihn auf Erden nirgends gibt." Oder Mara Kayser: „Wenn der Himmel sich teilt, ... ja dann lass ich mich auch wieder ein, auf ein Leben mit dir."
Was aber ist dieser Himmel? Die Luft über mir? Der Himmel auf Erden? Der Ort, wo Menschen nach ihrem Tod hingehen? Gar nicht so einfach. Zumal es im Deutschen nur den Begriff »Himmel« gibt. Im Englischen hat man es da leichter. Da gibt es die Wörter »sky« und »heaven«. »sky« ist das, was ich sehe. Das Firmament, das Blau der Luft, der Raum über mir. »heaven« dagegen ist nicht zu sehen. Es ist kein Raum, kein Ort. Ist nicht zu fassen. Es ist der religiöse Himmel. Dieser Himmel ist der Inbegriff der Hoffnung, dass Menschen ganz bei Gott sind.
Was aber heißt: Ganz bei Gott sein? Das umfasst zum einen die Nähe zu Gott. Ich stelle mir vor: Hier gibt es keine Fragen, keine Zweifel, nur Nähe. Das heißt zum anderen auch, dass ich ganz nah bei mir sein kann. Himmel, da werden meine Sehnsüchte erfüllt, da werde ich als Mensch ganz, da bin ich ganz ich selbst, bin Mensch. Komme mir so nah, wie es nur geht.
Das Gegenteil kenne ich nur zu gut. Dass ich nicht ganz bei mir bin. Dass ich über mich selbst im Unklaren bin. Dass ich nicht so genau weiß, wer ich eigentlich bin. Im Himmel ist auch das keine Frage mehr. Der Himmel: Ein Inbegriff für Sehnsucht, die Sehnsucht, ganz zu sein. Kein Wunder, dass viele Schlager vom Himmel singen. Dass sie diese Sehnsucht nach Nähe, nach dem Ich-selbst-sein in Worte bringen. Aber in den meisten Himmels-Schlagern ist von Gott wenig die Rede. Himmel und Liebe - das gehört hier zusammen. Ist ja klar. Denn: Wo erfahre ich, ganz bei mir zu sein? Wo erfahre ich einen Vorgeschmack auf diesen Himmel? In der Liebe. Wenn ich jemanden liebe, dann nehme ich ihn so, wie er ist. Und wenn ich geliebt werde, dann darf ich sein, wie ich bin. Wenn ich das erlebe, dann ist das einfach himmlisch, dann ist das ein Vorgeschmack vom Himmel.
Teil 2. Himmel hier und jetzt
„Ich bin im siebten Himmel," das sagt jemand, der ziemlich glücklich und oft genug auch ziemlich verliebt ist. Glücklich sein, verliebt sein, das ist ja auch einfach himmlisch. Die Liebe und der Himmel, das gehört einfach zusammen. Deshalb kann der Schlagerstar Semino Rossi singen: „Das Tor zum Himmel ist die Liebe."
Das klingt in der Bibel ganz ähnlich. Allerdings geht es beim Himmel nicht nur um die Liebe zwischen Menschen. Sondern auch um die Liebe Gottes zu den Menschen. Jesus erzählt immer wieder davon. Erzählt von seinem himmlischen Vater, der sich voll Liebe den Menschen zuwendet. Das klingt abstrakt. Aber Jesus beschreibt diesen Himmel in ganz starken Bildern. Der Himmel, Jesus sagt auch: das Reich Gottes, das ist wie ein Festmahl. Alle feiern miteinander, lachen, erzählen, erleben Gemeinschaft. Essen natürlich. Ohne Ende. Und Wein. Und Musik. Oder wie ein Hochzeit. Mit strahlenden Gästen und Blumen, mit tiefen Blicken in die Augen. Und viel Liebe. Oder wie das Paradies. So, wie es die Bibel am Anfang erzählt. Das leben Menschen miteinander, ohne sich weh zu tun. Sind füreinander da, kümmern sich umeinander. Sie teilen miteinander. Das ist die Vision einer ganz und gar gerechten Welt. Da ist einfach alles in Ordnung. Auch Tiere und Pflanzen dürfen wachsen und leben. Die Natur blüht und gedeiht. Ein harmonisches Miteinander von Mensch und Welt. Auch mit Gott. Das ist gar nicht so weit weg, von dem Himmel, den Semino Rossi besingt. „Das Tor zum Himmel ist die Liebe, das Tor wir öffnen jeden Tag. Ich fühl im Herzen tiefen Frieden, mein Glück das bist nur Du." So schön, das kann man sicher kitschig finden. Aber hinter dem Himmel steckt doch eine tiefe Sehnsucht. Die Sehnsucht, dass wirklich einmal im Leben diese Seligkeit aufscheint. Dass alles ok ist. Und gut. Was mich berührt: Dieser Himmel ist wirklich nicht nur in ferner Zukunft. Jesus macht immer wieder deutlich: Dieser Himmel wird, jeden Tag ein Stück mehr. Mit jedem Menschen, der zu sich findet. Mit jeder Geste der Liebe. Mit jedem Blick voll Sorge um den Anderen. Überall da, wo Menschen ehrlich sind zu sich selbst - und wo sie sich für andere einsetzen, da fängt der Himmel an



